Gahns

Winterspaziergang über den Gahns


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Am Christtag möchte ich noch eine kleine Winterwanderung machen. Für Schneeschuhe liegt ja zu wenig Schnee. Weil er so bekannt ist, ich aber noch nie dort war, fällt meine Wahl auf den Gahns. Ist ja vom Namen her schon interessant!

Anreise

Es gibt zwei Möglichkeiten die Tour zu gehen, von Schlöglmühl nach Payerbach-Reichenau, oder umgekehrt. Ich entscheide mich für die erste Variante, damit ich mich am Schluss gemütlich in den Zug setzen kann, weil der an der Endstation Payerbach-Reichenau steht bis er abfährt. In Schlöglmühl müsste ich in der Kälte warten bis der Zug kommt.

Erstens sind die Nächte jetzt Ende Dezember sehr lang und die Tage entsprechend kurz. Zweitens habe ich am Abend etwas vor. Daher fahre ich mit dem ersten Zug nach Schlöglmühl (die Station vor Payerbach-Reichenau). Das bedeutet konkret, dass die Abfahrt um halb sechs Uhr in der Früh ist. Dafür bin ich um 7:00 schon am Zielbahnhof und kann losgehen.

Natürlich macht es mir keinen besonderen Spass kurz vor 5:00 aufzustehen und natürlich funktioniere ich um diese Zeit noch nicht besonders gut. Deshalb habe ich mir am Vorabend schon alles hergerichtet, was ich anziehen und mitnehmen möchte. Meine heiße Suppe kühlt über Nacht erfahrungsgemäß gerade so weit aus, dass ich sie am Berg dann trinken kann, ohne mich zu verbrühen.

Im Zug frühstücke ich einmal und ärgere mich über mich selbst, dass ich trotz abendlicher Vorbereitung meine GPS Uhr und meinen Fotoapparat daheim vergessen habe. Nachdem ich es jetzt nicht mehr ändern kann, schlafe ich noch eine Stunde.

Bahnhof Schlögelmühl

Kurz nach 7:00 steige ich als einziger am Bahnhof (oder besser: an der Bahnhaltestelle) Schlöglmühl aus. Ich weiß nicht, ob und wann und schon gar nicht wie exzessiv der Bär typischerweise in Schlöglmühl tanzt – am Christtag, um 7:00 in der Früh, tanzt dort nix. Schon gar kein Bär. Auch der Zug schaut, dass er weiter kommt. Ich auch.

Gahns zur Waldburgangererhütte

Aus der Bahnhaltestelle gehe ich nach rechts hinaus und gleich wieder rechts durch die Bahnunterführung. Das Ortsendeschild von Schlöglmühl kommt – wenig überraschend – schnell. Sehr kurz danach biege ich nach rechts in den Wald ab, Richtung Prigglitz. Nachdem die Schlöglmühl-Erfahrung noch so frisch ist, zittere ich ein wenig vor Aufregung ob dem anstehenden Highlight. Da ich sehr früh unterwegs bin, wird erst jetzt langsam heller. Der Weg führt durch den Wald und danach über sanft geschwungene Weiden. Es ist wirklich sehr hübsch. Wäre es nicht so nahe bei Wien, würde mir das Lust auf einen Sommerfrischeaufenthalt mit kleinen, angenehmen Spaziergängen machen.

Durch Prigglitz gehe ich auf der Asphaltstraße. Bei der Kuh im Glashaus (dem – soweit ich es auf die Schnelle beurteilen konnte – Highlight von Prigglitz (auf der Webseite von Prigglitz gibt es auch ein Foto davon)) biege ich nach links ab und schaue, dass ich in den Wald komme, bevor mir jemand begegnet, der Plastikrindviehskulpturen in Glashäuser steckt.

Ab hier ist die Waldburganger Hütte angeschrieben und für die nächsten 2,5h mein Tourenziel.

Winterlandschaft am Gahns
Je höher ich komme, desto mehr Schnee gibt es.
Schöne Lichtung mit Wiese

Die Markierungen sind prinzipiell sehr gut zu finden. Zwei, drei Mal muss ich kurz suchen – so zum Beispiel bei der oben abgebildeten Wiese: Zuerst nehme ich den Forstweg links. Nachdem der aber bergab führt und ich aber nicht bergab will, schaue ich auf die Karte und sehe, dass mein Weg auf der Südseite der Wiese entlang führt und dann wieder in den Wald mündet. Auf so etwas muss man sich im Winter einstellen. Umso wichtiger ist es, ordentliches Kartenmaterial mitzuhaben und es auch zu nutzen zu wissen.

Waldburgangerhütte
Waldburgangerhütte. Von Mai bis Oktober an Wochenenden geöffnet.

Bis zur Waldburgangerhütte brauche ich recht exakt die angegebenen 2,5 Stunden. Es ist jetzt 10:00. Schaut bisher gut aus für mein Abendprogramm.

Abstieg nach Payerbach-Reichenau

Westlich der Hütte gibt es zwei Abstiegsmöglichkeiten: Ich wähle ohne bestimmten Grund den südlichen und bereue es nicht. Der nach Westen führende ist sicher auch nicht schlecht. Man kommt dort halt beim Schneedörfl heraus. Was beiden Varianten gemein ist: Das letzte (gar nicht so kurze) Stück muss man auf der Asphaltstraße gehen.

Der Weg, den ich wähle ist zuerst kurz steiler, als der Aufstieg bisher war, wird dann aber flacher und ist damit weiterhin absolut schneeschuhtauglich. Er hat auf jeden Fall den Vorteil, dass er bei der Ilse-Rast vorbei führt. Das ist ein Aussichtspunkt an der Kante eines steil abfallenden Felsens. Würde es nicht gerade schneien, hätte ich wahrscheinlich eine ganz tolle Aussicht!

Abstieg zum Bahnhof Payerbach-Reichenau

Der letzte Teil führt immer wieder über Forstwege, bis er schließlich auf die Asphaltstraße führt. Nach dem Bahnübergang biege ich sofort scharf nach rechts ab und gehe zwischen den Häusern von Payerbach und der Bahntrasse bis zum Bahnhof. Dort komme ich etwa um 11:30 an.

Imbisskiosk „Irmi“

Am Bahnhof Payerbach-Reichenau gibt es einen Imbisskiosk. Er ist jedesmal brechend voll, wenn ich dort bin. So auch diesmal. Er ist winzig. Trotzdem besteht er zu zwei Dritteln aus Schank und nur das letzte Drittel ist für Gäste da. Hinter der Budel ist also eine Frau, davor fünf Männer. Alle Raucher. Ob sie auch Raucherin ist, konnte ich nicht feststellen. Nikotinabhängig ist sie auf jeden Fall – das geht gar nicht anders, weil die Gäste rauchen wie die Blöden. Ich bin 7 Minuten 30 Sekunden in diesem Raum um mir ein Mittagessen zu kaufen und muss nachher alle meine Sachen waschen – auch die unverschwitzten, im Rucksack verbliebenen – weil der Rauch überall hineingepresst wurde.

Meine Leberkässemmel, die ich schließlich bekomme, ist ein absolutes Disaster: Der Leberkäse ist 1 Zentimeter rundherum komplett vertrocknet. Es ist eigentlich eine Gemeinheit so etwas noch zu verkaufen. Leider merke ich es erst, als mein erster Heißhunger ab der zweiten Semmelhälfte etwas gestillt ist.

Der Imbiss heißt übrigens nicht wirklich „Irmi“. Ich habe mir nicht gemerkt wie er heißt, aber Didi und ich sagen immer „Irmi“ wenn wir dort ankommen und darüber reden, ob wir uns etwas holen sollen.

Heimfahrt

Die Heimfahrt gestaltet sich wie die Hinfahrt: Ohne Umsteigen bin ich in etwa 1:40h in Wien. Mit Umsteigen in Wiener Neustadt ist es etwas schneller.

Conclusio

Eine sehr schöne und unschwierige Winter- und Schneeschuhwanderung mit optimaler öffentlicher Erreichbarkeit von Wien aus!

Tourdaten

Ich verwende zur Aufzeichnung des GPX Tracks eine Garmin fenix 3. Ich denke darüber nach die Garmin Fenix 5X Plus Saphir (Amazon Link) zu kaufen, weil das neue Modell Karten darstellen kann.

2 Kommentare

  1. Hallo! Vielen Dank für den Bericht!
    Ich bin die Route diesen Herbst gegangen. Die Bodenwiese hinter der Waldburgangerhütte ist wirklich eine Besonderheit. Auch die Hütte und deren Besitzerin, eine Heimatkundlerin aus Prigglitz, sind interessant.
    Zwei kleine Anmerkungen:
    – In Schlöglmühl – ohne „e“ ;) – gibt es am Bahnsteig Richtung Wien einen beheizten Warteraum. Frieren muss man also dort auch nicht. Ansonsten gibts auch bei der alten Papierfabrik das „Kirchenstüberl“, (ohne Homepage, kenne ich auch nur vom Vorbeigehen).
    – Um auf einer Reise von Payerbach nach Wien grindige Leberkäsesemmeln zu vermeiden, empfiehlt es sich, die 15 Minuten Aufenthaltszeit in Wiener Neustadt zu nutzen, um zum OKAY in der Bahnhofshalle zu gehen. Dort ist zwar manches überteuert, aber die Feinkost interessanterweise nicht. Aufgrund der Frequenz stimmt auch die Qualität ;)

    1. Danke für den Hinweis Bernhard – sieben „e“ entfernt!

      Der Tipp in der Wartezeit in Wiener Neustadt etwas zu Essen zu holen ist absolut genial! Das probiere ich das nächste Mal aus! Danke!

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