Öffi-Skitour Dobratsch

Das Wetter ist herrlich, die Berge rundherum alle weiß – ich habe Lust auf eine kleine Skitour. Da ich darauf nicht vorbereitet war, habe ich meine Ausrüstung nicht in Klagenfurt. Besser gesagt: Ich habe nur meine ganz alte Skitourenausrüstung hier in Klagenfurt. Und weil ich alleine gehen werde, muss es eine ganz einfach und ungefährliche Tour sein. Dobratsch oder Klagenfurter Hütte, sagt mein Papa. Auf den Dobratsch fährt ein Bus. Also Dobratsch.

Anreise

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Wenn ich mit Leuten in Kärnten über die öffentliche Anreise zu Bergtouren spreche, dann höre ich oft: „Das geht in Kärnten nicht.“ Mein Papa gehört da genauso dazu, wie Vertreter des lokalen Alpenvereins. Ist irgendwie komisch, weil ich finde, dass die Busverbindung vom Villacher Bahnhof (mit verschiedenen Sationen unterwegs) zur Rosstratte am Dobratsch hinauf perfekt ist! Sogar die Rückfahrten hinunter sind in optimalem zeitlichen Abstand, wodurch für die Schnellen und die Langsamen eine Verbindung dabei ist.

Aber man weiß ja auch: Wer sagt „Das geht nicht“, meint eigentlich „Ich will nicht“. Auch gut. Mir hat es gefallen und vielleicht ist es eine Anregung für dich?

Parkplatz Rosstratte. Foto: Martin Heppner
Parkplatz Rosstratte. Foto: Martin Heppner

Dobratsch – Villacher Alpe

Kurz vor 9:00 steige ich aus dem Bus aus. Der Parkplatz ist schon recht gut gefüllt – sehr viele Menschen sind schon unterwegs: Fußgänger mit und ohne Snowspikes an den Schuhen, sowie mit und ohne Rodel, Schneeschuhwanderinnen, Tourengeher – sogar ein E-Mountainbike-Fahrer.

Zu den „Schneeschuhwanderinnen“: Wenn Männer mit Schneeschuhen unterwegs waren, dann habe ich sie nicht bemerkt. Wird mein genetisch eingebauter / angelernter Filter sein. Da ich aber sogar ein Pärchen gesehen habe, wo er mit Tourenski und sie mit Schneeschuhen unterwegs war, ist an diesem Tag bei mir der Eindruck hängen geblieben, dass hier Schneeschuhwandern weiblich wäre. Was immer das bedeuten mag.

Nach der Rosstratte. Foto: Martin Heppner
Nach der Rosstratte. Foto: Martin Heppner

Als Skitour ist von der Rosstratte weg weder im Aufstieg eine Herausforderung, noch in der Abfahrt. Den Teil von und nach Heiligengeist kenne ich nicht und kann dazu nichts sagen.

Der Fahrweg ist mit einem Ratrack präpariert und nicht zu steil. Ab und zu sieht man Aufstiegsspuren ins Gelände hinaus abzweigen. Diese wäre schöner zu gehen, weil dort dann einfach weniger Menschen unterwegs sind. Allerdings hält mich meine Ausrüstung davon ab, eine so steil angelegte Spur zu wählen: Meine Tourenski in Klagenfurt sind aus den 90ern, die Felle halten nicht mehr besonders gut. Außerdem weiß ich nach den ersten 30 Minuten wieder, warum ich mir neue Skischuhe gekauft habe: Die alten reiben hinter den Knöcheln. Auf beiden Seiten. Als der Senderturm in Sichtweite ist, haben sich die Schmerzen etwas reduziert: Die Flüssigkeit in den Blasen reduziert die Reibung enorm. Nicht dass es dadurch besser wäre. Nur blutiger 🙁

Dobratsch. Foto: Martin Heppner
Dobratsch. Foto: Martin Heppner

Ich bin nicht wirklich schnell unterwegs und nach 1,5 Stunden am Gipfel.

Dobratsch Gipfel. Foto: Martin Heppner
Dobratsch Gipfel. Foto: Martin Heppner

Dort mache ich eine ausgiebige Rast und schaue mir das Bergpanorama rundherum an. Als Kind war ich auf viele der Berge rundherum. Damals bin ich allerdings immer nur mitgegangen und habe nur ganz wenige Assoziationen zu den Wanderungen und direkt zu den zugehörigen Bergen. Mein Papa hat mir damals immer die Gipfel rundherum aufgezählt. Hat mich wenig interessiert und mir nie etwas davon gemerkt. So geht es mir heute mit meinen Kindern. Ich kann mich an jeden Gipfel, auf den ich selbst bestimmt gestiegen bin, erinnern (an die, die ich vergessen habe, erinnere ich mich ja nicht mehr) und benenne diese begeistert.

Heute bin ich aber alleine hier oben und habe niemanden dabei, dem ich was erzählen könnte. Auf jeden Fall freue ich mich den Großglockner wieder zu sehen. Mir fällt dann ein, dass ich in der Volksschule das Kärntner Heimatlied mit der ersten Strophe „Dort, wo Tirol an Salzburg grenzt, des Glockners Eisgefilde glänzt;“ lernen musste.

Blick vom Gipfel nach Westen. Foto: Martin Heppner
Blick vom Gipfel nach Westen (ohne Glockner). Foto: Martin Heppner

Schließlich felle ich ab und fahre ab. Eine kurze Passage fahre ich durch den Tiefschnee. Ist der Schmerz bei den offenen Stellen wirklich so schlimm? Ja, ist er. Also zurück auf die Fahrstraße.

Damit ist auch die Abfahrt technisch völlig unschwierig.

Einmal gibt es eine Gegensteigung. Normalerweise würde ich hier im Skatingschritt hinauf laufen. Mit den offenen Stellen an den Füßen, habe ich hier wenig Spaß und quäle mich bergauf.

Auch das aller letzte Stück vor der Rosstratte geht wieder leicht bergauf. Hier schnalle ich mir die Ski ab und auf den Rucksack und gehe das Stück zu Fuß.

Das Gasthaus Rosstratte hat wegen Corona derzeit nur Take away. Das nutzen aber sehr viele Menschen. Normalerweise würde ich mich jetzt auch hier reinsetzen und etwas essen.

Angenehm ist auch, dass an der Rückseite des Gasthauses die Toiletten geöffnet haben. Auch wenn das kein besonders schönes Thema ist – noch unschöner fände ich es lauter „Papiertaschentücher“ rund um den Parkplatz herum verstreut zu finden. Das wird dadurch glücklicherweise vermieden.

Der erste Bus fährt um 12:50 hinunter, der nächste um 15:50.

War sehr schön – ganz besonders natürlich bei dem Sonnenschein! Das nächste Mal nehme ich mir meine Skitourenausrüstung aus Wien mit.

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Tourdaten

Die Route in Zahlen: Gehzeit 2.5h  500HM  500HM  9km  GPX Track

Optional: Abfahrt nach Heiligengeist

Eigentlich wäre, ausreichend Schnee vorausgesetzt, die Abfahrt bis Heiligengeist möglich. Leider gibt es am Wochenende dort keinen Linienbus. Ich habe es nicht ausprobiert, kann mir aber nicht vorstellen, dass ein Taxi für die 11 Kilometer vom Parkplatz des Almgasthaus Hundsmarhof bis zum Bahnhof viel kostet. Werde ich das nächste Mal probieren.