Stadt Land Fluss – eine entspannte Wienerwaldtour

Von Salmannsdorf über Weidlingbach und die Windischhütte nach Greifenstein.

Ich weiß, dass meine Mama seit dem Lock Down schon ungeduldig auf die Gelegenheit zu einer gemeinsamen, ausgedehnten Wienerwald Wanderung wartet. In der Zwischenzeit war sie fast täglich spazieren und hat in ihrem Garten gewerkelt.

In unserer Familie war das immer schon so: Wenn wir uns nicht auf ein Ziel einigen konnten, in der Schwammerlsuch-Saison oder nach einer längeren Wander-Pause, war immer die Toilflhütte in Weidlingbach das erste Ziel. Seitdem ich ein kleines Kind war, sind wir mehrmals im Jahr mit allen möglichen Leuten zur Toiflhütte gewandert. Die wurde von der Familie eines Mostbauern betrieben und kredenzte nur köstlich Hausgemachtes. Leider gibt es die Hütte seit letztem Jahr nicht mehr und selbst nach mehreren Abschiedsbesuchen gelingt es uns nicht, wirklich zu realisieren, dass sie geschlossen und das Anwesen verkauft ist. Wir haben noch keinen Ersatz gefunden.

Sonst hätte meine Mama dieses Ziel auch für ihre erste Wanderung nach dem Lock Down ausgesucht. Ich weiß aber, dass sie schon lange den Weg von ihrem Zuhause in Döbling nach Greifenstein erkunden will und so gehen wir dieses Projekt heute an.

Anreise nach Salmannsdorf

Ich komme aus der Wiener Innenstadt – das bedeutet mit der U4 bis Spittelau und dann mit dem Bus 35A (aka Salmannsdorfer) bis zur Endstation zu fahren. Dort treffen wir uns üblicherweise.

Waldweg Windischhütte
Foto: Veronika Schöll

Zur Windischhütte

Den Weg von Neustift am Walde zur Windischhütte habe ich schon in einem anderen Beitrag ausführlich beschrieben. Deshalb jetzt nur kurz und in Stichworten: Die Endstation des 35A verlassen wir in nördlicher Richtung und gehen gleich rechts den Sulzweg hinauf, biegen links in die Maulteschgasse und dann rechts in die Keylwerthgasse, danach wieder links in die Salmannsdorfer Straße. Ab da führt ein markierter Waldweg hinauf zum Hameau und durchs Reitergassl gleich wieder hinunter nach Weidlingbach.

Diesmal bleiben wir auf der Forststraße. Wir kommen am sehr berühmten Simonsberg vorbei und durch den Dombachgraben auf die Steinrieglstraße hinunter. Die überqueren wir und gehen nach einer Brücke auf der anderen Seite gleich in den Wald hinein. Wir folgen einfach der Markierung Windischhütte und sind gemütlich nach insgesamt 2 1/2 Stunden da.

Heute hat die Hütte schon geöffnet und sehr gut besucht. Für uns bleibt ein Picknick auf der Wiese davor.

Hintersdorf

Gleich neben der Wiese, beim Autofahrer-Gesundheitsweg, führt die Forststraße in den Naturpark Eichenhain. Von der biegen wir etwas später Richtung St.Andrä Wördern ab.

Nach einem längeren Stück im Wald treffen wir auf eine Landstraße, der wir nach links bis Hintersdorf folgen. Hier ist es schon richtig ländlich und ruhig. Am Fussballplatz ist gerade Tormann Training und in den hübschen Gärten sitzt man beim Mittagessen. Wir bleiben auf der Landstraße und verlassen Hintersdorf.

Bei der ersten Linkskehre gehen wir rechts in den Wald hinein. Wir wählen den ersten, am weitesten rechts liegenden Weg, es gibt keine Markierung. Wir gehen Richtung Maria Gugging und Hadersfeld.

Ich mag Straßenhatscher normalerweise nicht, aber hier haben wir keine Alternative gefunden. Es ist außer ein paar Radlern eh niemand unterwegs. Die Strecke von Klosterneuburg rauf nach Hintersdorf ist vor allem bei Rennradlern ob der knackigen Anstiege, schön angelegten Kehren und geringem Autoverkehr sehr beliebt.

Lourdes Grotte und Hadersfeld

Wir kommen aus dem Wald zu einer Siedlung, die schon zu Maria Gugging gehört und überqueren die B14.

Das Museum in Maria Gugging ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Es sperrt am 1. Juli wieder auf. Art Brut und ihre Künstler sind mittlerweile weltbekannt.

Hier beginnt auch der Kreuzweg zur Lourdes Grotte, man kann zwischen mehreren Pilgerrouten wählen, wenn einem danach ist. Es sind einige kleine Gruppen in stiller Andacht oder singend unterwegs.

Wir pilgern nur ganz kurz und gehen über den Binderjockel durch Wald und Wiesen nach Hadersfeld. Ab hier ist Greifenstein auf den Wegweisern angezeigt. Der Steig durch den Fleischhackergraben ist zugewachsen, wir geben uns mit dem Burgweg zufrieden. Zeitweise surrt es im Wald. Offensichtlich ist das Offroad Fahren mit elektrisch betriebenen Modellautos ein beliebtes Hobby in Greifenstein. Wir treffen im Wald auf einige Herren, die dieser Beschäftigung mit Inbrunst frönen.

Greifenstein

Der Burgweg führt geradewegs zur Burg Greifenstein. Leider ist sie schon lange geschlossen und eine Wiedereröffnung ist durch die Corona Krise in weitere Ferne gerückt. Schade, sie ist selbst von außen hübsch anzusehen. Auch von der Donau aus gesehen, dominiert sie mit ihrem Standort auf einem Felsenvorsprung die Landschaft.

Ein bisschen gruselt mich die Erinnerung an Kindertage, als ein Besuch von Kreuzenstein und Greifenstein ein Muss waren. Die Burg hat eine interessante Geschichte und in ihren Kellergewölben gab es damals allerlei Foltergeräte. Auch eine Eiserne Jungfrau. Ob diese jemals in Verwendung war oder wie alt sie wirklich ist, entzieht sich meiner Kenntnis.

Wir wandern runter in den netten Ort Greifenstein. Da wir noch etwas Zeit haben, bis der Zug nach Wien kommt, gehen wir unter dem Bahndamm durch zum Donaualtarm Greifenstein. Vorsicht: der Weg quert den sehr stark befahrenen Radweg.

Man kann sich, falls es wärmer ist als heute, herrlich abkühlen und/oder eine Runde im Naturwasser schwimmen (Auch nackig, falls man kein Schwimmkostüm dabei hat, weiter hinten gibt es lauschige Buchten.) Es ist wirklich sehr schön hier.

Die Kinder tummeln sich auch heute schon im Wasser. Uns genügt es, die Füße ins Wasser zu hängen. Es zischt. Immerhin waren das heute knapp 21 Kilometer.

Wasserlilie
Foto: Veronika Schöll

Rückfahrt nach Wien

Wir fahren mit dem Regionalzug zur Station Spittelau zurück. Achtung, auf der Franz-Josefs-Bahn herrscht Linksverkehr. Daher müssen wir nicht wieder unter dem Bahndamm durch, auf der rechten Seite würde es unter anderem nach Tulln gehen.

Ich kenne übrigens eine Jemandin, die demnächst von Zuhause nach Tulln gehen möchte (dort soll es herrliches Belohnungseis geben)

Tourdaten

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