Leobner von Wald am Schoberpass

Auf den Leobner von Wald am Schoberpass, herrliche Rundwanderung auf schmalen Wald-, Wiesen- und Almwegen, mit traumhafter Aussicht.

Auf meiner Zugfahrten nach Schladming bin ich immer wieder durchs schöne und sehr grüne Paltental gekommen. „Hier müsste man doch einmal aussteigen, um das Land der Grasberge zu erkunden“, habe ich mir jedes Mal gedacht. Martin gefällt diese Idee und so bitten wir Peter, uns eine passende Tour vorzuschlagen und bestenfalls zu begleiten. Das klappt auch. Wir haben diese Tour von Wien aus gemacht, von Graz ist sie aber noch besser öffentlich erreichbar.

Anreise

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Umstieg in St. Michael. Foto: Martin Heppner

Von Wald zur Aigelsbrunnalm

Vom Bahnhof Wald am Schoberpass gehen Peter, Martin und ich Richtung Ortszentrum bis zum Gasthaus Leitner. Da steht auf dem Platz davor ein Fahnenbaum, bei dem wir nach links abbiegen zu einer Brücke über die Schoberpass-Bundesstraße und den Paltenbach. Wir folgen dem ersten Wegweiser zum Naturfreundehaus.

Nach kurzer Zeit verlassen wir die Ortschaft Wald, wenden uns nach Westen, gehen weiter auf einer Asphaltstraße und kommen an den Siedlungen Hansl im Berg und Jodl im Berg vorbei (gejodelt hat niemand – noch nicht). Bei der nächsten Kreuzung, schon im Wald und weg von der Asphaltstraße, könnte man zum Naturfreundehaus abbiegen, uns zeigt aber ein kleiner gelber Holzpfeil mit roter Schrift, wie es auf den Leobner weiter geht, nämlich weiter nach Westen. Später wird auch die Aigelsbrunnalm angezeigt. Auf einem hübschen, zuerst flachen aber dann doch recht steilen Almweg durch den Wald, oberhalb der Palten, steigen wir über die Pucheggwiese und den Jungfernsprung zur Alm hinauf.

Die Aigelsbrunnalm sieht sehr einladend aus, es ist bereits sommerlich warm und wir füllen unseren Flüssigkeitsbedarf mit einer köstlichen Schwammerlsuppe auf. Da wir am Weg recht viele Eierschwammerl gesehen haben, sind wir fast sicher, woher die in der Suppe kommen. Nach einer kurzen Beratung, an der auch die Gäste auf der Alm rege Anteil nehmen, beschließen wir bei unserer anfänglichen Wahl zu bleiben und auf den Leobner und nicht auf die ebenfalls sehr attraktive Lahnerleitenspitze zu wandern.

Peter, Martin und ich haben überlegt, warum es hier Leobner und Leobner Mauer heißt, obwohl Leoben nicht in unmittelbarer Nähe ist. Später habe ich dann Austria Wiki befragt. Leoben kommt vom slawischen Wort Liuben und bedeutet lieblich. Das heißt unser Ziel ist heute ein lieblicher Berg. Ob das stimmt?

Übers Leobner Törl auf den Leobner

Gut gestärkt steigen wir auf einem schmalen Wiesenpfad hinauf zum Leobner Törl.

Je höher wir kommen, desto eindrucksvoller wird die Aussicht. Leider ist es etwas dunstig. Von Norden blítzen die ersten Gipfel des Gesäuses über den felsigen Rücken der Leobner Mauer, die dem Leobner vorgelagert ist. Ich kann es gar nicht erwarten, die Gesäuseberge in ihrer vollen Pracht zu sehen und bin ziemlich sicher, das ist der Grund, warum ich nicht an die Hitze und den steilen Weg denke.

Nach der Aigelsbrunnalm Richtung Leobner Törl. Foto: Martin Heppner

Und da ist sie, fast die gesamte Gesäuse-Prominenz: Großer Ödstein, Hochtor, Planspitze. Auf dem Törl ist die Aussicht hinüber wirklich gewaltig. Weiter oben kommen dann noch Admonter Reichenstein, Lugauer und Kaiserschild dazu. Gipfelzählen und benennen. Da ist Peter der beste, er kennt sie alle.

Am Törl kann man sich auch entscheiden, ob man die Lahnerleitenspitze, Speikkogel und Hinkareck erobert und dann über Enzianboden und Brunnebenalm nach Wald hinunter geht, ob man nach Johnsbach weiterwandert oder wie wir den Leobner als sein Ziel auswählt.

Am Leobner Törl, Gesäuse Blick. Foto Martin Heppner

Nachdem wir genug geschaut haben, steigen wir im Zickzack über eine steile Wiese in der Ostflanke des Leobners ganz hinauf zum Gipfel-Kreuz. Oben sind wir platt. Weil es heiß ist und das mehr als 1300 Höhenmeter im Aufstieg waren, aber hauptsächlich wegen der 360 Grad Rundumsicht. „Hier ist es ja noch schöner ist als ich gedacht habe!“ Martin kann es fast nicht fassen. Peter und ich auch nicht. Wir setzen uns ins Gras, mit Blick ins Gesäuse, bis zum Grimming und zum Dachstein hinüber und chillen ein bisschen.

Panorama Leobner, Leobner Mauer, Lahnerleitenspitze. Foto: Veronika Schöll

Wir machen etwa vierzig Minuten Pause – lang genug um erfrischt hinunter zu gehen, trotzdem wäre ich gerne ganz lange oben geblieben. Wir wollen aber den Zug um 18:05 erwischen.

Abstieg vom Leobner übers Haberlkar

Langsam machen wir uns dann doch abmarschbereit und schießen noch ein paar Gipfelfotos. Der Abschied fällt schwer. Kurze Zeit wandern wir noch auf der gleichen Höhe in Richtung Westen, dann geht der schmale Steig zum Haberlthörl hinunter.

Abstieg vom Leobner zum Haberlthörl. Foto: Martin Heppner

Da wir hauptsächlich über Wiesen gehen, habe ich oben auf dem Gipfel von den festen Schuhen zu meinen Barfußschuhen gewechselt. Das war ein guter Tausch. Ich muss mich zwar mehr konzentrieren wo und wie ich steige, aber dafür ohne heiße Füße. Jedenfalls habe ich guten Grip und der direkte Kontakt zum Boden macht mir Spaß. Und ich kann unterwegs immer wieder in den Bach neben dem Weg steigen und meine Füße kühlen, das Wasser rinnt einfach durch die Schuhe durch. Sehr erfrischend.

Direkt am Thörl steigen wir links ins Haberlkar ab, das ist eine recht steile Wiese. Zuerst unter einem Stacheldrahtzaun durch und dann über Steigspuren mehr oder weniger in Falllinie nach unten. Die Steigspuren verlieren sich im hohen Gras und in den Heidelbeerbüschen. Die gerade reifen Früchte springen mir fast von alleine in den Mund :-).

Steigspuren ins Haberlkar. Foto: Martin Heppner
Steigspuren ins Haberlkar. Foto: Martin Heppner

Wir halten uns einfach an drei kleine Moorlacken, die schon von oben zu sehen sind und hinter denen rechts ein Jägersteig beginnt. Bei der letzten Lacke steht auch noch ein sehr luxuriöser Hochstand. Kann man nicht verfehlen. Der Jägersteig führt weiter ins Tal bis zu einem Jagdgatter, das wir zuerst rechts umrunden. Bei einem offenen Tor gehen wir hinein und durchqueren das Gatter, drinnen herrscht Wegegebot, das heißt Benützungspflicht der Wege.

Nach dem Gatter wandern wir weiter auf der Forststraße Richtung Wald, fantasieren von kühlem Bier und treffen dann nach einer lange Querung entlang der 1300 m Höhenlinie wieder auf den Aufstiegsweg. Durch den Puchgraben geht es immer weiter ins Tal, zuerst auf dem Aigelsbrunnalmweg, auf einer Forststraße und dann wieder auf der schon bekannten Asphaltstraße. Nach dem Jodl im Berg verlässt uns allerdings die Geduld, auf dieser Straße weiter zu gehen und wir kürzen neben dem Schlepplift am Rand der Skipiste (recht steile, frisch gemähte Wiese) ab.

Hinunter über die Skipiste zum Bahnhof Wald am Schoberpass. Foto: Martin Heppner

Wir kommen ziemlich genau und pünktlich oberhalb des Bahnhofes nach Wald.

Tourdaten

Die Route in Zahlen: Gehzeit 7h  1.400HM  1.400HM  215km  GPX Track

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Am Bahnsteig höre ich dann doch ein leises Jodeln, das ich oben am Berg fast vermisst habe, als Martin und Peter sich ihrer Schuhe entledigen. Ich deute es als Freude darüber, endlich die schweren Berghammerln los zu sein.

Beim Einsteigen in den Zug entdecken wir unsere Zugs-Bekanntschaft von heute Morgen. Die drei waren am Gösseck. Ein gsunder Hatscher, aber sie sehen noch recht frisch aus. Wie reißen uns nach gegenseitigen Mitleidsbekundungen über schmerzende Füße zusammen und plaudern ein wenig mit Johannes und seinen Begleitern über deren Tour. Dann lassen wir uns erschöpft in die gepolsterten Regionalzug-Sitzbänke fallen.


Diese Tour kann mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Graz, Bruck an der Mur, Leoben, Wien, Wiener Neustadt, Mürzzuschlag und Bischofshofen erreicht werden.