Schneeberg Fadensteig

Da anscheinend schon jeder außer mir über den Fadensteig zum Schneeberggipfel aufgestiegen ist, beschließen Martin und ich genau das zu tun. Schon Tage vorher bin ich freudig aufgeregt. Martin ist den Fadensteig schon oft gegangen.

Fahrt nach Losenheim

Die Eisheiligen verschieben für uns ihren Wetterumsturz und so sitzen wir am frühen Morgen im Zug nach Ternitz. Dort steigen wir in den Bus um (alles problemlos, allerdings immer noch mit Maske und Abstand und Online-Ticket).

Der Bus fährt durch das wildromantische Tal des Sierningbaches über Puchberg nach Losenheim (Station Puchberg am Schneeberg-Losenheim). Man steig bei der Talstation des Sesselliftes, der nicht in Betrieb ist, aus. Das heißt, der Anstieg beginnt gleich hier, nur durch pure Muskelkraft.

Blick Richtung Puchberg
Foto: Martin Heppner

Aufstieg zur Edelweisshütte

Wir wandern zuerst zur Edelweisshütte, durch einen lichten Wald und über schöne Almwiesen. Nicht auf der längeren (=langweiligen) Straße, sondern über den Wanderweg, der gleich am Anfang von der Straße abzweigt und zwischen Almreserlhaus und Edelweißhütte auf den Fadensattel führt. Ich lasse mir von Martin erzählen, dass sich hier im Winter ein nettes kleines Familien-Skigebiet befindet.

Vor der Edelweißhütte hält man sich rechts und wählt beim Schilderbaum den Weg Richtung Fischerhütte. Aber nicht ohne sich nochmal umzudrehen und zu erkennen, dass schon ein paar Höhenmeter erledigt sind und den schönen Blick ins Tal und die Umgebung zu würdigen. Das Schild für den Fadensteig fehlt in der Auswahl, aber der Weg ist ohnehin klar.

Edelweisshütte vor dem Schneeberg
Foto: Martin Heppner

Fadensteig

Nachdem ich das Schild „Nur für Geübte“ gelesen habe, macht sich in meinem Bauch aufgeregtes Kribbeln bemerkbar. Ein bisschen Adrenalin bringt mein Körper schon mal in Umlauf.

Der Steig beginnt zahm, aber steil im Wald bis hinauf zu den Fadenwänden. Die werden wir überwinden. Felsiges Terrain, steil, aber nicht böse. Hie und da bin ich froh, gut im Training zu sein, denn es gilt hoch zu steigen und manchmal die Hände zu Hilfe zu nehmen.

Nach diesem ersten Felsaufschwung queren wir eine Geröllhalde, Fadendreieck genannt. Die Tiefblicke sind sehr anregend. Mir wird nicht schwindlig! Super! Martin kündigt eine haarige Stelle (weil er nicht weiß ob noch Schnee in der Querung liegt) an und mein Adrenalinspiegel steigt ein bisschen mehr an. Am Ende der Geröllhalde führt eine Seilversicherung zu den nächsten Felsen. Diesmal ohne Schnee.

Die steigen wir aber einfach hoch, ohne viel Worte zu machen. Wieder ist Oberschenkelkraft gefragt, die haben wir und die schönen Tiefblicke genießen wir. Eine Bergläuferin, die uns entgegenkommt, berichtet, dass es oben am Gipfel-Plateau ordentlich bläst. Zach sei es, sagt sie. Also ziehen wir uns beim Ausstieg des Steiges winddichte Klamotten an und werfen uns in die Schlacht. Martin erwähnt, dass jetzt der fade Teil des Fadensteigs kommt. Es geht leicht bergauf in Richtung Schneeberg Gipfel.

Pause auf der Fischerhütte

Ich habe aber keine Zeit darüber nachzudenken, ob diese Meinung über den letzten Teil des Steiges korrekt ist. Ich bin damit beschäftigt, gegen den Wind anzukämpfen, der es mir nicht leicht macht, vorwärts zu kommen. Windschatten gibt es leider keinen, weil der Wind ständig dreht. Also marschiere ich voraus, Richtung Fischerhütte.

Jemand hat vergessen, den Winterraum abzusperren. Wir schlüpfen hinein und machen es uns gemütlich.

Jause auspacken, mampfen, Füße ausdampfen. Leider spüren wir recht schnell die Kälte, die die Mauern ausstrahlen. Uns fröstelt ein wenig. Es gibt wohl eine Heizung im Raum aber keiner von uns beiden hat einen Euro dabei, um sie in Gang zu bringen. Wir machen uns wieder winddicht und überlassen den Winterraum den nächsten eintreffenden Bergfreunden.

Klosterwappen (2.076m)

Ein paar Höhenmeter überwinden wir noch zum höchsten Punkt Niederösterreichs, dem Klosterwappen. Pünktlich zum Beginn der Schneeberg-Wettershow treffen wir dort ein. Regen, Sturm, Nebelschwaden, die just in dem Moment über den Gipfel hinweg fegen, als Martin mit mir sein Wissen über die umliegenden Gipfel teilen will, und sie versperren uns damit die Sicht. Verstanden. Abstieg.

Am Fadenweg

Wir gehen in nordwestlicher Richtung fast gerade hinunter Richtung Kienthalerhütte über Wiesen und durch Latschen. Rechts von uns sieht man den Wurzengraben und darüber den felsigen Kamm des Schauersteins, über den man auch hinunter gehen könnte. Zwei Burschen, die über die Weichtalklamm aufgestiegen sind, kommen uns entgegen. Wir plaudern ein wenig über die sportlichen Vorteile von Kurzarbeit während der Covid-Zeit und Martin präsentiert stolz sein Bahn-zum-Berg Leiberl, das er Outdoor immer trägt. Ich halte mich lieber zurück, ich hab ja auch eins an, aber mir ist noch immer nicht sehr warm, obwohl die Wolken endlich aufreißen.

Ein Schneefeld – ich werde dazu angehalten, hinunter zu rennen/rutschen und es macht tatsächlich Spaß :-)

Der Turmstein neben der Kienthalerhütte wird sichtbar. Dorthin wollen wir aber nicht, wir biegen nach rechts ab Richtung Heinrich-Krempl-Hütte (Bergrettungshütte) und tauchen in einen urigen Wald mit vielen alten, wundersam knorrigen Bäumen ein. Auf einer Lichtung zeigen sich ein paar gar nicht schüchterne Gemsen und lassen sich bereitwillig fotografieren. Später unterbricht eine Wiese, auf der wir den sogenannten Fleischergedenkstein entdecken, den Wald.

Der wunderschöne Fadenweg, der nun flach dahingeht, mündet in eine Schotterstraße, bis wir bei einem Wegweiser wieder in den Wald abbiegen.

Abzweigung vom Fadenweg Richtung Edelweisshütte
Foto: Martin Heppner

Die Busfrage

Wieder bei der Edelweißhütte angekommen sagt ein Blick auf die Uhr, dass wir entweder rennen müssen, um den nächsten Bus (um 16:18), diesmal nach Puchberg, zu erwischen, oder uns 45 Minuten in die mittlerweile sehr wärmende Sonne legen um zum nächsten (um 17:18) zu gehen. Die Entscheidung ist uns nicht schwer gefallen.

Mit Masken an der Bushaltestelle
Foto: Martin Heppner

Rückfahrt nach Wien

Rechtzeitig kommen wir zur Busstation und lassen uns um 17:18 nach Puchberg kutschieren, wo schon die Puchberger Bahn auf uns wartet. Wir steigen in Wr. Neustadt um. Netterweise fährt der Zug nach Wien Floridsdorf vom gleichen Bahnsteig weg, also trennen uns keine kräfteraubenden Stiegenauf- und Abgänge von der weiteren Heimfahrt. Darüber sind meine quietschenden Knie recht froh.

Fazit Fadensteig

Jederzeit wieder. Eine sehr gelungene, abwechslungsreiche Wanderung mit etwas Nervenkitzel. Trittsicherheit, Ausdauer und keine Angst vor Tiefblicken machen die Sache sicher noch schöner. Wenn‘ s nass ist, würde ich nicht gerne dort gehen wollen und auch nicht in den Wochenende-Karawanen.

Wer sich als Fadensteig Fan outen möchte: Hier gibt es das richtige T-Shirt für diese Runde!
Inklusive Bus Ankunfts- und Abfahrtszeiten :-)

Tourdaten

2 Kommentare

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

BzB ist im offline Modus.