Eine lohnende Alternative zum Kaltenbachgraben

Blick auf den Rücken des Hochecks und das Stuhleck. Foto: Birgit Reiter

Obwohl ich nun bereits knapp 20 Jahre skitourenmäßig unterwegs bin, war ich erst zweimal auf dem Stuhleck, jedesmal mit Aufstieg von Rettenegg. So meld ich mich schnell, als Martin ein paar Tage vorher in unserer WhatsApp „Bahn zum Berg“ Autorengruppe fragt, ob jemand Lust auf eine Skitour hat. Er listet die Klassiker auf, die öffentlich gut erreichbar sind: Schneeberg, Stuhleck, Kreuzschober.

Das ist doch für mich DIE Gelegenheit, endlich mal den berühmten Kaltenbachgraben zu gehen (dem sogar eine eigene Facebook-Gruppe gewidmet ist „Geht der Kaltenbachgraben?„). Auf meine Auswahl kommt von Martin kein Einspruch…

Taxi statt Bus zum Bahnhof

Wir wollen den Regionalexpress von Meidling um 7:32 nehmen, der ohne Umsteigen bis Spital am Semmering fährt. Ich bin gut in der Zeit, steh’ bei der Bushaltestelle des 59A … aber der Bus kommt nicht. Bis ich bemerke, dass der Bus nicht wie üblich zur Haltestelle einbiegt sondern geradeaus weiterfährt. Da fällt mir das „aufgelassen“ über dem Haltestellenschild auf. Wegen der U-Bahnbaustelle wurde die Busroute kurzfristig umgeleitet. Mit dem nächsten Bus würd ich den Zug nicht mehr erreichen, kurzer Stress, das geht sich nur mit Taxi aus. Meine Ski passen grad so in den Kofferraum und ich bin pünktlich am Bahnhof! Glücklicherweise hab ich mich für ein gemütliches Frühstück zuhause entschieden, ein To-Go vom Ströck wär’ sich nicht mehr ausgegangen!

Leider konnten wir innerhalb der nächsten 6 Tage keine Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Innsbruck zu dieser Tour für dich finden.

Martin sitzt schon im Zug, stolz mit seinen neuen Bretteln. Wir unterhalten uns über unsere Route und er gesteht, dass der Kaltenbachgraben ihn heute das letzte Mal sieht, so oft sei er den schon gegangen. Na ja, wenn ich das gewusst hätte 😉

Gemeinsam mit vielen anderen WintersportlerInnen steigen wir in Spital am Semmering aus, die Ski haben wir schon auf den Rucksack geschnallt. Martin hat im Gegensatz zu mir die Skischuhe bereits an, die muss ich also auch noch schultern.

Wir steuern die Kirche an (ca. 700 m), von dort geht’s über die Stuhleckstrasse zur Kaltenbachstrasse. Geradeaus geht’s in den Kaltenbachgraben, ein kleines Wegerl links weist den Weg Richtung „Alois-Günther-Haus“.

Aufstieg über das Hocheck

Querung über die Wiese unter der Seilbahn. Foto: Birgit Reiter
Querung über die Wiese unter der Seilbahn. Foto: Birgit Reiter

Wir sehen erste Skispuren und so entschließen wir spontan, über den Hocheckrücken zum Stuhleck zu gehen. Unter dem Stuhlecksessellift führt eine gut ausgetretene Skitourenspur über die Wiese bis zum Wald rauf.

Von dort geht es in recht gemächlicher Steigung, teilweise durch Hohlwege den Waldrücken entlang hinauf.

Aufstieg durch Hohlwege. Foto: Birgit Reiter
Aufstieg durch Hohlwege. Foto: Birgit Reiter

Bei der ersten Lichtung sehen wir das erste Mal unser heutiges Ziel, das Alois-Günther-Haus, darunter das schön gelegene Gehöft Gaisschlager.

Ausblick auf das Gehöft Gaisschlager und das Stuhleck. Foto: Birgit Reiter
Ausblick auf das Gehöft Gaisschlager und das Stuhleck. Foto: Birgit Reiter

Weiter geht’s, ab und zu lassen kleine Böen erahnen, was wir auf dem Gipfel zu erwarten haben. Bei der ersten größeren Lichtung genießen wir einen herrlichen Rundblick auf Veitsch, Schneealpe und Rax.

Veitsch, Schneealpe, Rax. Foto: Birgit Reiter
Veitsch, Schneealpe, Rax. Foto: Birgit Reiter

Der nächste Waldabschnitt liefert so richtig herrliches Winterwonderland.

Winterwonderland. Foto: Birgit Reiter
Winterwonderland. Foto: Birgit Reiter

Dann haben wir die Waldgrenze ziemlich hinter uns gelassen, unser Ziel, das Alois-Günther-Haus rückt näher und über einen recht abgeblasenen Hang erreichen wir die Kreuzung mit dem Weg vom Pfaffensattel.

Wir legen für den Endspurt eine kleine Pause ein, denn auf dem Weg zum Gipfel herrscht Halten-und Park-Verbot!

Halten und Parken verboten. Foto: Birgit Reiter
Halten und Parken verboten. Foto: Birgit Reiter

Die Schneedecke wird immer dünner, es bläst wie wild über das Stuhleckplateau – das bissl Arktisfeeling ist für das kurze Stück schon recht cool!

Pistenabfahrt

Typisches Alois-Günter-Haus-Foto. Foto: Birgit Reiter
Typisches Alois-Günter-Haus-Foto. Foto: Birgit Reiter

Das Alois-Günther-Haus ist bummvoll, die Suppe aus, Martin verarztet seine üblen Blasen und nach einem Gipfelkreuzselfie geht’s die herrliche Skipiste runter.

FFP2 Masken schützen auch gegen Wind. Foto: Martin Heppner
FFP2 Masken schützen auch gegen Wind. Foto: Martin Heppner

Martin weiß, dass wir uns weiter unten eher links halten müssen, damit wir einen möglichst kurzen Weg zum Bahnhof haben.

Bei der schönen Kapelle ist Schluss und wir schnallen die Ski wieder auf den Rucksack. An schönen Villen und Stadeln vorbei wandernd sind wir rechtzeitig am Bahnsteig, um den 15:13er Zug zurück nach Wien zu erwischen.

Kapelle mit Jugendstilelementen. Foto: Birgit Reiter
Kapelle mit Jugendstilelementen. Foto: Birgit Reiter

Die halbe Stunde Wartezeit in der Sonne bietet sich bestens an, um den Restproviant zu verspeisen, Stöcke, Lawinenpieps und Helm zu verstauen und einen letzten Blick zurück auf unsere absolvierte Tour zu werfen. Und ein Foto mit Martin und seinen neuen Latten geht sich auch noch aus!

Bahnhaltestelle Spital am Semmering. Foto: Birgit Reiter
Bahnhaltestelle Spital am Semmering. Foto: Birgit Reiter
Grober Streckenverlauf, vom Bahnhof aus gesehen. Foto: Birgit Reiter, Streckenmarkierung:  Martin Heppner
Grober Streckenverlauf, vom Bahnhof aus gesehen. Foto: Birgit Reiter, Streckenmarkierung: Martin Heppner

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   5:30 Std Skitour   1.000 HM   1.000 HM   16 km   GPX Track

Fazit

Den Kaltenbachgraben-Aufstieg kenn ich jetzt zwar noch immer nicht, aber ich bin ziemlich sicher, dass er jenen über das Hocheck nicht toppen kann: Relativ wenige TourengeherInnen, eine angenehme gleichmäßige Steigung, die sicher auch für TourengeheranfängerInnen gut zu bewältigen ist und immer wieder herrliche Ausblicke auf die Bergwelt rundherum. Öffentlich bestens erreichbar, kurzer Zustieg, keine Stuhleck-Parkplatzproblem! Und Martin war auch nicht unglücklich über die spontane Routenänderung!

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