Aflenzer Staritzen

Herrliche Höhenwanderung vom Seebergsattel über die Aflenzer Staritzen und die Hohe Weichsel zur Voisthaler Hütte.

Eines von Martins Lieblingswandergebieten, egal zu welcher Jahreszeit, ist die Hochschwabgruppe in der Steiermark. Intakte Natur, gewaltige Felsszenerien, ausgedehnte Hochalmflächen, schöne Gipfel und gastliche Hütten zeichnen diese Gegend aus.

Martin beschreibt in einem seiner letzten Beiträge eine dieser Hütten, nämlich die Voisthaler Hütte und die schönsten Wege dahin. Da ich weder das Gebiet noch die Hütte kenne, suche ich mir den für mich am schönsten erscheinenden Aufstieg aus und bitte Martin, mich zu begleiten. Ich liebe ausgedehnte Wanderungen recht weit oben und dieser Weg führt über den gesamten Rücken der Aflenzer Staritzen immer ungefähr auf 1800 Metern Seehöhe.

Wir unternehmen diese Tour von Wien aus. Von Graz verkürzt sich die Anreisezeit auf unter zwei Stunden. In jedem Fall muss man nach Kapfenberg. Von dort fahren wir mit dem Bus zum Seebergsattel um über die Aflenzer Staritzen zur Voisthaler Hütte zu gehen. Den Abstieg von der Hütte am nächsten Tag machen wir vom Wetter abhängig.

Anreise

In Kapfenberg steigen wir aus, verlassen den Bahnhof und gehen den Europaplatz ein Stück rechts hinauf zur Busstation. Genau gegenüber der Busstation fällt ein bunt bemaltes 60er Jahre Wohnhaus auf. Wochentags könnte man seine Proviantvorräte in der Bäckerei hinter der Station auffüllen, schräg gegenüber ist eine Apotheke. Der Bus 172 Richtung Mariazell kommt erst 15 Minuten nach der Ankunft des Railjets.

Der Bus fährt durch Aflenz, dort stechen mir auf einer Wiese links oberhalb der Straße weiße Parabolantennen in verschiedenen Größen ins Auge. Martin erklärt mir, dass das die Erdfunkstelle Aflenz ist, die einzige solche Sendeanlage in Österreich. Mehr darüber gibt es in diesem Wikipedia Eintrag zu lesen.

Seeberg-Passhöhe, bereits auf 1200 Meter Seehöhe, steigen wir aus.

Auf die Aflenzer Staritzen und die Hohe Weichsel

Wir richten uns und unsere Sachen abmarschbereit her. Sonnenschutz, Schuhe zubinden, den nicht allzu leichten Rucksack schultern und los geht es über einen schmalen Weg von der Bundesstraße weg in den Wald hinein.

In Martins Rucksack befindet sich ein Sommerschlafsack, in meinem ein Hüttenschlafsack und eine Decke. Bitte frag auf der Hütte nach, wie die Covid Hygiene Richtlinien gehandhabt werden. Die hütteneigenen Bettdecken dürfen ja derzeit nicht verwendet werden. Und reservieren nicht vergessen!

Auf die Aflenzer Staritzen hinauf überwinden wir nur 500 Höhenmeter, gut verteilt auf zwei kurze Steilstufen mit einer Waldquerung dazwischen. Ein Vorteil, wenn man schon ziemlich hoch losgeht. Oben angekommen können wir fast immer eine 360 Grad Aussicht in die umliegende Bergwelt und deren teilweise imposanten Felsszenerien genießen, gehen aber ständig auf einem Almenweg sanft auf und ab dahin. Immerhin kommen wir insgesamt auf 1.000 Höhenmeter am heutigen Tag. Etwa 200 addiert die Hohe Weichsel noch dazu, die ich nicht auslassen kann.

hoheweichsel
Foto Martin Heppner
Gipfelsturm
Foto Martin Heppner

Martin, der am Vortag eine Tour im Salzkammergut gemacht hat, genießt die Sonne auf der Wiese liegend und passt auf meinen Rucksack auf. Dermaßen erleichtert bin ich recht schnell über den kleinen Steig, der vom Hauptweg nach rechts abbiegt oben am Gipfel. Von da kann ich einen ersten Blick in die verwegenen Felsarenen des kleinen und großen Ringes werfen. Ich trage mich ins Gipfelbuch ein und hüpfe am gleichen Weg wieder hinunter. Zu lange werde ich Martin nicht schonen. Das obere Ende eines großes Schneefeldes, auf dem sich vorher Gämsen abgekühlt haben (es ist schon recht warm), lädt zum Rutschen ein. Das mach ich auch, vor allem weil keiner zusieht und ich noch Anfängerin auf diesem Gebiet bin (Der Lehrer döst in sicherer Entfernung).

Zwischen Ringkamp und Hutkogel

Wir gehen zusammen weiter. Nun wird auch der eigentliche Hochschwab Gipfel, unter dem das Schiestlhaus liegt, das Ghackte, der Ghacktkogel und der Ringkamp sichtbar.

gipfelraten
Foto Veronika Schoell

Der Weg wird steiniger und leitet uns zwischen Ringkamp und Hutkogel durch. Es lohnt sich, etwas nach rechts zum Steilabbruch der Staritzen vor zu gehen und die vom Ringkamp senkrecht abfallenden Felswände in den großen und kleinen Ring zu bewundern.

Ringblick
Foto Martin Heppner
Ringkamp
Foto Veronika Schoell

Wir überlegen, wie der Steig von Weichselboden aus durch die Ringe hier herauf verlaufen könnte.

Steinböcke und Voisthaler Hütte

Dann treffen wir auf den Jägermayersteig, der von der Aflenzer Staritzen nach links abbiegt und uns auf und ab neben Dolinen und Latschen in Richtung Obere Dullwitz und zur Voisthaler Hütte führt.

Kurz vor unserem heutigen Tagesziel sehen wir zwei Steinböcke friedlich äsen. Die lassen sich von uns nicht stören. Als der Steig um die Ecke biegt, blicken wir plötzlich in viele behörnte, neugierige Gesichter und in hellbraun-gelbliche Augen. Ich bin sehr angetan (Im Herzen bin ich ein Steinbock, im Sternbild Widder, also auf jeden Fall Hörner).

Steinböcke Schnellfeld
Foto Martin Heppner
Voisthaler Hütte
Foto Martin Heppner

Auf der Terrasse der Hütte werfe ich meinen Rucksack und meine Schuhe ab und gönne mir einen Radler und ein Hollersaftl. Beides groß. Bin durstig und müde. Ich mache mich im Waschraum frisch (kaltes Wasser) und tausche die verschwitzten Wanderklamotten gegen Räuberzivil. Dann setze ich mich wieder auf die Terrasse und bleib da, bis die Sonne weg ist. Trink noch einen Radler. Schau. Mehr brauch ich jetzt nicht. Martin ratscht derweil mit den Hüttenwirtinnen der Voisthalerhütte Lisi und Maja.

Später gibts ein köstliches Nachtmahl und die Lagereinteilung. Wir gehen recht früh schlafen.

Unsere Zimmergenossen sind zwei junge Männer, die vom Präbichl über die Leobner Hütte und den Hochschwab Gipfel aufgestiegen sind, das ist wirklich sehr weit, Chapeau! Einer der beiden erzählt uns, dass er unlängst auf FM4 online einen Artikel über Wandern mit Öffis gelesen hat und das sehr cool fand. Dann schaut er uns an und sagt: „Seids ihr das vielleicht?“ Wir lachen :-)

Hochschwab & Abstieg

Am nächsten Morgen gehen wir früh und mit Lunchpaket weg. Den köstlichen Kaffee aus einer Rösterei in Bruck an der Mur bekommt man auch schon vor Beginn der offiziellen Frühstückszeit um 07:30.

Das Wetter hat gedreht, es ist neblig und feucht. Wir entscheiden uns trotz angekündigten Regens auf den Hochschwab Gipfel zu steigen. Ohne Aussicht. Aber wir waren oben! Und werden ordentlich nass. Dann holen wir in der Hütte unsere Habseligkeiten ab, die wir dort deponiert haben und steigen durch die Dullwitz nach Seewiesen ab. Das ist (bei dem Wetter) der einfachste Weg.

Du kannst dir auch einen anderen Abstieg von der Hütte aussuchen. Je nach Wetter und Gehfreudigkeit. Zum Beispiel über den Fölzsattel direkt nach Aflenz Kurort. Von da gibt es auch mehrere Busverbindungen.

Tourdaten

Fazit

Ich verstehe nun, warum der Hochschwab Martins Lieblingswandergebiet ist. Die aufregend vielfältige und schöne Landschaft und die intakte Natur haben auch mich bezaubert.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Newsletter1 x pro Monat neue Beiträge per Mail

BzB ist im offline Modus.