„A gscheide Platte aufgelegt“*: Variantenhaftes Stadtwandern in Graz, Teil 1

Angekommen bei der Stephanienwarte. Foto: Tobias Brugger

Rotmoosweg, Pfangberg bzw. Oberer Plattenweg, Rosenberg

Auf der östlichen Seite von Graz gelegen, ist die Platte (651 Meter), einer der „Seven Summits“ der Stadt, von den Grazer Bezirken Mariatrost (auf dessen Grund sie liegt), Geidorf und Andritz gut zugänglich. Von Mariatrost aus wird eine Besteigung der Platte häufig mit der Rettenbachklamm kombiniert.

Von Graz aus gesehen liegen hinter der Platte die Erhebungen Lineckberg und Hauenstein, die man für längere Wandervarianten miteinbeziehen kann.

Die Platte ist seit rund fünf Jahren mein Standard-Trainingsberg für eine kleine Runde vor allem unter der Woche. Letztes Jahr habe ich meinen persönlichen Rekord aufgestellt und bin insgesamt 155x in unterschiedlichen Varianten – neben den hier vorgestellten v.a. der durch die Rettenbachklamm – über die Platte marschiert. Daher behandelt dieser Bericht nicht eine einzige Wanderung, sondern kombiniert verschiedene passim vorgenommene Wandermöglichkeiten.

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Insbesondere in der kühleren Jahreszeit fahre ich meist mit Stadtbuslinie 41 Richtung Dürrgrabenweg (auch von der Endhaltestelle durch den Dürrgraben ist die Platte erreichbar) bis zur Station Rotmoosweg und starte dort – mein Abstiegsweg führt dann direkt zu meiner Wohnung. In der wärmeren Jahreszeit fahre ich auch gelegentlich mit dem Fahrrad zum selben Ausgangspunkt und gehe den gleichen Weg wieder retour.

Ursprünglich war geplant, vier verschiedene Wegvarianten, die jeweils als Auf- oder Abstiege zur Platte genutzt werden können, in einem einzigen Tourenbericht unterzubringen. Da dies technisch seitens Bahn zum Berg jedoch nicht möglich ist, habe ich die Varianten auf einen zweiteiligen Tourenbericht aufgeteilt. Freilich können die Varianten je nach Belieben frei miteinander kombiniert werden – wie ich selbst es auch zu tun pflege.

Variante 1: Rotmoosweg (über Pfangberg) (großteils über Weg-Nr. 85a), 4 km, 300 hm, 1 Std.

Diese Variante hat sich als mein bevorzugter Standardweg zur Platte etabliert. Der Grund liegt nicht zuletzt darin, dass man relativ wenig auf asphaltierten Straßen geht und rasch im Wald ist. Zuerst folge ich dem Rotmoosweg aufwärts um dann rechts in ein neben der Straße verlaufendes Waldstück, welches auch bei Hundehalter*innen beliebt ist, abzubiegen. Danach muss ich noch einmal ein kurzes Straßenstück gehen, bevor ich dieses mit dem Weg auf den Hügel Richtung Pfangberg wieder verlasse. Ab hier gibt es später nur noch ein kleines asphaltiertes Straßenstück von der Querung des Hinteren Plattenwegs beim 2. Plattenkreuz bis zum letzten Waldstück aufwärts. Auf dem Pfangberg gehe ich über eine hübsche weitläufige, hügelige Wiesenfläche, neben der Tiere wie Rinder, Esel und Pferde grasen, bevor es wieder hinauf durch den Wald geht. Ich wähle hier immer die rechte Wegvariante (und nicht die linke, beschilderte bzw. markierte – beide führen kurz danach wieder zusammen), die bei einem kleinen Sitzbankerl wieder in den Wald hineinführt. Auf der anderen Seite herausgekommen, hat man einen guten Blick zu den gegenüberliegenden Lineckberg und Hauenstein, aber auch zum weiter entfernt liegenden markant abgehobenen Schöckl. Hier geht es an mehreren Grundstücken und einer Apfelplantage vorbei, bevor man zum 2. Plattenkreuz gelangt, wo ich das „Portal“ zur Platte durchschreite. Innerhalb von wenigen Minuten gelange ich hier zum Platte-Gipfel, wo die Stephanienwarte steht.

In der Nähe der Stephanienwarte stehen ein paar Sitzbankerl, es gibt auch einen modernen Mistkübel sowie einen Trinkwasser-Spender. Vor der Stephanienwarte ist eine größere Wiese, die u.a. zum Picknicken oder spielerischer Betätigung einlädt. Besonders an schönen und warmen Tagen in den Übergangsjahreszeiten (die durch die eskalierende Klimakatastrophe zunehmend im Verschwinden begriffen sind) sind hier oftmals recht viele Menschen zu finden, die die Platte als Naherholungsgebiet nutzen.

Bushaltestelle Rotmoosweg, Stadtbuslinie 41. Foto: Tobias Brugger
Bushaltestelle Rotmoosweg, Stadtbuslinie 41. Foto: Tobias Brugger
Zunächst geht es ein Stück den Rotmoosweg leicht aufwärts… Foto: Tobias Brugger
Zunächst geht es ein Stück den Rotmoosweg leicht aufwärts… Foto: Tobias Brugger
...nach wenigen hundert Metern kann man aber schon erstmals in den Wald abzweigen. Foto: Tobias Brugger
…nach wenigen hundert Metern kann man aber schon erstmals in den Wald abzweigen. Foto: Tobias Brugger
Über den Pfangberg… Foto: Tobias Brugger
Über den Pfangberg… Foto: Tobias Brugger
...gelangt man hier beim 2. Plattenkreuz zum Aufstieg zur Platte… Foto: Tobias Brugger
…gelangt man hier beim 2. Plattenkreuz zum Aufstieg zur Platte… Foto: Tobias Brugger
...und hat für das letzte Stück auch wieder einen eigenen Wanderweg zur Verfügung. Foto: Tobias Brugger
…und hat für das letzte Stück auch wieder einen eigenen Wanderweg zur Verfügung. Foto: Tobias Brugger
Angekommen bei der Stephanienwarte. Foto: Tobias Brugger
Angekommen bei der Stephanienwarte. Foto: Tobias Brugger
Der Blick von der Stephanienwarte auf die Stadt Graz. Foto: Tobias Brugger
Der Blick von der Stephanienwarte auf die Stadt Graz. Foto: Tobias Brugger

Variante 2: Oberer Plattenweg und Rosenberg (nicht markiert), 6,5 km, 320 hm, 1,5 Std.

Hinunter wähle ich meist den Weg über den Plattensteig auf der stadtzugewandten Seite. Wenn die Stephanienwarte geschlossen ist, muss man sich zum stadtseitigen „Ende“ des Gipfelplateaus begeben um einen Blick auf die Stadt erheischen zu können. Dort befindet sich außerdem das Gebäude des früheren Gasthauses Himmelreich, das einst mit einer zum Verweilen einladenden Terrasse punkten konnte.

Über einen mit Steinen gesäumten Weg gelangt man bei einem Gehöft vorbei zu einem Wiesenhang, der im Winter sehr beliebt bei Rodel- und Bobfahrer*innen ist. Bei der Straßenkreuzung Hinterer und Unterer Platten- sowie Sonnleitenweg folge ich dem Oberen Plattenweg. Bald gibt es ähnlich dem Rotmoosweg zuvor linksseitig wieder eine Möglichkeit durch den Wald neben der Straße entlang zu gehen. Diese endet endgültig bei einer Straßenstelle an der eine Ortstafel für Graz angebracht ist. Hier folge ich weiter der Straße beim Wirtshaus Stoffbauer (eine Einkehrmöglichkeit) vorbei, bis ich bei einer weiteren Kreuzung die Schönbrunngasse wähle und etwas später rechts in die Panoramagasse zum Naherholungsgebiet Rosenhain. Rechts neben dem Café Rosenhain gehe ich den Weg hinunter und gelange durch den Wald bei zwei Teichen vorbei zum Wiesenhang. Beim Rosenhain ist Vorsicht angesagt, da leider nicht wenige Hundehalter*innen der Ansicht sind, die gesetzliche Leinenpflicht gelte für sie nicht. Beim Tor zum Rosenhain hinaus gibt es die Möglichkeit links zur Heinrichstraße zur Buslinie 58 zu gehen, ich gehe jedoch weiter in Richtung meines Zuhauses, das in der Nähe des Hasnerplatzes liegt. Hier gilt es für mich die stark befahrenen Bergmanngasse und Grabenstraße zu queren, was ich durch das Ausnutzen von Verkehrslücken zeitsparend praktisch immer ohne Ampeln bzw. Schutzwege schaffe.

Hinunter geht’s über den Plattensteig… Foto: Tobias Brugger
Hinunter geht’s über den Plattensteig… Foto: Tobias Brugger
...den Oberen Plattenweg… Foto: Tobias Brugger
…den Oberen Plattenweg… Foto: Tobias Brugger
...und über den Rosenhain. Foto: Tobias Brugger
…und über den Rosenhain. Foto: Tobias Brugger

Einige kritische Anmerkungen und Anregungen

An dieser Stelle möchte ich ein paar Punkte, die Wander*innen und Ausflügler*innen betreffen, kritisch anmerken:

1. Die Platte ist in der jüngeren Zeit insbesondere auch bei Radler*innen ein sehr beliebtes Ziel. Leider gibt es hier immer wieder manche, die sich rücksichtslos verhalten und die Wanderwege durch den Wald, insbesondere jenen, den ich vom 2. Plattenkreuz hinauf gegangen bin, hinunterrasen und gefährliche Situationen erzeugen. Hier besteht meines Erachtens Handlungsbedarf: Wanderwege sind keine Radwege! Passt gut auf, wenn ihr hier unterwegs seid.

2. Neben den Radler*innen, die nicht immer friktionsfrei mit Fußgänger*innen interagieren, ist in den Naherholungsgebieten rund um Graz auch die Gruppe der Hundebesitzer*innen stark vertreten. Leider pflegt ein nicht unbedeutender Teil dieser Gruppe gegen die gesetzliche Leinenpflicht zu verstoßen. Hier kommt es immer wieder zu Komplikationen. Jede*r Wanderer*in ist je nach Selbsteinschätzung und eigenen Erfahrungen angehalten Vorsorge zum eigenen Schutz zu betreiben.

3. Die Stephanienwarte ist in der Regel – gelegentlich wird vergessen sie zuzusperren – nur zu bestimmten, sehr eingeschränkten Zeiten laut Ausschilderung geöffnet: Zwischen Ostern und Ende September an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen von 10 bis 19 Uhr. Was würde eigentlich dagegen sprechen, die Warte ganzjährig 24/7 der Bevölkerung zugänglich zu machen? Zum Auf- und Zusperren fährt jedes Mal ein Bediensteter (meines Wissens der GBG) auf die Platte. Ich habe bisher mit zweien von ihnen gesprochen und keiner konnte mir die Frage beantworten, warum die Stephanienwarte überhaupt versperrt werden muss. Wird einmal vergessen die Warte zuzusperren und steht sie unter der Woche versehentlich offen, so wird dies von den Passant*innen auch rege genutzt.

3. Auf der Wiese vor der Stephanienwarte standen bis September 2023 zwei frei versetzbare Sitzbankerln, die wunderbar funktional waren und rege genutzt wurden, da sie in der Position immer dem jeweiligen Sonnenstand angepasst werden konnten. Diese sind damals eigenartigerweise innerhalb einiger Wochen nacheinander „verschwunden“. Eines wurde zunächst zum Panoramablick im Bereich Plattensteig 20 versetzt, bevor ich es ein letztes Mal gegenber dem fixierten Bankerl beim vorher erwähnten „Portal“, die Straßeneinfahrt zur Platte hinauf, gesichtet habe. Ich habe mit der Stadt Graz Kontakt aufgenommen, die mich an den Grundstückseigentümer Alpenverein Sektion Graz weiter verwies. Bei meiner ersten Kontaktaufnahme wurde mir zugesichert, dass im Zuge einer Neuaufstellung von Bankerln am Plabutsch auch die Platte Berücksichtigung finden könnte und sich jemand von ihnen bei mir melden werde. Dies ist jedoch nie passiert, und auch eine unbeantwortete Nachfrage beim AV sowie der Versuch durch Kontaktaufnahme mit einem Bezirksratsmitglied von Mariatrost Nachdruck zu erwirken, erwies sich als nicht hilfreich. Doch tatsächlich ist dann etwas passiert: Ein Sitzbankerl, das ungünstig waldseitig an der Stephanienwarte steht und auf dem ich noch nie (!) irgendjemanden sitzen gesehen habe, war komplett demoliert worden und wurde vom AV mit neuen Holzplanken ausgestattet (nur um wenige Monate später wieder teilweise demoliert dort zu stehen; aktueller Stand Juni 2026), die bestehenden fixierten Sitzbankerln wurden neu angestrichen – das war’s! Es wäre toll, wenn hier neue, nicht festverschraubte Bankerl aufgestellt werden könnten, außerdem würde zum Panoramablick beim Oberen Plattenweg 20 tatsächlich auch sehr gut eines (oder besser zwei) passen, da sich hier oft einige Ausflügler*innen aufhalten. Inzwischen hege ich nach meinen eigenen Versuchen, hier etwas zu bewirken allerdings keine große Hoffnung mehr: Die Platte wird leider im Vergleich zum Plabutsch seitens des AV stiefmütterlich behandelt, und da Verträge mit öffentlichen Körperschaften bestehen, sollte hier auch die Stadt- bzw. Bezirkspolitik aktiver handeln.

Fazit

Habe ich bis zum Anfang der Coronazeit mein regelmäßiges Bewegungsbedürfnis viele Jahre lang durch Laufrunden entlang der im Wesentlichen immergleichen Strecke entlang der Mur gestillt, so bin ich in den kühlen Märztagen des ersten „Lockdowns“ 2020 auf den Geschmack kommen, das östliche Hügelgebiet von Graz Stück für Stück gehend zu erkunden. Daraus hat sich dann im Lauf der Zeit meine Standardroute über die Platte (hier die Kombination der Varianten 1 + 2) ergeben, bei der es bis heute geblieben ist. Die Platte ermöglicht rasche Erreichbarkeit mit dem Eintauchen in die Natur des Waldes und das Genießen von Ruhe als Kompensation zum Verkehrslärm des Stadtgebiets.

Bei meinen Platterunden bin ich auch schon prominenten politischen Persönlichkeiten begegnet – einem ehemaligen Vizekanzler und Sportminister, der durch seine für den Freiluftbereich angedrohten, vollkommen evidenzbefreiten Restriktionen während der Corona-Zeit bei mir besondere Wanderlust evozierte, sowie immer wieder einer ehemaligen Bundespräsidentschaftskandidatin –, die offenbar diese Gegend auch als Erholungsgebiet zu schätzen wissen.

Andere Varianten, wie über den Weizbachweg oder durch Rettenbachklamm und Rabensteinersteig von Mariatrost aus bieten die nötige Abwechslung. Will man eine richtig lange Runde machen, so kann man z.B. vom Hilmteich starten und durch den Leechwald nach Mariatrost gehen, von dort durch die Rettenbachklamm auf die Platte aufsteigen und anschließend Hauenstein und Lineckberg erkunden. Aber dies wäre dann wohl wieder ein eigener Tourenreport… 😉

*in Reminiszenz an den legendären Mundl-Darsteller Karl Merkatz

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   3:00 Std Wandern   300 HM   300 HM   10 km   GPX Track

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