Von Bad Gastein nach Hüttschlag

Vom städtisch-anmutenden Bad Gastein kann man auf gut gepflegten Almwegen in das ländlich geprägte Hüttschlag wandern. Diese Tour kann, bei guter Kondition, auch mit dem Gamskarkogel gekrönt werden. Die einzelnen Wegabschnitte sind aus den entsprechenden Talschaften mehrfach beschrieben, zum Beispiel hier, hier und hier. Manches hat mich nachdenklich gestimmt.

Anreise

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Blick aus dem Zug zum Hohen Göll. Foto: Karl Plohovich
Blick aus dem Zug zum Hohen Göll. Foto: Karl Plohovich

In Bad Gastein gilt es, 20 Minuten Wartezeit zu überbrücken, bis der Bus Nummer 555 die enge Straße Richtung  „Grüner Baum“ (gottlob gibt er hier viele grünende Bäume!) routiniert bewältigt. Die steilen Hänge beim berühmten Gasteiner Wasserfall, die mit vielstöckigen Hotels dicht bebaut sind und dem Ort ein städtisch-mondänes Gepräge geben, bezeugen: Hier wird – mit einem biblischen Wort – „auf Fels gebaut“!

Wanderung

Um 8:15 Uhr (wir haben wegen einer Baustelle etwas Verspätung) geht es los. Der Einstieg ist leicht gefunden. Eine Tafel macht mich nachdenklich…

Grüner Baum, Einstieg in den Weg. Foto: Karl Plohovich
Grüner Baum, Einstieg in den Weg. Foto: Karl Plohovich

So schnell will ich dort noch nicht hin! Die Erde bietet ja auch Einiges (an Aufgaben?). 

Der steile Steig ist bestens gepflegt, oder noch besser gesagt: gestaltet: viel Aussichtsbänke, sogar Seilsicherungen! 

Blick in den Talschuss des Kötschachtales, von links: Keeskogel, Kleinelendscharte, Steinbachkogel, davor Böcksteinkogel, Tischlerkarkopf und Tischerspitze. Foto: Karl Plohovich
Blick in den Talschuss des Kötschachtales, von links: Keeskogel, Kleinelendscharte, Steinbachkogel, davor Böcksteinkogel, Tischlerkarkopf und Tischerspitze. Foto: Karl Plohovich

Und ein Zwerg begleitet mich mit seinen Sinnsprüchen. 

Ein Zwergenspruch. Foto: Karl Plohovich
Ein Zwergenspruch. Foto: Karl Plohovich

Auch diese machen mit ihren unumstößlichen Wahrheiten nachdenklich…

Übrigens: Wer (ganz) schwache Nerven hat wird sich an die Tiefblicke über steile Wiesen und felsige Rinnen gewöhnen müssen!

Der Aussichtsbalkon der Poserhöhe ist erreicht – der Gedanke an ein Paradies legt sich in dieser Morgenstunde wahrlich nahe.

Poserhöhe (1.505 Meter). Foto: Karl Plohovich
Poserhöhe (1.505 Meter). Foto: Karl Plohovich

Auch der Weiterweg (der Zwerg hat mich jetzt verlassen) ist gut gepflegt und wunderschön im Hochwald angelegt, von Heidelbeerstauden eingesäumt. 

Nahe Eggeralm. Foto: Karl Plohovich
Nahe Eggeralm. Foto: Karl Plohovich

Viele Wasserläufe gilt es zu queren.

Viele Rinnen werden gequert. Foto: Karl Plohovich
Viele Rinnen werden gequert. Foto: Karl Plohovich

Schließlich erreicht man die Almregion und der schon von der Poserhöhe sichtbare Gamskarkogel zieht majestätisch den Blick auf sich. Für mich hat er sich noch mit einer Wechte bekrönt. 

Gamskarkogel (2.467 Meter). Foto: Karl Plohovich
Gamskarkogel (2.467 Meter). Foto: Karl Plohovich

Von der Tofernscharte könnte man sich natürlich, nachdem man die Aussicht (und an heißen Tagen auch den „Schartenwind“) genossen hat, dem Abstieg zur Harbachalm zuwenden. Wer möchte, kann den nahen Finsterkopf besuchen. Mich zieht es allerdings auf den „höchsten Grasberg Europas“. Den Rucksack deponiere ich in einer Mulde abseits des Weges und unbeschwert – mal auf der Markierung, mal daneben – finde ich den gut sichtbaren Durchschlupf zwischen den Wechten zum Gipfelplateau. Fern– und Tiefblick sind etwas ganz Besonderes hier!

Gamskarkogel; Bildmitte: Ankogel. Foto: Karl Plohovich
Gamskarkogel; Bildmitte: Ankogel. Foto: Karl Plohovich
Das städtisch anmutende Bad Gastein. Foto: Karl Plohovich
Das städtisch anmutende Bad Gastein. Foto: Karl Plohovich

Zurück in der Scharte geht es über das eine oder andere Schneefeld – nach ausgiebiger Rast – zur Tofernalm (Titelbild). Der Brunnen vor der Almhütte sprudelt.

Der Wegerer hat sich bereits darum gekümmert, dass das Schmelzwasser (oder die Wassermassen künftiger Gewitter) das Steiglein möglichst bald verlassen. 

Ab der Harbachalm ist man in der Region der Forststraßen angekommen. Eine Kapelle schlägt das Thema „Errettung aus Krankheit“ an.

Kapelle (1.478 Meter). Foto: Karl Plohovich
Kapelle (1.478 Meter). Foto: Karl Plohovich

Wo es möglich ist, nütze ich die guten Steige abseits der Straße und stehe schließlich gut 250 Meter über dem Tal.

Grossarl Rabenstein. Foto: Karl Plohovich
Grossarl Rabenstein. Foto: Karl Plohovich

Ein lästiger Lärm dringt an mein Ohr: Ist da jemand mit einem Moped unterwegs? Ich kann dieses hochfrequente Motorengeräusch nicht genau deuten. Im Tal gewinne ich Klarheit: Heute ist es – ich sehe es dann aus dem Bus mehrfach – in Mode gekommen, das Heu mittels Laubbläser (!) zu ernten. Was geht in jenen, denen die Pflege und Bewirtschaftung unserer alpinen Kulturlandschaft anvertraut ist, vor, dass sie sich und das ganze Tal stundenlang diesem Lärm aussetzen? Wie „krank“ ist unsere Gesellschaft geworden? Ich denke an die Holzrechen, deren Zähne kenntnisreich aus besonderen Hölzern angefertigt wurden – gehören sie nur mehr ins Museum?

Laubbläser bei der Heuernte. Foto: Karl Plohovich
Laubbläser bei der Heuernte. Foto: Karl Plohovich

Das Wartehäuschen bei der Busstation (ich lese Großarl – Rabenstein) bietet mir willkommenen Schatten. Wie gut, dass ich an einem Wochentag, der noch dazu Schultag ist, unterwegs bin: für den Sonntag nämlich sind lediglich vier Abfahrtszeiten abzulesen… Auch das macht mich nachdenklich… Und ich suche Trost beim paradiesischen Blau des Enzian…

Enzian. Foto: Karl Plohovich
Enzian. Foto: Karl Plohovich

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Die Busfahrt nach St. Johann an der „Alten Wacht“ vorbei lässt die (frühere?) Verwundbarkeit und Abgeschiedenheit dieses Tales erahnen.

Fazit

Der Aufstieg zur Poserhöhe könnte auch auf einem einfacheren Weg gemacht werden. Wer sich an Waldwegen und Almsteigen freut, wer sich gerne verköstigen lässt (Poserhöhe, Gamskarkogelhütte, Harbachalm) und den einen oder anderen Kilometer auf einer Forststraße nicht scheut, wird hier freudige (und nachdenkliche) Stunden verbringen können (und vielleicht den höchsten Grasberg Europas sein Eigen nennen).

Tourdaten

Die Route in Zahlen: Gehzeit 7.5h  1.450HM  1.550HM  16km  GPX Track

Diese Tour kann mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Bischofshofen, Klagenfurt und Salzburg erreicht werden.