Winterwanderung entlang der Kastenmäuer

Vom Seebergsattel über die Aflenzer Staritzen den Kastenmäuern entlang (mit sensationellem Aus- und Tiefblick!) im nordöstlichen Hochschwab nach Wegscheid.

Mit Bahn und Bus auf den Seebergsattel

Die Tage sind im Winter kurz – das ist jedem klar. Die logische Konsequenz ist, dass man vernünftigerweise mit der ersten Verbindung anreist, um noch vor der einbrechenden Dunkelheit aus dem schwierigen Gelände heraus zu sein.

Konkret bedeutet das in unserem Fall: Der Zug fährt um 6:05 in Wien Meidling ab. Entsprechend früh müssen wir aufstehen – was dazu führt, dass Didi und ich recht müde sind.

Didi ist erst nach 3:00 ins Bett gegangen und hat insofern vielleicht einen Grund mehr als ich, müde zu sein. Ich war aber am Vortag am Hochwechsel und nehme mir deshalb auch das Recht heraus, müde zu sein. Im Speisewagen gibt es aber schon zu dieser unchristlichen Zeit Kaffee – oder man plant voraus und nimmt sich ein hübsches Frühstück mit.

Ich finde es ganz wunderbar, wie erfreut in jeder Station durchgesagt wird, dass der Zug pünktlich im nächsten Bahnhof einfahren wird. Die 24 Minuten Verspätung werden mit weniger Begeisterung durchgesagt – die Baustelle ist wahrscheinlich überraschend aufgetaucht. Dementsprechend war eine Vorausplanung nicht möglich. Auch unserem Anschlussbus konnte in den 24 Minuten Verspätung nicht Bescheid gegeben werden, dass er warten soll.

Wieder ohne Sarkasmus: Wir springen aus dem Zug und laufen zum Europaplatz hinunter – aber leider, der Regionalbus 172 ist um 08:15 pünktlich abgefahren. Wir kommen um 08:16 am Bussteig an und können wir nur mehr feststellen, dass der nächste Bus auf den Seebergsattel erst am Nachmittag geht.

Also ruft diesmal Didi die ÖBB Hotline an und kommt sogar fast sofort durch. Er wird zwei Mal aus der Leitung geworfen, dadurch hat er beim dritten Mal schon Übung, den Sachverhalt darzulegen. Er erklärt, dass er sich das Ticket bei der ÖBB von Wien bis Seebergsattel gekauft hat (Das ist wichtig! Sonst fühlen sich die ÖBB nicht für den Weitertransport verantwortlich). Ich habe mir kein Ticket besorgt, weil ich eine Österreichcard nutze. Kurzum: Didi erhält einen Taxigutschein bis maximal EUR 50,- und wir steigen in ein dort wartendes Taxi ein.

Die Fahrt wird uns EUR 70,- und Nerven kosten. Im Ortsgebiet fährt der Taxler nur knapp über 100 Stundenkilometer. Überland gehen jedesmal mehrere Scheiben bei den umliegenden Häusern zu Bruch, wenn wir die Schallmauer durchbrechen. Der Fahrer fährt eine Automatikschaltung im „Eco“ Modus. Ich versuche mir vorzustellen, wie es im „Sport“ Modus wäre – allerdings reicht meine Vorstellungskraft dafür nicht aus!

Um 09:10 kommt der Bus bei der Station „Seeberg Passhöhe“ an – wir nur wenige Minuten später. Insofern haben wir keine wertvolle Tageslichtzeit verloren.

Aufstieg Aflenzer Staritzen

Wir steigen aus dem Taxi und richten uns zum Weggehen her. Sonst machen wir das immer im Bus. Dieses Mal haben wir aber beide Hände zum Festhalten gebraucht. Um 09:30 gehen wir schließlich wirklich los.

Aufstieg vom Seebergsattel
Aufstieg vom Seebergsattel

Uns überholt ein einzelner Wanderer nach den ersten 10 Minuten: Er ist von der Bergrettung. Gut, denke ich mir, brauchen wir im Falle eines Falles nicht extra anzurufen.

Aber der Bergrettungsmann geht gar nicht ganz hinauf. Wir holen ihn ein und unterhalten uns ein bisschen mit ihm. Wir erzählen ihm, dass unser Plan für heute ist, die Aflenzer Staritzen bis zum Jägermayersteig nach vorne zu gehen, dann zur Voisthalerhütte hinunter, um den Baufortschritt zu begutachten und schlußendlich die Dullwitz hinunter nach Seewiesen zu gehen.

Als er uns erzählt, dass der Neubau noch nicht einmal begonnen hat, frage ich mich, ob wir das eigentlich nicht auch früher und selber recherieren hätten können. Wegen des Nebels rät er uns ab, die Staritzen zu gehen. Seine Warnung fällt auf fruchtbaren Boden, weil bei Nebel kennen wir die Aflenzer Staritzen schon und das war nicht so besonders unterhaltsam!

Wir planen also um und nehmen uns vor, über den Kastenriegel nach Wegscheid hinaus zu wandern. Diese Strecke sind wir noch nie gegangen.

Wir verabschieden uns. Er geht hinunter und wir hinauf.

Kurz vor dem Staritzen-Plateau
Kurz vor dem Staritzen-Plateau

Oben zweigen wir nach Norden auf den Prinzensteig ab. Dass das die richtige Entscheidung war, sehen wir recht schnell. Der Nebel hängt auf der Staritzen fest. Nördlich davon sehen wir Berge und Sonne.

Bevor wir aus dem Nebel ganz rauskommen, machen wir schnell noch ein Video für Instagram.

Zwei Stunden haben wir für den Aufstieg bis zur Abzweigung Richtung Graualm / Prinzensteig gebraucht.

Prinzensteig
Prinzensteig

Graualm & Kastenmäuer

Die Graualm liegt sehr malerisch – im Sommer ist es hier sicher sehr schön! Ab hier gehen wir teilweise in direkter Sonnenbestrahlung.

Ist die Graualm einfach sympathisch, sind wir vom Blick auf die Nordseite des Hochschwabs von den steil abfallenden Kastenmäuern überwältigt!

Wo der Nebel hängen geblieben ist, sieht man den Abstieg von der Hochweichsel, den Didi schon so lange gehen will und die Edelbodenalm. Der Aufstieg auf den Ringkamp ist auch recht gut zu erkennen!

Auf den Kastenmäuern
Auf den Kastenmäuern

Steiler Abstieg zum Kastenriegel

Der Abstieg von der Graualm entlang der Kastenmäuer zum Kastenriegel ist mit der leichten Schneeauflage nicht unkritisch zu gehen, weil es doch sehr steil hinunter geht. Diesmal habe sogar ich meine Snowspikes mit und bin sehr froh darüber, weil der Grip dadurch deutlich besser wird. Dadurch sind wir in etwas mehr als einer halben Stunde unten.

Wenn hier mehr Schnee liegen würde, dann halte ich den Weg sowohl im Aufstieg als auch im Abstieg für schwer passierbar. Herauf wäre es eine unglaubliche Wühlerei, die enorme Kräfte kostet und hinunter ist es im tiefen Schnee ebenfalls extrem anstrengend. Kurzum: Bei viel Schnee rate ich von dieser Route ab.

Bei der Jagdhütte setzen wir uns auf die Bank vor dem Haus, rasten & tauschen unsere Jause aus: Didi hat Brot, Käse und Wurst. Ich habe heiße Suppe und Mannerschnitten.

Das Ramertal nach Wegscheid

Wir bleiben ab der Jagdhütte auf der Forststraße. Soweit man von einer Forststraße noch sprechen kann – was die Baumerntemaschinen zurück gelassen haben, sind zwei tiefe, teilweise wassergefüllte Spurrinnen.

Didi und ich sind schon müde und gehen schweigend nebeneinander her. Aus welchem Grund auch immer, gehen wir schnell. Sehr schnell. Ich überlege mir zu sagen, dass ich nicht so schnell gehen will. Sage aber nichts. Als ich später Didi frage, erzählt er mir, dass es ihm ähnlich gegangen ist. So gehen wir in superschnellem Tempo schweigend nebeneinander das Ramertal hinaus, während wir uns still fragen warum wir so schnell gehen müssen.

Vom Kastenriegel bis zur Bushaltestelle in Wegscheid brauchen wir also etwa eine Stunde. In Normalgeschwindigkeit kann man, glaube ich, mit eineinhalb Stunden rechnen.

Warten auf den Bus in Wegscheid

Nachdem wir vorher so „gerannt“ sind, müssen wir jetzt eine dreiviertel Stunde bis 16:35 auf den Bus warten.

Im Glauben, dass das Gasthaus bei der nächsten Haltestelle offen hat und das Warten dort lustiger ist, gehen wir dorthin. Das Warten dort ist nicht lustiger, weil das Gasthaus geschlossen hat. Also gehen wir wieder zurück, weil das Warten an der Abzweigung „Rammertal“ (wie die Haltestelle heißt), bzw. „Ramertal“ (wie das Tal auf meiner Karte bezeichnet ist), geringfügig lustiger ist, als hier an der Abzweigung Aschbach, weil da die ganzen Steirer am Heimweg von Mariazell Richtung Niederalpl vorbei fahren.

Unser Bus kommt schließlich pünktlich, wir steigen in Kapfenberg am Europaplatz aus, essen am Europaplatz in der Pizzeria „Schabanack“, die besser, aber auch weniger lustig ist, als sie vom Namen her erahnen lässt, eine Pizza gemeinsam und begeben uns danach zum Bahnhof hinauf und in weiterer Folge zurück nach Wien.

Tourdaten

 

Ein Kommentar

  1. Gefällt mir sehr gut! Cool, dass Ihr Euch von den Problemen bei der Anreise nicht habt entmutigen lassen. Die spontane Umplanung der Tour wegen Nebels spricht ebenfalls sehr für Euch. Liebe Grüße Peter

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