Der Tauglboden ist – im Vergleich etwa zu Hintersee – ein versteckter Zustieg zu vielen Almen und Gipfel der Osterhorngruppe, denn: So mancher Ausgangspunkt ist bequem und sinnvoll nur mit dem Rad erreichbar. Die Grundbichlalm (Gasthaus) und die Bewirtungen auf der Bergalm sind – auch aufgrund der MTB-Route – noch relativ bekannt. Aber wer hat Namen wie Oberhellweng- oder Ascheralm schon einmal gehört? Diese „hidden Pearls“ habe ich mit zwei kleinen Gipfeln verbunden. Zum Ausgangspunkt hat mich von der S-Bahn Station Bad Vigaun mein E-Bike gebracht.
Die Verbindung von Salzburg nach Bad Vigaun ist schnell gefunden: Es kommt – reist man in Begleitung eines Rades – nur die S3 in Betracht; und deren halbstündige Abfahrtszeiten weiß ich mittlerweile auswendig.
Die Straße nach St. Koloman hinauf (knapp 2000 Einwohner) ist fast eine Autobahn.

Wie vom Stamm eines Baumes verzweigt und verästelt sie sich. Bis zum Bio VitalHotel Sommerau könnte man noch mit dem Bus (Linie 460) kommen. Doch den „Ast“ in den Tauglboden bis zum Ausgangspunkt David-Kapelle (fast 5 Kilometer) müsste man dann auf der Asphaltstraße gehen. Da lob ich mir das Rad. Wer das erste Mal (und auch das 10. Mal) hier fährt, wird über einschichtige Gehöfte staunen.


Von der David-Kapelle geht es noch auf Asphalt zum Gehöft hinauf und dann in den Wald. Die Forststraße führt leicht bergab in den Grund des tief eingeschnittenen Davidgrabens.

Nach einem, heute belebten, Holzplatz steigt die Straße steil an und bald hat man die Wiesen der Oberhellwengalm mit der wunderschönen

und prachtvoll gelegenen Hütte vor sich.

Der markierte Fahrweg schlängelt sich die Alm empor und durch ein kurzes Waldstück erreicht man die Sattelalm

und von dort das Wetterkreuz am Sattel.

Weiter geht es nun nicht mehr auf Straßen, sondern auf schönen Steigen:
zunächst hinüber in den nächsten Sattel

und dann auf dem liebevoll gestalteten „Rosi-Berti-Steig“ auf das Sattelköpfel. Eine Reihe von Tafeln mit allerlei Sprüchen verkürzen (oder verlängern) den Aufstieg zum verspielt gestalteten Gipfel.


Der Steig führt weiter (bei steilen Passagen Sicherungen mit Rebschnüren) in den Sattel zum Bergköpfel hin.

Von hier kann – wer den steilen Abstieg vom Bergköpfel fürchtet – gleich zur Bergalm hinübergehen. Ich aber besuche (nach einer Rast) den mir von einer Schneeschuhwanderung bekannten Gipfel (https://www.bahn-zum-berg.at/salzkammergut-berge/koepfel-koepfel-spitz/) und steige am steilen und ein wenig ausgesetzten Grat, zuletzt durch einen frischen Schlag zur Alm ab.

Wer weglose Passagen meiden möchte, wird nun den Steig (man muss nicht durchgehend die Straße gehen!) zur Grundbichlalm wählen. Ich aber besuche noch eine „hidden Pearl“, die Ascheralm.
Über die weite, flache Wiese schlendere ich zur breiten Forststraße.


In der Kurve geht es flach zwischen den Bäumen zu einem eindrucksvollen Baum-Torso, dann wenige Meter steil links zum Ende einer verwachsenen Stichstraße und schließlich schräg rechts traversierend in den obersten Winkel der Alm.
Nun nach Belieben bergab und bald ist ein Fahrweg erreicht,

der durch ein Waldstück zum schön kupierten Geländer der Ascheralm mit der prächtigen Hütte (auch Titelbild) leitet.

Für die letzte halbe Stunde muss man, an der Grundbichlalm vorbei,

wieder mit Asphalt vorlieb nehmen.
Die Fahrt von der David-Kapelle zur Bahnstation sollte man etwa 45min vor Abfahrt der S3 starten.
(Mich hat der angekündigte Schlechtwettereinbruch noch erreicht: wie in einem Schneesturm hat der Wind die Buchenblätter auf der Fahrbahn zu kleinen Wechten zusammen getrieben. Bad Vigaun habe ich nass, aber nicht durchnässt, erreicht, in Vorfreude auf das warme, fahrende Wohnzimmer…)

Wem Almwanderungen das Gemüt beruhigen und die Seele weiten, der wird hier – zumal bei sonnigem Herbstwetter – vollen Genuss erleben, in tiefer Dankbarkeit jenen gegenüber, die vor Jahrhunderten diese Landschaft geschaffen haben, und jenen, die sie heute noch pflegen. Die beschriebene Runde lässt mehrere Varianten (gleich von der Sattelalm zur Bergalm; nur einen oder beide Gipfel; Abstieg mit oder ohne Ascheralm) zu und wird das Versprechen von Stille und Weite beschwingt einlösen.




