Naturparkbus statt Skilift (Mi, Do, Fr)

Sendeturm auf der Villacher Alpe. Foto: Martin Heppner

Ich habe letztes Jahr ein paar Tage früher eine Skitour auf den Dobratsch gemacht. Dass ich das dieses Jahr schon wieder mache ist nicht weiter verwunderlich, weil wenn ich meinen Papa besuchen komme, dann nehme ich weder meine ganze Ausrüstung mit, noch will ich den ganzen Tag weg sein. Ich suche also eine schnelle, einfache Tour, die ich alleine machen kann, öffentlich erreichbar ist und relativ lawinensicher ist.

Mein Startpunkt heute: Klagenfurt West. Foto: Martin Heppner
Mein Startpunkt heute: Klagenfurt West. Foto: Martin Heppner

Es gibt Leute die gehen von der Rosstratte 400 Höhenmeter hinauf und fahren 400 Höhenmeter zu ihrem Auto zurück. Andere, sportlichere, gehen vom Parkplatz bei Heiligengeist 1.200 Höhenmeter hinauf und fahren dann 1.200 Höhenmeter zu ihrem Auto ab.

Ich habe kein Auto und kann daher von der Rosstratte 400 Höhenmeter hinauf gehen, aber 1.200 Höhenmeter nach Heiligengeist hinunter fahren. 🙂

Um das tun zu können, fahre ich nach Villach und steige am dortigen Hauptbahnhof in den Naturpark-Bus um. Der Busfahrer erklärt mir entschuldigend, dass die Fahrt hinauf und hinunter nicht mit dem Klimaticket abgegolten wäre. Ich müsse die EUR 3,- extra zahlen. Ist für mich absolut in Ordnung, weil ich einfach wahnsinnig froh bin, dass es diesen Wanderbus zwischen Dezember und Anfang April gibt.

Hinweis: Der Naturpark-Bus fährt nur Mittwoch bis Sonntag.

Naturpark-Bus. Foto: Martin Heppner
Naturpark-Bus. Foto: Martin Heppner

Die Busfahrt dauert fast eine dreiviertel Stunde. Zuerst fährt der Bus so durch Villach, dass möglichst viele Leute zusteigen können. Dann zieht sich die Fahrt bis zum Parkplatz Rosstratte, weil man ja doch den ganzen Bergrücken entlang & hinauf fahren muss. Um 8:47 steige ich aus.

Skitour von der Rosstratte auf den Dobratsch-Gipfel

Der Weg von der Rosstratte ist im Sommer ein Schotterweg. Im Winter wird er präpariert und wird von Skitourengehern, Schneeschuhwanderern, Winterwanderern und Rodlern gleichermaßen genutzt.

Start bei der Rosstratte. Foto: Martin Heppner
Start bei der Rosstratte. Foto: Martin Heppner

Die ersten beiden Kehren lege ich nur im Aufstieg zurück. Bei der Abfahrt werde ich den Hang – von unten aus gesehen – ganz rechts hinunter fahren.

Schon von zu Beginn der Tour an bietet die Bergkullise rundherum alles auf was in Kärnten an Bergen erwähnenswert wäre. Mit jedem Schritt wachsen die Berge in die Höhe und geben ein noch beeindruckenderes Bild ab.

Mit jedem Schritt gewinne ich an Höhe und wird das Panorama immer gewaltiger. Foto: Martin Heppner
Mit jedem Schritt gewinne ich an Höhe und wird das Panorama immer gewaltiger. Foto: Martin Heppner
Blick zurück mit den Karawanken im Hintergrund. Foto: Martin Heppner
Blick zurück mit den Karawanken im Hintergrund. Foto: Martin Heppner

Der Weg von der Rosstratte zum Gipfel der Villacher Alpe ist einfach und unschwierig. Es sind nur etwa 400 Höhenmeter und etwas mehr als 4 Kilometer. Ich brauche recht genau 1 1/2 Stunden. Es ginge sicher schneller, nur sind die vielen Kehren tückisch: Ich gehe vor mich hin, Blick auf die Nockberge, die erste Faszination ebbt schließlich ab, die nächste Kehre kommt und dreht mich um 180° herum: Bamm! Neues Panorama: Karawanken. Jetzt muss ich stehen bleiben, ein Foto machen, die Aussicht genießen, bis ich schließlich weitergehen kann. Die Situation bessert sich nicht nachhaltig, die nächste Kehre dreht mich in Richtung Hohe Tauern, meine „Qual“ startet von vorn. Das macht mich langsam.

Links der zweiten, schiefen Stange sieht man von hier den Großglockner. Foto: Martin Heppner
Links der zweiten, schiefen Stange sieht man von hier den Großglockner. Foto: Martin Heppner

Schließlich kommt der Gipfel in Sichtweite, es geht kurz bergab. So willkommen das Bergab-Stück jetzt ist, so unwillkommen wird es mir nachher sein, weil ich dann es im V-Schritt hinauf gehen muss.

Sendeturm auf der Villacher Alpe. Foto: Martin Heppner
Sendeturm auf der Villacher Alpe. Foto: Martin Heppner
Deutsche Kapelle am Dobratsch. Foto: Martin Heppner
Deutsche Kapelle am Dobratsch. Foto: Martin Heppner
Gipfelkreuz Dobratsch mit dem Dach der Windischen Kapelle. Foto: Martin Heppner
Gipfelkreuz Dobratsch mit dem Dach der Windischen Kapelle. Foto: Martin Heppner

Ich benötige – wie gesagt – 1,5 Stunden von der Rosstratte bis zum Gipfel.

Ich setze mich oben hin und genieße die Sonne. Es ist fast windstill, wodurch mir angenehm warm ist, obwohl meine Muskeln auskühlen. Wer möchte kann jetzt natürlich auch im Dobratsch-Gipfelhaus (früher: Ludwig-Walter-Haus) einkehren.

Da ich mit dem ersten Bus herausgefahren bin und dadurch schon um 8:47 bei der Rosstratte war, habe ich jetzt viel Zeit. Ich bin absichtlich so früh gefahren, weil ich einerseits die Sonne genießen wollte, andererseits mich mein Papa nervös gemacht hat, dass ich die Abfahrt nicht finde, oder wenn ich einen Schwung in die falsche Richtung mache, plötzlich über einen Steilhang abstürze.

Die Abfahrt ist aber ganz einfach zu finden und ich weiß jetzt, dass es sich wunderbar mit dem nächsten Bus ausgehen würde. Mein Vorschlag lautet für dich: Den Naturpark-Bus um 10:00 zu nehmen, dann bist du um 10:47 auf der Rosstratte. Gegen 12:15 bist du dann am Gipfel.

Da der Bus von der Haltestelle „Heiligengeist Ort“ um 13:45 abfährt, würde ich raten um 12:45 die Abfahrt zu starten. Die dabei angenommene Stunde bis zum Bus enthält schon einen Puffer. Ein Blick ins Tal verrät mir, dass die Abfahrt bis ganz unten möglich sein wird. Wäre das nicht der Fall, muss man halt etwas mehr einrechnen, weil man dann die Ski vielleicht etwas tragen muss.

Tiefblick ins verschneite Gailtal. Im Hintergrund die Julischen Alpen, mit dem charakteristischen Montasch. Foto: Martin Heppner
Tiefblick ins verschneite Gailtal. Im Hintergrund die Julischen Alpen, mit dem charakteristischen Montasch. Foto: Martin Heppner

Skiabfahrt bis ins Tal und zur Bushaltestelle

Der erste Teil der Abfahrt führt dem Aufstiegsweg entlang und ist wenig spektakulär. Es sind drei Gegensteigungen zu beachten, zwei davon kann man durch vorherige Schussfahrt ohne zusätzliche Kraftanstrengung hinter sich bringen.

Die zweite Gegensteigung wärmt meine ausgekühlten Muskeln wieder auf. Wie gesagt: V-Schritt.

Ab hier ist Schussfahrt ratsam, um die Gegensteigung mit Schwung so hoch wie möglich hinaufzukommen. Foto: Martin Heppner
Ab hier ist Schussfahrt ratsam, um die Gegensteigung mit Schwung so hoch wie möglich hinaufzukommen. Foto: Martin Heppner

In dem Moment, wo ich den Parkplatz Rosstratte unter mir sehen kann, stoppe ich auf dem Fahrweg. An dieser Stelle stehen auch gelbe Wanderwegweiser. Diese schlagen allerdings vor, dem Wanderweg Richtung Heiligengeist direkt nach Osten, über die Aichingerhütte, zu folgen. Ich will aber der alten Skipiste nach Nordosten folgen und bleibe daher – von oben gesehen – auf der linken Seite des Grabens.

Achtung: Aktuell fährt der Linienbus von „Heiligengeist Ort“ nur Montag bis Freitag. Wer Samstag und Sonntag unterwegs ist, kann entweder die kleine Variante machen und vom Gipfel zurück zum Naturpark-Bus auf der Rosstratte fahren, oder ein Taxi aus Villach rufen.

Die ganze Flanke ist komplett festgefahren – wie präpariert. Tiefschnee-Erlebnis ist das heute keines, aber die Schneebedingungen sind wunderbar. Es ist nicht eisig, obwohl die Schneedecke durchgefroren ist – weiter unten in der Sonne ist der Schnee teilweise schon etwas sulzig.

Die alte Piste führt nach Heiligengeist ins Tal. Foto: Martin Heppner
Die alte Piste führt nach Heiligengeist ins Tal. Foto: Martin Heppner
Heute ist die Abfahrt wie präpariert. Foto: Martin Heppner
Heute ist die Abfahrt wie präpariert. Foto: Martin Heppner

Es sind die alten Lifthäuseln noch vorhanden und auch Wegweiser, die noch immer nach links die Familienabfahrt und nach rechts die Steilabfahrt (die nicht so steil ist, wie sie klingt) weisen.

Kurz nach dem ersten Gehöft ist die Abfahrt schließlich zu Ende.

Letztes Stück vor dem großen Parkplatz. Foto: Martin Heppner
Letztes Stück vor dem großen Parkplatz. Foto: Martin Heppner

Am Foto oben sieht man den Parkplatz bei Heiligengeist, an dem die Skitourengeher starten, die auch 1.200 Höhenmeter hinauf gehen wollen. Ich fahre am oberen Ende des Parkplatzes bis zum Ende. Diese Straße heißt Almweg.

Dort schnalle ich meine Ski ab und gehe den Schotterweg hinunter zur Bleiburger Straße. Das mache ich aber nur, weil ich fälschlicherweise in Erinnerung habe, dass die Bushaltestelle links entlang der Bundesstraße liegt. Bevor ich losgehe, werfe ich glücklicherweise noch einen Blick auf die Karte und erkenne meinen Irrtum. So gehe ich also nach rechts der Straße entlang. Das ist nicht wahnsinnig angenehm zu gehen, auch wenn nach der Kurve wieder ein Gehsteig existiert.

Ich zeichne den besseren Weg, den ich nehmen hätte sollen, im GPX Track manuell als gerade Linie ein: Am Ende des Parkplatzes abschnallen, über den schottrigen Almweg drüber tragen und auf der anderen Seite wieder anschnallen. Wenn so wie bei mir genug Schnee liegt, kann man direkt bis zur Bushaltestelle fahren.

Hinweis: Der Linienbus 8570 fährt nur Montag bis Freitag.

Für den Fall, dass nicht mehr genug Schnee liegt, könnte man schon beim ersten Gehöft auf die Almstraße wechseln, dann zum zweiten Gehöft gehen um dann dem dortigen Weg bis zur Bushaltestelle zu folgen.

Liegt genug Schnee, kann für die Abfahrt vom Gipfel bis zur Bushaltestelle (inklusive der Gegensteigungen) eine Stunde angenommen werden.

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   3:00 Std Skitour   430 HM   1.300 HM   13 km   GPX Track

Fazit

Der Naturpark-Bus ist eine ganz phantastische Sache. Er ermöglicht es ohne Auto ganz einfach und kostengünstig auf den Dobratsch zu kommen. Zwischen Mittwoch und Freitag ist es möglich die alte Skipiste bis hinunter und mit dem Linienbus 8570/71 zum Bahnhof zurück zu fahren, weil aktuell nur an diesen drei Tagen Naturpark-Bus und Linienbus in Betrieb sind.

Dies ist ein weiterer Fall an dem sichtbar wird, dass der Freizeitverkehr bei der Verkehrsplanung eine untergeordnete Rolle spielt. Um wieviel attraktiver würde der Naturpark-Bus für Skitourengeher werden, wenn es den Linienbus 8570 auch Samstag und Sonntag geben würde? Oder vielleicht sogar eine Linienführung des Naturpark-Buses, der Autofahrer am Parkplatz abholt und Öffi-Fahrer zu einem Anschluss bringt? Erscheint mir nicht unmöglich zu sein.

2 Kommentare

  1. Lieber Martin Heppner!
    Toller Bericht – würden wir gerne auf unserer Seite veröffentlichen.
    Bitte um kurze Rückmeldung, ob es möglich ist.
    Danke
    Beste Grüße
    Roland Oberdorfer

    1. Lieber Herr Oberdorfer,
      ich stelle gerne Fotos (in Originalgröße) und (adaptierten) Text zur Verfügung. Ich bitte natürlich um Verlinkung auf diese Quellseite. Schreibe Ihnen gleich eine E-Mail.
      Liebe Grüße,
      Martin Heppner

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