Kreuzeckgruppe 7 Tage relaxed

Die Kreuzeckgruppe liegt zwischen Drautal und Mölltal und ist ein wunderschönes Wandergebirge. Vier Hütten ermöglichen eine abwechslungsreiche Gratwanderung mit herrlichen Ausblicken auf die Hohen Tauern und die südlichen Kalkalpen. Weil es so dort so schön ist, haben wir, meine Familie und ich, die Tour auf eine ganze Woche ausgedehnt.

Anreise

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Aufstieg mit Blick auf die Lienzer Dolomiten. Foto: Petra Jens
Aufstieg mit Blick auf die Lienzer Dolomiten. Foto: Petra Jens

In die Kreuzeckgruppe: aufs Anna-Schutzhaus

Am Bus-Terminal Winklern (ja, die Station heißt wirklich so) sucht man vergeblich nach einem Wegweiser zu Wanderwegen. Wanderer, die per Bus anreisen, sind hier nicht so ganz die Zielgruppe. Auf gut Glück queren wir die Hauptstraße und folgen einer kleinen Straße Richtung Süden. Nach einiger Zeit tauchen hölzerne Wegweiser auf. „Skilift“ bzw. „Ederplan“ ist unsere Richtung. Wir queren den Daberbach und folgen einem Schotterweg durch den Wald. Es geht stetig bergauf. Nach einer Kehre zweigt rechts ein Waldweg ab, jetzt wird es steil.

Statt der kalkulierten drei Stunden Aufstieg brauchen wir insgesamt, mit ein paar Pausen, fünf Stunden und geraten in den Regen. Endlich erreichen wir, ziemlich durchnässt, das Anna-Schutzhaus des ÖTK (1.992 Meter). Die alte Hütte ist liebevoll renoviert und geräumig, wir finden sogar einen Wäscheständer zum Trocknen der Kleidung.

Die 1882 errichtete Hütte trägt den Namen der Frau des Malers Franz von Defregger. Sie blickt einem im ersten Stock von einem großen Portrait entgegen.

Gipfelkreuz Zietenkopf. Foto: Petra Jens
Gipfelkreuz Zietenkopf. Foto: Petra Jens

Hugo-Gerbers-Hütte

Am nächsten Tag starten wir zeitig, um noch vor den Nachmittagsgewittern unser Ziel zu erreichen. Sechs Stunden ist die angegebene, reine Gehzeit. Die Etappe wird lang, wir rechnen mit acht Stunden. Über grüne Almböden geht es zum Grat, dem wir die nächsten Tage folgen werden. Die Aussicht ist atemberaubend – rechter Hand das Drautal mit den Lienzer Dolomiten, links das Mölltal mit den Hohen Tauern im Hintergrund. Der höchste Gipfel des Tages ist der 2.483 Meter hohe Zietenkopf.

Beim Wildseetörl tauchen plötzlich drei Gänsegeier auf, kreisen über uns und ziehen dann weiter Richtung Hugo-Gerbers-Hütte. Dort wollen wir auch hin. Bald können wir die Hütte in der Ferne sehen. Bis wir dort sind, dauert es aber noch ein paar Stunden.

Hugo-Gerbers-Hütte. Foto: Petra Jens
Hugo-Gerbers-Hütte. Foto: Petra Jens

Die Hugo-Gerbers-Hütte des ÖGV wird wochenweise von Freiwilligen des Vereins betreut. Zweimal im Jahr kommt ein Hubschrauber, alles andere muss herauf getragen werden. Die nächste Forststraße erreicht man in circa zwei Stunden. Das gilt auch für den Müll – alles, was man dort oben lässt, wird entweder per Hubschrauber, oder auf jemandes Rucksack hinunter transportiert. Besser also, man nimmt seinen Müll selbst wieder mit.

Vom Roten Beil hat man einen schönen Blick auf den Sonnenuntergang. Den „Hausgipfel“ erreicht man in 30 Minuten.

Sonnenuntergang vom Roten Beil. Foto: Petra Jens
Sonnenuntergang vom Roten Beil. Foto: Petra Jens


Wer, wie wir, hier einen Tag Pause einlegt, kann einen schönen Tagesausflug zum Scharnik (2.657 Meter) und/oder einem der nahe gelegenen Seen unternehmen.

Wir streifen in der Gegend herum und entdecken nahe der Kreuzelscharte einen Schafskadaver. Ob das das Ziel der Gänsegeier vom Vortag war?

Wir machen uns mit Wasserholen und Holzschlichten ein wenig nützlich und plaudern mit Gus aus den Niederlanden, der zu Fuß von Zürich nach Villach unterwegs ist.

Abends kommen die angekündigten Gewitter. Im Gastraum wird es langsam voll. Hannes und Gunnar tischen Chili con Carne auf. Nach dem Essen schnappe ich mir die Hüttengitarre und was an Liederbüchern vorhanden ist. Bei den bekannteren Gassenhauern singen alle mit. Schön ist das!

Zerteilter Schafs-Kadaver. Foto: Petra Jens
Zerteilter Schafs-Kadaver. Foto: Petra Jens
Einer der Seen rund um die Hugo-Gerbers-Hütte. Foto: Petra Jens
Einer der Seen rund um die Hugo-Gerbers-Hütte. Foto: Petra Jens

Feldnerhütte

Kosakenkreuz an der Kreuzelscharte. Foto: Petra Jens
Kosakenkreuz an der Kreuzelscharte. Foto: Petra Jens

Die nächste Etappe ist die anspruchsvollste der ganzen Tour. Wir wandern ziemlich ausgesetzt am Grat entlang und erreichen den höchsten Gipfel.

An der Kreuzelscharte erinnert das Kosakenkreuz an das dramatische Schicksal der vor Auslieferung an Russland geflohenen Kosaken.

Von da verlassen wir die grünen Almwiesen und es geht die nächsten Stunden über Geröll und Fels. Wer, wie ich, nicht schwindelfrei ist, muss sich jetzt gut konzentrieren und am besten nicht zu viel hinunter sehen.

Etwa zur Halbzeit erreichen wir das Hochkreuz (2.709 Meter). Hier treffen einander die Wandergruppen aus beiden Richtungen. Am Gipfel pfeift der Wind, Nebel zieht auf. Überall liegt Schafskot. Ich finde eine weggeworfene Plastikflasche, ein Kapperl und ein abgerissenes Edelweiß. Wir sammeln den Müll ein und machen uns an den Abstieg über ein Geröllfeld.

Aufstieg zum Hochkreuz. Foto: Petra Jens
Aufstieg zum Hochkreuz. Foto: Petra Jens
Aufstieg zum Hochkreuz. Foto: Petra Jens
Aufstieg zum Hochkreuz. Foto: Petra Jens
Aufstieg zum Hochkreuz. Foto: Petra Jens
Aufstieg zum Hochkreuz. Foto: Petra Jens


Beim Kirschentörl steht ein Briefkasten mitten in der Landschaft. Der perfekte Ort für eine Rast! Der Weg führt weiter unterhalb des Grats. Einige Stellen sind ausgesetzt, dafür tauchen rechter Hand die vierzehn Seen auf – ein schöner Anblick!

Beim Glenktörl kann man bereits die Feldnerhütte sehen. Die Kinder ziehen voraus, wir bleiben noch ein wenig sitzen. Da kommt, keine 15 Meter entfernt, ein Murmeltier aus dem Bau hervor!

Blick vom Glenktörl auf die Feldnerhütte. Foto: Petra Jens
Blick vom Kaltseetörl auf die Feldnerhütte. Foto: Petra Jens

Die Feldnerhütte der Alpenvereinssektion Steinnelke (2.182 Meter) liegt neben einem schönen See. Hier kreuzen sich die Nord-Süd sowie die Ost-West-Route über die Kreuzeckgruppe.

Wir legen auch hier einen extra Tag ein und besteigen am nächsten Tag den Dechant (2.609 Meter) und das Kreuzeck (2.701 Meter), das ist der Gipfel im Mittelpunkt der Kreuzeckgruppe.

Kurz vor dem Gipfel schwebt ein Steinadler ganz nah vorbei. Auf dem Weg zum Dechant springen wir in den Kaltsee (der heißt nicht nur so) und rasten dort. Über uns kreist ein riesiger Vogel. An den Flügeln sieht man weiße Markierungen – ein Bartgeier!

Salzkofelhütte

Schafe in der Kreuzeckgruppe. Foto: Petra Jens
Schafe in der Kreuzeckgruppe. Foto: Petra Jens

Wir starten um 7:30 Uhr und wandern ohne viel Steigung über Almen dahin.

Ab der Annaruhe (2.508 Meter) wird der Weg etwas schwieriger. Der Untergrund ist bröselig. Diese Etappe ist in unserer Gehrichtung etwas schwierig (da es hauptsächlich bergab geht) und wohl auch der Grund, warum die Überquerung eher in der anderen Richtung empfohlen wird. Diese Etappe ist bergauf etwas einfacher zu gehen.

Nach der Goldgrubenscharte wird der Weg ausgesetzt, der Untergrund ist auch hier sehr bröselig und rutschig. Bei nassem Wetter nicht zu empfehlen. Früher wurde hier nach Gold gegraben. An einer Stelle verschwinden die Seile in in einem Loch und wir rätseln, ob es sich um einen Bergwerksstollen handelt. Ich selbst habe an dieser Stelle keine Nerven und sehe zu, dass ich weiter komme.

Schwierige Stelle an der Goldgrubenscharte. Foto: Petra Jens
Schwierige Stelle an der Goldgrubenscharte. Foto: Petra Jens
Die Salzkofelhütte. Foto: Petra Jens
Die Salzkofelhütte. Foto: Petra Jens


Auf der romantischen Salzkofelhütte der Sektion Steinnelke (1.987 Meter) stärkt sich meine Familie bei Kaiserschmarren, ich bin ziemlich erschöpft und schlafe erst mal eine Runde.

Am letzten Tag brechen wir um 7:30 Uhr auf und steigen zuerst Richtung Salzkofel hoch (etwa 30 Minuten) um beim Wegweiser „Kreuzeckbahn“ nach rechts abzuzweigen. Über Almen und Geröllfelder geht es Richtung Kleinem Salzkofel bis zu einem Grat. Beim Gipfelkreuz des Koppen (2.158 Meter) gibt es einen letzten Panoramablick, dann geht es steil hinunter ins Tal.

Wir steigen in 4 Stunden circa 1.700 Höhenmeter hinab. Je näher wir uns der Bergstation der Kreuzeckbahn nähern, desto mehr Wanderer kommen uns entgegen. Unterhalb der Bergstation gehört der Waldweg wieder uns allein.

Die Luft wird immer wärmer, von unten hört man schon Autolärm. Ich mache mir Gedanken über unsere Wiedereingliederung in die Zivilisation. Irgendwo sollten wir uns waschen, bevor wir in einen Bus einsteigen.

Der Wanderweg spuckt uns bei ein paar Häusern mit gepflegten Gärten aus. Und siehe da – es gibt ein Bankerl mit Aussicht, ein Bächlein und eine Quellfassung. Wir sind gerettet! Schnell breiten wir unsere stinkigen Sachen aus, wechseln Schuhe, Kleider und erfrischen uns so gut es geht.

Wasser am Ende des Weges! Foto: Petra Jens
Wasser am Ende des Weges! Foto: Petra Jens

Die Bushaltestelle beim Gemeindeamt ist schnell ausfindig gemacht. Wir haben noch zwei Stunden Zeit und gehen beim Kirchenwirt essen. Zum Nachtisch gibt es dann ein richtig großes Eis – mit Melone oben drauf.

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Tourdaten

Fazit Sieben Tage Kreuzeckgruppe

Diese Tour lässt sich freilich auch in kürzerer Zeit absolvieren. Die Kreuzeckgruppe ist aber ein so schönes Gebirge, dass es sich lohnt, eine Woche zu bleiben. Vor allem bei einer weiteren Anreise. Bei jeder Hütte gibt es Abstiegsmöglichkeiten ins Tal, sollte das Wetter nicht mitspielen oder das Wandern zu anstrengend werden. Wer wie wir hin und wieder einen Tag Pause einlegt, findet überall Ziele für Tagesausflüge.


Diese Tour kann mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Klagenfurt, Wien, Graz, Bischofshofen, Salzburg, Lienz und Innsbruck erreicht werden.