Durch die Adlitzgräben

Runterrollen durch den Adlitzgraben

Bike & Hike ist zu hoch gegriffen – auch wenn wir auf das Viadukt Kalte Rinne gestiegen sind. Fahrradtour kann man auch nicht sagen. „Runterrollen durch den Adlitzgraben“ trifft es am ehesten!

Mit dem Intercity zum Bahnhof Semmering

In der Früh fahren wir mit dem Intercity Richtung Graz. Wir fahren erst um 10:05 in Meidling ab, weil wir für den Zug davor keine Fahrradabstellplätze mehr reservieren konnten. Ich dachte eigentlich, dass um diese Jahreszeit nicht mehr viele Leute ihre Fahrräder mitnehmen. Vielleicht stimmt das auch und der Zug hatte gar keinen entsprechenden Waggon mehr.

In Wien hat es leicht geregnet und meine Begeisterung ist überschaubar. Ich überlegte ernsthaft die EUR 10,- die ich für die Fahrräder (Streckentarif und Stellplatzreservierung) gezahlt habe, abzuschreiben und nicht weiter darüber zu reden. Der Sohnemann war aber furchtbar motiviert und hat meine zaghaften Andeutung daheim zu bleiben entweder nicht verstanden, oder ignoriert. Daher sitzen wir jetzt im Zug.

Das Wetter wird immer schöner und ich freue mich, dass wir doch losgefahren sind. Auch wenn die Sonne scheint, ist uns beiden doch klar, dass es beim Bergabfahren eisig kalt sein wird. Wir haben uns dementsprechend warm angezogen. Sogar Gamaschen haben wir mit, damit es uns zwischen Schuh und Hose nicht kalt reinbläst.

Etwa 10 Minuten vor dem Bahnhof Semmering richten wir uns her und stellen uns mit den Fahrrädern zur Türe, um rasch aussteigen zu können.

Kurort Semmering

Am Bahnhof Semmering steigen ausser uns noch zwei Wanderlustige und drei asiatische Touristen aus. Simon und ich sind verpackt wie Polarforscher. Die Wanderer und die Touristen schauen uns deswegen mitleidig an. Ich schaue sie aus demselben Grund mitleidig zurück.

Warm justiert am Bahnhof Semmering
Warm justiert am Bahnhof Semmering

Vom Bahnhof fahren wir zur Straße hinauf und nach Norden weiter. Das sind die ersten 100 Höhenmeter und mir wird gleich wieder furchtbar heiß, so dass ich die Sturmhaube wieder ausziehe.

Ab der ersten scharfen Linkskurve geht es nur mehr bergab.

Viadukt Kalte Rinne

In Breitenstein unten biegen wir nach links ab und fahren die Straße hinauf zum Viadukt über die Kalte Rinne. Dieses Viadukt sieht man aus dem Zug sehr schön von oben. Jetzt sind wir hier unten und betrachten es einmal aus diesem Gesichtswinkel.

Vor langer Zeit war ich schon einmal hier oben. Da hat es noch keine Absperrung gegeben, innerhalb der man sich jetzt bewegen darf. Ich glaube, dass das Betreten damals überhaupt verboten war. Insofern finde ich das schön, dass man jetzt prinzipiell hier herauf darf!

Adlitzgraben & Wasserfallstollen

Nach der Kalten Rinne fahren wir zurück in den Adlitzgraben und rollen diesen weiter bergab. in einer fast 90° Rechtskurve bleibe ich stehen, weil ich in den Graben hinunter schauen möchte.

Ich steige daher ab und gehe hinter die Leitplanke. Unten sehe ich am Talboden einen netten Teich, der im Frühjahr und im Sommer sicher sehr hübsch ist.

Vor mir rechts am Felsenpfeiler erregt aber eine Öffnung im Fels meine Aufmerksamkeit. Ich schaue mir das genauer an und finde einen in den Fels getriebenen Stollen.

Stollen von der Straße aus
Stollen von der Straße aus

Also steige ich hinunter und schaue mir das an. Es ist ein offensichtlich durch Menschenhand getriebener Stollen – eigentlich zwei hinereinander. Dazwischen gibt es ein großes Felsenfenster.

Felsöffnung am Ende des Stollens
Felsöffnung am Ende des Stollens

Daheim recherchiere ich was es mit diesen Stollen auf sich hat und finde auf der Webseite unterirdisch.de folgende Geschichte dazu:

Als Fürst von und zu Liechtenstein weitläufigen Grundbesitz in der Semmeringgegend erwarb, ging er daran, dem Geiste des 19.Jahrhunderts entsprechend, die Landschaft zu gestalten. So war das Fehlen eines Wasserfalles im Bereich der Adlitzgräben für ihn ein behebbarer Mangel.

Fürst Lichtenstein ließ 1830 einen Zulauf vom Bach unterhalb der Rotte Orthof graben und beim Falkenstein drei kurze Stollen schlagen. So konnte die Besucher einen herrlichen Wasserfall, direkt aus dem Felsen heraustretend, betrachten.

Diese Anlage war bis zum Bau des Weltkulturerbes Semmeringbahn 1840 durch den genialen Ingenieur Carl Ritter von Ghega in Funktion. Ghega musste den uralten Karrenweg auf die heutige Trasse der L136 umlegen, wobei dadurch der Zulauf unterbrochen wurde und somit war der Wassserfall Geschichte!

Quelle: Text von User „Bunker Ratte“ auf https://unterirdisch.de/

Wenn ich es richtig verstanden habe, ist das Loch am Ende des Stollens für den Austritt des Wassers ins Freie da gewesen. Von unten hat es dann so ausgesehen, als ob das Wasser direkt aus dem Felsen heraus kommen würde!

Habe ich sehr spannend gefunden diese Entdeckung – noch dazu mit der Hintergrundgeschichte!

Wir fahren schließlich die Adlitzgrabenstraße weiter hinunter.

Adlitzgraben
Adlitzgraben

Von Gloggnitz heim mit dem Regionalzug

Unter dem Fels des eingestellten Wasserfalls geht es nur mehr kerzengeradeaus und leicht fallend bergab. Vor Gloggnitz gibt es teilweise sogar einen Radweg – was angenehm ist, obwohl eh nicht viele Autos unterwegs sind.

Der Bahnhof Gloggnitz ist gut angeschrieben und dementsprechend leicht zu finden.

Vom Bahnhof Semmering bis zum Bahnhof Gloggnitz waren wir – inklusive aller Umwege und Pausen – exakt zwei Stunden unterwegs.

Von hier fahren wir mit dem Regionalzug nach Wien zurück. Daher müssen wir keine Radplatzreservierung durchführen und können einfach in den nächsten Zug einsteigen, der aus Payerbach kommt.

Tourdaten

Conclusio

Insgesamt war es eine ganz einfache Radfahrt, die durch eine richtig schöne Gegend führt. Wir haben schöne alte Villen gesehen, Viadukte und die Zuleitung für einen aufgelassenen künstlichen Wasserfall entdeckt! Super Tour!

 

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