Auf ein Eis am Großen Pyhrgas

Diese Tour wird in der Retrospektive nacherzählt. Ich sitze gerade ob eines Wolkenbruchs in einem polnischen Restaurant in Linz und erinnere mich heute – im Juli 2020 – an den Juni 2018. Da war noch keine Krise. Außer die oft unterschätzte „Ich-muss-dringend-weg-und-auf-einen-Berg-Krise“. Von der erfolgreichen Lösung dieses Zustandes möchte ich hier erzählen. Die Bilder wecken Erinnerungen. 

Anreise

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Die Vorfreude auf den Berg wächst. Aber welcher eigentlich? Tatsächlich fällt die Entscheidung für die konkrete Route der Wanderung erst unterwegs. Es soll der Große Pyhrgas werden, über den Hofer-Steig solls raufgehen. Passt! Das Wetter sieht nicht gerade nach guter Fernsicht aus. Untertreibung freilich. Denn sämtliche Berge sind wolkenverhangen, die Temperaturen und Aussichten aber ok. Nach reiflicher Überlegung und Prognose-Check kommt das ok von der Tourleitung. Also von mir selbst. Das sind unter anderem die Vorteile der Alleinreisenden: Entscheidungen stets mit absoluten Mehrheiten und dabei trotzdem streng nach basisdemokratischen Grundsätzen. Alle Meinungen wurden gehört und einbezogen… 😉

Nach einer wunderbaren Fahrt erreiche ich recht rasch meinen Zielbahnhof Spital am Pyhrn. Selbstverständlich muss der Bahnhof gleich inspiziert und das architektonisch spannende Gebäude fotografiert werden. Beim Besuch des Bahnhofshäusls fällt noch eine ledige, angebissene Leberkäs‘-Semmel inkl. einer ebenfalls angebissenen Dose Leichenwossa vor die Linse. Die Geschichte dazu kann man sich nur selbst ausmalen. I love it!  

Doktor-Vogelsang-Klamm

Los gings in Richtung Dr.-Vogelsang-Klamm. Eine Wasserfallschlucht, die ich noch aus meiner Kindheit kenne. Lange war ich nicht mehr dort. Über die Ortsstraße geht es gleich bergauf zum Einstieg. Wer den Ort Spital am Pyhrn besichtigen will, müsste vorher noch eine kleine Schleife machen.

Recht schnell bin ich oben beim Eingang. Etwas mehr als 5 € kostet mich das Ticket – und es ist quasi ein Tagesticket. Somit kann ich später beim Abstieg auch wieder die Variante über die Schlucht nehmen. Ich staune ob der Schönheit der Wasserfälle der tollen Luft und der großartigen und beruhigenden Geräuschkulisse.

Zwischen Ausstieg der Klamm und Bosruckhütte sehe ich eine simple Übersichtskarte, die ich bei meinen Touren meist abfotografiere. Für die Tour und fürs Archiv. 😉

Großer Pyhrgas

Weiter gehts vorbei an der Bosruckhütte bis zum Rohrauerhaus. Ich gehe über das Pyhrgasgatterl und übersehe gleich mal die Abzweigung nach links. Schnell bemerkt und gleich wieder zurück am richtigen Track gehts rauf durch Wald, bis man zur Baumgrenze kommt. Juhuuu!

Dann gehts felsig weiter. Eine ziemlich lange Passage mit Gefälle nach links wird von einer vertikalen Steigung abgelöst. Die Flanke und der Anstieg zum Schluss verdient es durchaus als Klettersteig bezeichnet zu weren. Sicher für Geübte, wenn auch keiner der gaaaanz schweren Sorte. Der Wind kommt gut an. Aber nicht bei mir. Die Aussicht wird immer besser.

Die Überraschung folgte dann auf den letzten Metern. Es wird so richtig eisig. Und es liegt Schnee! Oder Eis? Gar nicht wenig sogar. Wow! Vordergründig genieße ich dieses Naturereignis und bin letztendlich überwältigt von der Situation – obwohl es mit der Zeit ziemlich frisch wird in den Fingern.

Am Plateu treffe ich doch noch eine Wanderkollegin! Die erste menschliche Begegnung am heutigen Aufstieg. Es sei ihr erster Berg auf über 2.000 Meter, wie sie mir aufgeregt erzählt. Kurz innehalten und dann das obligatorische „Berg geil!“ mit Selfie am – mit 2244 m – höchsten Gipfel der Haller Mauern. Der Eintrag im fällt heute eis. (sic)

Jause und Ausrasten am Gipfel ist heute echt nicht drinnen. Wir suchen uns einen einigermaßen windgeschützen Platz unterhalb, stärken uns und gehen gemeinsam über die Hofalm-Route runter. Beide sind froh, als wir wieder eisfreien Boden unter den Füßen haben und die Luft nach und nach immer wärmer wird.

Nach fantastische Aussichten und vielen Entdeckungen am Wegesrand kehren wir noch auf ein Getränk mit kleiner Jause auf der Bosruckhütte ein und steigen über die Klamm zurück ins Tal.

Am Parkplatz dann die Verabschiedung von meiner Bergbekanntschaft – mein Weg führt noch weiter, wieder zurück zum Bahnhof.

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Tourdaten

Die Route in Zahlen: Gehzeit 8h  1.510HM  1.510HM  19km  GPX Track

Diese Tour kann mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Bischofshofen, Wien, Mürzzuschlag, Graz, Bruck an der Mur, Leoben und Linz erreicht werden.