Grimming Überschreitung

Titelbild Grimming Überschreitung. Foto: Karl Plohovich

Der Grimming, vielfach beschrieben und fotografiert, zählt zu den bekanntesten und eindrucksvollsten Berggestalten der Obersteiermark. Somit ist es berechtigt, für eine Besteigung reichlich „innere Kräfte“ zu mobilisieren, um alles in einem Tag unterbringen zu können. Zwischen (nächtlicher) An- und später Abreise sollten meiner Meinung nach etwa zehn Stunden zur Verfügung stehen. Wir hatten, unseren gemeinsamen zeitlichen Ressourcen geschuldet, eine andere, riskante Variante gewählt: eine Übernachtung im Notbiwak unweit des Gipfels.

Biwakschachtel im Stirnlampenlicht. Foto: Karl Plohovich
Biwakschachtel im Stirnlampenlicht. Foto: Karl Plohovich

Für uns ging diese Rechnung, die den Aspiranten tags darauf wohl Probleme machte, voll auf.

Tag 1

Mein Bruder wartete schon auf mich, als ich am frühen Nachmittag in „Klachau“ aus dem Bus stieg. Auf der Straße geht es im Wald nach Kulm und auf gut markiertem und beschildertem Weg steigt man in vier bis fünf Stunden hinauf auf den „Mons Styriae altissimus“.

Lärchen-Herbst. Foto: Karl Plohovich
Lärchen-Herbst. Foto: Karl Plohovich

Der Pfad ist ausgetreten, offenbar viel benutzt. Wer seine Kletterfähigkeiten verspielt oder spielerisch testen will, kann versuchen, statt der Seile nur Felsgriffe zu benutzen. 

Sobald man die Biwakschachtel erreicht hat, ist der Gipfel in Griffweite.

Hier konnten wir den herbstlichen Sonnenuntergang bestaunen – ein wahrlich seltenes Geschenk!

Abendstimmung - Dachstein. Foto: Karl Plohovich
Abendstimmung – Dachstein. Foto: Karl Plohovich
Totes Gebirge. Foto: Karl Plohovich
Totes Gebirge. Foto: Karl Plohovich
Von Wiesbachhorn bis Dachstein. Foto: Karl Plohovich
Von Wiesbachhorn bis Dachstein. Foto: Karl Plohovich

Tag 2

Der Weg zum Multereck bietet herrliche Fernblicke auf das Tote Gebirge, den Dachstein und das Gesäuse.

Dachstein. Foto: Karl Plohovich
Dachstein. Foto: Karl Plohovich

Von dort geht es steil bergab in die Schneegrube. Hier wird man an so mancher Stelle für das Seil dankbar sein – und auf Seilfrei-Übungen gerne verzichten. Schutthalden, Latschengassen (teilweise schlecht ausgeschnitten) und Felspassagen (immer gut versichert) wechseln einander ab, bis man endlich flacheres Terrain und die Forststraße zur Grimminghütte erreicht.

Von hier kann man auf schönen Wegen zum Schloss Trautenfels

Trautenfels. Foto: Karl Plohovich
Trautenfels. Foto: Karl Plohovich

und von dort einfach über Wiesenwege zum Bahnhof Stainach-Irdning gelangen. Natürlich ist auch der Abstieg nach Niederstuttern möglich, falls die Busverbindung von dort aus vorteilhaft erscheint.

Bahnhof Stainach-Irdning. Foto: Karl Plohovich
Bahnhof Stainach-Irdning. Foto: Karl Plohovich

Diese Überschreitung fordert ob ihrer Länge eine Extraportion Motivation, wird aber wegen ihrer Schönheit lange in Erinnerung bleiben. Die Biwakschachtel, für zwei Personen mit Isomatten, Schlafsäcken und sogar einem Kocher (ohne Geschirr!) ausgestattet, ist als Notunterkunft gedacht. Wer eine Übernachtung einplant, sollte dies nur tun, wenn er „bei Überbelegung“ (das Hüttenbuch verrät solche Situationen!!) auch ein Biwak im Freien unbeschadet überstehen könnte.

Die Wegrichtung scheint mir von Nord nach Süd angemessen, da man sich gut 200 Höhenmeter im Aufstieg erspart. (Da die Grimminghütte nur mehr für Tagesgäste geöffnet hatte, konnten wir sie in unsere herbstlichen Planungen nicht mehr einbeziehen.)

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   2 Tage Wandern   1.500 HM   1.700 HM   16 km   GPX Track

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.