… eine eindrückliche Salzkammergut-Tour von Steinkogel/Ebensee bis Bad Ischl
Es ist ja bekanntlich nicht alles Gold, was glänzt. Zum anderen darf man sich mitunter von der Bezeichnung „Schrott“ nicht täuschen lassen. Ganz im Gegenteil: für ausdauernde Bergfexe wartet mit der Überschreitung der gesamten Schrott ein wahres Schmankerl im Salzkammergut. Weißes Gold, sozusagen.
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Mit der Salzkammergutbahn geht es von Attnang-Puchheim mit dem Regionalzug in einer knappen Dreiviertelstunde nach Steinkogel, das kurz nach Ebensee liegt (2-Stunden-Takt mit dem Regionalzug, die REX-Züge halten dort nicht).
Bis Ende 2021 konnte man auch den Bahnhof Langwies für eine Schrott-Besteigung nutzen, sogar mit direktem Einstieg zum Wanderweg auf die Brombergalm. Mittlerweile muss man leider von der Haltestelle Steinkogel zunächst ca. 1,5 Kilometer auf der Offenseestraße entlang hatschen, um zum (alternativen) Einstieg zu kommen. Das ist der Wermutstropfen dieser Tour.
Wer sich zu schade für diesen Hatscher ist, kann auch das Salzkammergut-Shuttle bis zur Haltestelle „Einstieg Bromberg“ nehmen (Linie 41).


Aufstieg zum Petergupf
Aber dieser bittere Aperitif verflüchtigt sich in der Folge sehr rasch. Ein Blick auf die Zeitangaben am gelben Taferl beim Einstieg ist noch etwas einschüchternd – Petergupf 4h, Hohe Schrott 6h 30, Bad Ischl 9h 30. Für erfahrene Bergfexe mit Kondition sind diese Zeiten aber recht großzügig bemessen.
Es geht zuerst eine Forststraße entlang, der Frauenweißenbach wird auf einer Brücke überquert und dann geht‘s auch schon gemütlich auf einem Wegerl durch den Wald. Nach ein paar Minuten folgt wieder ein knapp 1,5 Kilometer langer Forststraßenabschnitt. Ein Stück muss man sich dann noch auf einer Harvester-Schneise gedulden, aber ab knapp 800 Metern Seehöhe hat man dann für einige Stunden durchgehend eine würdige Unterlage unter den Füßen.
Mit den Höhenmetern geht es flott dahin, sehr bald tun sich im Rücken die ersten schönen Talblicke auf – Ebensee, Traunsee, Traunstein.
Auf rund 1.400 Metern ist die Brombergalm erreicht. Hier gibt es in einer Senke eine Wasserquelle (die einzige an diesem Tag!) und der Petergupf, der erste Gipfel der Tour, ist schon recht nah.


Gut 200 Höhenmeter sind es dann noch auf den Petergupf (1.646 Meter). Am Weg dorthin begegne ich einem quirligen Kleinkind-Exemplar einer Kreuzotter. Bei der Flora ist die Nacktstängelige Kugelblume markant, später im felsigen Gelände der Petergstamm.



Am Petergupf gibt es dann schon ein sehr feines Panorama: im Norden ist der Blick nach Ebensee, zum Traunsee und zum Traunstein nun ganz erhaben. Im Süden ist zu sehen, was noch bevorsteht: der Bergwerkkogel und der Mittagkogel sind aufgereiht, die Hohe Schrott ist dahinter versteckt. Links (östlich) davon ist der Speikkogel und unterhalb ist eine weite, eindrückliche Karlandschaft. Dahinter tut sich das Tote Gebirge auf, mit dem Schönberg als markantem Gipfel in der Nähe. Ja und hinter dem Speikkogel lugt der Dachsteinstock etwas verschmitzt hervor – er wird sich später noch in voller Pracht zeigen.


In wunderbarer Einsamkeit zur Hohen Schrott
Während wir auf dem Petergupf zu fünft waren, wird mir bis zur Hohen Schrott keine einzige Menschenseele begegnen – ein wunderbar einsames Gebiet ist das! Aber der Reihe nach:
Vom Petergupf geht es gut 50 Höhenmeter bergab, der unscheinbare Bannkogel ist rasch erreicht, und dann wird es geländemäßig anspruchsvoller. Schroffe Formen tun sich auf, es gibt ein paar versicherte, ausgesetztere Stellen, auch eine Steilstufe mit Trittstiften ist dabei (Schwierigkeit bis T4).
Unten im weiten Kar sind ein paar Gämsen zu hören und zu sehen. Für geübte Bergfexe ist das hier in Verbindung mit den Blicken in die nähere und fernere Umgebung ein sehr anregender und genussreicher Abschnitt!


Vom 1.689 Meter hohen Bergwerkkogel ist der Dachsteinblick schon recht famos:

Der markante Spitz des Mittagkogels wird vom Wanderweg nicht überschritten, sondern er wird links (östlich) unterhalb in den Felsbändern umgangen. Die absolute Höhenänderung ist in diesem Abschnitt nur gering, es kommen aber durch das Auf und Ab auch ein paar Höhenmeter zusammen. Nach der Scharte zwischen Mittag- und Speikkogel geht es schließlich auf einem Kilometer gut hundert Höhenmeter gemächlich zum 1.839 Meter hohen Gipfel der Hohen Schrott hinauf. Der höchste Punkt der Tour ist erreicht. Wie der Petergupf ist auch die Hohe Schrott ein richtiger „Latschenberg“. Bei meiner Ankunft bin ich noch alleine, aber im Lauf meiner ausgiebigen Gipfelrast werden noch zwei andere von der Ischler Seite heraufkommen.
Der Blick von der Hohen Schrott Richtung Ausseer Land (mit dem markanten Loser) und zum Dachstein-Stock ist großartig, vom Wolfgangsee ist auch ein Teil zu sehen und hinter dem Leonsberg ragt die Schafbergspitze hervor.


Abstieg nach Bad Ischl
Es ließe sich sehr lang aushalten am Gipfel – angenehm warm, kein Wind und dazu dieses Panorama. Nach einer guten Stunde Auskosten trete ich aber doch den Weg ins Tal an. Etwa einen halben Kilometer geht es durch Latschengassen, bis eine Abzweigung erreicht ist: der direktere Weg nach Bad Ischl ist über das Hochglegt, der andere Weg zweigt nach links ab über die Mitteralm und mündet weiter innen ins Rettenbachtal. Ich entscheide mich für den Weg über’s Hochglegt, das nach kurzem Gegenanstieg rasch erreicht ist.
Dann geht es hinunter zur Kotalm (auch hier braucht der Name keine Befürchtungen zu wecken). Beim Abstieg fällt ins Auge, dass sich hier in weiten Bereichen der Wald erst wieder entwickeln muss – Sturmereignisse der letzten 20 Jahre haben gehörige Schäden hinterlassen. Der nachwachsende Wald wird von Lärchen dominiert.


Von der Kotalm hat man dann einen schönen Blick ins Ischler Becken. Es geht weiter durch neu entstehenden Wald mit vielen jungen Lärchen, bevor wieder der Altbestand die Oberhand gewinnt. Ja und irgendwann wird dann das Ischler Siedlungsgebiet erreicht. Über den Traxleckerweg führt auch der in den Karten verzeichnete Wanderweg, wobei man nach etwa 300 Metern von diesem nach links in den Klausweg abzweigen kann (am Ende Stufen) und dann auf einer urigen Fußgängerbrücke den Rettenbach überqueren kann. Über die Steinfeldstraße geht es direkt zum Bahnhof oder – wie in meinem Fall – zuvor noch ins Zentrum der schönen Stadt für einen gemütlichen Ausklang mit Eis.


Fazit
Wahrlich kein Schrott, sondern eine durchaus edle Überschreitung! Feines Panorama mit namhaften Gipfeln und Seen, eindrückliche Landschaft, herrliche Bergeinsamkeit im mittleren Teil und ein feiner Ausklang in Europas Kulturhauptstadt 2024. Die Länge sollte aber nicht unterschätzt und genug zu Trinken mitgenommen werden. Bei arger Sommerhitze weniger empfehlenswert.





