Über den Göttinger Weg zur Mindener Hütte

Die hochalpine Tour führt von der Bergstation der Ankogelbahn übers Hannoverhaus und den Kleinen Tauernsee zur Mindener Hütte, von dort über den Mindener Jubiläumsweg zur Stockerhütte ins Tauerntal und zurück nach Mallnitz zum Bahnhof.

Der Titel dieser Geschichte klingt irgendwie nach Deutschland, wir befinden uns aber im Nationalpark Hohe Tauern. An der Grenze zwischen Salzburg und Kärnten. Der Talort Mallnitz gehört zu den Alpine Pearls und den Bergsteigerdörfern. Bergsportler aus dem Norden Deutschlands entdeckten die Schönheit der Gegend schon sehr früh. Und als kurz nach der Jahrundertwende unter Kaiser Franz Joseph der Bau der Tauernbahnstrecke begann, erschlossen DAV und ÖAV die Mallnitzer Berge um den Bahnreisenden touristische Infrastruktur zu bieten. Sie erbauten bereits 1909 als erste Hütte das Hannoverhaus.

Das Hannoverhaus unterhalb der Ankogelbahn Bergstation. Foto Veronika Schöll
Das Hannoverhaus unterhalb der Ankogelbahn Bergstation. Foto Veronika Schöll

Meine Schwester und ich sind ein paar Tage in Mallnitz, Basislager ist ein angenehmes Apartment im Haus Hohenberger, ruhíg und kuschelig gelegen. Der Startpunkt der Tour kann aber von Salzburg und Klagenfurt mit dem Railjet und dann vom Bahnhof in Mallnitz mit dem Linienbus erreicht werden.

Ankogelbahn

Durchs Seebachtal bringt uns der Bus zur Talstation der Ankogelbahn. Man könnte vom Bahnhof auch zu Fuß dahin gehen. Wir nehmen die erste Gondel um 08:30 hinauf zur Bergstation direkt am Elschesattel auf 2650 m. Wer mehr Höhenmeter mag, kann auch von der Mittelstation losgehen. Dauerbetrieb bis Mitte September.

Bergstation Ankogelbahn. Foto Veronika Schöll
Bergstation Ankogelbahn. Foto Veronika Schöll

Von der Bergstation der Ankogelbahn könnte man den Ankogel erobern – Hochtour! Geführte Touren auf den vergletscherten Dreitausender kann man im Mallnitzer Tourismusbüro buchen, sie finden im Sommer wöchentlich statt – oder ins Seebachtal hinab zur Schwussnerhütte (beste hausgemachte Kärntner Kasnudeln! Und Original-Frigge! Und Zirbenschnaps…) steigen.

Wir möchten zur Mindener Hütte weiterwandern. Der Weg führt zuerst abwärts, oberhalb des Hannoverhauses vorbei, durch den Kessel unterhalb des Alpenhauptkamms. (Titelbild) Die Aussicht bleibt – umgeben von zahlreichen Dreitausendern (Ankogel, Hochalm, Säuleck, Maresenspitze, Geiselspitze, Großelendspitze) auf der ganzen Tour spektakulär.

Luggetörl und Kleiner Tauernsee

In leichtem Auf und Ab wandern wir zum Luggetörl. Einige einfache, versicherte Kletterstellen (nicht ausgesetzt) sind zu überwinden. Vom Luggetörl ein Stück aufwärts zum Kleinen Tauernsee. Bis hierher ist der Weg relativ leicht und gut zu gehen. Wer schon genug hat, kann die „Korntauernrunde“ fertig machen (etwa 13km und 500 hm) und zur Mittelstation und im Anschluss zur Bergstation der Ankogelbahn zurückkehren.

Am Luggetörl. Foto Veronika Schöll
Am Luggetörl. Foto Veronika Schöll

Der hübsche See ist bald erreicht, er liegt in einem Kessel direkt unter dem Korntauern. Wir sehen uns den weiteren Wegverlauf nach Südwesten an. Direkt unter einem Altschneefeld quert der Steig über riesige, steile Geröllhalden unterhalb der Gamskarlspitze. Nun denn. Nach einer kurzen Pause am See gehen wir weiter.

Kleiner Tauernsee, direkt unterm Korntauern. Foto Veronika Schöll
Kleiner Tauernsee, direkt unterm Korntauern. Foto Veronika Schöll

Mindener Hütte

Beim Näherkommen entpuppt sich das vermeintliche Geröll als steile Blockhalde. Die Kraxelei ist zwar ungefährlich und nur stellenweise ein bisschen haarig, aber sehr kräfteraubend. Obwohl wir keine Höhenmeter machen, kommen wir nach dreieinhalb Stunden Gehzeit ab der Bergstation der Ankogelbahn ziemlich müde bei der Mindener Hütte an.

Blockkraxelei, im Hintergrund Luggetörl und Ankogel. Foto Elisabeth Petfalski
Blockkraxelei, im Hintergrund Luggetörl und Ankogel. Foto Elisabeth Petfalski

Die Mindener Hütte (2434m) ist eine Selbstversorger-Hütte. Ein Kleinod in den Hohen Tauern. Hier zu übernachten kommt sofort auf meine Liste. Es ist einfach alles da, von der gefassten Quelle vor der Hütte und dem WC- Häuschen neben der Hütte bis zur überkompletten, gepflegten Inneneinrichtung. Am Hausbankerl genießt man einen unglaublich schönen Ausblick in die umgebende Bergwelt. Für eine Übernachtung bitte beim Hüttenwart reservieren.

Eigentlich wollten wir ja zur Hagener Hütte weiter, das wären aber weitere vier Stunden rund um den Rameter Spitz (auch Romatenspitze genannt). Inklusive dem Abstieg nach Mallnitz ist uns das dann doch zu weit. Und blöderweise liegt der Übernachtungs-Schlafsack unten im Tal im Quartier. (Nach der Übernachtung auf der Hagener Hütte ist ein Abstieg nach Sportgastein, Böckstein und Mallnitz oder Weiterwandern zur Duisburger Hütte möglich.

Mindener Hütte. Foto Veronika Schöll
Mindener Hütte. Foto Veronika Schöll
Blick zur Hochalmspitze und zum Maresenspitze. Foto Veronika Schöll
Blick zur Hochalmspitze und zum Maresenspitze. Foto Veronika Schöll

Ins Tal kommt man von der Mindener Hütte entweder über die Liesgelespitze und die ihr vorgelagerte Hindenburghöhe oder über den Mindener Jubiläumsweg. Den nehmen wir. Der Pfad über die Liesgelespitze sieht von uns aus gesehen ausgesetzt und bröselig aus. Außerdem hat unser Gastgeber Florian vom schönen Abstiegsweg Nr. 137 neben dem Woisgenbach geschwärmt.

Weg 137. Foto Veronika Schöll
Weg 137. Foto Veronika Schöll

Wir halten uns also an den Wegweiser „Mindener Jubiläumsweg“ obwohl wir gar keine Lust haben, abzusteigen. Zu schön ist es hier oben.

Mindener Jubiläumsweg

Kurz vor der Einsattelung zwischen Liesgelespitz und Rameter Spitze dreht unser Weg Richtung Rameterwände und führt dann steil entlang des Woisgenbaches durch blühende Almwiesen nach unten. Eine Zeitlang bleibt der Weg ein Genuss, später im Wald wird es etwas anstrengend, insgesamt sind das mehr als 1600 Höhenmeter nach unten. Wir versprechen uns, demnächst doch Stöcke zu verwenden, zumindest für Touren im hochalpinen Gelände und für lange, steile Abstiege.

Neben dem Woisgenbach geht es abwärts. Foto Veronika Schöll
Neben dem Woisgenbach geht es abwärts. Foto Veronika Schöll

Durstig und müde kommen wir bei der Stockerhütte an. Eine gute salzige Suppe, Zitronenradler und die freundliche Begrüßung des gastfreundlichen Wirts stärken uns für den Rückweg nach Mallnitz. Wir wollen nicht auf den Bus um halb sechs warten und gehen einfach über den Talwanderweg nach Mallnitz. Und freuen uns auf den weltbesten Aperol Spritz am Mallnitzer Hauptplatz 🙂

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   7:00 Std Wandern   300 HM   1.700 HM   18 km   GPX Track