Von Breitenstein nach Payerbach-Reichenau
Wunderschöne und recht einfache Wanderung über das Vorgebirge des Semmerings. Nach dem kleinen Anstieg über den Kreuzberg bietet die Speckbacherhütte eine ganzjährige Einkehrmöglichkeit. Beim Abstieg quert man die Stojerhöhe, die tolle Ausblicke in Richtung Mittagsstein und Rax bietet.

Wir haben ein bisschen länger geschlafen und starten an einem Sonntag Mitte Oktober um 10:30 in Wien Meidling. Der Railjet bringt uns in 25 Minuten nach Wiener Neustadt und dort haben wir Anschluss an den R91, der uns in einer knappen Stunde nach Breitenstein bringt. Die aussichtsreiche Anreise über die romantisch schöne Semmeringstrecke stimmt uns dabei schon ein auf unsere Genusswanderung.

Da ich bei meinen letzten Wanderungen auf dieser Strecke feststellen musste, dass der markierte Weg Richtung Kreuzberg, der durch einen alten Bauernhof führt, dort nicht mehr wirklich auffindbar und begehbar ist, versuche ich einen anderen Zustieg: Er führt von der (ehemaligen?) Gesundheitseinrichtung der BVA hinauf auf den markierten Weg.

Das funktioniert auch wunderbar und schon bald haben wir nach einem etwas steileren Anstieg den schön angelegten Weg auf die Sommerhöhe erreicht. Dort biegen wir links ab auf den Forstweg Richtung Kreuzberg. Und nun passiert das Unerwartete: Meine Begleiterin – eine passionierte Schwammerlsucherin – entdeckt ein verspätetes Eierschwammerl neben dem Weg und sofort erwacht das Jagdfieber. Nur mit einiger Mühe kann ich sie eine halbe Stunde später wieder zurück auf Weg zur Speckbacherhütte lotsen.

Den „Gipfel“ des Kreuzbergs haben wir bei der Jagd nach den Schwammerln umgangen – wobei wir dabei mangels Aussicht auch nicht viel versäumt haben – und beim Blick auf das Handy wird mir klar, dass mein aufgezeichneter Track diesmal unbrauchbar sein wird.

Weiter geht’s am Waldrand entlang in Richtung Speckbacherhütte, die eigentlich eher ein Ausflugsgasthof ist, zu dem man sogar mit dem Auto zufahren kann. Das erkennt man auch daran, dass hier viele Spaziergänger unterwegs sind. Und im Gastgarten erwartet uns die nächste nette Überraschung: ein befreundetes Ehepaar aus Wien. Sie laden uns an ihren Tisch ein, was ein großer Vorteil ist, denn dank des herrlichen Wetters der Gastgarten voll.
Nachdem wir uns gestärkt haben, geht’s wieder ein kurzes Stück am gleichen Weg zurück bis zur Abzweigung in Richtung Norden. Dort wählen wir den Weg in Richtung Stojerhöhe, und ab jetzt geht’s auf einem schönen Weg stets bergab durch den Wald. Und wieder erwacht bei meiner Begleiterin das Schwammerlfieber und wieder muss ich nach einiger Zeit ein Machtwort sprechen, damit wir den angepeilten Zug nicht versäumen. Trotzdem geht sich am Abend eine köstliche Schwammerlsauce für alle aus.

Nicht weit entfernt vom Quellenhof steht neben dem Weg die Josefs-Kapelle mit künstlerisch gestalteter Glasrückwand. Und weiter geht’s durch den Wald immer leicht bergab. Wenn man zu einer Lichtung kommt, muss man kurz aufpassen: hier scheint der Weg am breiteren Forstweg nach links zu führen, der markierte Fußweg geht aber geradeaus weiter und wirkt an dieser Stelle eher wie ein Trampelpfad über einen Forstschlag.

Wenig später erreichen wir die Stojerhöhe – für mich das eigentliche Highlight der Tour. Nicht nur, dass der Wiesenrücken an sich wunderschön daliegt, er bietet auch eine wunderbare Aussicht in Richtung Mittagsstein und Raxmassiv.

Es gibt auf der Stojerhöhe mehrere Rastplätze, aber mein Lieblingsbankerl steht unter der beeindruckenden Föhre am nordöstlichen Ende der Höhe.

Hier halten wir noch einmal eine kurze Rast mit Tee und Mannerschnitten, dann brechen wir auf in Richtung Payerbach. Immerhin prognostiziert mir meine Wanderapp noch eine Stunde Gehzeit bis zum Bahnhof.

Noch einmal queren wir ein kurzes Wiesenstück und die schon tiefstehende Sonne ermöglicht uns noch ein lustiges Abschiedsfoto. Danach geht’s über einen schönen kleinen Waldweg stetig bergab in den Payerbachgraben. Dort treffen wir auf eine kleine, kaum befahrene Straße, die uns immer geradeaus nach Payerbach führt.

Ich gehe zwar sehr ungern über asphaltierte Straßen, aber die Ortschaft Payerbach hat einen altmodischen Charme und das goldene Herbstwetter tut das Seinige dazu, damit das letzte Wegstück durch das Ortsgebiet nicht allzu unattraktiv ist.

Nach einer knappen Stunde haben wir tatsächlich den Bahnhof erreicht und unser Zug fährt erst in 20 Minuten. Leider gibt es den Imbissstand mit den legendären Fleischlabern nicht mehr und an seiner Stelle steht jetzt Häuschen mit verschiedenen Snack- und Getränkeautomaten. Das reizt uns nicht und so steigen wir in den CJX9 ein, der schon am Bahnsteig bereitgestellt ist und uns ohne Umsteigen in einer guten Stunde wieder nach Meidling bringen wird.
Fazit
Wunderschöne und abwechslungsreiche Wanderung die zu jeder Jahreszeit attraktiv ist. Auch die Speckbacherhütte ist ganzjährig geöffnet und somit steht auch einer Winterwanderung nichts im Wege. Durch den Start in Breitenstein geht’s nur 300 hm bergauf und die Wege sind überall in gutem Zustand und einfach zu begehen. Somit ist die Strecke auch für Ungeübte gut zu bewältigen.
Die An- und Abreise ist im Stundentakt möglich (der CJX9 um 9:30 von Meidling fährt sogar direkt nach Breitenstein) und somit ganz unkompliziert. Und ich möchte an dieser Stelle einmal Lob an die ÖBB anbringen: die vor 2 Jahren eingeführten durchgehenden CJX9 Züge auf der Südstrecke haben das Problem mit den überfüllten Railjets zwischen Wiener Neustadt und Wien sehr entschärft und den Komfort für die Pendler und auch Wanderer deutlich erhöht!





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