Drei-Hüttenwanderung Hainfeld – ein Wintermärchen

Gemütliche und großteils einsame Winterwanderung mit drei urigen Hütten, von denen zwei sogar im Hochwinter geöffnet haben. Von Rohrbach an der Gölsen Bahnhof über die Lindensteinhütte zur Hainfelder Hütte (offen) und über die Liasnböndelhütte (offen) nach Hainfeld.

Mit Regionalzügen und Bus nach Rohrbach

Will man nach Rohrbach an der Gölsen öffentlich anreisen, so hat man, je nach Uhrzeit die Wahl zwischen einer Kombination aus Regionalzügen vom Westbahnhof aus nach St. Pölten oder Eichgraben/Altlengbach. Von St. Pölten gehts per Regionalzug weiter, von Eichgraben/Altlengbach mit dem Bus 455.

Weil sich der Nebel heute erst lichten muss, starte ich eher spät und nehme den Regionalexpress CJX1910 von Wien Westbahnhof (alternativ ginge auch der Railjet RJX 562 von Wien Hauptbahnhof) nach St. Pölten. Dort wartet schon der Regionaldieselbummelzug R6708 auf mich, der mich langsam und mit viel Gebrumm aus dem Nebel in die Sonne nach Rohrbach an der Gölsen befördert. Ich genieße die beschauliche Fahrt bei einem guten Buch und brauche in Summe vom Westbahnhof dafür 1 Stunde 28 Minuten.

Von Rohrbach zur Lindensteinhütte

Meine Tour startet direkt beim Bahnhof Rohrbach. Ich folge der Dreikreuzstraße nach Süden bis zur Gölsentaler Bundesstraße. Hier biege ich rechts auf die Bundesstraße ab und zweige nach etwa 60 Metern nach links auf einen asphaltierten Fahrweg ab.

Hier beginnt die grüne Markierung, die mich ab nun begleiten wird. Außerdem überrascht mich die Landschaft mit einem durchgehend weißen Winterkleid. Wo halb Österreich derzeit mit Schneemangel kämpft, liegen hier gut 30-40 cm weiße Pracht.

Tipp: Ein bisschen weiter westlich – aber noch immer in den Gutensteiner Alpen – gibt es auch eine schöne Winterwanderung über Hinteralm und Muckenkogel.

Ich folge dem geräumten Fahrweg leicht ansteigend hinauf zum Schadhof. Hier tauche ich endgültig in eine märchenhafte  Winterlandschaft ein. Ich stapfe in nur mäßig ausgetretenen Spuren über eine Wiese, durch tiefe Stille und bewundere den Raureif auf den Bäumen und die glitzernden Kristalle im Schnee.

Schon bald erreiche ich den Waldrand und folge dort alten Strommasten an einem schmalen Waldweg weiter geradeaus in den Schäfgraben. Es folgen wieder eine Wiese und ein Zaun, den ich den Spuren folgend übersteige, sowie ebeneres Gelände, hin zu einem weiteren Gehöft. Hier geht es der gründen Markierung folgend, direkt durch den Hof des Gebäudes und die Scheune hindurch zu einem geräumten, gut begehbaren Forstweg.

Die Bäume bewerfen mich immer wieder mit Schnee – aber ich begegne keiner Seele. Erst, als nach zwei Kehren die Lindensteinhütte in Sicht kommt, treffe ich zum ersten Mal auf einen anderen einsamen Wanderer.

Von der Lindensteinhütte zur Hainfelder Hütte

Ich lasse die geschlossene Lindensteinhütte rechts liegen und folge dem breiten Forstweg und der grünen Markierung ostwärts. Im lichten Buchenwald verzweigt sich der Weg dann und ich nehme den rechten, schmaleren Weg mit nun blauer Markierung.

Es wird vorübergehend ziemlich steil aber der Weg ist gut begehbar und nicht eisig. Dennoch bin ich froh, dass ich meine Wanderstöcke dabei habe.

Bei einer markanten Wegkreuzung mit verwitterten Holzschildern zweigt der Steig zur Hainfelder Hütte dann scharf rechts ab und die Markierung ist ab nun rot und blau. In engen Serpentinen folge ich dem Weg, zuerst noch im Wald dann über eine Lichtung mit tiefverschneitem Bankerl hinauf über einen Rücken.

Nach kurzer Zeit mündet der Pfad auf eine geräumte Forststraße. In wenigen Minuten – aber noch einmal sehr steil – geht es dann auf dieser Forststraße zur Hainfelder Hütte. Hier kehre ich ein und finde gerade noch ein Platzerl zum Dazusetzen. Die Hütte ist nicht groß aber wunderbar gastfreundlich. Außerdem kochen die netten Wirtsleute auch noch ausgezeichnet und ich lasse mir die hausgemachte Fritatten-Rindsuppe schmecken.

Von der Hainfelder Hütte über die Liasnböndlhütte nach Hainfeld

Nach der kurzen Rast folge ich dem Weg auf dem ich gekommen bin, zurück bis zu der markanten Kreuzung und nehme diesmal den Weg, leicht abfallend Richtung Liasnböndlhütte.

Es geht in gemütlichen Serpentinen durch den Wald und über eine Schneise. An einer weiteren Kreuzung folge ich dem roten Weg, wieder Richtung Liasnböndlhüttem bzw. Hainfeld.

Zehn Minuten und ein paar Waldserpentinen später habe ich auch schon die Liasnböndlhütte erreicht, die heute ebenfalls bewirtschaftet ist.

Gut gesättigt, lasse ich sie aber links liegen und mache mich an den weiteren Abstieg. Dafür folge ich der unmarkierten, geräumten Forststraße von der Hütte nach Hainfeld. Leicht abfallend bringt sie mich langsam, aber sicher, aus der einsamen Winterwelt zurück in die Zivilisation.

Ich entdecke einen noch sehr einsam gelegenen Erlebnisparcour mit Waldspielplatz und begegne einigen rodelnden Familien, bis dann nach einer Kurve plötzlich die Kirche und das Umspannwerk von Hainfeld vor mir liegen. Innerhalb weniger Minuten bin ich aus der Natur zurück in der Stadt.

Vom Hainfelder Linzerkipferl nach Wien

Auf Google Maps suche ich mir erst nun einmal heraus, wo der Bahnhof liegt. Leider ist er am anderen Ende der Kleinstadt und so versäume ich nun gerade (wie fast immer bei meinen Wanderungen) den stündlich verkehrenden Zug.

Deshalb gehe ich noch auf einen Kaffee in das (zumindest für mich) neue „Rösthaus“, ein sehr gemütliches Lokal, das mich mit einem exzellenten Linzerkipferl und einem Verlängerten verwöhnt. So vergeht die Zeit wie im Flug und schließlich mache ich mich auf die letzten 500 Meter zum Bahnhof.

Als ich etwas zu früh, kurz vor 15:00 Uhr ankomme, fährt gerade der Bus 455 ein, an den ich gar nicht gedacht hatte. Da steige ich sofort ein, denn so habe ich eine noch schnellere Verbindung nach Hause: Bus 455 von Hainfeld nach Eichgraben/Altlengbach und dann mit dem REX 1643 nach Wien Westbahnhof in 1 Stunde 9 Minuten.

Angenehm müde von der vielen frischen Luft, tauche ich wieder in mein Buch ein, lasse ich mich durch die Landschaft schaukeln und erreiche Wien um 16.06 Uhr.

Tourdaten

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