Vom Ennstal über den Schoberstein ins Steyrtal

Von Trattenbach im Ennstal auf und über den Schoberstein zur Rinnenden Mauer im Steyrtal und nach Molln.

Menschen unternehmen Dinge aus bestimmten Gründen. Zu meinen Motiven gehört die Suche nach Abenteuern, wobei Wanderungen in einer mir völlig unbekannten Gegend da schon reichen, manche würden es Mikro-Abenteuer nennen. Noch dazu bin ich gespannt, wie sich die öffentliche Anreise in der Covid Welt gestalten wird. Also begebe ich mich an den Rand meiner Komfortzone und fahre am Montag um 06.55 vom Hauptbahnhof los Richtung Ennstal.

Anreise

Wähle einen Ort um den Fahrplan zur Tour zu zeigen:

Im Tal der Feitlmacher

Schon am Bahnhof Trattenbach entdecke ich ein überdimensionales Taschenmesser aka Feitl, das den Weg ins Trattenbachtal weist. Es geht auf einer schmalen Landstraße, vorbei an vielen historischen Gebäuden durch das Freilichtmuseum „Im Tal der Feitlmacher“. Der Trattenbach diente zur Energieversorgung und als Antrieb diverser Maschinen in Mühlen und Hammerwerken. Es gibt sehr viel zu entdecken. Wenn die einzelnen Museen geöffnet wären, könnte man hier viel Zeit verbringen.

Ich wandere aber weiter in Richtung Alpengasthof Klausriegler und Schoberstein und komme am Klettergarten Weißensteinerwand vorbei. Es geht über üppig blühende Wiesen und leuchtend grüne Wälder zum Klausriegler. Wenn der offen wäre … ist er aber nicht, also weiter Richtung Schoberstein. Die grauen Wolken, die sich inzwischen gebildet haben, werden leider ein bisschen undicht. Aber der Wetterbericht tröstet mit Sonne ab Mittag.

Über den Schoberstein

Es wird zunehmend steiler. Ab dem Klausriegler sind immerhin noch fast 700 Höhenmeter zu überwinden. Von der Pfaffenmauer ist es dann nur mehr ein Katzensprung. Ich gehe an den Resten eines Schleppliftes vorbei, über die Gipfelwiese hinauf zum Schobersteinkreuz, das eher eine Säule als ein Kreuz ist.

Wer dort oben genau schaut, wird erkennen, dass ich oben war.

Die 360 Grad Aussicht ist übrigens gewaltig. Da es windig und nass ist, bleibe ich nicht sehr lange. Aus dem Schobersteinhaus winken drei freundliche Herren, rein gewunken werde ich aber nicht (ist ja noch verboten). Also setze ich mich kurz auf eine Bank, esse mein Weckerl und plaudere mit einem Barfußschuhwanderer, der auf der Bank daneben sitzt. Auch von hier ist die Aussicht traumhaft und über dem Sengsengebirge heben sich die Wolken, die Sonne kommt langsam und wie angekündigt hervor – man sieht sogar bis zum Traunstein.

Abstieg vom Schoberstein über den Kalksteinbruch Pfaffenboden

Richtung Grünburgerhütte weiter, man kann über den Kogelstein gehen oder wie ich unter dem Gipfel vorbei (war zwar nicht meine Absicht aber egal). Eine Umleitung wegen Sprengarbeiten führt mich nun direkt zum Werk am Kalksteinbruch und nicht über den Gaisberg. Man kann in den Elfie Stollen schauen und sieht, wie das abgebaute Material ins Tal nach Molln befördert wird. Dieser Tunnel führt quer durch den ganzen Berg, ist aber als Abkürzer für mich ungültig, er bleibt den Steinen und Mitarbeitern des Steinbruches vorbehalten. Ich nehme mir vor, in Deckung zu gehen, falls ich einen langen Ton höre, der eine Sprengung ankündigt.

Nach Molln

Nach dem Steinbruch kommt eine große Kreuzung, hier kann man entscheiden, ob man über den Gaisberg und das Dürre Eck weiter will, oder durch den Dorngraben. Da ich im Steyr-Tal noch was vorhabe, entscheide ich mich für den Weg dazwischen, der ziemlich genau auf der 1.000 Meter Höhenlinie entlang läuft, durch einen hübschen Felsentunnel führt und mir am kürzesten erscheint.

Im Wald gibt es Orchideen! Vielleicht weiß jemand von euch wie sie heißen ?

Orchidee
Foto: Veronika Schöll

Dann geht’s abwärts und ich treffe auf den Salzsteigweg 09 (Notiz an mich – Salzsteigweg googlen!). Bei der Bundesstraße nach Molln angelangt, kann man dieser bis zur Gradau folgen, dort zweigt der Wanderweg zur Steyr hinunter ab. Da ich das nicht so prickelnd finde, lasse ich mir von einem netten Herrn, der gerade in seinem Garten arbeitet, eine Alternative dazu erklären. Ich biege von der Straße rechts ab in einen Feldweg und gehe dann entlang einer Wiese bis zum Stichweg, der hinunter zur Rinnenden Mauer führt. Immer wieder blitzt die tief unten gelegene Steyr in dunklem Grün und sattem Türkis durch die Bäume herauf.

Rinnende Mauer, Steyrschlucht und Flötzersteig

Ein kleiner, in Vor-Corona-Zeiten sicher vielbegangener Steig – heute treffe ich nur auf einen einzelnen Wanderer – führt zum Ufer der Steyr hinab. Rechts türmen sich meterhohe Mauern aus Tuffgestein. Das Wasser einer Quelle sickert durch das Gestein und tropft und rinnt und sprudelt daraus hervor, Pflanzen in allen Grünschattierungen bevölkern die senkrechte Wand. Fast Karibisch. Und fast drückts mir ein Tränchen heraus. So schön ist die Rinnende Mauer. Leider vergesse ich verzaubert auf die Zeit und den Bus von Molln nach Steyr Stadt.

In der Eile verkoffere ich mich ein wenig und verpasse nach dem Schluchtenblick die zur Brücke über die Krumme Steyrling führende Abzweigung (Weg 04) und gehe deshalb in weitem Bogen aus dem Auwald heraus, entlang der Bundesstraße bis zur Busstation Stephaniebrücke. Schöner und angenehmer ist es auf dem Weg Nummer 04 zu bleiben, der führt über Krumme Steyrling Brücke und Flötzersteig nämlich auch genau zur gleichen Busstation.

Wähle einen Ort um den Fahrplan zur Tour zu zeigen:

Tipp

Diese Tour ist wirklich sehr ausgiebig, man könnte sie auch aufteilen. Die Anreise von Wien nach Molln, um nur die Steyrschlucht und die Rinnende Mauer allein zu besuchen, ist aber doch recht lang.

Sehr kinderfreundlich erscheint mir allerdings der Weg von Trattenbach (öffentliche Anreise von Wien knapp 2 Stunden) durch das Feitlmacher Tal hinauf zum Klausriegler, am Weg gibt’s viel zu sehen, Picknickwiesen, Bacherl, Wasserspielplatz. Kleine, ambitionierte Gipfelstürmer können ja dann auch den Schobsi in Angriff nehmen und sich auf der Schobersteinhütte belohnen lassen (wenn diese wieder geöffnet ist).

Tourdaten

Die Route in Zahlen: Gehzeit 7h  1.000HM  1.000HM  23km  GPX Track

Diese Tour kann mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Wien und Linz erreicht werden.