Vom Bergsteigerdorf Vent für 6 erlebnisreiche Tage in die Ötztaler Alpen.
Steckbrief
| Etappe | Übernachtung | Distanz | |
| Tag 1 | Vent – Martin-Busch-Hütte | Martin-Busch-Hütte | 7,5 km, +600 hm |
| Tag 2 | Ötzi-Fundstelle, Hauslabjoch, Similaunhütte | Martin-Busch-Hütte | 11,5 km, +/- 825 hm |
| Tag 3 | Versuch Kreuzspitze | Martin-Busch-Hütte | 7 km, +/- 825 hm |
| Tag 4 | Übergang Hochjochhospiz | Hochjochhospiz | 15 km, +500/-600 hm |
| Tag 5 | Mittlere Guslarspitze, Vernagtgletscher-Moräne | Vernagthütte | 8 km, +1.000/-650 hm |
| Tag 6 | Vernagthütte – Vent | 10 km, -900 hm |
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Anreise und Aufstieg zur Martin-Busch-Hütte
Wir kommen mit dem ÖBB-Fernverkehr, steigen am Bahnhof Ötztal in die Buslinie 320 Richtung Hochgurgl und fahren in das längste der Seitentäler des Tiroler Inntals. Nach einer guten Stunde steigen wir bei der Haltestelle Sölden Postamt aus und in die Linie 330 nach Vent um (da sich die beiden Linien überlappen, gibt es aber eine Vielzahl von Haltestellen zum Umsteigen).
Nach weiteren 20 Minuten Fahrt sind wir auf knapp 1.900 Meter Seehöhe im Bergsteigerdorf Vent angekommen. Wir jausnen an der Bank der letzten Haltestelle Hotel Similaun noch gemütlich…

… und beginnen dann unsere Wanderung – das heutige Ziel ist die Martin-Busch-Hütte der DAV-Sektion Berlin (2.501 Meter), die überwiegend auf einem Güterweg nach etwa 3 Stunden erreicht ist. Am Weg zur Hütte fallen uns zuerst die Zirben und später die vielen Schafe auf, die hier oben den Sommer verbringen. Wir können Richtung Similaun auch die ersten Gletscherblicke erhaschen – in den nächsten Tagen werden noch einige folgen.

Am Abend können wir dann von der Hüttenterrasse aus Bartgeier beobachten, die weit oben ihre eleganten, beeindruckenden Schwünge ziehen.
Tag 2: Ötzi-Fundstelle
Am 19. September 1991 wurde am Tisenjoch auf gut 3.200 Metern die über 5.000 Jahre alte Gletschermumie des „Mannes vom Similaun“ gefunden. Der gute Ötzi liegt mittlerweile wohltemperiert im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen, am Tisenjoch erinnert ein Steinturm mit Tafeln in vier Sprachen als Denkmal an diesen Sensationsfund.
Von der Buschhütte ist das Denkmal in etwa 3 Stunden zu erreichen – ein aufgelegtes Ziel für unseren ersten vollen Tag im Gebirge.
Der direkte Weg zweigt vom Weg Richtung Similaunhütte nach rechts ab und führt zum Schluss über ehemaliges Gletschergebiet zum Tisenjoch.


Die Fundstelle selbst ist vor Ort nicht gekennzeichnet, sie liegt zwischen Tisen- und Hauslabjoch und kann anhand der digitalen Karte in etwa erahnt werden. Im Gegensatz zu vielen anderen Plätzen im Ötztal ist die Ötzi-Fundstelle also eher unaufgeregt un-inszeniert.
Natürlich nehmen wir uns gleich vor, irgendwann einmal nach Bozen zu fahren, um den Ötzi „in echt“ zu besuchen.
Wir gehen auch noch zum Hauslabjoch hinauf (3.283 Meter), dort ist man direkt am Rand des Hochjochferners. Man könnte von dort auch noch die Fineilspitze besteigen (3.515 Meter, bis T5).

Wir gehen dann zur Similaunhütte (3.019 Meter) am Niederjoch hinüber, das letzte Stück scheint uns etwas übertrieben versichert. Auf der Hütte, die auch in Südtirol liegt, kehren wir kurz auf ein Getränk ein.
Tag 3: Kreuzspitze – Versuch und Vereitelung
Für den nächsten Tag unserer Tour wäre die Venter Kreuzspitze (3.455 Meter) oberhalb der Buschhütte die logische Gipfeloption gewesen. Der Wetterbericht verheißt ab dem späteren Vormittag Niederschläge, was uns veranlasst, ohne Frühstück schon vor 6 Uhr aufzubrechen, um das trockene Zeitfenster zu nutzen. Diese Idee war vielleicht gut, aber es zieht sehr rasch zu und um halb 8 beginnt es zu regnen. Nach ein paar „Trotzminuten“ drehen wir um, gehen zurück und umrunden alternativ den schön gelegenen Samoarsee (Brizzisee).

Wie um uns zu frotzeln, hat es aber inzwischen wieder aufgerissen. Wir gehen abermals nach oben, jedoch ist auf knapp 3.200 Meter beim beginnenden Blockgelände endgültig Schluss, weil der Regen erneut die Herrschaft übernommen hat.
Wir machen konsterniert den geordneten Rückzug und freuen uns auf etwas nachgeholten Schlaf und gemütliche, trockene Stunden in der Hütte.
Auch das Scheitern gehört zum Bergwandern dazu: das Wetter spielt nicht immer mit und es hält sich auch nicht immer an die Prognose… Aber besser so ein „gesundes“ Scheitern als ein „falsches“ Scheitern, das womöglich im Krankenhaus endet – das sollten wir uns alle auch immer wieder ins Bewusstsein rufen.
| Zur Martin-Busch-Hütte: diese Hütte ist Stützpunkt am europäischen Fernwanderweg E5, dessen Abschnitt Oberstdorf – Meran eine mir unerklärliche Popularität genießt und massenweise bei Veranstaltern gebucht wird (Gepäcktransport und Taxifahrten im Tal inklusive). Die Wirtsleute passen sich der Hauptkundschaft an und das ganze verschafft dann der Hütte natürlich eine gewisse Atmosphäre, die nicht ganz dem entspricht, was die meisten Leute wohl suchen, die Bahn zum Berg cool finden. Zudem ist die Hütte notorisch ausgebucht – wer dort im Sommer übernachten will, sollte am besten im Winter dafür reservieren oder auf Stornierungen hoffen (die gibt es auch regelmäßig). Ein Essenstipp: für AV-Mitglieder ist es vom Preis-/Leistungsverhältnis wohl sinnvoller, am Nachmittag was von der Karte zu essen und am Abend das Bergsteigeressen, als (nur) auf das dreigängige Abendmenü zu setzen. Zugute halten möchten wir den Wirtsleuten aber, dass sie sich angesichts der Rahmenbedingungen herzlich um uns persönlich gekümmert haben – von der guten Platzzuteilung im Lager über das interessierte Gespräch bis zur Variation des Essens (das normale Abendessen-Menü war für alle drei Tage ident). |
Tag 4: Übergang zum Hochjochhospiz
Auch der nächste Tag verspricht leider kein stabiles Wetter. Vor dem Frühstück ist zwar noch blauer Himmel, aber die Prognose verheißt wieder Niederschläge ca. ab dem späteren Vormittag, daher gehen wir lieber unten herum zum Hochjochhospiz – und somit zunächst zurück nach Vent. Zur Abwechslung wählen wir vor der Ochsenleger-Alm den Weg auf der gegenüber liegenden Seite der Niedertaler Ache. Auch wenn der blaue Himmel verlockend gewesen wäre – als schon bei Vent die ersten Tropfen daherkommen, wissen wir, dass wir die vernünftigere Entscheidung getroffen haben. Bis zur Hütte wird es dann durchregnen.
Wir überqueren die spannende Hängebrücke bei den Rofenhöfen und gehen dann den Cyprian-Granbichler-Weg zum Hochjochhospiz. Dieser Weg ist nach dem Ötztaler Bergführer benannt, der auch viel mit dem „Gletscherpfarrer“ Franz Senn unterwegs war. Der Granbichler-Weg ist recht eindrucksvoll, die Rofenache, die sich über die Jahrtausende tief in das Gestein eingegraben hat, sprudelt vor sich hin. Einige Brücken am Weg sind offensichtlich neu errichtet und man merkt, dass hier vor nicht allzu langer Zeit Starkniederschläge zu gehörigen Schäden geführt haben dürften.


Nach rund 5 Stunden haben wir dann das Hochjochhospiz (ebenfalls DAV Berlin) auf 2.413 Meter erreicht und freuen uns erst einmal auf den Trockenraum.
Sympathiepunkte am Hochjochhospiz: es ist weniger Rummel als auf der Buschhütte und kulinarisch gibt es einen wohltuenden Fortschritt – sowohl beim Abendessen (u.a. köstliches Kichererbsen-Curry) als auch durch den übernachtigen Hafer.
Tag 5: Endlich ein Gipfel – Mittlere Guslarspitze (3.126 Meter)
Für den nächsten Tag ist endlich wieder stabileres Wetter angesagt, zumindest bis in den früheren Nachmittag. Das passt wunderbar, denn somit können wir den alpineren Übergang zur Vernagthütte wagen, der über die Mittlere Guslarspitze verläuft.

Beim Aufstieg zum Gipfel können wir einige Murmeltiere beobachten, die interessanterweise ganz unbeeindruckt von uns und ohne Pfeifkonzert ihren Alltag leben. Auch ein paar junge sind dabei – herzig!
Eindrücklich sind dann auch die Blicke zum Hintereisferner und zum Kesselwandferner.

Wobei hier zugegebenermaßen auch Wehmut mitschwingt: wenn die Jungspunde so alt sind wie ich, wird von den Gletschern hier wohl schon länger nicht mehr viel übrig sein…
Am Gipfel haben wir dann trotz Bewölkung eine spannende Rundumsicht, die Wildspitze zeigt sich auch kurz, indem sie ihren Wolkenhut abstreift.
Beim Abstieg ist am steilen Abschnitt Aufmerksamkeit gefragt (bis T4 eingestuft) und schließlich kommen wir am frühen Nachmittag zur höchstgelegenen Hütte unserer Tour auf 2.756 Meter, der Vernagthütte des DAV Würzburg.


Nach Einrichten der Schlafplätze und kurzer Pause gehen wir am Nachmittag noch die Gletschermoräne des Vernagtferners entlang.




Die Vernagthütte hat im Vergleich zu den beiden vorigen den Sympathiepunkt, dass für Kinder niedrigere Halbpensionspreise gelten (und nicht die gleichen Preise wie für Erwachsene).
Tag 6: Abstieg nach Vent – mit Heidelbeeren
An unserem letzten Tourentag strahlt die Sonne von der Früh weg. Nach dem Frühstück gehen wir bei wunderbarer Morgenstimmung hinunter Richtung Vernagtbach und dann ohne großen Höhenunterschied um das Vernagtegg, ehe es hinab ins Tal geht. Wir erblicken wieder die Wildspitze und erfreuen uns an einer Unzahl an Heidelbeeren – was für ein schöner Abschluss dieser 6 Tage im Hochgebirge!



In Vent schauen wir noch bei der schönen Bergsteigerkapelle vorbei (die auch als Kunstraum genutzt wird).


Wir fahren wieder mit den beiden Buslinien 330 und 320 von Vent über Sölden zum Bahnhof Ötztal und von dort mit dem Fernverkehr nach Hause.


Fazit
Eine feine Tour, die ins Hochgebirge, in mächtige Alpentäler sowie in Sicht- und Griffweite der Gletscherwelt und einiger der höchsten Berge des Landes führt, aber dennoch eine reine Bergwandertour bleibt.
Durch die vorliegende Wahl der Stützpunkte sind sowohl hochalpine Übergänge und Gipfel als auch jeweils sicherere Schlechtwettervarianten möglich, was in unserem Fall äußerst hilfreich war. Für alpin erfahrene und trittsichere Kinder ab ungefähr 10 Jahren geeignet. Schafe, Heidelbeeren, Murmeltiere und Bartgeier haben den vielen Eindrücken noch wunderbare i-Tüpferl draufgegeben.



