Durch die wildromantische Weichtalklamm

Vom Weichtalhaus über die Weichtalklamm, Kienthalerhütte, Fleischer-Gedenkstein und Fadenweg nach Losenheim: kurzweilige, ungefährliche Kraxelei und schöne Waldwege.

Ich poste meine Tour-Fotos in meiner Facebook Timeline immer gleich nach der Tour und noch bevor ich einen Bericht drüber schreibe. Da bin ich immer voller Glückshormone und muss das sofort in die Welt hinaus posaunen.

Bei einem der letzten Postings über die Wanderung auf der Hohen Wand kommentiert eine Freundin: „Wow so cool🤩🤩, ich will auch😍😍😍😘😉!“

Mit Krisztina bin ich 2019 den Little Mammut Wien gegangen, ich hab nach 48 Kilometern aufgegeben, sie hat die ganzen 55 geschafft. In den Bergen war sie allerdings recht selten unterwegs. Deshalb suche ich für uns eine sehr erlebnisreiche Tour, die für Bergwanderanfänger dennoch fordernd ist, aus.

Anreise (mit Hoppala)

Geplante Anreise: Railjet nach Wiener Neustadt. Regionalzug nach Payerbach. Bus zum Weichtalhaus. Wir treffen uns um 06:45 am Hauptbahnhof. Nachdem wir die Tickets beim Automaten gekauft haben, (mittlerweile kann man Busfahrkarten auch wieder im Bus kaufen) gehen wir zum angegebenen Bahnsteig und steigen in den dort geparkten Zug. Der fährt auch gleich los. Vor lauter Plaudern (wir haben uns seit dem Lockdown nicht mehr gesehen) gehe ich dem komischen Gefühl, dass hier irgend etwas faul ist, nicht nach. Zumindest die moderne Zugausstattung irritiert mich. Als Chris Lohner die Station Tullnerfeld ankündigt, falle ich aus allen Wolken. Wir sind im Railjet nach Salzburg und nicht nach Graz. Der Grazer fährt vom gleichen Bahnsteig ein paar Minuten später weg.

Das heißt: raus aus dem Zug, mit der nächsten Verbindung zurück nach Wien, in dem Fall Hütteldorf, Schnellbahn nach Meidling. Noch mal, diesmal den richtigen Railjet nach Wiener Neustadt und den Regionalzug nach Payerbach. Zeitverlust: circa 40 Minuten. Geldverlust: 30€ für das Taxi von Payerbach zum Weichtalhaus. Die nette Taxlerin unterhält uns aber aufs Feinste mit ihren Wandergschichten.

Durch die Weichtalklamm

Ohne den vorherigen Zeitverlust würden wir uns jetzt noch einen Kaffee auf der Terrasse des wunderschönen Weichtalhauses gönnen. Das gehört einfach dazu. Immerhin wird den Wanderern eine öffentlich zugängliche, sehr gepflegte Toilette zur Verfügung gestellt.

Weichtalhaus
Foto: Veronika Schöll

Gleich nach der Hütte beginnt der Steig durch die Klamm. Und bald rücken die Kalksteinwände näher, sogar sehr nah. Oft sieht man nur ein kleines Stück Himmel. Im Talgrund rinnt ein wenig Wasser und es tropft von den Wänden.

Einen Freund hat vor einigen Tagen ein Wolkenbruch in der Weichtalklamm erwischt: „Da rauscht dann schon ordentlich Wasser ins Tal!“

Wir wandeln immer leicht ansteigend durch kathedralenartige Felsaufbauten. Ein paar mit Ketten, Klampfen und Leitern versicherte, aber ungefährliche Kletterstellen, die unsere koordinativen Fähigkeiten fordern, sind zu überwinden. Krisztina meistert sie ausgezeichnet. Bald hat sie heraus, wie das am besten funktioniert.

Zwischen den felsigen Teilen gibt es immer wieder Waldstücke, wo man ein bisschen verschnaufen kann.

Wir sind beide total begeistert von dieser wildromantischen Schönheit, die man einfach mit allen Sinnen aufnehmen muss. Die feuchtkühle Luft auf der Haut spüren und einatmen. Das leuchtende Grün des Mooses, das Braun des Laubs und das Grau der Felsen, der Duft der Blumen, Vogelgezwitscher…Ich berühre die nassen, ausgewaschenen Felswände immer wieder mit den Händen.

So schnell und abwechslungsreich habe ich 800 Höhenmeter noch nie hinter mich gebracht.

Kienthalerhütte

Vom Ausstieg aus der Weichtalklamm ist es noch eine halbe Stunde bis zur Kienthaler Hütte. Heute ist sie noch nicht geöffnet. Wir freuen uns trotzdem auf eine Pause und hoffen auf die prognostizierte Sonne.

Aber statt dessen geht ein heftiger Graupelschauer über uns nieder und es kühlt empfindlich ab. Die nassen Holzbänke vor der kleinen Hütte sind trotzdem besetzt. Wir essen schnell was und brechen wieder auf. Ironischerweise reißt es kurz nachdem wir die Hütte verlassen, wieder auf.

Die Hütte wird an Wochenenden einfach bewirtschaftet, es gibt immer eine gute Suppe, Getränke und Naschereien. Die mitgebrachte Jause darf verzehrt werden.

Nach Losenheim

Bei der Hütte gibt es einige Wegweiser. Einer davon zeigt uns an, wie wir nach Losenheim kommen. Wir müssen noch 200 Höhenmeter hinauf, dann sind die 1.000 voll. Den höchsten Punkt haben wir bei der Heinrich Krempl Hütte erreicht, dann gehts nur mehr sanft bergab. Wir kommen zu einer Stelle, an der ich das letzte Mal mit Martin Gämsen beobachten konnte. Ich hoffe sehr, dass wir diesmal auch welche zu Gesicht bekommen, das würde zu dieser schönen Wanderung noch einen Höhepunkt addieren.

Wir sind bewusst leise und langsam unterwegs.

Und wirklich: Auf der Lichtung steht ein ganzes Rudel Gämsen. Ein paar verschwinden gleich und ein paar warten, bis wir relativ nahe herankommen und springen erst dann davon. Ich freue mich, dass für Krisztina, die die Savannen Kenias über alles liebt, auch hier am Schneeberg Safari Feeling aufkommt.

Wir kommen beim Fleischer Gedenkstein vorbei und wandern durch einen schönen Zauberwald bis zu einer Forststraße. Hier biegen wir rechts ab und bleiben auf der Schotterstraße bis der Fadenweg auch wieder nach rechts in den Wald führt.

Weiter gehts zu den Almwiesen am Fadensattel. Almreserlhaus und Edelweißhütte sind schon geöffnet. Dementsprechend viele Ausflügler sind unterwegs. Von hier gehen wir noch ein halbe Stunde bergab. Der Parkplatz unten ist voll.

Rückfahrt nach Wien

Wir nehmen den Bus nach Puchberg. Der steht schon da, als wir in Losenheim bei der Talstation des Sesselliftes ankommen. Fein. Von Puchberg fahren wir mit dem Regionalzug nach Wiener Neustadt weiter. Wir hatten zwar geplant, mit dem Railjet nach Wien zu fahren, der ist aber gesteckt voll. Viele hübsch angezogene Menschen sind auf dem Weg nach Wien um Eid al-Fitr (Fastenbrechen) zu feiern, das am Vorabend begonnen hat.

Am anderen Bahnsteig wartet der Regionalzug aus Payerbach. Die Fahrt nach Wien dauert damit zwar etwas länger, aber dafür können wir bis Wien Mitte durchfahren und von da aus beide zu Fuß nachhause gehen.

Tourdaten

Weichtalhaus (570m) – Weichtalklamm – Kienthaler Hütte – Heinrich Krempl Hütte (1560m) – Fleischer Gedenkstein – Edelweißhütte – Busstation Puchberg/Schneeberg Losenheim (860m)

Fazit

Das war eine sehr gelungene Wanderung. Wir sind begeistert von der Vielfalt der Natur, die Weichtalklamm ist sensationell schön! Ein Überlegung wert: mit Helm zu gehen, denn Steinschlag ist nicht ganz ausgeschlossen. Was aber auf jeden Fall wichtig ist: Gute, rutschfeste Schuhe.

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