Stille Überschreitung des Faistenauer Schafbergs

Titelbild Faistenauer Schafberg. Foto: Karl Plohovich

Zu Recht ist der Faistenauer Schafberg viel besucht. Dennoch lässt er sich auch auf stillen Wegen überschreiten. Die Route ist nie gefährlich/ausgesetzt. Immer wieder gilt es, Einstiege in Wegabschnitte zu finden. Diese Einstiege werden möglichst genau beschrieben. (Wege wurden/werden aus bestimmten Interessen gebahnt: z.B.: Zufahrt zu einer Alm; Holzbringung; mein Interesse ist eine schöne Überschreitung für Wanderer. Daher muss ich verschiedene Etappen miteinander verbinden…) Wer stille, unmarkierte Wege, Almen und Waldwiesen nebst prächtiger Aussicht auf Berge und Seen schätzt, wird für seine Mühen (und das mehrfach nötige Übersteigen von [Stacheldraht]Zäunen) reich belohnt werden.

In Hof steigen die Schulkinder aus, der Bus 155, der um 6:27 Uhr vom Salzburger Hbf abfährt, leert sich. Im Faistenau setzte ich mich zum Fahrer vor und plaudere ein wenig mit ihm. „Das ist die Station Schönau“ – sagt er, bleibt auf der einspurigen Straße stehen und lässt mich aussteigen.

Von Schönau auf den Faistenauer Schafberg

Der erste Einstieg ist schnell gefunden: Gelbes Schild: Alter Döllerersteig. (Wenn die Station „Schönau“ nicht angefahren wird, steigt man beim „Kindergarten“ aus und ist – allerdings über Asphalt – in wenigen Minuten beim Einstieg.)

Einstieg. Foto: Karl Plohovich
Einstieg. Foto: Karl Plohovich

Durch Wald ziehen die Traktorspuren bergan, dann erreichen sie eine große Wiese. Durch hohes Gras stapfe ich zum Gehöft Döller. Hier gilt es, Einstieg Nr. 2 zu finden: Am besten, man geht nicht in die Häusergruppe hinein, sondern quert unterhalb des Stalles (zwei Stahl-Gatter) nach links zum Wiesenweg (=Traktorspur), die an einem Kreuz (mit vielen Sterbebildchen) vorbei in den Wald leiten.

Döller. Foto: Karl Plohovich
Döller. Foto: Karl Plohovich

Man stößt auf einen Forstweg, den man nach links ein paar Meter abwärts folgt. Aufmerksam nimmt man rechts den Wald in den Blick und findet – jenseits des kleinen Schlages, im Hochwald (Einstieg Nr. 3) einen schönen Steig, der in der ÖK punktiert eingezeichnet ist.

Der Einstieg in den Steig. Foto: Karl Plohovich
Der Einstieg in den Steig. Foto: Karl Plohovich

Bald erreicht man eine Alm. Da der Wiesenweg (von viel zu schweren Kühen?) und dem Gewitter des Vortags sumpfig ist, entscheide ich, diesseits des Zaunes für circa 30 Höhenmeter – weglos – im gut gangbaren Hochwald zu bleiben. An geeigneter Stelle steige ich über den Zaun. Die nächste Etappe führt über eine weite Kuhweide.

Blick zum Fuschlsee mit Schober. Foto: Karl Plohovich
Blick zum Fuschlsee mit Schober. Foto: Karl Plohovich

Steiglein und absichtsvoll liegende Steine weisen den Weg zu einem Hochstand am Waldrand: ein Hochstand verfügt oft über einen Zugang von einem Forstweg her…

Hochstand. Foto: Karl Plohovich
Hochstand. Foto: Karl Plohovich

So ist es auch! Nun ist also die Straße erreicht, die nur mehr zu queren ist: Der Einstieg Nr. 4 zum Pfad, der über den immer wieder von Wiesen und Lichtungen durchsetzten, prächtigen Nordrücken zum Gipfel des Faistenauer Schafberg leitet, eine besonders schöne Etappe, ist gefunden. (Diesen Tipp – auf keiner Landkarte zu finden, verdanke ich: Faistenauer Schafberg Überschreitung+Rannberg • Bergtour » outdooractive.com)

Nordrücken. Foto: Karl Plohovich
Nordrücken. Foto: Karl Plohovich
Dachstein – noch maximal 10 Minuten bis zum Gipfel. Foto: Karl Plohovich
Dachstein – noch maximal 10 Minuten bis zum Gipfel. Foto: Karl Plohovich

Am Gipfel haben die Ameisen gerade beschlossen, auszuschwärmen. Mir bleibt nur noch die Flucht!

Flucht... Foto: Karl Plohovich
Flucht… Foto: Karl Plohovich

Zur Loibersbacher Höhe und weiter zur Laner Alm

Auf der folgenden Etappe Schafberg – Loibersbacher Höhe wird von Stille oder Einsamkeit wenig zu spüren sein, die Almwirtschaft ist auch heute bereits gut besucht.

Blick zur Loibersbacher Höhe. Foto: Karl Plohovich
Blick zur Loibersbacher Höhe. Foto: Karl Plohovich

Man überblickt ein Stück des weiteren Weges. Wer den zweiten Gipfel auslassen will, kann vom Sattel auch direkt zur Laner Alm absteigen (punktiert angedeutet).

Loibersbacher Höhe - Laner Alm. Foto: Karl Plohovich
Loibersbacher Höhe – Laner Alm. Foto: Karl Plohovich

Von der Loibersbacher Höhe folgt man dem Grat, am besten rechts des Zaunes. Zäune werden jedes Jahr nach dem Winter in Stand gesetzt und im Herbst wieder „still gelegt“– schon darum darf man Steigspuren erwarten. Diese Erwartung wird nicht enttäuscht. Ein kleines Stück durch Wald zu einer beeindruckenden, mehrhundertjährigen Baum-Ehe, und auf die Almwiese.

Baum-Ehe Fichte-Buche. Foto: Karl Plohovich
Baum-Ehe Fichte-Buche. Foto: Karl Plohovich

Ich suche mir einen Platz im Schatten der Fichten, lege mich auf meinen Biwaksack, schließe die Augen, höre den Vögeln zu, die die Mittagspause zum Singen nützen, lausche den Insekten, die in unterschiedlicher Geschwindigkeit und Entfernung an meinen Ohren vorbeiflitzen, schlafe ein…

Wird ein akzeptabler Abstieg nach Hintersee, ohne allzu viel Gestrüpp und allzu viele Forststraßen-Passagen, zu finden sein?

Die erdige Almstraße leitet zu einer gemütlichen, großen Almhütte („Laner Alm“ ist zu lesen; Quell-Trog).

Laner Alm mit Schafberg. Foto: Karl Plohovich
Laner Alm mit Schafberg. Foto: Karl Plohovich

Abstieg nach Hintersee

Ich umrunde die Hütte, wandere den flachen Wiesenrücken hinunter, und erreiche (Einstieg Nr. 5) den auf der ÖK eingezeichneten Zugweg, dem ich, einen kleine Bachlauf querend, über Waldstücke und große Wiesen/Weiden folgen kann. Schließlich stoße ich auf eine unübersehbare, breite Schotterstraße. Vielleicht ist es ganz angenehm, auch einmal zwei Kilometer ganz unbeschwert durch Wald und Wiesen schlendern zu können…

Doch sobald man das ebene Gelände nahe des Schöberlbodens erreicht, ist es mit dem Schlendern wieder vorbei. Es gilt, den alten Zugweg zu finden, der laut ÖK im Leitengraben verläuft: Man folgt der Straße, bis rechts ein Steiglein abgeht; die tief eingegrabenen, sumpfigen Traktorspuren hat man nun zur rechten. Dieses Steiglein wurde als Zustieg zu einem Ansitz, den man sogleich erreicht, schön „ausgekehrt“… Da drüben, ist das nicht ein deutlicher, breiter Weg in Fortsetzung der sumpfigen Spuren? – Der Einstieg Nr. 6 ist gefunden, der alte Zugweg freut sich über eine neue Aufgabe!

Alter Zugweg. Foto: Karl Plohovich
Alter Zugweg. Foto: Karl Plohovich

Allerdings: Ausgetreten ist anders – aber ich wollte ja eine stille Überschreitung finden. Durch Hochwald und einen Schlag geht es über einen Wasserlauf in den Leitengraben. Schließlich quert der Weg die markierte Forststraße. Ab hier lässt er nichts mehr zu wünschen übrig! Wie staune ich über den Brückenkopf, den frühere Generationen für das Bauwerk, das den Leitengrabenbach bändigen sollte, gestaltet haben!

Brückenkopf. Foto: Karl Plohovich
Brückenkopf. Foto: Karl Plohovich
Leitengraben. Foto: Karl Plohovich
Leitengraben. Foto: Karl Plohovich

Kleine Wasserfälle und Gumpen – der Graben ist stellenweise eine Klamm, eine Schlucht – begleiten mit ihren Melodien den Vogelgesang.

Schon tauchen Holzstöße und Häuser auf; die Brücke über die Taugl – und die Station „Hintersee Schmiede“ ist erreicht. Im gemütlichen Kleinbus sitzen schon andere Wanderer…

Bus 157, dahinter der Feichtenstein. Foto: Karl Plohovich
Bus 157, dahinter der Feichtenstein. Foto: Karl Plohovich

Die vielen Wiesen- und Almflecken geben dieser Überschreitung ein mildes Gepräge. Besonders nach Regenfällen wird es – wie oftmals in der Osterhorngruppe – einige morastige Passagen geben, denen es kleinräumig auszuweichen gilt. Wenn die „Einstiege“ gefunden sind, werden gerade die stillen, unmarkierten Etappen den Erlebniswert dieser Tour erhöhen.

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   9:30 Std Wandern   1.000 HM   1.000 HM   13 km   GPX Track
  • bis zur Schafberg 2 ¾  Stunden
  • bis zur Loibersbacher Höhe circa 3,5 Stunden
  • Abstieg 2 Stunden
  • zuzüglich Rastzeiten

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