Vom Attersee übers Höllengebirge zum Traunsee

Die zweitägige Wanderung von Weißenbach am Attersee über das Höllengebirge mit Übernachtung am Hochleckenhaus, zum Feuerkogel in Ebensee am Traunsee, verlangt von uns einiges an Kondition. Es sind nicht so sehr die Entfernungen oder die Höhenmeter, sondern das Gelände, das sich großteils durch felsiges Auf und Ab und ausgedehnte Latschenwälder charakterisiert. Dafür werden wir mit einer die ganze Tour begleitenden, spektakulären Aussicht mehr als entschädigt. Bis in den Sommer trifft man auf dieser langen Wanderung über den riesigen Gebirgsstock des Höllengebirges auf Altschneefelder. Jetzt im September sollten keine mehr übrig sein.

Panorama. Foto: Veronika Schöll
Panorama. Foto: Veronika Schöll

Anreise

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Weißenbach am Attersee ist erfreulicherweise einfach mit Bahn und Bus erreichbar. Wir sind diesmal zu viert unterwegs. Angelika, Didi, Martin und ich. Ich habe mich den Dreien erst sehr kurzfristig, nämlich am Vorabend, angeschlossen. Wir steigen in Weißenbach beim Landungssteg aus dem Bus. Direkt am See startet die Wanderung. Kurz nach dem Landungssteg geht es auf der rechten Seite der Straße in den Wald hinein.

Schoberstein und Mahdlgupf

Als wir mittags losgehen, ist das Wetter schon ein wenig herbstlich, aber doch recht warm. Das heißt unten am und über dem See ist es nebelig.

Unser erstes Ziel ist der Schoberstein, ein sehr beliebter Aussichtsberg. Dementsprechend viele Leute kommen den steilen Weg herunter. Alle in Sommerbekleidung. Das lässt uns hoffen, dass es oberhalb der Nebeldecke spätsommerlich sonnig sein wird.

Blick auf den Attersee. Foto: Veronika Schöll
Blick auf den Attersee. Foto: Veronika Schöll

Der Schoberstein ist nach eineinhalb Stunden erreicht. Der Nebel löst sich auf. Ab tausend Meter Seehöhe ist Sommer, das ist zwar sehr schön, bedeutet aber auch, dass wir alle ordentlich schwitzen werden. Am Weg bis zum Hochleckenhaus gibt es keine Quellen und keine Einkehrmöglichkeit, also ist es wichtig, sich einen entsprechenden Wasservorrat mitzunehmen.

Nach den üblichen Gipfelfotos wandern wir über den Bergkamm weiter zum Mahdlgupf. Didi und Martin entdecken nach Süden blickend den Hohen Sarstein oberhalb des Hallstätter Sees, den sie im Frühsommer bezwungen haben.

Gipfelfoto am Mahdlgupf. Foto: Martin Heppner
Gipfelfoto am Mahdlgupf. Foto: Martin Heppner

Auf den Mahdlgupf führt auch ein sehr bekannter Klettersteig. Unser Weg hinauf wird ebenfalls felsiger. Man sollte wirklich auf dem markierten Pfad bleiben und keine Abkürzung durchs geröllige Gelände suchen. Prompt tritt einer, der das trotzdem für notwendig hält, einen großen Steinbrocken los, der hinunter Richtung Wanderweg poltert. Sowas mag ich nicht auf den Kopf bekommen (…).

Am Mahdlgupf machen wir eine interessante Entdeckung am Himmel.

Dachsteinblick und Hochleckenhaus

Nach dem Besuch des Mahdlgupfs bleiben wir auf dem Kamm der Mahdlschneid und gelangen zum Dachsteinblick (1.559 Meter), dem höchsten Punkt des heutigen Tages. Der macht seinem Namen alle Ehre und bietet uns eine wunderschöne Sicht auf den Dachstein.

Bergauf ist für heute erledigt und wir erreichen das Hochleckenhaus am frühen Abend genau zum Sonnenuntergang und Küchenschluss (19 Uhr) nach fünfeinhalb Stunden Gehzeit. Der Hüttenwirt freut sich allerdings mehr, wenn man früher ankommt. 🙂

Alt werden wir in der Stube heute nicht. Wir alle vier sind müde und machen es uns in Zimmer und Lager gemütlich. Das gesamte Höllengebirge ist wasserarm, es gibt nur wenige Quellen und auch wenig Wasser auf der Hütte. Katzenwäsche mit kaltem Wasser im Waschraum der Hütte muss für heute reichen.

Sonnenuntergang am Hochleckenhaus. Foto: Veronika Schöll
Sonnenuntergang am Hochleckenhaus. Foto: Veronika Schöll

Von meinem Zimmer (Nummer 1) habe ich einen tollen Blick auf den nächtlichen Attersee, der von vielen Lichtern eingerahmt ist und auf den klaren Sternenhimmel.

Als ich morgens um 6:30 Uhr aufwache, entdecke ich auf der Wiese vor der Hütte eine große Herde Gämsen. Offensichtlich ist das hier ein Gämsenspielplatz. Die kleinen rennen im Zickzack durchs Gras, nachher wird ausgiebig gefrühstückt.

Den Sonnenaufgang über dem Traunstein schau ich mir auch noch an. Um 7:45 Uhr ziehen wir los.

Sonnenaufgang über dem Traunstein. Foto: Martin Heppner
Sonnenaufgang über dem Traunstein. Foto: Martin Heppner

Durchs Höllengebirge

Nach dem guten Frühstück fühlen wir uns der heutigen Aufgabe gewachsen, obwohl auf dem Wegweiser vorm Hochleckenhaus „Feuerkogel sieben Stunden“ steht. Darüber denke ich erst einmal nicht genauer nach.

Den ersten kleinen Gipfel, den Jagerkogel, nehmen wir gerne mit. Weiter geht’s in den berühmt-berüchtigten Pfaffengraben. Er trennt den östlichen vom westlichen Teil des Höllengebirges und kann, wenn in der Mittagshitze passiert, ganz schön anstrengend werden. Wir nützen die noch kühlen Morgenstunden. Anstrengend ist es trotzdem. Lang und steil führt ein Steig in den weitläufigen Graben hinunter und auf der anderen Seite wieder hinauf auf den Pfaffengrabenkogel und weiter auf den Grünalmkogel (1.821 Meter). Das Gelände ist felsig, teilweise mit Latschen überwachsen, zahlreiche Dolinen und Kraxelstellen begleiten unseren Weg. Trittsicher zu sein, ist kein Fehler, und das Ganze ist ein schönes Beintraining.

Am Weg zum Grünalmkogel. Foto: Martin Heppner
Am Weg zum Grünalmkogel. Foto: Martin Heppner

Den Grünalmkogel ziert ein neues „Gipfelkreuz“ das sehr zum Blödeln anregt. 

Am Grünalmkogel. Foto: Martin Heppner
Am Grünalmkogel. Foto: Martin Heppner

Beim Abstieg vom Grünalmkogel werden die beiden Langbathseen sichtbar. Über diese beiden Seen herauf zu kommen muss auch sehr hübsch sein, wenn auch schweißtreibend.

Wir wandern weiter Richtung Rieder Hütte. Der neuerliche Gegenanstieg ist steil und ein kurzes Stück leicht ausgesetzt. Ich bleibe lieber stehen um zum Hinteren Langbathsee hinunterzuschauen. Während des Gehens ist das keine so gute Idee.

Blick auf den Hinteren Langbathsee. Foto: Martin Heppner
Blick auf den Hinteren Langbathsee. Foto: Martin Heppner

Nach guten sechs Stunden Gehzeit erreichen wir die kleine gemütliche Rieder Hütte. Der bestens gelaunte Hüttenwirt schenkt Kaspressknödelsuppe und Skiwasser durchs Küchenfenster aus.

Blick auf die Rieder Hütte. Foto: Martin Heppner
Blick auf die Rieder Hütte. Foto: Martin Heppner

Feuerkogel und Seilbahn nach Ebensee

Die Pause tut gut. Noch eineinhalb Stunden bis zum Feuerkogel. Das Zischen in meinem Ohr wird immer lauter. Ich glaub, das ist der Radler, der am Feuerkogel bei der Bergstation der Seilbahn auf mich wartet.

Ausblick am Weg zum Feuerkogel. Foto: Veronika Schöll
Ausblick am Weg zum Feuerkogel. Foto: Veronika Schöll

Nach dem Endspurt fallen wir in den ersten Gasthof bei der Bergstation der Feuerkogelbahn ein und mischen uns unter die Tagesgäste. Ich fühle mich sehr heldenhaft, verdreckt und verschwitzt, euphorisch über die erbrachte Leistung und dankbar für diese wunderschöne Tour. Wir füllen unser Kalorien- und Flüssigkeitsdefizit in verschiedenster Form auf, Eisbecher, Radler, Weißbier.

Dann bringt uns die Gondel sicher nach unten.

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Von der Talstation bis zum Bahnhof Ebensee sind es eineinhalb Kilometer, die wir unter leisem Gestöhne hinter uns bringen.

„Der Bahnhof ist direkt am See, ich kann das Wasser riechen. Eigentlich wäre ich gerne noch hier geblieben, hätte die Füße ins Wasser gesteckt, in einer kleinen Pension eingecheckt und nach einer ausgiebigen Dusche gemütlich am See gegessen und mich dann in ein weiches dickes Daunenbett fallen lassen. Morgens dann auf der Seeterrasse gefrühstückt und langsam Abschied genommen vom Höllengebirge.“

Oh, der Zug kommt und reißt mich aus meinen Träumen.

Schön wars!

Tourdaten

Die Route in Zahlen: ↑ 2.200HM  2.200HM  24km  GPX Track

Diese Tour kann mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Salzburg, Linz und Wien erreicht werden.