„Transversale“ Schweigmühlalm – Klingeralm

Der Wanderer (es ist die „Wanderin“ mitgemeint), der Dopplersteig und Reitsteig bereits mehrmals absolviert und genossen hat, der vielleicht des einen oder anderen samstags oder sonntags eine ruhigere Route ersehnt: jener wird auf der Landkarte nach Alternativen suchen. Vielleicht wird er die punktierten Steige der ÖK erforschen wollen. Aus meiner Erfahrung will ich ihn/sie unterstützen. Eine gute Hilfe wird auch das Büchlein von Bodo Hell sein (UNTERSBERG – Geschichten – Grenzgänge – Gangsteige) „Wozu in die Ferne schweifen, das Gute liegt so nahe“ – von Salzburg aus.

Anreise

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Die Buslinie Nummer 21 verbindet den Untersberg in dichtem Takt mit der Stadt Salzburg.

Die Buskehre in Fürstenbrunn. Foto: Karl Plohovich
Die Buskehre in Fürstenbrunn. Foto: Karl Plohovich

Senner besucht Sennerin

Von dort – gleich gegenüber – wählt man die „Skipiste“ und marschiert an der Wildbachverbauung (da man wohl nicht während eines Gewitters unterwegs ist, wird man über die Massivität des Bauwerks staunen) vorbei schließlich durch eine Unterführung und gelangt nach etwa 20 Minuten zur Abzweigung „Steinbruch Wallinger“. Von hier verfolgt man die Asphaltstraße über die sogenannte „Römerbrücke“ (man kann die Tafel lesen: diese Brücke musste für den Transport eines riesigen Marmorblocks angefertigt werden; den kühlen Wind aus der Klamm wird man genießerisch wahrnehmen) und gelangt zur Kapelle beim Veitlbruch,

Veitlbruch Kapelle. Foto: Karl Plohovich
Veitlbruch Kapelle. Foto: Karl Plohovich

wo – eine Inschrift verrät es – römische Münzen gefunden wurden.

Inschrift. Foto: Karl Plohovich
Inschrift. Foto: Karl Plohovich

Übrigens: Wer bereits hier Wasser tanken möchte, braucht dem kleinen Wasserlauf rechts neben der Kapelle nur einige Schritte bergwärts folgen.

Nun geht es ins „Gelände“ ins „Wasserfalltal“: Das Steiglein leitet zu einem Zugweg, der noch seine einstige Bedeutung zu verraten scheint: Hier konnten sich die Herren zu Pferd in ihre Jagdreviere begeben…

Die aufwändige alte Weganlage. Foto: Karl Plohovich
Die aufwändige alte Weganlage. Foto: Karl Plohovich

Über eine auffällige Brücke

Die massive Brücke. Foto: Karl Plohovich
Die massive Brücke. Foto: Karl Plohovich

(die massiven Stahlträger lassen die Frage aufkommen: Wie wurden diese damals bis hierhergeschafft? Übrigens: Wer vor dem Steg der Wasser-Schlucht folgt, gelangt auf Steigspuren zum namengebenden Wasserfall) gelangt man zum Endpunkt der „Ausbaustrecke“ und vertraut sich den Steigspuren an, die gut zu finden sind: Durch Wald, leider auch kurze Stellen morastig, schließlich in lichteres Gelände; am Rande einer senkrechten Wasserrinne („Schlüsselstelle“) wird man sich – vergeblich – vielleicht eine kleine Versicherung wünschen.

Schlüsselstelle. Foto: Karl Plohovich
Schlüsselstelle. Foto: Karl Plohovich
Die beeindruckenden Wände des Kühsteins aus dem Wasserfalltal gesehen. Foto: Karl Plohovich
Die beeindruckenden Wände des Kühsteins aus dem Wasserfalltal gesehen. Foto: Karl Plohovich

Die Steigspuren und Steinmännchen leiten weiter (die umgestürzten Baumriesen, die hier wohl 200 Jahre und mehr Wind und Wetter erfolgreich getrotzt haben und Anfang des 3. Jahrtausends den Stürmen zum Opfer gefallen sind, prägen das Bild) bis man unterhalb der Schweigmühlalm den Ausstieg aus dem Wasserfalltal über einen Felsensteig findet. (Aufmerksam, wie man ist, wird man sogar hier auf Spuren der Bearbeitung, also Felsstufen, treffen.) Die alte, gänzlich dem Verfall preisgegebene Jagdhütte schickt einen immer noch stolzen Willkommensgruß.

Die alte Jagdhütte auf der Schweigmühlalm. Foto: Karl Plohovich
Die alte Jagdhütte auf der Schweigmühlalm. Foto: Karl Plohovich

Doch nun möchte der Senner der Schweigmühlalm die Sennerin der Klingeralm besuchen. Die größten Hürden, die zu nehmen sind, bestehen in undurchdringlichen Latschenfelder, die furchterregende Schlünde und steile Dolinen überwuchern und Karrenfelder, die Balancieren auf scharfen Felsgraten erfordern.

Nun gut: Vielleicht nach einigen Rast-Minuten folgt der Wanderer den Steinmännchen (er könnte auch vereinzelte, beruhigende Farbtupfen immer wieder aufspüren) – einen ausgetretenen Weg verdankt er hier eher den Gämsen, die abschnittsweise mit dem Wanderer die „Wegerhaltung“ in erprobter Zusammenarbeit übernommen haben – und gelangt durch einen Durchschlupf

Der Durchschlupf. Foto: Karl Plohovich
Der Durchschlupf. Foto: Karl Plohovich

auf den rechten Rand einer mächtigen Doline, wo er sich einer Latschengasse erfreuen wird.

Dann aber gilt es aufmerksam auf die Linkskurve zu achten und über Gassen letztlich das große Karrenfeld zu erreichen, das aus einer „Binnenscharte“ herabzieht.

Karrenfelder – Wer ahnt hier nicht abschmelzende Gletscher... Foto: Karl Plohovich
Karrenfelder – Wer ahnt hier nicht abschmelzende Gletscher… Foto: Karl Plohovich

Am Zustieg zu dieser Scharte wird man das eine oder andere Mal auch die Hände nutzen müssen. Dies sollte von einem Blick über den aufragenden Kühstein hinweg nach Salzburg keinesfalls abhalten!

Der Blick über den Kühstein auf Salzburg; der Wiesenfleck ist die Schweigmühlalm. Foto: Karl Plohovich
Der Blick über den Kühstein auf Salzburg; der Wiesenfleck ist die Schweigmühlalm. Foto: Karl Plohovich

Plötzlich steht man am Rand der Hochfläche:

Am Rande der Hochfläche. Foto: Karl Plohovich
Am Rande der Hochfläche. Foto: Karl Plohovich

Weite und Stille werden den Senner umfangen – und seine Gedanken hinüber tragen zur Klingeralm…

Durch das Latschendickicht zur schon – vor Staufen und Zwiesel – sichtbaren Klingeralm. Foto: Karl Plohovich
Durch das Latschendickicht zur schon – vor Staufen und Zwiesel – sichtbaren Klingeralm. Foto: Karl Plohovich

Der weitere Weg schlängelt sich über Grate zwischen Dolinen und in Latschengassen, mal aussichtsreich, mal ganz verborgen in vielen Wendungen, mit Auf- und Abstiegen durch den meisterhaft gestalteten Irrgarten dahin. Eine Art Schlüsselstelle wird das Überqueren einer Doline sein und das „Erklettern“ des Ausstiegs aus derselben. Doch bei aller Mühe sind die zu überwindenden Wandstellen im Schwierigkeitsgrad max. I+ nie höher als zwei Meter: Felsen (nicht immer) aber Latschen immer bieten festen Halt!

Schlüsselstelle – stolpern streng verboten. Foto: Karl Plohovich
Schlüsselstelle – stolpern streng verboten. Foto: Karl Plohovich

Nach langem Hin- und Her – (je nach Gemütsverfassung wird sich der Senner verloren fühlen oder die Verborgenheit genießen; jedenfalls wird er darüber nachdenken, wie verschlungen die Wege zueinander sein können, wie mühevoll es sein könnte, sie freizuhalten und welch Geschenk, wenn sie zum Ziel führen!) ändert sich der Steig: er erreicht eine Art „Grabenbruch“,

Der Kaltluftsee in den Dolinen konserviert Schnee bis in den Hochsommer. Foto: Karl Plohovich
Der Kaltluftsee in den Dolinen konserviert Schnee bis in den Hochsommer. Foto: Karl Plohovich

der nun den Abstieg zur Klingeralm vermittelt: grobes Geröll – schlecht zu gehen, aber die Richtung ist eindeutig, was bei Nebel (der Senner will sich nicht vorstellen, wie er hierher im dichten Nebel hätte finden sollen) äußerst willkommen gewesen wäre.

Der Weg verläuft im Grabenbruch. Foto: Karl Plohovich
Der Weg verläuft im Grabenbruch. Foto: Karl Plohovich
Schöne Versteinerungen. Foto: Karl Plohovich
Schöne Versteinerungen. Foto: Karl Plohovich

Doch gut ein Drittel der Strecke – auch wenn der Durchblick zur Alm schon verheißungsvoll ist – bleibt noch zu absolvieren. Schließlich erreicht man wieder baumbestandene Gefilde und nach leichtem Aufstieg liegt die Alm vor dem Wanderer, wohl einer der schönsten Rastplätze des Untersbergs, mit Wassertrog und Fernsicht über Salzburg bis in die Bayerischen Lande hinüber (und dem Wiedersehen mit der Sennerin).

Die große Blockhütte auf der Klingeralm beherbergt auch eine Kapelle. Foto: Karl Plohovich
Die große Blockhütte auf der Klingeralm beherbergt auch eine Kapelle. Foto: Karl Plohovich

Wer noch Mut und Konzentration übrig hat und vielleicht Neues kennenlernen will, kann den Abstieg über die „Windlöcher“ wählen, einen steilen Steig, der ebenfalls durch die Stürme zu Beginn des Jahrtausends mitgenommen wurde.

Motiv vom Steig über die Windlöcher. Foto: Karl Plohovich
Motiv vom Steig über die Windlöcher. Foto: Karl Plohovich

Die Windlöcher sind Höhlenausgänge, aus welchen die im Berg gespeicherte Kälte strömt und die nun von umgestürzten Bäumen ein noch furchterregenderes Gepräge erhalten haben. Bei dem kleinen Absatz mit dem Hinterglas-Franziskusbild und den Wegweisern erreicht man den markierten Steig.

Hinterglas-Franziskus. Foto: Karl Plohovich
Hinterglas-Franziskus. Foto: Karl Plohovich

Unten angekommen kann man einen „Abschneider“ über eine Lichtung wählen.

Die Lichtung mit Wildfütterung, Telekia speciosa. Foto: Karl Plohovich
Die Lichtung mit Wildfütterung, Telekia speciosa. Foto: Karl Plohovich

Wo die Forststraße die Asphaltstraße erreicht, wendet man sich kurz nach rechts, um gleich die nächste Forststraße nach links zu wählen. Über diese gelangt man auf schönen Steigen nach Fürstenbrunn und zur Haltestelle „Volksschule“: Was habe ich über mich und den Untersberg bei dieser Tour gelernt?

Es handelt sich um eine Tagestour: Aufstieg zur Schweigmühlalm 2 – 2 ½ Stunden; für die „Transversale“ weitere 2 Stunden. Auch der Abstieg wird wohl gut 2 Stunden erfordern; Rastzeiten! Wer sich emotional in der Lage fühlt (oder dies sogar ersehnt), verborgene Steige zu erkunden, wer an Schrofen-Kraxeleien Spaß hat und Freude am Finden von „Wegzeichen“ (Steinmännchen, Schnittflächen an Latschen

Latschen – Schnittflächen als Wegweiser. Foto: Karl Plohovich
Latschen – Schnittflächen als Wegweiser. Foto: Karl Plohovich

 [abgerissene Latschen deuten auf Wildfährten, nicht „menschliche Wege“ hin]), der wird auf „Senner besucht Sennerin“ reichlichst beschenkt werden, und je nach Jahreszeit unter anderem Aurikel oder Türkenbundlilien, Eisenhut, Telekia und Kaisermantel bewundern können!

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Tourdaten

Die Route in Zahlen: Gehzeit 7.5h  1.250HM  1.250HM  13km  GPX Track

Diese Tour kann mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Bischofshofen, Innsbruck, Linz, München und Salzburg erreicht werden.