Geht der Kaltenbachgraben?

Der Kaltenbachgraben ist eine sehr beliebte Skitourenroute auf das Stuhleck. So beliebt, dass es eine eigene Facebookgruppe gibt, die sich ausschließlich der Frage widmet: „Geht der Kaltenbachgraben?

Die Antwort lautet seit Kurzem übrigens: Ja, für Öffi-Tourengeher. Tourengeher dürfen am Parkplatz 4 nicht mehr parken. Es gibt keine Tourengeherkarte mehr zu kaufen. Jeder, der dort parkt ohne ein Liftticket zu kaufen, wird angezeigt. Die Parkwächter beobachten alle mit Argusaugen und warten nur darauf, dass sie eine Abmahnung hinterlassen können.

Aus diesem Grund beginnt die Skitour mit Auto und mit öffentlicher Anreise in etwa am selben Punkt und bietet sich daher geradezu für einen Vergleich an.

Vergleich Auto / Zug

Andreas möchte eine Skitour ausprobieren. Wir vereinbaren einen Tag und er organisiert sich extra Tourenski und Tourenskischuhe. Er will mit seinem Auto fahren und mich mitnehmen. Sogar von mir daheim abholen. Das ist sehr nett von ihm und so können wir uns während der Fahrt unterhalten. Vorher haben wir uns übrigens testen lassen.

Während ich noch im Haus auf ihn warte, keimt in mir der Gedanke den Tag zu nutzen um einen direkten Vergleich der An- und Abreise anzustellen. Was ist jetzt wirklich schneller? Auto oder Zug?

Ich finde, dass man bei so einem Vergleich nicht nur die eigentliche Fahrzeit heranziehen darf, sondern wirklich alles einbeziehen muss: Vom Aufstehen bis zum selben Punkt an dem man bei beiden Varianten losgeht.

Auto: Ich stehe um 6:00 auf, wasche mich und frühstücke.

Andreas ist pünktlich um 6:45 vor meinem Haus. Er legt meine Ski in die Dachbox, zurrt diese darin fest, wir steigen ein und fahren los.

Wir fahren auf die Südautobahn und bei Spital am Semmering von der Schnellstraße runter.

Ankunft in Spital am Semmering, bei der Kirche: 7:55.

Zug: Ich stehe um 6:45 auf, wasche mich und gehe los. Ich fahre zuerst nach Wien Meidling und kaufe mir in der Bäckerei mein frisches Frühstück.

Ich wähle den schnellen „Wanderzug“ REX9 Richtung Mürzzuschlag.

Ich frühstücke im Zug und gehe aufs Klo bevor ich um 9:02 am Bahnhof Spital am Semmering aussteige.

Wir parken im Ort, bei der Kirche. Foto: Martin Heppner
Wir parken im Ort, bei der Kirche. Foto: Martin Heppner

Auto: Nachdem Andreas das Auto geparkt hat, steigen wir aus. Es ist saukalt: -12°C.

Wir holen die Ski aus der Dachbox und ziehen uns mit klammen Fingern die Skischuhe an.

Ich muss aufs Klo. Gibt es hier aber nicht.

Wir schnallen unsere Ski auf unsere Rucksäcke und starten um 8:15 zu Fuß die Kaltenbachstraße bergauf.

Zug: Im Zug habe ich mir bereits alles hergerichtet und die Skischuhe auf Gehmodus eingestellt. Die Ski schnalle ich mir erst am Bahnsteig auf den Rucksack, weil ich sonst an der Decke anstoße.

Es ist saukalt und ich gehe um 9:05 los.

Vom Bahnhof Spital am Semmering passiere ich die Pension „Onkel Fitz“ und den „Hirschenhof“.

An der Kirche gehe ich um 9:15 vorbei, die Kaltenbachstraße bergauf.

Zusammenfassung Anreise Auto: Aufstehen um 6:00, Weggehen bei der Kirche um 8:15. Dauer: 2:15 Stunden.

Vorteil: Start früher möglich
Nachteil: Kein WC, Anziehen in der Kälte

Zusammenfassung Anreise Zug: Aufstehen um 6:45, Vorbeigehen an der Kirche um 9:15, Dauer: 2:30 Stunden.

Vorteil: Frühstücken im Zug, WC im Zug
Nachteil: Nicht vor 8:50 in Spital am Semmering

Dort wo ich wohne, bin ich mit der Zuganfahrt etwa gleich schnell wie mit dem Auto. Andreas wohnt nicht so verkehrsgünstig wie ich und hätte um eine Stunde früher aufbrechen müssen als ich, wenn wir mit dem selben Zug gefahren wären.

Ich habe vor einiger Zeit eine kleine Untersuchung angestellt aus welchem Bezirk man wie lange zum nächsten Bahnhof braucht. Diese hilft dir herauszufinden, wie dieser Vergleich in deinem Bezirk ausgehen würde.

Was ich hervorheben möchte, ist der Bequemlichkeitsfaktor: Im Zug frühstücken und aufs WC gehen können, sich im Warmen anziehen zu können, statt bei -12°C im Freien, das ist mir schon sehr sympathisch.

Kaltenbachstraße

Von der Kirche gehen wir mit den Ski am Rucksack die Kaltenbachstraße bergauf. Zuerst gibt es noch einen Gehsteig, danach nicht mehr. Das Stück an der Straße ist aber nur kurz: Nämlich bis zum Sessellift (Stuhleckbahn). Direkt unter dem Sessellift führt eine Holzbrücke für Fußgänger über den Bach. Dort gehen wir drüber, schnallen die Ski an und gehen der Sonne entgegen.

Start des Wanderwegs gegenüber des ersten Sessellifts. Foto: Martin Heppner
Start des Wanderwegs gegenüber des ersten Sessellifts. Foto: Martin Heppner

Wir folgen dem Wanderweg – ein Parkplatz stellt sich uns als Hindernis in den Weg, weil der geräumte Schnee als gefrorener Wall rundum steht. Wir sind aber sehr geländegängig unterwegs und meistern das.

Nach dem Parkplatz müssen wir jedoch wieder auf die Straße hinaus wechseln. Wir gehen zuerst am Straßenrand, wo der Schnee zusammengeschoben ist. Die Spuren zeigen, dass wir nicht die ersten Tourengeher sind, die diesen Weg nehmen.

Lustigerweise sehen wir ein Mauswiesel samt zugehöriger Maus. Es lässt die Maus fallen, als ich stehenbleibe und ihn seine Richtung schaue, und verschwindet unter einem Busch. Da wir nicht in seine Richtung gehen, kommt es wieder heraus, holt sich die Maus und verschwindet wieder.

Das passiert alles so schnell, dass ich keine Chance haben ein Foto zu machen. Musste erst zuhause recherchieren was wir da eigentlich gesehen haben. Im Wikipedia Artikel über Mauswiesel bin ich fündig geworden.

Am obersten Parkplatz P4, gibt es ein WC. Sollte ich das Eingangs noch nicht ausführlich genug behandelt haben: Im Zug ist es bequemer aufs Klo zu gehen. Ski abschnallen, WC, anschnallen, weiter gehen.

Kurz bevor wir den Parkplatz Richtung Forststraße verlassen, fällt mir ein Skitourengeher-Pärchen auf, das sich gerade zum Weggehen fertig macht. Hinter ihnen beobachte ich die Parkwächter, wie sie sich gegenseitig auf das widerrechtlich abgestellte Fahrzeug aufmerksam machen. Ich gehe daher an den Tourengehern vorbei und mache sie darauf aufmerksam, bevor ich weiter gehe.

Im Rückblick – siehe Foto – sehe ich wie der Tourengeher mit dem Parkplatzwächter redet. Später, als sie uns überholen (die beiden sind extrem schnell unterwegs), erzählen sie uns, dass sie das Auto auch in den Ort gestellt haben.

Laut Webseite der Stuhleck Bahnen werden Besitzstörungsklagen angestrengt. Finde ich nicht sehr sympatisch, aber es ist natürlich ihr Parkplatz. Wie sie die Aussage, dass der Aufstieg am Pistenrand juristisch begründen wollen, erschließt sich mir allerdings nicht. Immerhin führt dort ein offiziell ausgeschilderter Wanderweg hinauf und um das Wegerecht werden sie nicht herumkommen. Ehrlich gesagt ist mir aber auch das egal, weil ich persönlich es nicht angenehm finde am Pistenrand aufzusteigen.

Am Parkplatz 4 wird gerade ein Tourengeher mit seinem Auto verjagt. Foto: Martin Heppner
Am Parkplatz 4 wird gerade ein Tourengeher mit seinem Auto verjagt. Foto: Martin Heppner

Kaltenbachgraben

Der Kaltenbachgraben ist schon an mehreren Stellen auf Bahn zum Berg beschrieben – hier zwei Beispiele:

Jagdhütte. Foto: Martin Heppner
Jagdhütte. Foto: Martin Heppner

Karl-Lechner Haus

Was ich auf jeden Fall empfehlen möchte ist eine Einkehr im Karl-Lechner Haus. Leider ist es derzeit wegen Corona – wie alle Hütten – geschlossen. Normalerweise hat der Wirt aber an Winterwochenenden geöffnet. Es sind immer ein paar Leute dort – es ist aber bei Weitem nicht so überfüllt wie das Alois-Günter Haus am Gipfel.

Wir machen jedenfalls im Winterraum des Karl-Lechner Haus eine Pause. Im dort aufgestellten Kühlschrank gibt es Bier und Radler. Man nimmt sich etwas und hinterlässt die EUR 2,50. Sehr sympathisch.

Letzter Anstieg

Mir gefällt der Teil nach dem Karl-Lechner Haus ja am besten: Es ist hier schon deutlich heller, als im Graben unten, es herrscht Winterwaldstimmung und der Wind ist hier noch nicht so stark.

Winterwald. Foto: Martin Heppner
Winterwald. Foto: Martin Heppner
Hier ist der Wind noch nicht so stark Foto: Martin Heppner
Hier ist der Wind noch nicht so stark Foto: Martin Heppner

Als wir das Alois-Günter Haus in Blickweite haben, ändert sich auf einmal sehr viel: Es sind plötzlich sehr viele Leute gemeinsam mit uns unterwegs zum Gipfel. Die kommen alle vom Pfaffensattel herauf. Und es geht plötzlich sehr starker Wind. So wie ich es am Stuhleck halt kenne.

Stuhleck Gipfel

Um 14:15 kommen wir beim Alois-Günter Haus an. Mit Pausen sind wir also gemütliche 5 Stunden bis hierher unterwegs gewesen.

Wimmelbild Alois-Günther Haus. Foto: Martin Heppner
Wimmelbild Alois-Günther Haus. Foto: Martin Heppner

Am Gipfel selbst ist fast niemand. Dort ist der Wind recht stark, daher machen die meisten nur schnell ein Gipfelkreuzfoto und flüchten dann entweder wieder in den Windschatten des Hauses, oder fahren ab.

Gipfelkreuz Stuhleck. Foto: Martin Heppner
Gipfelkreuz Stuhleck. Foto: Martin Heppner

Ich habe auch recht schnell kein Gefühl mehr in den Fingern, kann aber meine dicken Handschuhe zum Fotografieren nicht anlassen.

Als ich Andreas frage, ob er die Gipfel kennt, oder wissen will welche das sind, verneint er beides. Mein persönlicher Tiefpunkt des Tages. So wird das nix mit einer zweiten Tour, Herr Andreas! 🙁

Panorama vom Gipfel auf Hochschwab und Veitsch. Foto: Martin Heppner
Panorama vom Gipfel auf Hochschwab und Veitsch. Foto: Martin Heppner

Wir fahren durch das Skigebiet auf der Piste 1, 7 und 5 ab. Von dort kann man mit ein paar Straßenquerungen fast bis ganz ins Zentrum von Spital am Semmering hinunterfahren. Der Skiweg ist markiert und präpariert (wenn genug Schnee liegt). Von dort gehen wir 5 Minuten bis zur Kirche.

Auto: Wir schälen uns aus den Skischuhen heraus und ziehen die Schuhe an, die wir im Auto gelassen haben. Das stellt für mich einen deutlichen Vorteil der Autoanreise dar, weil Skischuhe halt doch nicht so angenehm sind.

Andreas verstaut die Ski wieder in der Dachbox.

Dann machen wir eine kurze Pause und trinken und essen noch etwas, bevor wir gegen 14:15 los fahren.

Um 15:45 bin ich schon wieder in meiner Wohnung. Wenn man später fahren würde, wäre die Fahrzeit länger, weil dann alle nach Hause unterwegs sind und es sich nach Wien rein staut.

Zug: Da ich mit dem Zug eine Stunde später gestartet bin, bin ich jetzt nach der Tour auch eine Stunde später herunten.

Von der Kirche zum Bahnhof ist man 15 bis 20 Minuten unterwegs – je nachdem wie müde man schon ist.

Es gibt eine Verbindung, die um 15:11 in Spital am Semmering abfährt.

Im Zug schlafe ich ein bisschen – das liebe ich am Zugfahren.

Es gibt zwei Umstiegsvarianten: Mit der schnelleren Verbindung bin ich um 17:30 in meiner Wohnung.

Zusammenfassung Heimreise Auto: Ankunft Kirche 13:45, Ankunft Wien 15:45. Dauer: 2:00 Stunden.

Vorteil: Abfahrtszeit völlig unabhängig, schneller wieder daheim
Nachteil: Risiko eines Staus, Parkplatzsuche in Wien kann Dauer verlängern

Zusammenfassung Heimreise Zug: Vorbeigehen Kirche 14:45, Ankunft Wien 17:30. Dauer: 2:45 Stunden.

Vorteil: Alle können im Zug schlafen und Bier/Radler trinken, WC im Zug
Nachteil: Fixe Abfahrtszeiten müssen beachtet werden

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   6:00 Std Skitour   800 HM   800 HM   14 km   GPX Track

Conclusio

Wenn ich jetzt beide Varianten so betrachte, indem ich die Zeit messe, wann ich daheim weggehe und wieder daheim ankomme – siehe unten – dann bin ich mit dem Zug 1:15 Stunden länger unterwegs.

Auto: Aufstehen um 6:00, Ankunft Wien 15:45. Dauer: 9:45 Stunden.

Zug: Aufstehen um 6:45, Ankunft Wien 17:30. Dauer: 10:45 Stunden.

Ich muss sagen, dass ich selbst überrascht bin, dass die Anreise mit dem Zug nur 15 Minuten langsamer ist. Dass die Rückfahrt um 45 Minuten langsamer ist, war eher das was ich erwartet habe.

Was macht die Rückfahrt länger? Von den 30 Minuten Unterschied sind 10 Minuten damit zu erklären, dass die Züge bei der Rückfahrt 10 Minuten langsamer unterwegs sind. Die restlichen 20 Minuten kann ich mir im Wesentlichen nur mit dem Anziehen nach der Ankunft mit dem Auto erklären. Das passiert in der zweiten Varianten schon im Zug.


Diese Tour kann mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Bruck an der Mur, Graz, Leoben, Mürzzuschlag, St. Pölten, Wien und Wiener Neustadt erreicht werden.