Der niederösterreichische Bahnwanderweg

Vom Bahnhof Semmering zum Bahnhof Payerbach Reichenau.

Das Wetter schwankt zwischen Winter und Frühling und ich habe das Gefühl, dass mir langes Gehen heute gut tun würde. Der Niederösterreichische Bahnwanderweg ist bestens geeignet für diese Vorgaben: nicht sonderlich anstrengend aber recht lang.

Im Buch „Mit Bahn und Bus in die Wiener Hausberge“ von Peter Backé finde ich eine perfekte Beschreibung. Ich ruf meine Mama an, weil ich weiß, dass sie den Bahnwanderweg schon lange gehen will.

Falls es zu weit ist kann man ja unterwegs abbrechen und in den nächsten Zug einsteigen. Das ist praktisch. Ich weiß aber schon jetzt, dass meine Mama nicht abbrechen wird.

Anreise

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Die erste Etappe vom Semmering nach Breitenstein

Der Bahnwanderweg geht direkt am Bahnhof los. Auf dieser ersten Etappe wandert man fast immer entlang oder in der Nähe der Schienen. Für Bahn Enthusiasten ist dieser erste Teil ein Muss. Der Weg ist sehr abwechslungsreich, mit vielen Info Stationen ausgestattet. Viel zu lesen, zu hören, zu entdecken und zu fotografieren. Es gibt sogar Extra Fotopoints, damit man die besten Motive gar nicht erst suchen muss.

Man kann ganz schön viel Zeit hier vertrödeln.

Das machen wir auch. Denn als Labestation haben wir uns den Blunzenwirt in Breitenstein ausgesucht. Das sind nur cica 10 Kilometer bis dort hin. Wir wollen aber erst um 13.00 dort sein.

Aber der Reihe nach: Wir gehen den Schulweg durch den Wald entlang und kommen an vielen schönen Villen und Häusern vorbei, auch am alten Kurhotel, das jüngst von einem Grazer Hotelier erworben wurde – hoffentlich gelingt eine Wiederbelebung.

Wir kommen zur Doppelreiterwarte und klettern hinauf um die schöne Aussicht zu genießen. Vor uns liegt die Semmering Bahnstrecke und erinnert mich an meine Märklin Eisenbahn. Ich hatte als Kind aus Styropor, Farbe, Flechten, Steinchen und Miniaturhäusern, Tunneln, Figuren und Tieren einen Gebirgszug nachgebaut, und genauso einen Mikrokosmos kann man von der Warte aus sehen.

Doppelreiterwarte
Foto: Veronika Schöll

Der Weg ändert recht oft die Richtung und wir sind verwirrt… deshalb besuchen wir die Warte ein zweites Mal und passen danach besser auf, ein drittes Mal muss nicht sein.

Es schneit ein bisschen und als wir zum berühmten 20 Schilling Blick kommen, begegnen wir zum ersten Mal ein paar Spaziergängern.

Am Weg zum nächsten Höhepunkt kommen wir an der in den 60ern stillgelegten Dampfwäscherei des Südbahnhotels vorbei. Daneben steht auch ein großes Wohnhaus für die Bediensteten. Diese Wäscherei hat natürlich auch andere Hotels bedient und zeugt von der goldenen Zeit am Semmering.

Und jetzt zum wirklich beeindruckenden Viadukt über den Adlitzgraben: Die Kalte Rinne.

Hier ist Martin mit seinem Sohn im Herbst mit den Rädern drunter durchgefahren.

Am schönsten werden Fotos, wenn ein Zug über den Viadukt fährt (Titelbild), darauf braucht man nicht lange zu warten, der Zugsverkehr ist rege. Wir gehen dann hinunter in den Graben. Erstaunlich ist dieses Bauwerk. Wurde es doch ohne Vorwissen und entsprechende Erfahrung gebaut, weil es sowas vorher noch nirgends gab. Ein eingerichtetes Holzhüttchen erzählt über das entbehrungsreiche Leben der Bauarbeiter.

Nach dem Viadukt gehen wir in den Wald hinauf, betrachten Schutthalden vom Bahnbau und den Kaltenbach Viadukt, der kürzlich saniert wurde. Da ist das einzige steile Stückchen am Weg.

Der Hunger treibt uns an und wir erreichen Breitenbach. Ich denke an Alma Mahler, die hier eine wunderschöne Villa bewohnte und viel Zeit verbrachte. Leider weiß ich nicht, welches der prachtvollen Häuser die Villa Mahler ist.

Wir kehren beim Blunzenwirt ein, der Name ist hier Programm. Als die ersten Speisen am Nachbartisch aufgetragen werden, wird uns klar, dass nun ein hartes Stück Arbeit vor uns liegt. Aber es ist so köstlich, wir essen alles auf. Kurz überlegen wir, unseren Verdauungsschlaf in den Zug zu verlegen, doch die Wolken haben aufgerissen und die Sonne lacht uns entgegen, als wir das Gasthaus verlassen.

Zweite Etappe: von Breitenstein nach Payerbach

Wir schleppen uns weiter bis unser Bauch aufhört, uns daran zu erinnern, dass die Portionen für uns zu groß waren. Dann treffen wir die Sitznachbarinnen aus dem Gasthaus denen es ähnlich geht und plaudern ein wenig. Drei nette Damen, die auch mit Öffis unterwegs sind und sich beschweren, dass ihnen langsam die Ideen ausgehen. Da kann ich natürlich helfen. Ich überreiche ihnen einen Bahn zum Berg Aufkleber als Erinnerung.

Blick nach Klamm
Foto: Veronika Schöll

Weiter gehen wir auf kleinen Landstraßen und Karrenwegen. Normalerweise mag ich Straßenhatschereien nicht, aber die Gegend ist so hübsch, die Sonne lacht und das entschädigt. Der Wagnergraben führt uns nach Klamm mit schöner Burgruine und Kirche. Die Haltestelle Klamm-Schottwien lassen wir links liegen. Auf zum Endspurt!

(Eigentlich hatten wir vor, dem Gasthaus Polleres einen Jausenbesuch abzustatten, aber erstens war da eh kein Platz im Bauch und zweitens haben wir den Abzweiger auf den Kreuzberg übersehen.)

Vor Küb – hier soll es ein berühmtes Postamt geben, schwindet langsam meine Aufnahmefähigkeit, weil meine Mama bei jeder Info Tafel stehen bleibt und mir vorliest.

Nach Küb treffen wir wieder auf die Bahntrasse. Payerbach ist in Sicht. Der Schneeberg blitzt von ganz hinten weiß hervor. Nächsten Sonntag?

Wir gehen runter durch den Ort und neben dem Friedhof rauf zum Bahnhof.

Fussweg nach Payerbach
Foto: Veronika Schöll

Die Irmi hat leider geschlossen. Das ist schlimm, denn wir haben ordentlich Durst.

Liebe ÖBB es wird Zeit, dass am Bahnhof in Payerbach ein Getränke Automat aufgestellt wird! Danke.

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Netterweise steht der Zug schon bereit, wir steigen ein und befreien unsere Füße von den Schuhen, wir sind eh alleine im Wagon. Gemütlich tuckern wir nach Wien und sind sehr stolz, dass wir es geschafft haben. Mama freut sich insgeheim schon, ihre Kaffee-Damen mit diesem Abenteuer zu beeindrucken. Sie hat auch allen Grund dazu.

Tourdaten

Die Route in Zahlen: Gehzeit 6h  200HM  700HM  23km  GPX Track

Diese Tour kann mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Wien, Wiener Neustadt, Mürzzuschlag und Bruck an der Mur erreicht werden.