Auf einsamen Pfaden zu aussichtsreichen Plätzen zwischen Schwarzau im Gebirge und St. Ägyd. Falls es dir rund um die Wiener Alpen schon zu „belebt“ wird, ein guter Tipp.
In einem übervollen Bus fahre ich vom Bahnhof Payerbach Richtung Höllental. Geplant war, die Rax über Brandschneide und Törlweg zu überschreiten. Wenn ich dabei geblieben wäre, hätte ich sicher Linda getroffen, die ebenfalls in diese Sardinenbüchse aka Bus 341 eingelegt war.

Mit Plan zum Berg – Personalisierte Fahrplanabfrage
Dann doch lieber nach Schwarzau
Erst in Hinternasswald Wendestelle leert sich der Bus fast komplett, bis auf 5 Fahrgäste inkl. mir. Ein Grund, spontan zu entscheiden und sitzen zu bleiben bis zur Endstation. Dort habe ich noch eine Tour offen, die ich mir auf der Karte schon oft angeschaut habe. Alternativ kommt man übrigens auch über Gutenstein nach Schwarzau.
TIPP: Von Schwarzau kannst du auf den Handlesberg oder auf den Obersberg wandern. Und im familienfreundlichen Naturpark Falkenstein gibt es viel zu entdecken.
In Schwarzau steige ich zusammen mit den vier anderen aus und weil der kleine Bauernladen an der Haltestelle geöffnet ist, investiere ich die zwei Euro, die ich am Morgen am Stephansplatz gefunden habe, in eine knuspriges Nussweckerl. Kipferl waren leider schon aus. ;-)Dann geh ich los. Zuerst Richtung Kirche (mit öffentlicher Toilette) und dort über eine Wiese auf den Wald zu.

Waldfreundehütte und Obersberg
Auf schmalen Wegen moderat aufwärts, dem Obersberg entgegen. Die 850 Höhenmeter vergehen abwechslungsreich und schnell. Lang vorm Zwölfeläuten trink ich schon einen Kaffee auf der Terrasse der Waldfreundehütte. Traumhaft hier oben! 360 Grad Fernsicht, die nettesten Gastgeber von überhaupt und der beste Mohnstrudel. Nach einem sehr netten Plausch mit der Wirtin und Beobachtungen auf den Nachbartischen – die Speisen sehen köstlich aus und alles ist selbst gemacht! – freue ich mich auf den Weiterweg.

Über den Bergkamm Richtung Schwarzauer Gippel
Zuerst besuche ich aber noch das Gipfelkreuz am Obersberg (1467m). Kurz davor zweigt der Weg Richtung Gippel ab. Leicht zu übersehen, teilweise nur Steigspuren im hohen Gras.

Vielleicht aber jetzt schon ausgemäht, wie es die Hüttenwirtin angekündigt hat. Verirren kann man sich trotzdem nicht, denn es geht ab jetzt immer in die gleiche Richtung.
Weiter knapp über der Waldgrenze entlang der Mistelbacher Höhe: Ständiges, leichtes Auf und Ab, teilweise nur auf Steigspuren, manchmal „die Hände aus den Taschen“ nehmend, immer oben oder neben dem schmalen Bergkamm. Ich würde das nicht als ausgesetzt bezeichnen, aber Trittsicherheit ist nötig und unanstrengend ist das auch grad nicht hier. Aber so so lohnend! Aussicht und Miniabenteuer, und so viele schöne Bergblumen blühen! Dieser Weg macht richtig Laune!

Ab dem Bärenkopf geht das Steiglein in einen entspannteren Wiesenweg über. Auf dem Preineckkogel labt mich die zweite dicke Scheibe des Waldfreunde Mohnstrudels und was die Proviantbox noch so hergibt. Schaue mir die Karte an und stelle fest, dass sich der Schwarzauer Gippel heute kräftemäßig nimmer ausgeht. (Gute Entscheidung, da der Treibsteig vom Gippeltörl nach St. Ägyd, zwischen den beiden Gippeln, bis Anfang Juli 2026 gesperrt ist).

Bis zum Preinecksattel weiter, hier beginnt mein Abstieg. Und der hat es nochmals in sich.

Küss den Asphalt
Es geht nun steil und steinig, schmal und echt lange nach unten. Meine Beine sind schon müde und ich verliere ein wenig die Geduld und versuche wie immer von Stein zu Stein zu hüpfen, verschließe die Augen vor einem Forsstraßen-Inferno, das der Abstiegsweg mehrfach kreuzt und freue mich tatsächlich, als der Wanderweg kurz vor Zögernitz in eine Asphaltstraße mündet.

Hier sind nur ein paar Radfahrer:innen unterwegs. Hirn aushängen, Haxen entspannen.

St. Ägyd
Bei Zögernitz, wo der Treibsteig vom Gippel herunterkommt, beginnt es dann schon, sich etwas zu ziehen. Auch Simon hat in seinem Beitrag der Straße nach St. Ägyd ein Denkmal gesetzt. Naja, so ist das halt mit den Öffi-Wanderungen – manchmal muss man in einen kleinen, aber sauren Apfel beißen. Allerdings hör ich aus der Ferne schon kühles St. Ägyder Getränk zischen.

Die Enttäuschung dann schon recht groß, als ich feststelle, dass im einzigen offenen Wirsthaus in St. Ägyd geschlossene Gesellschaft (Hochzeit) ist. Da es sich aber um eine lebensrettenden Maßnahme handelt, nehme ich allen Mut zusammen, stoße auf viel Verständnis und darf mir an der Budl einen Radler bestellen, den ich mit Genuss trinke, obwohl mit Fanta gemacht.


Freut sich schon auf das öffi-konforme Tour-Abschlussgetränk. Fotos Veronika Schöll
An der Busstation gegenüber treffe ich einen Wanderer, der grade vom Göller runter gekommen ist. Da wir die einzigen Fahrgäste sind und trotzdem Platz sparen möchten (…), setzen wir uns in die gleiche Sitzreihe. Und so vergeht die Heimfahrt bei angeregter Unterhaltung über Lilienfeld zum Wiener Hauptbahnhof wie im Flug. Das war eine richtig schöner Tag, wenn auch wieder einmal nicht so geplant. 😉




[…] motivierte Öffi-Wanderer bei der Busstation in Payerbach – eine Momentaufnahme von Veronika Schöll (BzB), die zufällig auch im selben Bus unterwegs war. Foto: Veronika Schöll Kurz nach der […]