Die kleine Schwester: Am Bahn-Erlebnisweg in Lunz am See

Lunzer Bahn-Erlebnisweg. Foto: Sarah Pallauf

Dass ich meinen Papa immer gut mit Bahnwanderwegen locken kann, hat sich beim Semmering-Bahnwanderweg schon gezeigt. Deshalb bin ich ganz entzückt, als ich im Kompass-Wanderführer „Wanderlust Niederösterreich“ den – deutlich kürzeren – Lunzer Bahn-Erlebnisweg finde.

Leider konnten wir innerhalb der nächsten 6 Tage keine Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Bischofshofen zu dieser Tour für dich finden.

An einem Spätsommertag haben wir endlich beide Zeit und beschließen uns in Lunz am See zu treffen. Die Anreise ist sowohl von Wien als auch für meinen Papa von Steyr aus nicht ganz unkompliziert, aber machbar. Mit dem Regionalzug geht’s für mich vom Wiener Westbahnhof nach Pöchlarn, von dort mit dem Zug nach Scheibbs und für das letzte Stück nach „Lunz am See Schulen“ bleibt nur der Bus. Knapp drei Stunden Fahrzeit, da habe ich ein gutes Argument für ein Treffen zu Mittag (Ankunft meines Busses um 12:12). Der Weg, den wir heute geplant haben, ist auch nicht allzu lang.

Das Treffen funktioniert tadellos, in Lunz schauen wir schnell noch im Haus der Wildnis vorbei. Dort gibt es jede Menge Prospekte und Infos rund um den Nationalpark Kalkalpen und die Wildnisregion Dürrenstein-Lassingtal. Für die Ausstellung haben wir keine Zeit, aber ein paar Broschüren werden eingepackt.

Der schönere Teil oder: Die süßeste Draisine der Welt

Ab dem Amonhaus in Lunz finden wir dann auch den ersten Wegweiser für den Bahn-Erlebnisweg. Ab dann geht die Wanderung einige Zeit direkt neben den Gleisen der ehemaligen Schmalspurbahn (Ybbstalbahn) entlang. Eigentlich war mein Plan, mit dieser – heute nur mehr als Museumsbahn existierenden – Bahn ein Stück zu fahren, bevor wir loswandern. Leider hat der letzte Sturm einige Schäden verursacht und die Museumsbahn kann an diesem Wochenende nicht fahren. Uns begegnet aber immer wieder die süßeste Draisine der Welt.

Eine sehr süße Draisine begegnet uns. Foto: Sarah Pallauf
Eine sehr süße Draisine begegnet uns. Foto: Sarah Pallauf

Und da heute so gar nichts fährt – und natürlich nur dann – erlaube ich meinem Papa, ab und zu direkt auf den Gleisen zu gehen (und fotografiere ihn dabei auch noch).

Steht ein Männlein auf den Gleisen. Foto: Sarah Pallauf
Steht ein Männlein auf den Gleisen. Foto: Sarah Pallauf

Nach circa einem Kilometer an den Gleisen kommt man zum Gasthof Paula, kurz danach in die kleine Ortschaft Holzapfel (wie nett!) und zur alten Bahnstation.

Holzapfel. Foto: Sarah Pallauf
Holzapfel. Foto: Sarah Pallauf

Nun wird der Weg spannender, es folgen einige sehr felsige Passagen, die extra für den Bau der Bahntrasse aus dem Hang herausgesprengt wurden. Das ist ziemlich beeindruckend und gefällt uns gut. Einige Infotafeln säumen den Weg, man darf aber nicht die informative Aufbereitung wie beim Semmering-Bahnwanderweg erwarten.

Pfaffenschlag. Foto: Sarah Pallauf
Pfaffenschlag. Foto: Sarah Pallauf

Der Pfad windet sich mal zur Rechten, mal zur Linken der Bahn dahin, verlässt diese aber erst später. Bevor wir die Gleise verlassen, erreichen wir den – auch sehr kleinen – Ort Pfaffenschlag und eine doch recht große Bahnstation. Von dort kann man an den Wochenenden im Sommer eben mit der Museumsbahn nach Lunz zurückfahren. Wir jausnen, winken ein weiteres Mal dem Draisinen-Fahrer und machen uns wieder auf den Weg.

Bahnwanderwegimpressionen 1. Foto: Sarah Pallauf
Bahnwanderwegimpressionen 1. Foto: Sarah Pallauf

Der fadere Teil: Über den Lunzberg

Etwas wehmütig kehren wir den Gleisen den Rücken und wenden uns in Richtung „Lunzberg-Lunz 11“ (Wegweiser) nach rechts. Rot-weiß-rot markiert geht es weiter bis zum Hof Salchen und dann in Nord-Süd-Richtung auf den Lunzberg (1.004 Meter) zu. Ich will unbedingt seinen Gipfel und einen Ausblick sehen, der ist aber eher enttäuschend. Wir gehen zwar extra ganz hinauf (der Weg führt am „Gipfel“ östlich vorbei), sehen aber nicht viel. Ein Sendemast und kein Ausblick, so unser Fazit.

Schöne Wiese kurz vorm Lunzberg. Foto: Sarah Pallauf
Schöne Wiese kurz vorm Lunzberg. Foto: Sarah Pallauf

Erst im allerletzten Teil der Wanderung gibt es wieder einige schöne Ausblicke, da schon wieder hinunter auf Lunz am See. Allerdings muss man dafür in Kauf nehmen, auf etwas faden serpentinenreichen Forststraßen vom Lunzberg nach Lunz hinunter zu gehen.

Wir sind schneller zurück als gedacht und springen gleich in den nächsten Bus. Als ich meinen Papa nach seinem Fazit frage, findet er die Wanderung (und meine Gesellschaft) „sehr kurzweilig“ 😊 Das ist natürlich schön und bedeutet, dass ich wieder mal eine kleine Tour für uns beide planen darf. Hoffentlich gibt es noch mehrere Bahnwanderwege zu erkunden …

Fazit: Kleiner, kurzer Bahnwanderweg – in Kombi mit der Museumsbahn noch schöner

Eine schöne Nachmittagsrunde für Bahnfans, wobei der erste Teil bis Pfaffenschlag entlang der alten Ybbstalbahn eindeutig der schönere ist. Wenn man die Tour im Sommer an einem Wochenende geht, bietet sich eine Fahrt mit der Museumsbahn an. Im Vergleich zum Semmering-Bahnwanderweg ist der Lunzer Weg natürlich nur eine sehr, sehr kleine Bahnwanderwegsschwester und kann dem Semmering nicht das Wasser reichen. Auch die Infotafeln sind am Semmering liebevoller und interessanter gestaltet. In Lunz hatten wir immer wieder den Eindruck, dass der Weg nicht besonders bekannt ist, weil die Tafeln richtiggehend vergilbt waren. Dennoch fanden wir es eine schöne Runde und machen sie gerne wieder einmal, dann aber kombiniert mit einer Bahnfahrt.

Bahnwanderwegimpressionen 2. Foto: Sarah Pallauf
Bahnwanderwegimpressionen 2. Foto: Sarah Pallauf

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   5:00 Std Wandern   500 HM   500 HM   15 km   GPX Track

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.