Vom Bahnhof Griesen auf den Schellkopf

Panorama von der Zugspitze bis zum Wamperten Schrofen. Foto: Markus Büchler

Der weitgehend unbekannte Schellkopf ist ein herrlicher Aussichtsberg auf 1.832 Meter „mitten in Tirol“. Sozusagen. Also eigentlich ist er in Bayern, im äußersten Zipfel Oberbayerns auf drei Seiten von Tiroler Gebiet eingekreist. Erreichbar ist er ganz einfach ab dem Grenzbahnhof Griesen mit der Werdenfelsbahn (RB6) meistens umstiegsfrei von München, manchmal mit problemlosem Umstieg in Garmisch-Partenkirchen.

Bahnhof Griesen. Foto: Markus Büchler
Bahnhof Griesen. Foto: Markus Büchler

Griesen ist ein Bedarfshalt, also dem Schaffner Bescheid sagen, dass du dort aussteigen möchtest. Gegeben falls Haltewunschtaste an den Türen betätigen.

Wenn du im S-Bahn-Bereich München oder schon an der Garmischer Bahnstrecke startest, kannst du das Werdenfelsticket nutzen. Es ermöglicht dir An- und Abreise an einem Tag für 22 Euro (plus 8 Euro je Mitfahrer*in) und anders als das Bayernticket ohne Zeitbegrenzung. Also auch schon in der Früh ab 0 Uhr, z.B. ab 6:32 München Hbf, 6:38 in Pasing, 7:01 Tutzing. Ankunft in Griesen 8:19 (oder alle 1-2 Stunden später, siehe DB-Navigator).

Schellkopf (1.832 Meter)

Die Tour ist ohne Einkehr und mit ihren inklusive kleinen Gegenanstiegen mit rund 1100 Höhenmetern pro Richtung für trainierte, größere Kinder ganzjährig machbar. Im Winter kann es bei tiefem Schnee sehr anstrengend werden, vielleicht schafft man es dann nur bis zum Sattel, was auch schön ist. Wenn Schnee liegt, Spikes oder Grödel mitnehmen. Schneeschuhe machen nur ab dem Sattel Sinn.

Vom Bahnhof Griesen geht man kurze 300 Meter auf dem Gehsteig entlang der Bundesstraße durch den kleinen Ort Richtung Staatsgrenze Österreich und zweigt kurz vor der Brücke über die Niedernach rechts ab. Schon ist man in einem einsamen Wanderparadies. Entlang der Niedernach ist auch die Staatsgrenze, erkennbar am Stacheldraht. A bisserl muss der Bayer offenbar aufpassen, dass da kein Migrant herüberschwimmt 😉

Niedernach mit Staatsgrenze. Foto: Markus Büchler
Niedernach mit Staatsgrenze. Foto: Markus Büchler

Nach 600 Metern Forststraße heißt es genau schauen! Nach rechts zweigen kurz nacheinander mehrere Wanderwege ab, allesamt wenig beschildert. Du brauchst den Weg 251/252 anfangs noch ausgeschildert Richtung Schellschlicht.

Er geht kurz vor dem Brückerl über die Schelllaine auf einem kleinen Baumlagerplatz inmitten lockerem Baumbestand rechts weg. Am besten schaust du genau hin auf deine tschechische Wanderapp mapy.cz, da ist alles exakt drin.

Gitterrost-Brücke über die Schlucht. Foto: Markus Büchler
Gitterrost-Brücke über die Schlucht. Foto: Markus Büchler

Der Weg steigt steil an und gabelt sich nach 150 Höhenmetern. Da heißt es nochmal aufgepasst und auf die App geschaut! Du musst links über die kleine Schlucht und die dortige Gitterrost-Brücke (direkt davor ungute Engstelle, sollte viel Schnee liegen! Obacht!) und nicht rechts hinauf zum Schellschlicht. Das kannst du natürlich auch machen, ist aber nicht mein heutiger Tipp.

Jetzt bist du auf deinem Weg 251! Nach weiteren 80 Höhenmetern teilt sich der Weg nochmals: nicht weiter aufsteigen sondern geradeaus zum breiten Forstweg und Marterl. Kurz nach dem Marterl geht es rechts neben einem Gatter entlang eines Drahtzauns leicht bergauf. Ab jetzt kannst du dich nicht mehr verlaufen.

Panorama von der Zugspitze bis zum Wamperten Schrofen. Foto: Markus Büchler
Panorama von der Zugspitze bis zum Wamperten Schrofen. Foto: Markus Büchler

Nach 2 Stunden gesamte Gehzeit bist du oben auf dem Sattel mit schöner Aussicht. Der Gipfel ist aber noch eine halbe Stunde weg, folge dem Pfad nach Westen.

Letzter Anstieg auf den Schellkopf. Foto: Markus Büchler
Letzter Anstieg auf den Schellkopf. Foto: Markus Büchler

Den eigentlichen Gipfel siehst du erst spät. Wenn man meint, man sei schon oben, geht es nochmal kurz hinunter und 40 Meter hinauf auf zum kleinen Gipfelkreuz. Herrliches Panorama über die Ammergauer Berge (unter anderem die Geierköpfe), Außerfern, Forggensee und natürlich das Zugspitzmassiv vorm Karwendel.

Rückweg

Zurück zum Sattel auf dem selben Weg und dann kannst du entweder genauso absteigen, wie du herraufgekommen bist oder den Umweg über den Hohen Brand (1.764 Meter) machen. Kurz nach dem Hohen Brand ist allerdings eine seilversicherte Stelle, die ich bei Schnee und Eis meiden würde.

Markus Büchler
Markus Büchler

Ich mag die Tour, weil sie richtig schön einsam ist und trotzdem so leicht erreichbar.

Bahnhofstechnik

Wenn du am Bahnhof Griesen auf den Zug zurück Richtung München warten musst, schau dir das kleine Stellwerkshäusl an (durch die Scheiben).

Technik im Stellwerkshäusl. Foto: Markus Büchler
Technik im Stellwerkshäusl. Foto: Markus Büchler

Technik aus dem Königreich, die noch heute funktioniert. Ein Fahrdienstleiter, der nebenan im Bahnhofsgebäude sitzt und zum Stellwerkshäusl marschiert, um Weichenstellungen manuell vorzunehmen. Mit Weichen, die über mechanische Seilzüge gestellt werden. So ist das im High-Tech-Land Bayern…

Allerdings lässt die Strecke auch einen automatischen Gegenfahrschutz vermissen, weswegen es im Januar 2020 fast zu einem Frontal-Crash gekommen wäre. Dank guter Sicht und schnell reagierender Lokführer-Helden, konnte eine Katastrophe zum Glück abgewendet werden.

Du brauchst dich aber nicht fürchten: Trotz des gigantischen Rückstands im Bahnentwicklungsland Bayern ist das Bahnfahren das sicherste Verkehrsmittel! Wer sich jetzt vor der Bahn fürchtet, sollte auch nicht Autofahren, denn das ist sehr, sehr viel gefährlicher, wie jede Statistik eindeutig beweist 🙂

Bahnhof Griesen. Foto: Markus Büchler
Bahnhof Griesen. Foto: Markus Büchler

Deine Rückfahrt mit der Werdenfelsbahn startet um 15:40 oder 17:40 umsteigefrei in 1:46 Stunden bis München. Als Reserve hast du noch 19:40 oder 21:44, was aber zumindest im Winter bei frühem Einbruch der Dunkelheit eh nicht infrage kommt.

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   7:00 Std Wandern   1.100 HM   1.100 HM   13 km   GPX Track

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