Auf den Spuren der Salzschmuggler

Es wird steiler. An den Stahlseilen kann man sich anhalten. Foto: Stefan Hochhold

Eine landschaftlich abwechslungsreiche Überschreitung von Hinterstoder über das Salzsteigjoch nach Tauplitz mit Einkehr auf der Wiadahoamhütte.

Start in Wien und in Linz

Stefan und ich haben uns den Salzsteig ausgesucht, auf dem wir von Oberösterreich in die Steiermark wandern wollen. Damit ich das machen kann, muss ich überhaupt erst einmal nach Oberösterreich kommen. Die Verbindung von Wien nach Linz ist natürlich super – in 1:15h legt man diese Strecke mit dem Zug zurück – es bedeutet aber auch, dass ich sehr früh aufstehen muss, um mit Stefan den um 6:57 abfahrenden Regionalzug nach Hinterstoder zu erwischen.

Es gibt die Möglichkeit mit einem ÖBB Railjet vom Wiener Hauptbahnhof oder mit der Westbahn vom Westbahnhof abzufahren. Ich entscheide mich am Vorabend für die Westbahn. In der Früh dann, bin ich noch nicht vollständig wach und nehme den Weg den ich sonst immer nehme: Zum Hauptbahnhof. Als ich dort auf die große Anzeigetafel schaue, kann ich meinen Zug nicht finden und stelle schließlich mit Schrecken fest, dass ich am falschen Bahnhof stehe! Zum Glück bin ich früh dran und komme noch zur rechten Zeit zum etwas früher abfahrenden Railjet. Glück gehabt!

Für Stefan verläuft die Anreise zum Linzer Hauptbahnhof vergleichsweise unaufgeregt – was kein Nachteil ist. 🙂

Start in der Früh in Linz. Foto: Stefan Hochhold
Start in der Früh in Linz. Foto: Stefan Hochhold

Leider konnten wir innerhalb der nächsten 6 Tage keine Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Wiener Neustadt zu dieser Tour für dich finden.

Von Hinterstoder per Bus nach Baumschlagerreith

In Hinterstoder steigen wir aus dem Regionalzug pünktlich um 7:59 aus. Vor dem Bahnhof wartet schon der kleine Regionalbus 431, mit dem wir bis zu seiner Endstation „Hinterstoder Schiederweiher“ fahren.

Umstieg vom Zug in den Bus in Hinterstoder. Foto: Stefan Hochhold
Umstieg vom Zug in den Bus in Hinterstoder. Foto: Stefan Hochhold

An der Station „Hinterstoder Schiederweiher“ müssen wir 15 Minuten auf den nächsten Bus warten, die Linie 432, die uns nach „Hinterstoder Baumschlagerreith“ bringen soll. Die Viertelstunde verstreicht schnell, weil wir uns angeregt über die laufenden Projekte bei „Bahn zum Berg“ unterhalten: Über die anstehende Ausrollung von Zuugle nach Slowenien (ein paar wenige Touren in Slowenien kann man schon sehen, wenn man auf www.zuugle.at Villach als Ausgangsbahnhof auswählt), über unser gerade abgeschlossenes Buchprojekt, über das nächste Buch und unser neuestes Projekt „Last Mile Bahn zum Berg„.

An dieser Stelle: Um all diese Projekte durchführen zu können, brauchen wir deine Unterstützung!
Dein Mitgliedsbeitrag und deine Spende unterstützt uns, die anfallenden Kosten zu decken, deine Mitarbeit und deine investierte Zeit unterstützt uns, die vielen Aufgaben aufteilen zu können.
Siehe auch Mitmachen im Verein „Bahn zum Berg“.

Irgendwann ist aber eine weitere Viertelstunde verstrichen und Stefan beginnt sich Sorgen zu machen. Wir kontrollieren über die Liveabfrage https://anachb.vor.at/, ob eine Verspätung angezeigt wird, oder ob wir übersehen haben, dass es ein Rufbus ist. Weder noch ist der Fall – also rufen wir unter der Nummer an, die auf „A nach B“ angezeigt wird. Die Damen verspricht gleich mit dem Fahrer Kontakt aufzunehmen. Keine fünf Minuten später schießt der Kleinbus schon daher – die Türe öffnet sich – der Fahrer entschuldigt sich vielmals – und holt die zusätzliche Wartezeit fast wieder auf, indem er (gefühlt) sehr zügig fährt.

Salzsteig

An der Endhaltestelle „Hinterstoder Baumschlagerreith“ steigen wir aus und machen uns bereit, unsere Wanderung zu beginnen. Schließlich gehen wir los. Da unser erstes Zwischenziel der Steyrursprung ist, gehen die Schotterstraße zuerst einmal ein Stück hinunter. Ich finde es amüsant, eine Bergtour mit einem kleinen Abstieg zu beginnen – aber ich bin offenbar auch sehr leicht zu erheitern.

Den Steyrursprung kann man sich auch sparen – er ist nicht unendlich eindrucksvoll. Es ist aber auch kein wahnsinnig großer Umweg, kann man also schon machen.

Danach geht es auf der Schotterstraße weiter bergauf, bis der Weg schließlich ins Gelände abzweigt und ein großes Schotterfeld bergauf führt.

Nach Baumschlagerreith auf der Forststraße Richtung Talschluss. Foto: Stefan Hochhold
Nach Baumschlagerreith auf der Forststraße Richtung Talschluss. Foto: Stefan Hochhold

Das Schotterfeld bringen wir irgendwann auch hinter uns, der Weg wird trotzdem immer steiler. Irgendwann ist es so steil, dass wir beginnen mit den Händen an den Fels zu greifen. Einzelne ausgesetzte oder besonders steile Passagen sind mit Stahlseilen versichert.

Es wird steiler. An den Stahlseilen kann man sich anhalten. Foto: Stefan Hochhold
Es wird steiler. An den Stahlseilen kann man sich anhalten. Foto: Stefan Hochhold

Links: Wasserfall links von unserem Aufstieg. Rechts: Es sind ausreichend Versicherungen gespannt, um sich gut festhalten zu können. Fotos: Stefan Hochhold

Im steilen Aufstieg ist der Wasserfall links neben uns schön anzuschauen. Oben können wir dann auch unsere Flaschen mit dem Wasser auffüllen.

Punkt 12:00 erreichen wir den höchsten Punkt unserer heutigen Wanderung: 1.733 Meter über Seehöhe, das Salzsteigjoch.

War es im steilen Aufstieg recht heiß, schlägt das Wetter jetzt um: Es beginnt zu regnen. Wir haben unsere Regenjacken rechtzeitig angezogen und die Rücksäcke mit den Regenhüllen geschützt. Es regnet aber so stark, dass unsere Wanderhosen innerhalb kürzester Zeit nass sind. Mir ist das gar nicht unangenehm, weil es eine Abkühlung zu vorher darstellt.

Am Salzsteigjoch erwischt uns ein Regenschauer. Foto: Stefan Hochhold
Am Salzsteigjoch erwischt uns ein Regenschauer. Foto: Stefan Hochhold

Die Gegend nach dem Salzsteigjoch ist wirklich sehr schön. Ich liebe es, wenn der Almrausch blüht. Zugegebenermaßen kann man die Gegend noch mehr genießen, wenn einem nicht der Regen ins Gesicht schlägt. Da die Bienen und Fliegen aber schon rasch wieder herauskommen, ist auch klar, dass das nur ein kurzer, intensiver Regenschauer war.

Nachdem die Insekten rasch wieder unterwegs sind, ist klar, dass es sich nur um einen Regenschauer gehandelt hat. Foto: Stefan Hochhold
Nachdem die Insekten rasch wieder unterwegs sind, ist klar, dass es sich nur um einen Regenschauer gehandelt hat. Foto: Stefan Hochhold

Pause nach dem Salzsteigjoch und dem Regenschauer

Vom Joch bis zur Hütte auf der Leistalm sind es vielleicht 30 Minuten, wenn man das Regenzeug nicht anziehen und ausziehen muss. Wir kehren auf der bewirtschafteten Wiadahoamhütte ein und essen eine Suppe und ein Grammelschmalzbrot. Wegen des Regens vorher kuscheln sich ganz schön viele Personen dort zusammen.

Leistalm. Am Weg zur Wiadahoamhütte. Foto: Stefan Hochhold
Leistalm. Am Weg zur Wiadahoamhütte. Foto: Stefan Hochhold

Wir gehen jedenfalls kurz nach 13:00 schon wieder weiter, am Schwarzensee vorbei, ein letzter kurzer Gegenanstieg, dann geht es nur mehr bergab.

Am Salzsteig. Foto: Stefan Hochhold
Am Salzsteig. Foto: Stefan Hochhold
Schwarzensee. Foto: Stefan Hochhold
Schwarzensee. Foto: Stefan Hochhold

Stefan hat eine Route für den Abstieg ausgewählt, die uns am Tauplitzer Wasserfall vorbei führt. Zuerst schauen wir uns den von oben an und folgen dann dem Weg hinunter. Unten ist es noch eindrucksvoller, weil man nicht nur den Wasserfall des eigentlich kleinen Bächleins Sagtümpelbach sieht, sondern im Hintergrund die Grimming eindrucksvoll über Steilstufen fällt.

Der Sagtümpelbach fällt als Tauplitzer Wasserfall in die Grimming. Diese sieht man im Hintergrund, in der Bildmitte. Foto: Stefan Hochhold
Der Sagtümpelbach fällt als Tauplitzer Wasserfall in die Grimming. Diese sieht man im Hintergrund, in der Bildmitte. Foto: Stefan Hochhold

Schließlich wird es immer flacher und wir queren die Grimming über eine schmale Brücke. Der Wald wird immer lichter, der Wanderweg verläuft auf einer Forststraße, wir kommen der Zivilisation wieder näher.

Letzte Grimmung Überschreitung vor Tauplitz. Foto: Stefan Hochhold
Letzte Grimmung Überschreitung vor Tauplitz. Foto: Stefan Hochhold

Als wir die Häuser von Tauplitz vor uns sehen, wird die Bergkulisse rundherum aber durch den Wegfall der Bäume auch deutlich sichtbarer. Ist ganz eindrucksvoll. Nicht nur der Grimming vor uns, sondern auch hinter uns, sieht das Tote Gebirge sehr hübsch aus.

Der Weg zum Bahnhof ist noch relativ lang: Fast eine halbe Stunde sind wir unterwegs. Das letzte Stück waren wir flotten Schrittes unterwegs, weil wir die Verbindung kurz nach 16:00 nach Stainach-Irdning erwischen wollen. Die nächste Verbindung wäre aktuell erst nach 17:00 ein Schienenersatzverkehr per Bus – der uns nicht attraktiv erscheint.

Bahnhof Tauplitz mit Grimming im Hintergrund. Foto: Stefan Hochhold
Bahnhof Tauplitz mit Grimming im Hintergrund. Foto: Stefan Hochhold

Mit dem Grimming so nah, überlegen wir, ob wir nicht eine Überschreitung desselben in der nahen Zukunft planen sollten. Von Tauplitz ausgehend, auf die andere Seite hinunter. Ist halt ein langer Auf- und Abstieg.

Aber auch der heutige Tag war ganz schön lang. Wir haben nicht übermäßig lange Pausen gemacht und waren von Haltestelle zu Bahnhof trotzdem recht genau 7 Stunden unterwegs. Und das obwohl es von den Höhenmetern eigentlich nicht so wahnsinnig viele waren: 1.100 Höhenmeter im Aufstieg und 1.000 Höhenmeter im Abstieg.

Rückfahrt über und nach Linz

Ich bin jedenfalls müde. Im Regionalzug nach Stainach-Irdning zahlt sich ein Schläfchen noch nicht aus. In Stainach haben wir dann 20 Minuten Wartezeit, die wir damit verbringen, uns etwas zum Trinken zu kaufen. Das Bahnhofsstandl hat seit Corona geschlossen, wie ein Zettel verrät. Sonst gibt es nur Automaten.

So wie ich mich fühle, sitze ich am richtigen Platz. Foto: Stefan Hochhold
So wie ich mich fühle, sitze ich am richtigen Platz. Foto: Stefan Hochhold
Umstieg in Stainach-Irdning in den Direktzug nach Linz und weiter nach Wien. Foto: Stefan Hochhold
Umstieg in Stainach-Irdning in den Direktzug nach Linz und weiter nach Wien. Foto: Stefan Hochhold

Von Stainach-Irdning fährt dann ein D-Zug über Linz nach Wien. Dieser ist gut gefüllt, aber nicht übervoll. Ich kann es mir also bequem machen. Stefan gibt mir zuerst einen Radler aus, den er am mobilen Speisewagen im Zug gekauft hat, um dann Fotos von mir zu machen, als mir Wanderung und Radler die Augen zudrücken.

Ich nutze die Heimfahrt zur Erholung. Foto: Stefan Hochhold
Ich nutze die Heimfahrt zur Erholung. Foto: Stefan Hochhold

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   7:00 Std Wandern   1.100 HM   1.000 HM   17 km   GPX Track

Fazit

Sehr schöne Tour und genau was ich mir gewünscht habe. Alles dabei, was man sich landschaftlich zu dieser Jahreszeit wünschen kann. Überschreitung war wieder super, weil der Aufstieg ganz anders ausgesehen hat, als der Abstieg.

Die Richtung ist jedenfalls von Norden nach Süden (so wie wir es gemacht haben) sinnvoll. Die beiden Busse und die kleine Unsicherheit beim Umstieg, waren in der Früh kein Problem. Wenn ich mir überlege, dass ich müde runterkomme und dann auf einen Bus warten muss, der sich verspätet, bin ich wahrscheinlich nicht so entspannt. Genau aus dem Grund empfiehlt es sich sowieso immer bei einer Überschreitung dort zu starten, wo es ein schwächeres Intervall gibt und dorthin zu gehen, wo man kurze, schnelle Intervalle vorfindet, die einen nach Hause bringen.

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