Bike & Hike in der Osterhorngruppe
Wenn man (z.B.: von der Grundbichlalm) auf die steilen Flanken des Tauglboden-Talschlusses schaut, kann man sich kaum vorstellen, dass es hier einen markierten Weg geben soll: den Reinsbergsteig. Gibt es ihn wirklich, und, wenn ja: wie fühlt es sich an, ihn zu gehen?
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Die S3 ist an diesem Werktag-Vormittag fast leer. Der Herr, der als einziger mit mir im hinteren Teil des Zuges sitzt, entpuppt sich als der freundliche Schaffner.

Dann geht es von Bad Vigaun durch St. Koloman hinauf zur Hintertrattbergalm und auf der Almstraße Richtung Moosangerlalm bis der Weg zum Hohen First abzweigt.
Dort hänge ich meine tüchtige E-Aufstiegshilfe am Wegweiser an und folge der Beschilderung. Über die Almwiese ist kein Weg ausgetreten. Ich halte mich an Wegspuren und/oder Kuhsteige – und bemerke zu spät, dass ich schon lange keine Markierung mehr gesehen habe; peinlich… Man muss hier eben aufmerksamer sein und den Markierungen in die weite Eisattelung zwischen Frundsberg und Hohen First leicht fallend folgen.

Dort findet man nochmal einen Wegweiser und ab nun kann man nicht mehr aus: Den Weg kann man nun nicht mehr verfehlen.

Er ist zwar nicht ausgetreten, offenbar kaum begangen, aber einwandfrei zu finden. (Mich erinnert er an den „Wilderersteig“ in der W-Flanke des Wieserhörndls, nur dass dieser Steig hier markiert ist: https://www.bahn-zum-berg.at/salzkammergut-berge/wilderer-ueberschreitung-gaissau-eibleck-hintersee/ ) Allerdings: „Trittsicherheit erforderlich“ muss unbedingt mit „Schwindelfreiheit erforderlich“ ergänzt werden: man braucht nur den Hangneigungs-Layer am Handy aktivieren um respektvoll festzustellen: Wir queren nun 1 ½ bis 2 Stunden 30°-50° steile Hänge: Stolpern oder Fehltritte – nicht auszudenken!


So manche Äste auf dem Weg lassen mich vermuten, dass ich der erste bin, der nach dem Winter hier unterwegs ist: romantisch bis wildromantisch schlängelt er sich – ohne irgendeine Sicherung – fast durchwegs auf der Höhenschichtenlinie, in alle Falten und Wasserläufe der Hänge: eine gefältelte Halskrause, unterhalb der „Krone“ (https://www.bahn-zum-berg.at/salzkammergut-berge/die-tauglkrone/).


Der horizontal geschichtete Kalk der Osterhorngruppe ermöglicht diesen Steig. Besonders beeindruckend ist es, die Wasserrinnen zu queren (Titelfoto).


Bei den Passagen, die durch Bäume geschützt sind, kann man sich wieder entspannen. Und diese Passagen werden, je näher man der Storchenalm kommt, häufiger.


Auf den Wiesen der Storchenalm – sie gehört dem Erzstift St. Peter – verliert sich der Weg wieder, man kann beliebig absteigen oder den Markierungen zu folgen versuchen.
Die Kapelle oberhalb der Almhütte – gottlob! sie ist offen – bietet mir Schutz vor dem herannahenden Regenschauer und beschirmt meine Mittagsrast etc.

Als ich wieder aufwache, ist der kräftige Schauer vorbei. Ich erspare mir den Abstieg zur Bergalm und wende mich auf Steigspuren – nach dem Reinsbergsteig eine leichte Übung – gleich dem markierten und gut ausgetreten Weg auf den Regenspitz zu.

Der Übergang zum Gruberhorn setzt ebenfalls Trittsicherheit und Schwindelfreiheit voraus, und bietet ein gutes Stufen-Steig-Training.



Dunkle Wolken im Nacken beschleunige ich den Schritt über den langen Grat zum Dürlstein. Natürlich holt mich der Schauer ein. Er wird nur leicht. Ich warte ihn unter meinem Schirm im Schutz der Latschen ab.

Über den Hohen First erreiche ich mein treu wartendes Rad.

Auch der Sprühregen hört nun auf. Bei den Hintertrattbergalmen suche ich mir ein sonniges Platzerl im Windschatten einer Hütte. Herrlich! Es ist Jausenzeit.

Doch dies war ein strategischer Fehler: meiner Vorliebe zu rasten entgeht, dass abermals ein, diesmal heftiger, Schauer heranrückt. Im sich verdunkelnden Himmel setzte ich mich aufs Rad – und entkomme nicht: der Regen – oder sind es gar Hagelkörner? – wird so heftig, dass ich beim Bergabsausen wegen der Nadelstiche auf den Wangen das Tempo drosseln muss.
Ab der Mautstation ist es dann nur mehr Sprühregen.
Als ich mich gemütlich in die warme und abermals leere Schnellbahn setze, bilden sich unter meinen Schuhen Lacken…

Der Reinsbergsteig erfordert auf weite Strecken hohe Konzentration: Die beschriebene Richtung hat den Vorteil, dass die schwierigsten Passagen zuerst kommen und man also gleich entscheiden kann, ob die Tagsverfassung zu dieser Tour, zu diesen Tiefblicken passt. Andererseits werden ausgesetzte Wegstrecken im Aufstieg oft als leichter empfunden.
Die Wege über die Gipfel sind zwar viel begangen und daher gut ausgetreten, aber auch mit – allerdings kurzen – anspruchsvollen und ausgesetzten Passagen gewürzt. Zum Versüßen und Belohnen kann man sich der Bergalm, der Enzianhütte oder auch der Moosangerlalm (alle über den Sommer bewirtschaftet) zuwenden.
Wer sein Bild von der Osterhorngruppe – wie ich – immer mehr vervollständigen will, wird im Reinsbergsteig einen ziemlich exklusiven Puzzlestein finden.



