Grüner See zur Sonnschienalm

Äußerst malerische Wanderung / Schneeschuh- / Schitour vom Grünen See in Tragöß über die Russenstraße auf die noch viel malerischere Sonnschienalm. Eine sensationell schöne Gegend!

Die Anreise nach Tragöß Oberort ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln Samstag und Sonntag nicht möglich. Wir reisen also schon am Freitag an.

Wir nehmen den letzten Zug mit Anschluss zum Bus nach Tragöß. Kurz vor sieben Uhr am Abend kommt man so in Tragöß an. Der Gasthof Post wird gerade renoviert – daher können wir dort nicht übernachten. Fast direkt daneben sind die Ferienwohnungen Thaller (+4338688715) und dort reservieren wir für uns beide. Mit Frühstück zahlen wir EUR 30,- für die Nacht. Sehr empfehlenswert! Frau Thaller fährt uns auf ihren eigenen Vorschlag hin sogar noch zum Grünen See hinauf, wodurch wir uns 30-40 Minuten Fußmarsch in der Früh ersparen!

Ein Wort noch zur Anreise mit der ÖBB, das ich auf dieser Fahrt gelernt habe. Es lautet: „Taxigutschein“
Wir hätten in Bruck an der Mur 7 Minuten Zeit um vom Bahnsteig bis zum Bus am Bahnhofsvorplatz zu gehen. Unser Zug hat in Bruck an der Mur allerdings 7 Minuten Verspätung. Wir laufen hinaus – um gerade noch die Rückseite der Buslinie 175 abfahren zu sehen. Um es kurz zu machen: Einen erbosten Anruf an der ÖBB Serviceline später weiß ich, dass wir an dieser Stelle entweder einen Nächtigungsgutschein erhalten hätten können – oder einen Taxigutschein. Da am Samstag eben kein Bus nach Tragöß fährt, bringt uns die Übernachtung in Bruck nichts – wir wählen also den Taxigutschein. Ein mehrstelliger Abholcode wird mir per SMS auf mein Handy geschickt, wir gehen zum ÖBB Ticketautomaten, tippen diesen ein und der Taxigutschein wird gedruckt. Vorbedingung hierfür ist, dass das ÖBB Ticket schon bis Tragöß gekauft wird! Ich muss das Taxi jetzt selbst zahlen, kann dann nachher mit Originalrechnung (und einem weiteren Formular) bis zu EUR 50,- zur Refundierung beantragen. Effizient ist das nicht, effektiv aber schon. Das Taxi kostet uns EUR 52,70 und wir sind kurz vor 19:00 Uhr in Tragöß!

Tragöß

Didi und ich kommen praktisch beide aus dem Büro und wären einem Abendessen nicht abgeneigt. Der Gasthof Post hat ja geschlossen – die Kegelbahn daneben ist offen. Der Hunger treibt uns hinein. Als wir die Türe öffnen und eintreten, prallen zwei Welten aufeinander. Ich will nicht sagen „…die nicht gößer sein könnten“, aber ich muss mich schon recht anstrengen um mir Kombinationen auszudenken, in denen die Welten unterschiedlicher wären: Drinnen lauter Steirer. Aktive Kegler und Fangemeinde. Die einen aus Tragöß, die anderen aus Kindberg. In Kegelsportbekleidung. Wir haben keine Ausgehkleidung mit, sondern stehen dort so in der Tür, wie wir am nächsten Tag losgehen möchten. Ich mit Tourenschischuhen. Alle Augen auf uns gerichtet. Gerade, dass sie die Anfeuerungsrufe nicht für eine Schrecksekunde unterbrechen. Kleine Mädchen laufen zu ihren Müttern und fragen „Was sind das für Männer?“

Da alle – exklusive der kleinen Mädchen – eine Flasche Bier in der Hand halten, bestellen wir uns auch eines um unseren guten Willen zur Anpassung zu demonstrieren. Zu Essen gibt es eh nichts, insofern brauchen wir die Kalorien sowieso.

Nach dem Bier gehen wir zurück in die Pension und freuen uns schon auf das Frühstück um 7:00 Uhr, das uns Frau Thaller versprochen hat.

Grüner See

Wie eingangs erwähnt, fährt uns Frau Thaller nach dem Frühstück freundlicherweise zum Grünen See hinauf. Diese Strecke ist weitgehend schneefrei, wir hätten unsere Schneeschuhe und Schi tragen müssen.

So müssen wir nur die kurze Strecke vom Parkplatz vor dem Grünen See bis zur scharfen Kehre der Straße nach links tragen. Dort zweigt der Wanderweg geradeaus ab und es liegt ab dort durchgängig Schnee.

Der Grüne See ist im Winter recht leer.
Der Grüne See ist im Winter recht leer.
Abzweigung von der Forststraße auf den Wanderweg.
Abzweigung von der Forststraße auf den Wanderweg.

Im Wesentlichen folgen wir der Straße Richtung Janningalm. Wo es möglich ist, kürzen wir per Luftlinie ab – so etwa über die zugefrorene Pfarrerlacke. Wir gehen extra mit großem Abstand, weil wir nicht wissen wie dick die Eisschicht ist. Außer der bekannten Spannungsgräusche macht die Eisschicht aber nichts.

Wir kürzen über die Pfarrerlacke ab
Wir kürzen über die Pfarrerlacke ab

Bis kurz vor der Jassingalm fahren ab und zu Autos an uns vorbei – wir sind nicht mehr alleine.

Parkplatz vor der Jassingalm
Aufstieg durch den Wald

Russenstraße

Vom Parkplatz führt der Weg nördlich der Jassingalm vorbei. Die Russenstraße selbst ist mit einem Kettenfahrzeug präpariert worden. Der Weg liegt teilweise auf dieser geräumten Strecke, teilweise kürzt er dazwischen mittels direkter Linie ab. Es geht stetig bergauf, aber durchwegs mit moderater Steigung.

Aufstieg durch den Wald
Aufstieg durch den Wald
Die Russenstraße ist mit einer Pistenraupe präpariert.
Die Russenstraße ist mit einer Pistenraupe präpariert.
Russenstrasse
Russenstrasse
Sonst weisen Steinmänner den Weg. Hier Schneemänner.
Sonst weisen Steinmänner den Weg. Hier Schneemänner.

Kurz vor dem Erreichen der großen Almfläche sieht man schon die Nachbarsberge im Süden: Trenchtling, Griesmauer. Weiter oben wird das Panorama noch viel besser!

Panorama auf den Trenchtling
Panorama auf den Trenchtling

Sonnschienalm

Bis zur Sonnschienhütte brauchen wir insgesamt 3,5 Stunden. Das inkludiert auch eine Pause, in der ich abfelle, um einen Hang hinunterzufahren, weil ich den so schön gefunden habe.

Auf der Sonnschienalm hat man eine sehr schöne Auswahl an Schneeschuhtouren und Schitouren. Am Bild unten ist links der Ebenstein zu sehen, mittig der Polster. Hier gibt es verschiedene Hänge mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, sodass für jeden etwas dabei sein sollte.

Das Besondere an der Sonnschienhütte ist sicherlich, dass sie im Winter geöffnet hat. Besonders freundlich sind mir die Hüttenleute aber nicht vorgekommen, was das positive Gesamtbild etwas stört.

Insgesamt ist die Sonnschienalm absolut eine Empfehlung für den Winter wert!

Sonnschienalm
Sonnschienalm
Sonnschienhütte
Sonnschienhütte

Wie kommt man von der Sonnschienalm wieder heim?

Ich habe im Vorfeld alle Möglichkeiten in die vier Himmelsrichtungen durchgeplant:

Nach Westen: Schiwanderung bis zur Frauenmauer, nördlich daran vorbei um dann zur Gsollkurve hinunter zu fahren. Diese Variante ist die einzige, die wirklich direkt zu einer Haltestelle führt, an der am Wochenende Busse vorbei kommen. Risiko: Kein, oder wenig Schnee nach der Frauenmauer. Das bedeutet dann keine Abfahrt, sondern Schi lange tragen.

Nach Norden: Hier gibt es die Möglichkeit links vom Ebenstein nach Wildalpen abzufahren und kurz vor der Salza die Waldsauna zu besuchen. Oder rechts vom Ebenstein und durch das Brunntal hinauszugehen. In beiden Fällen hat man bei der Salza nur einen Rufbus kurz vor halb fünf mit dem man nach Hieflau fahren kann. Den muss man aber mindestens eine Stunde vorher reservieren (+436765870031).

Nach Osten: Über die Häuslalm zum Bodenbauer hinunter. Diese Variante wählen wir. Sie ist deutlich kürzer, als die nach Westen und recht schneesicher, so dass man mit hoher Wahrscheinlichkeit bis kurz vor den Bodenbauer fahren kann. Der Grund warum wir diese Variante wählen liegt darin, dass wir uns im schlimmsten Fall ein Taxi rufen und von Thörl weg mit dem Bus bis Kapfenberg fahren können. Da der Bodenbauer ein so beliebter Ausgangspunkt ist, hoffen wir jedoch darauf, dass wir mit jemandem mitfahren können.

Nach Süden: Wieder zurück nach Tragöß erscheint mir die Abfahrt einerseits nicht so attraktiv zu sein – wichtiger aber noch: Der erste Bus fährt am Montag in der Früh um 4:50 Uhr in Tragöß ab. Natürlich gibt es auch hier die Möglichkeit ein Taxi zu rufen. Das kostet aber etwas über EUR 50,-, wie wir bei der Hinfahrt (Vom Grünen See zur Sonnschienalm) herausgefunden haben.

Kleiner Ebenstein

Wir brechen zwar bei der Sonnschienalm auf, gehen aber noch schnell vorher auf den Kleinen Ebenstein hinauf um in den Murmelboden abzusteigen (Didi mit Schneeschuhen) / abzufahren (ich mit Tourenschi).

Gipfel Kleiner Ebenstein
Gipfel Kleiner Ebenstein

In eineinhalb Stunden sind wir oben am Gipfel des Kleinen Ebensteins. Eine halbe Stunde später schon im Murmelboden. Die 500 Höhenmeter hinunter sind für mich mit den Tourenschi kein Problem. Für Didi mit den Schneeschuhen offensichtlich auch nicht: Während ich noch abfelle, geht er schon los. Wir haben extra Funkgeräte mitgenommen, damit wir Kontakt halten können.

Murmelboden – Häuslalm

Ich fahre so weit ich kann und so weit ich mit dem Schwung komme. Dann felle ich wieder auf. Inzwischen kommt Didi schon daher und steuert auf den Wald zu, hinter dem wir den Sackwiesensee wissen.

Murmelboden
Murmelboden

Wir halten uns rechts um auf den Wanderweg zu kommen. Auf diesen schwenken wir ein um nicht selbst spuren zu müssen.

Weg ist leicht zu finden, weil stark frequentiert.
Weg ist leicht zu finden, weil stark frequentiert.

Es liegt hier schon einiges an Schnee. Man merkt das an der Sackwiesenalmhütte, die man am Titelbild oben sieht – oder auch nicht, weil nur mehr der oberste Teil des Rauchfangs heraus schaut!

Vom Murmelboden bis zur Häuslalm brauchen wir etwas über eine Stunde. Was ich bisher nicht wusste: Die Häuslalm ist von Donnerstag bis Sonntag auch im Winter geöffnet. Auch übernachten kann man dort!

Wir gehen hinein und essen eine Suppe, bevor wir absteigen / abfahren. Obwohl es sehr voll ist, bekommen wir unser Essen und die Getränke sehr rasch.

Häuslalm
Häuslalm

Abfahrt zum Bodenbauer

Abfahrt / Abstieg von der Häuslalm
Abfahrt / Abstieg von der Häuslalm

Bei der Abfahrt lasse ich mir Zeit und warte immer wieder auf Didi. Es sind etwas mehr als 600 Höhenmeter von der Häuslalm bis zum Bodenbauer hinunter. Das kann man mit Schi gut in 20 Minuten zurücklegen. Ich brauche 40 Minuten, weil ich dazwischen immer wieder warte. Didi braucht aber nur 10 Minuten länger – ist also richtig schnell unterwegs. Noch dazu erwischt er die bessere Route: Ich habe mich zu weit rechts gehalten und bin das letzte Stück quasi auf Blankeis gefahren. Weiter links – sehe ich davon von unten – wäre im Talgrund mehr Schnee gewesen.

Bodenbauer
Bodenbauer

Von der Sonnschienhütte kann man also in unter drei Stunden ganz gut zum Bodenbauer kommen.

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   2 Tage Skitour   1.400 HM   1.300 HM   21 km   GPX Track

Vom Bodenbauer gibt es nur zwei Möglichkeiten: Taxi rufen, oder mit jemandem mitfahren. Zweiteres ist relativ einfach, weil der Parkplatz gerammelt voll ist. Wir stellen uns hin und schauen wer zum Auto geht. Bereits beim zweiten Anlauf nimmt uns ein Tourengeher nach Kapfenberg mit.

Taxi rufen ist auch einfach. Da es dort keinen, oder nur ganz geringen Empfang gibt, muss man das Taxi im Gasthaus über die Festnetzleitung rufen lassen.