Arnsteinnadel

Peilstein Nord-Süd Überschreitung

Ich möchte euch gerne die Gegend südlich von Wien zwischen Baden und dem Triestingtal ans Herz legen. Gute Erreichbarkeit mit Bus und Bahn, sanfthügelige, romantische Landschaft und meist trockener Boden als z.B. im nördlichen Wiener Wald. Diesmal konsultiert meine Mama eines ihrer Wanderbücher und sucht eine schöne Tour aus, nämlich von Alland nach Weissenbach an der Triesting. Etappe 2 vom Nordalpenweg. Eine Variante der Etappe 1 von Baden nach Heiligenkreuz haben wir letzten Herbst gemacht.

Wir nehmen uns quasi eine Nord-Süd Überschreitung des Peilsteins vor. Vorgabe: nicht zu viele Höhenmeter, nicht zu früh aufstehen, gemütliche Einkehr. Die Recherche der Anreise wird mir überlassen. Außerdem werden wir von zwei „Bahn zum Berg“-Anfängern begleitet.

Mit Bahn und Bus nach Alland

Ich bin in der privilegierten Lage, in 10 Minuten zu Fuß zum Bahnhof Wien Mitte zu gelangen, von wo aus ich mit der Schnellbahn um 08.22 nach Baden fahre. Alle anderen steigen am Hauptbahnhof zu.

Nebenbei: Wie schnell ihr von ganz Wien zum Hauptbahnhof oder Wien Meidling kommt, hat Martin übrigens sehr ausführlich und übersichtlich in einem anderen Blogbeitrag beschrieben.



Am Bahnhofsvorplatz sollte uns der Bus nach Alland abholen. Hier irren einige andere Leute in Wandermontur von einem Wartehäuschen zum anderen. Endlich – ein Minibus fährt vor und der Fahrer fragt, ob wir vorbestellt hätten. Unsere Gesichter werden länger. Nur eine Dame bejaht und sagt zu uns etwas von Rufbus… Der Taxifahrer gibt sich dann als der netteste Rufbuslenker aller Zeiten zu erkennen und erklärt uns, was es damit auf sich hat: den Bus nach Klausen Leopoldsdorf muss man nämlich eine Stunde vorher bestellen. Steht angeblich in jeder App. Netterweise werden wir alle im Bus untergebracht, der jetzt voll besetzt ist. Es geht los, obwohl wir nicht reserviert haben. Ich check nochmals die Scotty App – da steht in roten Buchstaben „RUFBUS! Bitte 60 Minuten vor Fahrtbeginn anmelden“ – hm, mein Fehler.

von Alland Richtung Mayerling
von Alland Richtung Mayerling

Wir dürfen in Alland vor der Kirche aussteigen und machen uns auf die Suche nach der roten Markierung Richtung Buchstein. Wir finden auch eine, die neben einem Bach, in dem unzählige Enten um die Wette schnattern, in Richtung eines Hügels führt. Nur leider in die falsche Richtung. Nach einem Reithof interviewen wir eine Gassigeherin, die uns schließlich aufklärt. 1km hin und 1 km zurück macht 2 Bonuskilometer. Der richtige, leider unmarkierte Weg beginnt genau neben dem Gemeindeamt und führt am Fuße des Buchsteins, vorbei an Mayerling Richtung Maria Raisenmarkt (ab da veronikasicher durchgehend markiert).

Tipp: gleich in Mayerling aussteigen und direkt da weggehen.

Auf den Peilstein

Wir spazieren über ebene Feldwege auf Kronprinz Rudolphs Spuren Richtung Peilstein. Ich mag diese Gegend sehr, denn ich finde, dass die Menschen früher ihre Bauwerke mit viel mehr Gefühl und Harmonie in die Landschaft eingefügt haben.

Nach Maria Raisenmarkt geht es auf einem romantischen Waldsteig weiter – die paar Höhenmeter bis zur Ruine Arnstein aus dem 12. Jahrhundert tun gar nicht weh. Um die Ruine und die Arnsteinnadel ranken sich einige wilde Geschichten.

Peilsteinhaus

am Peilsteinhaus
am Peilsteinhaus

Von oben hat man einen schönen Ausblick über das Land. Es geht weiter durch den Wald bis zum Peilsteinhaus. Der Hunger macht uns einen Strich durch die Rechnung, denn eigentlich wollten wir ja weiter zur kleineren Peilsteinhütte wandern, die mit dem knusprigsten Schweinebraten aller Zeiten lockt. Aber beim Anblick des Peilsteinhauses sinkt die Moral deutlich. Ich bin deshalb auch die einzige, die auf den Aussichtsturm hinaufklettert. Unten gibt es wegen der Bäume, oben wegen des Hochnebels keine Aussicht, dafür hier eine weitere Übung meiner Schwindelfreiheit. Ich schaffe es ohne zitternde Knie hinauf (und hinunter) auf den luftigen Turm, der nur aus Metallgittern besteht.

Drinnen wird ausgiebig gevöllert, die Hütte ist für Ende November sehr gut besucht! Ich bin mir nicht so sicher, worin die Rahmfisolen mit Knödel schwimmen, denn diese Sauce kämpft beim Runtergehen mit dem köstlichen Eierlikör, den ich mir gegönnt habe um die Oberhand im Magen (ich weiß, die Kombi ist suboptimal).

Tipp: Nach dem Peilsteinhaus unbedingt dem kleinen Wegerl Richtung Peilsteinwände folgen und die wilden Felsformationen anschauen. Ich kann meine Begleiter leider zu keinen Extrametern mehr motivieren.

So wandern wir durch den Wald und über wunderschöne Almwiesen Richtung Weissenbach und besichtigen die Burg Neuhaus. Nachher kommen wir an einigen ehemaligen Hotels aus der Zeit vorbei, als die Wiener noch auf Sommerfrische ins Triestingtal fuhren.

Burg Neuhaus
Burg Neuhaus

Am Ortsanfang gehen wir ein Stück entlang der Straße und dann wieder auf einem Waldweg, der direkt zum Bahnhof Weissenbach führt. Wir haben (zufällig) perfekt getimed und kommen bei Einbruch der Dunkelheit dort an.

Tourdaten

Vom Bahnhof Weissenbach nach Wien

Der kleine Zug steht schon in der Station und fährt stündlich von Weissenbach hinaus in die weite Welt, also nach Leobersdorf. Danach mit dem Anschlusszug nach Wien. Zu viert haben wir das „Einfach-Raus-Ticket“ gut genützt. (10,50 € pro Person). Die Situation auf der Heimfahrt: zwei schlafen, eine mampft Buchteln aus dem Rucksack der anderen und eine schnattert unentwegt und ruft sogar die Tante aus Weissenbach an um ihr zu erzählen, dass wir gerade an ihrem Haus vorbeigefahren sind.

Ihr dürft euch aussuchen wer wer ist.

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