Meine 1. Öffi-Wanderung in Kärnten

Ich bin in Kärnten geboren und habe bis 1990 in Klagenfurt gelebt. Bis dahin und auch danach bin ich hier oft mit meinen Eltern wandern gewesen. Eine Wanderung in Kärnten war für mich bis jetzt untrennbar mit Autoanreise verbunden. Daran hat sich auch im Zeitraum 2015 bis 2019 nichts geändert – obwohl ich da schon für Bahn zum Berg Wien geschrieben habe.

Dass man auch in Kärnten mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen kann, wurde mir erst klar, als mir Julian Kleinknecht das einfach vorlebte, indem er eine Öffi-Siktour auf Facebook beschrieb (und diese danach auch für Bahn zum Berg Klagenfurt verfasst hat).

Jetzt habe ich die Gelegenheit ergriffen und mich für das erste Mal von Julian inspirieren lassen: Ich fahre nach Mallnitz und gehe auf die Hindenburghöhe, einer der beiden Mallnitzer Hausberge.

Zugfahrt Klagenfurt – Mallnitz

Meine erste Öffi-Wanderung führt mich nach Mallnitz/Obervellach.

Ich suche mir die schnellstmögliche Verbindung heraus: Das ist ein Railjet, der um 6:45 am Klagenfurter Hauptbahnhof startet und nur 1:18h nach Mallnitz braucht. Super! Ist mir aber zu früh.

Der nächste Zug ist ein deutscher ICE, der in Klagenfurt startet (und daher schon am Bahnsteig wartet) und um 8:45 losfährt. Er fährt 1:21h nach Mallnitz. Gut genug für mich!

Bahnhof Mallnitz
Foto: Martin Heppner

Vom Bahnhof nach Mallnitz

Am Bahnhof Mallnitz/Obervellach angekommen, steige ich aus dem Zug und gehe durch die Unterführung zum Bahnhofsgebäude hinüber.

Vor dem Bahnhof fließt der Mallnitzbach, eine Brücke führt darüber. Ich muss flussaufwärts nach Mallnitz, steuere daher die Brücke an, quere diese jedoch nicht, sondern biege vor der Brücke nach rechts ab: Hier beginnt ein malerischer und gut beschildeter Spazierweg nach Mallnitz hinein.

Fußweg am Mallnitzbach
Foto: Martin Heppner

Auf diesem Fußweg lege ich final die Hindenburghöhe als mein Tagesziel fest. Ich habe mir vorher mehrere Varianten überlegt. Da ich jetzt vor Ort aber sehe, dass auf den Nordseiten noch sehr viel Schnee liegt und ich alleine, ohne Ski, Schneeschuhen oder wenigstens Gamaschen unterwegs bin, will ich lieber an einer Südseite hinaufgehen und oben einen schönen Rundumblick haben. Diese Anforderungen erfüllt die Hindenburghöhe perfekt!

Bis Mallnitz Ort gehe ich etwa 10 Minuten, komme am Nationalpark Zentrum vorbei und gehe nach Nordwesten Richtung Tauerntal.

Tauerntal
Foto: Martin Heppner

Nach dem Mallnitzer Bad, aber noch vor dem Weiderost, könnte man nach rechts abbiegen um auf die „Talrunde“ zu kommen. Hier werden im Moment aber Lawinenverbauungen durchgeführt, weshalb dieser Wegabschnitt gesperrt ist.

Ich gehe also über den Weiderost weiter und bleibe auf der Asphaltstraße, weil ich eh gleich vorne nach rechts abbiege.

„Gleich vorne“ ist ganz genau beim Alpengasthof Gutenbrunn. Vom Bahnhof bis hierher bin ich 30 Minuten gegangen. Hier finde ich auch den ersten Wegweiser Richtung Hindenburghöhe, der als Wegzeit 3h angibt.

Alpengasthof Gutenbrunn
Foto: Martin Heppner

Ich stelle mir noch vor, wie schön es wäre, wenn der Alpengasthof Gutenbrunn nicht mehr (wegen Corona) geschlossen hätte und ich nach dem Abstieg hier einkehren könnte. Dann reiße ich mich von diesen Gedanken los und gehe vor dem Alpengasthof durch den Märchenwegtorbogen in Richtung Wald hinauf.

Hindenburghöhe (2.315m)

Der Weg beginnt mit einem weichen Forstweg, der bis zu einer Quellfassung reicht. Danach ist es ein Pfad.

Der Pfad verläuft durch ein Waldstück, das offensichtlich von einem Sturm heimgesucht wurde. Eigentlich verläuft der Pfad über eine große Lichtung mit Baumstümpfen. Die Bäume sind weggeräumt worden. Die Orientierung ist durch eingeschlagene rote Stangen einfach. Ohne diese Stangen wäre der Weg schwer zu finden, weil er teilweise ganz frisch angelegt zu sein scheint.

Bach
Foto: Martin Heppner

Die nächste Etappe verläuft wirklich im Wald. Es ist sehr angenehm, dass Schatten und Sonnenflecken immer abwechseln. Am und neben dem Weg fallen mir immer wieder frische Sägespäne auf. Je höher ich steige, desto deutlicher wird auch das Geräusch einer Motorsäge.

Die Motorsäge gehört zu einer Frau und einem Mann, die den Weg ausschneiden. Sie erzählen mir, dass im November zuerst Starkregen die Wurzeln ausgespült hat und dann der Sturm die fast schon entwurzelten Bäume umgeworfen hat.

Umgestürzte Bäume verlegen den Weg
Foto: Martin Heppner

Die schlechte Nachricht für mich ist: Ab jetzt liegen noch viele Bäume quer über dem Weg. Die gute Nachricht für dich, lieber Leser: Mittlerweile sind alle Hindernisse entfernt!

Im oberen Drittel des Waldes beginnen die Altschneefelder. Diese sind unproblematisch und ungefährlich. Manchmal muss ich etwas genauer schauen, um die nächste Markierung auf einem Baum zu sehen, denn die Bodenmarkierungen sind dort noch durch den Schnee verdeckt.

Nach dem Wald, in der Latschenzone, liegen auch noch ein paar Schneefelder: Eines davon ist so steil, dass ich Stufen hinein schlagen muss. Allerdings ist es rechts und links von Latschen gesäumt und damit ohne Absturzgefahr begehbar, weil man sich notfalls anhalten kann.

Auf den felsigen Teilen des Weges ist so gut wie kein Schnee mehr vorhanden. Ich fühle mich in meiner Wahl für eine Südseite bestätigt. An einer hübsch windgeschützten Stelle mache ich Pause und esse eine Banane und ein kleines Brot.

Die Granitblöcke und -platten erinnern mich an meine Kindheit. Es ist sehr schön, hier zu gehen. Und wie in meiner Kindheit, finde ich auch diesmal wieder Granaten. Zwar nur eingeschlossen im Gestein, aber trotzdem sehr schön sichtbar!

Schließlich enden auch die Latschen. Ab hier ist die Hindenburghöhe, bzw. die Wetterstation davor, schon in Sichtweite.

Monument Hindenburghöhe
Foto: Martin Heppner

Die Hindenburghöhe ist eigentlich ein Felsplateau, auf dem ein Monument zu Ehren Hindenburgs steht. Diese Stelle habe ich mir vom Bahnhof aus ausgesucht – hierher wollte ich. Die 93 zusätzlichen Höhenmeter auf den eigentlichen Gipfel, den Liesgelespitz (2.408m) mag ich nicht mehr gehen. Fast zwei Monate Corona-Lockdown haben Spuren an meiner Kondition hinterlassen!

Vom Bahnhof bis zur Hindenburghöhe herauf habe ich – inklusive aller Pausen – fast vier Stunden gebraucht. Ich war also etwas langsamer, als der Wegweiser unten angegeben hat.

Im Süden liegt vor mir die Goldeckgruppe:

Panorama Kreuzeckgruppe
Foto: Martin Heppner

Der Ankogel ist nordöstlich von mir:

Panorama Ankogel
Foto: Martin Heppner

Ich mache eine ausgiebige Rast, esse den Rest meiner Jause und mache Fotos und Videos. Ein Video lade ich auch gleich auf den Bahn zum Berg Instagram Account hoch – ob das jetzt gut oder schlecht ist, dass ich hier oben eine dafür ausreichende Internetverbindung habe, weiß ich nicht.

Anregung: Wer weniger lasch ist als ich, geht über Liesgelespitz (2.408m) und die Weißenbachscharte (2.278m) zur Mindener Hütte (auf Seehöhe 2.431m) weiter. Die Mindener Hütte ist allerdings eine Selbstversorgerhütte! In den meisten Fällen bedeutet das daher, dass der Abstieg am selben Tag auch noch durchgeführt werden muss. Dann ist es nicht nur von den Höhenmetern weit, sondern auch von der Horizontaldistanz her sehr lang.
Potentiell könnte man auch zur Hagener Hütte weiter gehen und dort übernachten. Möglichkeiten gibt es viele!

Ich jedenfalls trete gestärkt und frohen Mutes den Rückweg an. Es fährt alle zwei Stunden ein Zug von Mallnitz nach Klagenfurt: Für mich käme 15:56 oder 17:56 in Frage. Ich will jetzt nicht hinunter rennen und steuere daher den Zug um 17:56 an.

Der Rückweg erfolgt am Aufstiegsweg. Insofern sollte man glauben, dass die Orientierung daher kein großes Problem darstellt. Tut sie aber. Ich komme zwei Mal vom Weg ab – finde ihn aber jedesmal wieder schnell. Entweder bin ich unaufmerksam, oder die Markierungen sind von oben durch die umgestürzten Bäumen entfernt oder verdeckt worden.

Auch diese Beobachtung teile ich im Abstieg den beiden Wegerhaltern mit. Wenn ich mir anschaue, wie „besenrein“ die beiden den Weg hergerichtet haben, während ich oben war, so ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie auch die Markierungen nachbessern!

Am Weg herunter flüchtet ein recht großer Fuchs vor mir. Er ist schnell und ich langsam. Trotzdem mache ich ein paar Fotos mit meiner Kamera. Allerdings musste ich sie am Computer so stark vergrößern, dass sie alle komplett verpixelt sind. Dieses eine Foto gibt wenigstens ein Gefühl davon, dass es ein Fuchs sein könnte.

Fuchs
Foto: Martin Heppner

Statt im Alpengasthof Gutenbrunn einzukehren (der ja derzeit wegen Corona noch geschlossen hat), lege ich mich unten am Mallnitzbach ins Gras und beobachte den Helikopter, wie er Bauteile zur Lawinenverbauung transportiert.

Mallnitzbach
Foto: Martin Heppner

Schließlich mache ich mich auf den Weg zum Bahnhof – wie am Herweg entlang des Mallnitzbaches.

Rückfahrt

Ich steige kurz vor 17:56 in den Zug ein – wieder ein deutscher ICE. Was mir gleich zu Beginn schmerzlich auffällt, weil ich durch den Speisewagen gehe: Ebendieser hat geschlossen. So ein schönes, kaltes Bier, oder ein Radler wäre eine extrem feine Sache gewesen. Und einer der ganz klaren Vorteile der Zugfahrt gegenüber einer Autofahrt!

So setze ich mich ohne Belohnung mit meiner Maske in großem Abstand zum nächsten Fahrgast hin und höre mir über meine Kopfhörer ein Hörbuch an. Die Fahrt dauert am Rückweg laut Plan eine Minute kürzer – also nur 1:20h. Und weil Klagenfurt einen sehr schönen Billa im Bahnhofsgebäude hat, der erweiterte Öffnungszeiten hat, freue ich mich schon auf meinen Radler aus dem Kühlregal, den ich mir dort kaufen werde!

Tourdaten

Fazit & Ausblick

Meine erste Öffi-Wanderung in Kärnten! Ich habe es super schön und sehr entspannt empfunden. Das nächste Mal ist meine Kondition hoffentlich etwas besser, dann fahre ich mit dem früheren Zug. Damit eröffnet sich dann ein größeres Zeitfenster und in weiterer Folge mehr Möglichkeiten.

Mallnitz ist nicht umsonst ein Bergsteigerdorf und gehört zu den Alpine Pearls. Mit dem Zug super zu erreichen – von der Kärntner Seite genauso wie von der Salzburger.
In Wahrheit ist Mallnitz – nicht unbedingt für Tagestouren – aber für Mehrtagestouren auch super von Wien aus erreichbar. Veronika Schöll hat darüber den Beitrag „Sommerfrische in Mallnitz“ für Bahn zum Berg Wien geschrieben.

Diesmal bin ich „nur“ zu Fuß unterwegs gewesen. Beim nächsten Mal überlege ich mir eine Bike & Hike Tour zu unternehmen und mit dem Fahrrad zum Gasthof Jamnighütte zu fahren, dort abzustellen und dann zu Fuß eine schöne Bergtour zu machen. Mit dem Fahrrad dann hinunterzufahren kostet keine Kraft mehr und ist sehr schnell.

Ergänzung: Im Sommer gibt es auch einen Wanderbus bis zur Jamnighütte.

Das Ganze kann man natürlich auch als Zweitagestour machen und in einer Hütte übernachten. Kombination von Übernachtung mit Bike & Hike ist klarerweise auch möglich.

In ein paar Wochen bin ich wahrscheinlich wieder in Kärnten. In der Zwischenzeit werde ich einmal schauen, was da so alles an Wanderungen mit öffentlicher Anreise möglich ist!

2 Kommentare

  1. Sehr schöner Beitrag! Ich kann Dir das Säuleck als Sommerziel empfehlen. Der Zustieg lässt sich mit dem Wanderbus abkürzen. Auch das Böseck ist trotz seines Namens ein feines Bergziel.

  2. ja, Säuleck ist sehr empfehlenswert und als Kombi Bike (als flexible Alternative zum Wanderbus) & Hike auch als Tagestour zu machen; weiters: Auernig, Maresenspitz sowie Lonzaköpfl auf der Gegenseite

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