Weissmies Überschreitung

Die letzten Meter zum Weissmies-Gipfel. Foto: Simon Widy

Das Weissmies ist ein vergleichsweise leicht zu erreichender 4.000er. Dennoch sollte man diese Hochtour nicht unterschätzen: Aufgestiegen wird über einen IIer Grat, der Abstieg auf dem spaltenreichen und steilen Triftgletscher erfordert Hochtourenerfahrung und Konzentration. Wenn man sich nicht 100% sicher fühlt, sollte man für solche Touren einen Bergführer nehmen.

Mit Regional- oder Fernzügen gelangt man u.a. von Zürich, Bern oder Lausanne nach Visp. In Visp nimmt man den Bus 511 bis Saas-Grund, dort steigt man in den Bus 513 nach Saas-Almagell Dorfplatz um.

Hüttenzustieg Almageller Hütte

Von Saas-Almagell steigt man auf einem Wanderweg der Beschilderung folgend 1.200 Höhenmeter bis zur Almagellerhütte auf. Die Hütte liegt auf fast 2.900 Metern und hat Platz für bis zu 140 Personen.

Zustieg der Hütte, im oberen Bereich liegt in unserem Fall Schnee. Fotos: Simon Widy

Über den Südostgrat auf das Weissmies

Nach einer kurzen Nacht starten wir um 5:30 auf dem Wanderweg Richtung Zwischenbergenpass (3.247 Meter). Dort erreichen uns die ersten Sonnenstrahlen und färben die höchsten Berge der Schweiz in ein morgentliches Rot.

Sonnenaufgang am Zwischenbergenpass. Fotos: Simon Widy

Am Zwischenbergenpass beginnt der Südostgrat des Weissmies. Anfangs geht es noch sanft aufwärts, später wird das Gelände steiler. Die Kletterstellen überschreiten den II. Schwierigkeitsgrat jedoch nicht. Dennoch muss man vor allem bei Schneelage aufpassen, hier können Steigeisen hilfreich sein. Informationen zur Route gibt es nach Anmeldung auf der Seite des SAC.

Leichte Kletterei am Weissmies-Südostgrat. Fotos: Simon Widy

Der Fels endet auf etwa 3.900 Metern, auf einem Schneegrat geht man weiter zum Gipfel. Nach einer letzten Kletterstelle steht man auf dem flachen, schneebedeckten Gipfel des Weissmies auf 4.017 Metern und kann eine beeindruckende Aussicht genießen.

Schneegrat und letzte Kletterstelle vor dem Gipfel. Fotos: Simon Widy

Abstieg über den Triftgletscher

Wir entscheiden uns, das Weissmies zu überschreiten und über den Triftgletscher und die Weissmieshütte nach Saas-Grund abzusteigen (SAC-Routeninfos). Da auf dieser Seite eine Seilbahn bis auf 3.100 Meter fährt, ist die Route über den Gletscher stark frequentiert und meist gut gespurt. Das ist vor allem deshalb hilfreich, weil der Gletscher steil und spaltenreich ist und sich eine Navigation ohne Ortskenntnisse schwierig gestalten würde. Bei schlechten Verhältnissen sollte man deshalb besser wieder über den Südostgrat absteigen. In unserem Fall bestätigen am Gipfel getroffene Bergführergruppen die erwartet guten Bedingungen.

Bis etwa 3.800 Meter steigen wir am Grat ab…

…dann bahnen wir uns den Weg durch den beeindruckenden Gletscherbruch (Routenskizze von August 2023). Fotos: Simon Widy

Nach Verlassen des Gletschers taucht man in die konträre Welt des Alpintourismus ein. Unzählige Menschen genießen im Bergrestaurant Hohsaas neben der gleichnamigen Seilbahn-Bergstation die Aussicht auf die beeindruckende Bergwelt des Wallis. Wir pausieren etwas unterhalb der Seilbahn und genießen unsere mitgebrachte Jause. Aufgrund der Tatsache, dass hier eine Seilbahn fährt, bietet es sich an, diese zu nutzen. Das würde ich auch wärmstens empfehlen, denn man erspart sich nach der bis dahin schon anstrengenden Tour 1.600 weitere Abstiegshöhenmeter. Wir armen Studenten sparen uns aber lieber 30 Franken als 1.600 Höhenmeter und steigen deshalb zu Fuß über die Weissmieshütte nach Saas-Grund ab. Ein ordentlicher Muskelkater ist danach allerdings vorprogrammiert ;).

Alternativ könnte man eine Nacht auf der Weissmieshütte anhängen und am nächsten Tag das ebenfalls über 4.000 Meter hohe Lagginhorn besteigen.

Abstieg nach Saas-Grund mit Blick auf Saas-Fee. Fotos: Simon Widy

Von Saas-Grund gelangt man mit dem Bus 511 wieder zurück nach Visp, wo es diverse Anschlussmöglichkeiten gibt.

Fazit

Das Weissmies ist ein würdevoller Kandidat für den ersten 4.000er. Bei der Überschreitung von der Almagellerhütte zur Weissmieshütte steigt man über einen schönen Grat auf und auf einem beeindruckenden Gletscher ab. Bei Zuhilfenahme der Hohsaas-Seilbahn lässt sich der Abstieg auf unter 1.000 Höhenmeter verkürzen. Nicht so versierte Hochtourengeher sollten für diese Tour einen Bergführer buchen.

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   2 Tage Hochtour   2.400 HM   2.500 HM   23 km   GPX Track

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