Hidden Pearls II: Gugelanalm

Foto: Karl Plohovich

Im Februar 2026 aus der Taugl nach Hintersee

Zum Einstieg 5 Kilometer, und am Ende nochmal 1 Kilometer Asphalt: also ein Drittel der Tour auf der Straße; hört sich nicht so gut an. Aber dazwischen über Forstwege und Almsteige auf die südlich-sonnigen Almen der Taugl und durch das schattige Tiefenbachtal nach Hintersee: das hat schon was!

In Hallein – hier steige ich auf die Linie 460 um – mache ich alles richtig: „Bitte bis St. Koloman Gmainweg“ sage ich zum Chauffeur, dessen einziger Fahrgast ich an diesem Montag um 10 Uhr bleibe. Vor dem Aussteigen bedanke ich mich für die Genussfahrt: ruhiges Dahingleiten ohne Unterbrechung (da niemand zusteigt und der Fahrer genau weiß, wie schnell er fahren muss/darf, um zur rechten Zeit an den Haltestellen vorbeizufahren) und meditative Stille (keine Musik).

„Bedarfshalt – nur zum Aussteigen“ Gmainweg. Foto: Karl Plohovich
„Bedarfshalt – nur zum Aussteigen“ Gmainweg. Foto: Karl Plohovich

Bei der Station Gmainweg muss der Bus wenden – und ich begebe mich auf den „Straßenhatscher“, der allerdings auf ganzer Länge durch nichts Motorisiertes gestört wird.

Blick von der „Langen Brücke“ in die Taugl-Schlucht. Foto: Karl Plohovich
Blick von der „Langen Brücke“ in die Taugl-Schlucht. Foto: Karl Plohovich

Die Nahumgebung (und die Gedankengänge, die mir Bluetooth auf die Ohrhörer überträgt) verkürzen den Weg.

Knapp vor der David-Kapelle – endlich: Asphalt ade! Foto: Karl Plohovich
Knapp vor der David-Kapelle – endlich: Asphalt ade! Foto: Karl Plohovich

Schon vor der „David-Kapelle“ nehme ich einen Wiesenweg und auch nach dem Bauernhof probiere ich einen Waldweg, der mich in schönen Kurven zum Gaisberg (ÖK; auf den gelben Wegweisern: Egg) führt.

Gaisberg (Egg). Foto: Karl Plohovich
Gaisberg (Egg). Foto: Karl Plohovich

Auf schönem Zugweg über die Wiesen, durch den Wald, wieder über einen Wiese und ein Waldstück: nun liegt die Gugelanalm vor mir.

Die Wiese vor der Gugelanalm, Skispur und Schmittenstein. Foto: Karl Plohovich
Die Wiese vor der Gugelanalm, Skispur und Schmittenstein. Foto: Karl Plohovich

Da die Schneeschuhe zu Hause geblieben sind suche ich mir die aperen Stellen, nutze die Reste einer Skispur und den einen oder anderen langen Schatten, der noch tragenden Harsch verspricht, um das Stapfen in Grenzen zu halten. Nach etwas mehr als zwei Stunden erreiche ich die Almhütten.

Gugelanalm mit Schmittenstein. Foto: Karl Plohovich
Gugelanalm mit Schmittenstein. Foto: Karl Plohovich

Titelfoto: Ich hänge meine Seele an den Dachbalken und lasse sie in der Sonne baumeln. Die geschindelte Holzwand schützend im Rücken schaue ich den Bergen beim Berg-Sein zu, während die Ohren das verschwebende Schweigen des Windhauchs in Fichtenwipfeln erhaschen. Hidden Pearls: Die Gugelanalm.

Der breite Fahrweg zur Sattelalm, ist, da ostseitig, wie erwartet noch tief verschneit. Ich habe zu lange gerastet: Der Harsch trägt nicht mehr…

Sattelalm. Foto: Karl Plohovich
Sattelalm. Foto: Karl Plohovich

Bald aber ist die Straßenkante aper und so bin ich nach einer guten Stunde, an der Sattelalm vorbei, bei den Hütten der Bergalm. Wie vermutet bin ich hier nicht mehr allein. Zwei der vier Hütten sind schon „belegt“, also habe ich für Rast Nr. 2 noch Auswahl.

Bergalm – „meine“ Hütte (Winter-Bergalm) ist versteckt. Foto: Karl Plohovich
Bergalm – „meine“ Hütte (Winter-Bergalm) ist versteckt. Foto: Karl Plohovich

Bis nach Hintersee sollte man gut 1 ½ Stunden einplanen. Man kann verschiede Varianten (je nach Verhältnissen und Vorliebe) wählen. Ich nehme den Abschneider, der bei einer ehrfurchtgebietenden Tanne vorbei führt und dann wieder die Straße erreicht.

Welch eine Tanne 1! Foto: Karl Plohovich
Welch eine Tanne 1! Foto: Karl Plohovich

Auch für den Weiterweg wähle ich nun nicht die Radroute, sondern wende mich auf die rechte Seite des Tiefenbachs. Der Harsch trägt in diesem schattigen Graben. Ein mächtiger Tannenwald entspringt aus einem einzigen Stamm – mir bleibt der Mund offen.

Welch eine Tanne 2! Foto: Karl Plohovich
Welch eine Tanne 2! Foto: Karl Plohovich

Da ich nur mit einer Stunde von der Alm zur Busstation kalkuliert habe, geht es ab der Unter-Tiefenbachalm fast im Laufschritt bergab: Achtung, eisig!

Je tiefer, desto eisiger. Foto: Karl Plohovich
Je tiefer, desto eisiger. Foto: Karl Plohovich

Die SnowSpikes anlegen kostete aber zusätzlich Zeit… Die Zielgerade ist dann auf trockenem Asphalt, hinter der Kirche nach rechts…

Hintersee. Foto: Karl Plohovich
Hintersee. Foto: Karl Plohovich

Als ich die Haltestelle erreiche, kommt auch schon der kleine 157er daher. Entspannen – und den Anorak öffnen! Die Scheiben neben mir beschlagen sich… Als wir Faistenau erreichen, sind wir wieder in der Sonne.

Wieder in der Sonne – Faistenau, Kirchturm (durch eine nicht beschlagene Scheibe). Foto: Karl Plohovich
Wieder in der Sonne – Faistenau, Kirchturm (durch eine nicht beschlagene Scheibe). Foto: Karl Plohovich

Wer die Hürde von 5 Kilometer Asphalt überspringen kann, wird bei dieser einfachen (in der Gegenrichtung weniger empfehlenswerten) Überschreitung, die bis zur Sattelalm zu jeder Jahreszeit Einsamkeit verspricht, viel Schönheit und Freude begegnen.

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   5:30 Std Wandern   675 HM   675 HM   17 km   GPX Track

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