Auf wilden Wegen zur Heißenplatte

Wunderschöne und einsame Tour im Mangfallgebirge auf die Heißenplatte von Fischbachau aus. Der hier beschriebene Nordanstieg erfolgt auf unmarkierten und zum Teil nicht mehr erkennbaren Pfaden, ist jedoch mit ein bisschen Orientierungssinn und einer guten Karte problemlos machbar. Der anschließend anspruchsvolle Aufstieg zur Aiplspitz über den Nordgrat ist kein Muss – es führen alternative Wege zurück nach Fischbachau oder Geitau.

Im kalten Nebel startet meine Tour um 9 Uhr am Münchner Ostbahnhof. 1,5 Stunden später steige ich bei schönstem Sonnenschein in Fischbachau aus dem Zug.

Über die Aiplspitz zur Taubensteinbahn

Mein Weg führt mich zunächst nach Hagnberg, wo ich die Bundesstraße überquere. Auf der anderen Seite folge ich dem Feldweg und halte mich links. Der Weg führt an einigen Stadeln vorbei und immer mal wieder muss ich Weidegatter passieren. Da ich hohen Respekt vor Kühen habe, bin ich sehr froh, dass sich mir Ende Oktober kein Tier mehr neugierig in den Weg stellt. Der breite, allerdings wohl selten befahrene Forstweg nimmt schnell an Höhe an und bietet eine fantastische Aussicht auf die sonnige Südseite von Breitenstein, Schweinsberg und Wendelstein.

Aussicht auf Breitenstein, Schweinsberg und Wendelstein. Foto: So Phia
Aussicht auf Breitenstein, Schweinsberg und Wendelstein. Foto: So Phia

Nach etwa 2,5 Kilometer stoße ich auf eine Gabelung, der ich links folge. Der Weg ist nun schon sehr zugewachsen und endet kurze Zeit später auch ziemlich abrupt inmitten des Waldes. Ich steige etwas den Hang auf und halte Ausschau nach einem unmarkierten Pfad, der in Richtung Osten führt. Tatsächlich dauert es auch nicht lange, bis ich den kleinen Trampelpfad gefunden habe. 

Ich folge dem Pfad, bis ich an eine Gabelung unterhalb eines Felskopfs gelange. Dort wähle ich den Weg steil rechts hoch und umrunde so mit ein bisschen Kraxeln den Felskopf. Dabei verliere ich den Pfad aus den Augen und es beschleicht mich der Gedanke, dass ich mich bei der Gabelung wohl doch besser links hätte halten sollen. Allerdings möchte ich nicht wieder absteigen, vertraue auf meinen Orientierungssinn und finde auch kurze Zeit später wieder den Pfad, der mich in langen Serpentinen gemütlich weiter in die Höhe führt. 

Zugewachsener Steig auf die Heißenplatte. Foto: So Phia
Zugewachsener Steig auf die Heißenplatte. Foto: So Phia

Nachdem ich nun insgesamt etwa 3,5 Kilometern hinter mich gebracht habe, quert der Pfad einen steilen Hang, wobei der Weg an dieser Stelle etwas ausgesetzt und zum Teil abgebrochen ist. Anschließend trifft er auf einen deutlich besser erkennbaren Steig, den ich nach links nehme. Der Weg verläuft nun parallel zu einem Graben und wenig später gelange ich auf den Nordgrat zur Heißenplatte.

Ich folge dem sich sanft nach oben schlängelnden Pfad, der hier wieder wild zugewachsen ist. Angesichts der vielen Kletten, die sich mittlerweile an meine Kleidung geheftet haben, kommt mir unweigerlich der Gedanke an meine Zeckenimpfung in den Sinn – und vor allem ob bzw. wann eine Auffrischung nötig ist. Während ich gedankenversunken vor mich hin spaziere, endet der Pfad kurz nach einem alten Jägerstand auf einer großen Lichtung. Ich überquere die vor mir liegende Alm und entdecke den Pfad erst nach einigem Suchen zu meiner Rechten am Waldrand. Ich folge dem Weg einige Meter, biege dann aber gleich wieder links ab und steige steil und weglos durch den Wald auf. Erst als der Wald in eine Latschenzone übergeht, entdecke ich wieder einen kleinen Trampelpfad. Ich kämpfe mich durch die Latschen und gelange schließlich kurz unterhalb des Gipfels auf den freiliegenden Grat. Hier habe ich zum ersten Mal eine atemberaubende Aussicht auf das gesamte Leitzachtal. Bayrischzell umgeben von Bergen, angefangen vom Breitenstein und Wendelstein bis hinüber zum kleinen und großen Traithen sowie dem davor liegend der Seebergkopf. 

Aussicht auf das Leitzachtal. Foto: So Phia
Aussicht auf das Leitzachtal. Foto: So Phia

Ich wandere weiter und erreiche gegen 12:30 Uhr das kleine Holzkreuz auf der Heißenplatte. Obwohl sie mit 1.593 Metern nicht zu den höchsten Gipfeln der Region zählt, ist die Aussicht wunderschön. Zudem ist mir bis jetzt noch kein einziger Mensch begegnet – wann hat man so einen schönen Gipfel schon mal ganz für sich allein? Gegen 13 Uhr breche ich auf zum nächsten Ziel: über den Kamm in Richtung Süden auf die Aiplspitz.

Blick von der Heißenplatte auf die Aiplspitz. Foto: So Phia
Blick von der Heißenplatte auf die Aiplspitz. Foto: So Phia

Ich folge dem nun gut erkenn- und begehbaren Weg dem Kamm entlang in Richtung Aiplspitz. Tatsächlich treffe ich hier auch auf den ersten Wanderer des heutigen Tages. Die eindrucksvolle Nordseite der Aiplspitz rückt immer näher und in der Scharte vor dem Aufstieg zur Aiplspitz kreuzt ein Pfad quer meinen Weg. Er bietet die Möglichkeit, links Richtung Osten zur Geitauer Alm und weiter nach Geitau abzusteigen, oder rechts Richtung Westen nach Aurach und zurück nach Fischbachau. Da ich mich allerdings für die Aiplspitz entschieden habe, folge ich dem Pfad geradeaus.

Zu Beginn geht es durch schrofiges und von Latschen bewachsenes Gelände. Schnell folgt jedoch die Kletterpassage über den zum Teil sehr brüchigen Fels. Die Kletterei ist nie schwierig, allerdings muss jeder Schritt und jeder Griff gut sitzen, da es auf allen Seiten steil abfällt. Das unten an der Wegkreuzung angebrachte Warnschild zur dringend erforderlichen Trittsicherheit und Schwindelfreiheit hat definitiv seine Daseinsberechtigung. 

Die letzten Meter auf dem Nordgrat zur Aiplspitz. Foto: So Phia
Die letzten Meter auf dem Nordgrat zur Aiplspitz. Foto: So Phia

Es folgen noch einige ausgesetzte Stellen und hohe Stufen, bevor ich um kurz nach 14 Uhr den Gipfel erreiche. Nach dem Aufstieg an der schattigen Nordseite freue ich mich auf das sonnige Gipfelkreuz auf 1.759 Metern. Allerdings ist der Wind so stürmisch, dass an eine längere Pause nicht zu denken ist. Ich überlege also schnell, wie ich die Tour fortsetze. Geplant war der Abstieg über den Kleinmiesing und dann nordseitig über den Heuberg nach Geitau. Allerdings liegt der Weg bereits jetzt schon zum Teil im Schatten, wohingegen der Abstieg in Richtung Westen hin zum Spitzingsee noch sehr einladend in der Sonne liegt. Da ich durch meine Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln glücklicherweise äußerst flexibel bin, entscheide ich mich also spontan, über den Westgrat der Aiplspitz hinüber zum Tanzeck zu gehen. Von dort aus habe ich die Möglichkeit, weiter zur Taubensteinbahn zu wandern. Die Aussicht auf eine Talfahrt mit der Gondel runter zum Spitzingsee lässt meine Knie vor Begeisterung jubeln. 

Panoramablick von der Aiplspitz auf den Hohen Miesing, Rotwand, Raukopf, Tanzeck und Jägerkamp. Foto: So Phia
Panoramablick von der Aiplspitz auf den Hohen Miesing, Rotwand, Raukopf, Tanzeck und Jägerkamp. Foto: So Phia

Ich steige also Richtung Westen ab rüber zum Tanzeck. Der an zwei Stellen mit Seilen gesicherte Weg ist auf meiner Karte ebenfalls als T4 ausgewiesen, allerdings empfinde ich ihn als deutlich einfacher als der nordseitige Aufstieg auf die Aiplspitz. 

Blick vom Tanzeck zurück auf die Aiplspitz. Foto: So Phia
Blick vom Tanzeck zurück auf die Aiplspitz. Foto: So Phia

Vom ebenso windigen Tanzeck aus wandere ich an der Schnittlauchmoosalm vorbei hinab in den Sattel, um dann wieder hinauf zum Raukopf aufzusteigen. Diese letzten knapp 100 Höhenmeter sehen aus der Ferne unspektakulär aus, haben es aber nochmal richtig in sich!

Weg vom Tanzeck zum Raukopf. Foto: So Phia
Weg vom Tanzeck zum Raukopf. Foto: So Phia

Dann folgt der Endspurt hinüber zur Taubensteinbahn. Da die Terrasse des Restaurants an der Bergstation noch so wunderbar in der Sonne liegt, gönne ich mir dort eine große Portion Kaiserschmarrn. Gegen 16 Uhr trete ich die Talfahrt an und nehme an der Talstation der Taubensteinbahn um 16:30 Uhr den Bus nach Fischhausen-Neuhaus. Von dort fährt mich die Bahn nach München zurück – wie immer ohne Stress und Parkplatzsuche.

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   6:00 Std Wandern   1.100 HM   300 HM   9 km   GPX Track

Diese Tour kann mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Bad Endorf, Innsbruck und München erreicht werden.