Erlakogel, 1.575 Meter – da mögen die versierten Hochalpin-Bergfexe vielleicht verächtlich die Nase rümpfen. Sollen sie ruhig, aber dann entgeht ihnen vielleicht auch ein feines Wandererlebnis…
Im vorliegenden Fall war der Erlakogel ein Ersatz für ein von uns wieder verworfenes Skitouren-Wochenende in Vorarlberg. Meteorologisch war der Frühling schon da, astronomisch noch nicht. Die Wetterprognose indizierte bevorzugt etwas im Nordosten Österreichs, die Schneelage gebot natürlich eine südseitige Wanderung. Mir fiel das Erlakogel-Schwärmen einer Wanderin ein, mit der ich vor kurzem auf einer Sonnstein-Tour ausgiebig und nett ins Reden gekommen bin, und die Absicht – um nicht zu sagen die Vorfreude – war umgehend da.
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Anreise und Spaziergang zum Einstieg
Mit der Salzkammergutbahn geht es (im Stundentakt) von Attnang-Puchheim in gut einer halben Stunde zum Bahnhof Ebensee Landungsplatz.
Bei der schönen Fahrt den Traunsee entlang kann man mit einem Minimum an Fantasie nachvollziehen, warum der Erlakogel auch die „schlafende Griechin“ genannt wird. Deren Nase ist der Gipfel:


Zunächst gilt es, in den Ortsteil Rindbach östlich vom Zentrum zu gelangen. Theoretisch führt ein Weg direkt vom Bahnsteig über die Eisenbahnbrücke und weiter zur Rindbachstraße, aber das Betreten der Brücke ist laut Schildern verboten.
Kein Nachteil ohne Vorteil: auf der Rückseite des Bahnhofs ist am Salinenplatz am Samstagvormittag Wochenmarkt und man kann sich hier noch mit Köstlichkeiten eindecken oder einfach flanieren und schauen. Der ansprechende Traunsteg ist außerdem auch nicht weit. An das Fachmarktzentrum anschließend ist dann die Rindbachstraße, der man knapp einen Kilometer bis zur Strandbadstraße folgt. Dann noch ein Stück die Hintere Rindbachstraße entlang und der Einstieg zur eigentlichen Wanderung auf den Erlakogel ist erreicht (ca. 20 Minuten vom Bahnhof).


Aufstieg über die Spitzlsteinalm
Gut 1.100 Höhenmeter sind es bis zum Gipfel, der Weg ist teilweise recht steil trassiert, man gewinnt von Anfang an flott an Höhe. Auffallend ist auch von Anfang an, dass der Erlakogel ein beliebter Berg sein dürfte, ich überhole immer wieder wen bzw. kommen allmählich auch die „Berglerchen“ wieder runter.
Auf knapp 1.000 Metern kommt man zu einer Forststraße, die man beim Aloisbründl gleich wieder Richtung Spitzlsteinalm verlässt.


Etwas oberhalb der Almhütte geht es wieder in den Wald, ein paar Minuten später gilt es nach rechts abzuzweigen (nach links ginge es auf den Ebenseer Wasserkogel, 1.170 Meter). Kurze Zeit später kommt man zum oberen Bereich des Almgebiets, das durch Querung einer Forststraße wieder verlassen wird. Es folgen vier weitere Forststraßenquerungen in kurzem Abstand, ehe man allmählich an Weitblick gewinnt: auf der einen Seite zum Traunsee und auf der anderen ins Ebenseer Becken und Richtung inneres Salzkammergut. Während unten zunächst der Huflattich und dann die Leberblümchen die charakteristischen Blumen waren, sind es hier heroben die Schneerosen.



Da die Schneerosen nicht umsonst so heißen und es gerade einmal Mitte März ist, lässt natürlich auch der Schnee jetzt nicht mehr lange auf sich warten. Die Flecken werden mehr und größer und im Bereich der geländemäßigen Mulde ca. zwischen 1.450 und 1.500 Metern ist am Weg teilweise eine durchgehende Schneedecke. Durch die frühlingshaften Temperaturen und die relativ geringe Steigung wären die mitgenommenen Grödel aber eher sinnlos.


Zum Schluss geht es noch einen Steilaufschwung zum Gipfel hinauf – wo es dann als Belohnung ein wunderbares Gipfelpanorama gibt.
Der Erlakogel als Aussichtsberg
Sobald das Gipfelkreuz erreicht ist, ist gleich einmal der Blick auf den nördlichen Teil des Traunsees und den Traunstein sehr eindrücklich.
Im Uhrzeigersinn sich drehend ist auf der anderen Seite die noch ordentlich eingeschneite Nordseite des Toten Gebirges zu sehen.


Auch wenn es heute ein wenig diesig ist, sind rechts hinter dem Westteil des Toten Gebirges König Dachstein und anschließend der Gosaukamm prächtig zu sehen. Am Erlakogel befindet sich auch eine Art „Panorama-Apparat“ mit ausgedruckter und folierter Legende. Recht nett, wenn man klassisch analog die umliegenden Gipfel bestimmen kann und nicht auf das Smartphone (z.B. für den guten Ulrich Deuschle) zurückgreifen muss.


Ich verweile über eine Stunde gemütlich am Gipfel und komme mit einer Wanderin ins Gespräch, die ebenso mit dem Zug angereist ist. Solche netten Begegnungen und Unterhaltungen erlebe ich immer als eine schöne, kleine Extra-Freude am Berg, insbesondere beim Allein-Unterwegssein.
Abstieg
Hinunter geht es dann den gleichen Weg wie herauf, was für mich sehr ungewohnt ist. Während am Gipfel durch die zeitweisen Windböen die Daunenjacke angesagt war, wird beim Abstieg irgendwann auf das kurzärmlige Leiberl und die abgezippte Hose modifiziert.
Und dann gab‘s auf einmal ordentliches Pech … aber zum Glück nur am Taferl:

Beim Bäcker kurz vorm Bahnhof wird noch ein Croissant aufgeschnappt und dann geht es mit dem Zug wieder retour. Die Fahrt den Traunsee entlang und der Rückblick auf die „schlafende Griechin“ sind dann noch ein schöner Ausklang dieser Tour.
Fazit
Durch die südwestliche Ausrichtung des Wanderwegs eignet sich der Erlakogel potenziell wunderbar für die Randzeiten der Wandersaison, wenn anderswo noch oder schon zu viel Schnee liegt. Das Panorama ist salzkammergutmäßig großartig.
In der warmen Jahreszeit wird man beim Aufstieg ordentlich ins Schwitzen kommen, wobei als Belohnung dann immerhin das Strandbad Rindbach lockt.




Sehr nette Tour, aber am Osterwochende 2026 war von Spitzlsteinalm bis zur Spitze wieder durchgehend recht tiefer Schnee. Die letzten 200 Höhenmeter vor der Spitze sind alle Wanderer regelmäßig ausgerutscht. Die Mischung mit vorheriger Kältefront und trotzden 20 Grad hat dazu gesorgt, dass der Weg abwärts am Mittag vor und nach der Alm ein richtiger Fluss geworden ist und man dem normalen Weg ausweichen musste.
Dafür waren trotzdem um die 15 Leute unterwegs.