Jedes Jahr wieder zieht es mich Anfang April nach Hainburg an der Donau. Angezogen werde ich vor allem vom einzigartigen Blütenmeer am Waldboden und den Blumenraritäten am Braunsberg. Zusätzliche Highlights der Tour sind der Blick vom Gipfel des Braunsbergs und die Ruine Röthelstein.

Die S7 bringt mich in einer guten Stunde von Wien nach Hainburg. Der Weg führt mich schon bald ans Donauufer und hier folge ich dem Treppelweg flussabwärts, bis vor dem letzten Haus ein kleiner Weg rechts abzweigt. Ich folge dem mit „Keltenweg“ angeschriebenen Weg, der über eine kleine felsige Geländestufe führt.

Die Zwergschwertlilien stehen schon in voller Blüte und ich bin wie jedes Jahr fasziniert von diesem besonderen Fleckchen Erde, der auch einen schönen Ausblick auf die Altstadt von Hainburg bietet.

Der Weg führt jetzt weiter am Hangrücken entlang und immer wieder bieten sich schöne Ausblicke auf die Donau.

Der gut ausgeschilderte Keltenweg führt zuerst annähernd eben durch den in voller Blüte stehenden Wald und der Lärchensporn, die Veilchen und das Immergrün schicken intensive Duftschwaden aus. Nach ca. 10 Minuten Gehzeit zweigt der Keltenweg rechts ab und ab jetzt geht es sanft bergauf.

Nach einer halben Stunde habe ich den Bergrücken erreicht, wobei es sich beim Braunsberg mit seinen 346 Metern Höhe eher um einen Hügel handelt, aber immerhin mit einer tollen Aussicht in alle Himmelsrichtungen.

Ich wundere mich über die perfekt gestutzten Wiesenflächen am Gipfelplateau, die fast wie ein englischer Rasen wirken. Hinter der Felsenkante über Hainburg entdecke ich die heimlichen Gärtner: eine freilebende Mufflonherde! Zum Glück haben sie die wilden Narzissen stehen lassen.

Den nachgebauten keltischen Wachturm lasse ich rechts liegen und gehe stattdessen am Felsenrand entlang. Der Keltenweg führt nun über den Hügelrücken bis hinter dem Parkplatz (eine absolute Bausünde aus der Vergangenheit!) der Abstieg beginnt.

Ab jetzt geht’s über ein hübsches kleines Wegerl relativ steil durch den Wald hinunter, bis auf halber Höhe der grün markierte „Weg rund um den Braunsberg“ kreuzt. Hier halte ich mich links und folge dem Wegerl bis zur Straße. Da ich nicht über den Asphalt gehen mag, wandere ich jetzt ein kurzes Stück abseits des Weges am Waldrand entlang, man kann aber auf der Straße gehen, bis dann rechts ein nicht markierter Feldweg abzweigt.

Dieser Feldweg führt mich bis zum Golfplatz, den ich jetzt queren muss, was im Übrigen nicht verboten ist – es steht nur ein Warnschild am Weg. Ich halte ich mich immer am linken Waldrand, bis mich der Weg zum blau markierten Weg im Tal führt. Hier biege ich scharf links ab und der Weg führt mich jetzt zurück in Richtung Donauufer.

Kurz vor der Donau zweigt der Weg noch einmal links ab und ich erreiche die Ruine Röthelstein. Von ihr hat man einen schönen Ausblick auf die Stopfenreuther Au am anderen Donauufer und bis zum Felsen Devin in der Slowakei.

Bei einer kurzen Rast im Windschatten der Ruine kreist plötzlich ein Seeadler über mir – ein wirklich beeindruckendes Erlebnis. Für den Rückweg wähle ich jetzt den Weg an der Donau entlang.

Auch dieser Weg ist mit seinen Felswänden und alten Baumriesen sehr pittoresk und bietet bei entsprechendem Wetter die Möglichkeit, sich an der Donau zu erfrischen, die sich heute tatsächlich in blau präsentiert.

Am Ende des Weges quert man zweimal kleine Tunnel, die in die Felsen geschlagen wurden – ein krönender Abschluss für diese sehr abwechslungsreiche kleine Wanderung.

Nachdem ich bei der Rückkunft den stündlich fahrenden Zug der S7 knapp verpasst habe, wähle ich stattdessen die Buslinie 550, die mich in einer Sightseeingtour durch das Marchfeld bis zur U2-Station Aspernstraße bringt.

Fazit
Für mich gehört diese kleine Wanderung zu meinem Frühlings-Standardprogramm, denn ich kenne keine andere Gegend im Umkreis von Wien, die eine vergleichbare Blütenpracht bietet. Außerdem eignet sie sich mit ihren knapp 9 Kilometer und nur 250 Höhenmetern gut als Aufwärmtour nach der Winterpause. Aber die Strecke hat zu jeder Jahreszeit ihre Reize und ist mit Felsen, Wald, Wiesen, Ruine und Fluss äußerst abwechslungsreich und reizvoll. Mitten auf der Strecke gibt es zwar keine Einkehrmöglichkeit, aber das Donaucafe am Ende der Tour bietet sich dafür an oder man verbindet die kleine Wanderung gleich mit einem Abstecher in die mittelalterliche Altstadt von Hainburg. Es gibt dort weitere Lokale und auch eine eigene Bahn- und Bushaltestelle.



