Taugl – die Halskrause

Foto: Karl Plohovich

Bike & Hike in der Osterhorngruppe

Wenn man (z.B.: von der Grundbichlalm) auf die steilen Flanken des Tauglboden-Talschlusses schaut, kann man sich kaum vorstellen, dass es hier einen markierten Weg geben soll: den Reinsbergsteig. Gibt es ihn wirklich, und, wenn ja: wie fühlt es sich an, ihn zu gehen?

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Die S3 ist an diesem Werktag-Vormittag fast leer. Der Herr, der als einziger mit mir im hinteren Teil des Zuges sitzt, entpuppt sich als der freundliche Schaffner.

Entspannte Anreise – bei „Schlechtwetter“ außerhalb der Stoßzeit. Foto: Karl Plohovich
Entspannte Anreise – bei „Schlechtwetter“ außerhalb der Stoßzeit. Foto: Karl Plohovich

Dann geht es von Bad Vigaun durch St. Koloman hinauf zur Hintertrattbergalm und auf der Almstraße Richtung Moosangerlalm bis der Weg zum Hohen First abzweigt.

Dort hänge ich meine tüchtige E-Aufstiegshilfe am Wegweiser an und folge der Beschilderung. Über die Almwiese ist kein Weg ausgetreten. Ich halte mich an Wegspuren und/oder Kuhsteige – und bemerke zu spät, dass ich schon lange keine Markierung mehr gesehen habe; peinlich…  Man muss hier eben aufmerksamer sein und den Markierungen in die weite Eisattelung zwischen Frundsberg und Hohen First leicht fallend folgen.

Gleich bin ich am Weg – freundlicher Blick zur Storchenalm. Foto: Karl Plohovich
Gleich bin ich am Weg – freundlicher Blick zur Storchenalm. Foto: Karl Plohovich

Dort findet man nochmal einen Wegweiser und ab nun kann man nicht mehr aus: Den Weg kann man nun nicht mehr verfehlen.

Danke an den ÖAV-Hallein für das Erhalten dieses Osterhorn-Puzzlesteins. Foto: Karl Plohovich
Danke an den ÖAV-Hallein für das Erhalten dieses Osterhorn-Puzzlesteins. Foto: Karl Plohovich

Er ist zwar nicht ausgetreten, offenbar kaum begangen, aber einwandfrei zu finden. (Mich erinnert er an den „Wilderersteig“ in der W-Flanke des Wieserhörndls, nur dass dieser Steig hier markiert ist: https://www.bahn-zum-berg.at/salzkammergut-berge/wilderer-ueberschreitung-gaissau-eibleck-hintersee/ ) Allerdings: „Trittsicherheit erforderlich“ muss unbedingt mit „Schwindelfreiheit erforderlich“ ergänzt werden: man braucht nur den Hangneigungs-Layer am Handy aktivieren um respektvoll festzustellen: Wir queren nun 1 ½ bis 2 Stunden 30°-50° steile Hänge: Stolpern oder Fehltritte – nicht auszudenken!

So manche Äste auf dem Weg lassen mich vermuten, dass ich der erste bin, der nach dem Winter hier unterwegs ist: romantisch bis wildromantisch schlängelt er sich – ohne irgendeine Sicherung – fast durchwegs auf der Höhenschichtenlinie, in alle Falten und Wasserläufe der Hänge: eine gefältelte Halskrause, unterhalb der „Krone“ (https://www.bahn-zum-berg.at/salzkammergut-berge/die-tauglkrone/).

Der horizontal geschichtete Kalk der Osterhorngruppe ermöglicht diesen Steig. Besonders beeindruckend ist es, die Wasserrinnen zu queren (Titelfoto).

Bei den Passagen, die durch Bäume geschützt sind, kann man sich wieder entspannen. Und diese Passagen werden, je näher man der Storchenalm kommt, häufiger.

Wer hat diesen Steig angelegt – und wer hat diesen Baum gepflanzt (Nur der Chef persönlich!). Foto: Karl Plohovich
Wer hat diesen Steig angelegt – und wer hat diesen Baum gepflanzt (Nur der Chef persönlich!). Foto: Karl Plohovich
Der vernagelte Überstieg zur Storchenalm – lange Beine gefragt! Foto: Karl Plohovich
Der vernagelte Überstieg zur Storchenalm – lange Beine gefragt! Foto: Karl Plohovich

Auf den Wiesen der Storchenalm – sie gehört dem Erzstift St. Peter – verliert sich der Weg wieder, man kann beliebig absteigen oder den Markierungen zu folgen versuchen.

Die Kapelle oberhalb der Almhütte – gottlob! sie ist offen – bietet mir Schutz vor dem herannahenden Regenschauer und beschirmt meine Mittagsrast etc.

Die bergende Kapelle (Erzstift St. Peter) – zum Beten, Rasten und/oder Schauer Abwarten. Foto: Karl Plohovich
Die bergende Kapelle (Erzstift St. Peter) – zum Beten, Rasten und/oder Schauer Abwarten. Foto: Karl Plohovich

Als ich wieder aufwache, ist der kräftige Schauer vorbei. Ich erspare mir den Abstieg zur Bergalm und wende mich auf Steigspuren – nach dem Reinsbergsteig eine leichte Übung – gleich dem markierten und gut ausgetreten Weg auf den Regenspitz zu.

Regenspitz in der Sonne – doch Regenschauer werden mich einholen... Foto: Karl Plohovich
Regenspitz in der Sonne – doch Regenschauer werden mich einholen… Foto: Karl Plohovich

Der Übergang zum Gruberhorn setzt ebenfalls Trittsicherheit und Schwindelfreiheit voraus, und bietet ein gutes Stufen-Steig-Training.

Ein „Hingucker“: Gruberhorn mit Thermikwolken (meteorologisch korrekt ausgedrückt?). Foto: Karl Plohovich
Ein „Hingucker“: Gruberhorn mit Thermikwolken (meteorologisch korrekt ausgedrückt?). Foto: Karl Plohovich

Dunkle Wolken im Nacken beschleunige ich den Schritt über den langen Grat zum Dürlstein. Natürlich holt mich der Schauer ein. Er wird nur leicht. Ich warte ihn unter meinem Schirm im Schutz der Latschen ab.

Kein Entkommen – und Regen tut der Natur gut! Rückblick zum Gruberhorn. Foto: Karl Plohovich
Kein Entkommen – und Regen tut der Natur gut! Rückblick zum Gruberhorn. Foto: Karl Plohovich

Über den Hohen First erreiche ich mein treu wartendes Rad.

Hochwieskopf und Hochbühel – und meine treue E-Aufstiegshilfe. Foto: Karl Plohovich
Hochwieskopf und Hochbühel – und meine treue E-Aufstiegshilfe. Foto: Karl Plohovich

Auch der Sprühregen hört nun auf. Bei den Hintertrattbergalmen suche ich mir ein sonniges Platzerl im Windschatten einer Hütte. Herrlich! Es ist Jausenzeit.

Herrliche Sonnenrast als strategischer Fehler - Blick auf den Neuschnee im Tennengebirge. Foto: Karl Plohovich
Herrliche Sonnenrast als strategischer Fehler – Blick auf den Neuschnee im Tennengebirge. Foto: Karl Plohovich

Doch dies war ein strategischer Fehler: meiner Vorliebe zu rasten entgeht, dass abermals ein, diesmal heftiger, Schauer heranrückt. Im sich verdunkelnden Himmel setzte ich mich aufs Rad – und entkomme nicht: der Regen – oder sind es gar Hagelkörner? – wird so heftig, dass ich beim Bergabsausen wegen der Nadelstiche auf den Wangen das Tempo drosseln muss.

Ab der Mautstation ist es dann nur mehr Sprühregen.

Als ich mich gemütlich in die warme und abermals leere Schnellbahn setze, bilden sich unter meinen Schuhen Lacken…

Irgendwo hier versteckt sich der Reinsbergsteig-Puzzlestein. Foto: Karl Plohovich
Irgendwo hier versteckt sich der Reinsbergsteig-Puzzlestein. Foto: Karl Plohovich

Der Reinsbergsteig erfordert auf weite Strecken hohe Konzentration: Die beschriebene Richtung hat den Vorteil, dass die schwierigsten Passagen zuerst kommen und man also gleich entscheiden kann, ob die Tagsverfassung zu dieser Tour, zu diesen Tiefblicken passt. Andererseits werden ausgesetzte Wegstrecken im Aufstieg oft als leichter empfunden.
Die Wege über die Gipfel sind zwar viel begangen und daher gut ausgetreten, aber auch mit – allerdings kurzen – anspruchsvollen und ausgesetzten Passagen gewürzt. Zum Versüßen und Belohnen kann man sich der Bergalm, der Enzianhütte oder auch der Moosangerlalm (alle über den Sommer bewirtschaftet) zuwenden.
Wer sein Bild von der Osterhorngruppe – wie ich – immer mehr vervollständigen will, wird im Reinsbergsteig einen ziemlich exklusiven Puzzlestein finden.

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   9:00 Std Bike & Hike   2.200 HM   2.200 HM   60 km   GPX Track

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