2 oder 3 Tage Zahmer Kaiser

Einmal den Zahmen Kaiser der Länge nach überschreiten und dann das Kaisertal zwischen Zahmen und Wilden Kaiser zurück wandern. Gemütlich geht das in drei Tagen, sportlich in zwei Tagen (dann ist es aber besser in die Gegenrichtung zu gehen).

Ohne zu viel vorab zu verraten – macht man die Tour auf drei Tage aufgeteilt, hat man am ersten Tag die meisten Höhenmeter bergauf zurückzulegen, der zweite Tag dauert am längsten und der dritte Tag durch das Kaisertal ist der mit der längsten Gehstrecke.

Von Innsbruck nach Kufstein

Bus nach Ebbs Schanz (Foto: Martin Heppner)
Bus nach Ebbs Schanz (Foto: Martin Heppner)

Tag 1

Vorderkaiserfeldenhütte

Von der Busstation Ebbs/Schanz gehen wir in die Richtung weiter, in die der Bus fährt, machen auf der Nebenfahrbahn eine Schleife nach links, um bei der ersten Kreuzung dann nach rechts, in östlicher Richtung und in den Wald abzubiegen.

Hinter einem Bauhof auf einer Schotterstraße gehen wir bergauf, um beim ersten Wegweiser auf den Anstiegsweg zu kommen. Ab hier geht es auf einem schmalen Steiglein, durchwegs steil und in Serpentinen bergwärts.

Aufstieg Ritzaualm (Foto: Martin Heppner)
Aufstieg Ritzau Alm (Foto: Martin Heppner)
Kurz vor der Ritzaualm (Foto: Martin Heppner)
Kurz vor der Ritzau Alm (Foto: Martin Heppner)

Schließlich wird der Wald lichter und wir merken, dass wir gleich auf die Ritzau Alm hinaus treten werden.

Von dort geht es in 20 bis 30 Minuten bis zur Vorderkaiserfeldenhütte hinauf.

Blick Richtung Vorderkaiserfeldenhütte (Foto: Martin Heppner)
Blick Richtung Vorderkaiserfeldenhütte (Foto: Martin Heppner)

Bis zur Vorderkaiserfeldenhütte haben wir 900 Höhenmeter zurückgelegt. In drei Stunden ist das schön zu schaffen.

Hier macht eine kurze Pause Sinn, Anmeldung in der Hütte und ein Rucksackdepot, weil wir jetzt noch schnell auf die Naunspitze und das Petersköpfl gehen könnten. Wenn wir wollten. Und wir wollen.

Vorderkaiserfeldenhütte (Foto: Martin Heppner)
Vorderkaiserfeldenhütte (Foto: Martin Heppner)

Naunspitze & Petersköpfl

Ohne Rucksäcke maschiert es sich schon deutlich leichter. Auch wenn es ab der Hütte über die Naunspitze und bis zum Petersköpfl hinauf, schon noch einmal 500 Höhenmeter sind.

Von der Naunspitze hat man einen sehr schönen Panoramablick auf das Inntal. Vom Petersköpfl sieht man über die latschenbedeckte Hochfläche, die wir am nächsten Tag weiter vorne von Süden betreten werden.

Naunspitze (Foto: Martin Heppner)
Naunspitze (Foto: Martin Heppner)
Panorama Inntal von der Naunspitze (Foto: Martin Heppner)
Panorama Inntal von der Naunspitze (Foto: Martin Heppner)
Petersköpfl von der Naunspitze aus (Foto: Martin Heppner)
Petersköpfl von der Naunspitze aus (Foto: Martin Heppner)

Abhängig davon mit welchem Zug man in der Früh losgefahren ist, muss man eventuell auf die Zeit aufpassen, um rechtzeitig zum Abendessen in die Vorderkaiserfeldenhütte zu kommen.

Für mich gibt es zwei Besonderheiten auf dieser Hütte: Einerseits der furchtbar lange Name „Vorderkaiserfeldenhütte“. Andererseits, dass man seine Hüttenschlafsäcke abgeben muss. Diese werden in Plastiksäcken verschlossen und dürfen wegen der Angst vor dem Einschleppen von Bettwanzen nicht verwendet werden. Man bekommt Hüttenschlafsäcke von der Hütte zur Verfügung gestellt.

Dieses System habe ich so sonst noch nirgendwo gesehen. Aber auch am Stripsenjochhaus gibt es Maßnahmen gegen das Einschleppen von Bettwanzen.

Tag 2

Pyramidenspitze

Von der Vorderkaiserfeldenhütte gehen wir auf einem gemütlich steigenden Viehauftriebsweg Richtung Hinterkaiserfeldenalm – optimal zum langsamen Aufwärmen in der Früh.

Da der Tag schon recht lange dauern wird, macht es Sinn, nicht zu spät aufzubrechen.

Hinterkaiserfeldenalm (Foto: Martin Heppner)
Hinterkaiserfeldenalm (Foto: Martin Heppner)

Nach der Hinterkaiserfeldenalm gehen wir durch einen kurzen Waldabschnitt und betreten die Vordere Steingrube. Durch diese steigen wir in einem langgezogenem Linksbogen, über teilweise losem Schotter, für etwa 300 Höhenmeter, entlang von beeindruckend hohen, senkrechten Steinmauern auf.

Aufstieg durch die Vordere Steingrube (Foto: Martin Heppner)
Aufstieg durch die Vordere Steingrube (Foto: Martin Heppner)

Danach geht es im Latschengelände weiter bergauf. Zum Vogelbad müssen wir einmal ein kurzes Stück abklettern. Vorsicht: Die Steine sind im unteren Bereich schon sehr abgegriffen, richtig glatt und rutschig.

Bald danach sehen wir das Gipfelkreuz des zweithöchsten Punkts des Zahmen Kaisers vor uns: die Pyramidenspitze (1.997 Meter).

Mit einer Pause braucht man zwischen 2 und 2,5 Stunden bis hier herauf. Die ersten 600 Höhenmeter Anstieg des heutigen Tages haben wir damit hinter uns. Ab jetzt gibt es nur mehr vereinzelte Gegenanstiege – einer leider ganz am Schluss. Kräfte also gut einteilen! :-)

Pyramidenspitze (Foto: Martin Heppner)
Pyramidenspitze (Foto: Martin Heppner)

Die Pyramidenspitze ist auch das Ziel eines kühn geführten Aufstiegsweges vom Walchsee über die Winkelalm herauf. Dieser ist anscheinend zwischendurch immer wieder mit einem Stahlseil gesichert. Ich bin ihn selbst noch nicht gegangen, habe darüber nur mit zwei örtlichen Bergrettern beim Stripsenjochhaus gesprochen. Man sieht diesen Weg von der Vorderen Kesselschneid aus gut.

Vordere Kesselschneid

Direkt im Süden von der Pyramidenspitze liegt still und bescheiden die eigentlich höchste Erhebung des Zahmen Kaisers, die Vordere Kesselschneid (2.001 Meter).

Ich empfehle erst dort eine ausgiebige Rast zu machen: Es ist dort nicht so gedrängt und man hat einen wunderbaren Blick hinunter und rundum.

Gipfel Vordere Kesselschneid (Foto: Martin Heppner)
Gipfel Vordere Kesselschneid (Foto: Martin Heppner)

Stripsenjochhaus

Nach der Pause brechen wir auf und biegen unter der Vorderen Kesselschneid nach links auf den Wanderweg bergab ab. Wir gehen in das „Öchselweidkar“ hinunter.

Der Abstieg ist recht steil durch Latschen mit schöner Aussicht auf das darunter liegende Kaisertal, in das Inntal hinaus und den Wilden Kaiser gegenüber.

Abstieg Öchselweidkar (Foto: Martin Heppner)
Abstieg Öchselweidkar (Foto: Martin Heppner)

Am unteren Ende des Öchselweidkars kreuzt der Weg den Höhenweg 811. Nach rechts würden wir zur Vorderkaiserfeldenalm zurückkommen. Wir zweigen aber nach links ab.

Nach wenigen Metern gibt es eine weitere Abzweigung hinunter zum Hinterbärenbad. Wir bleiben aber auf unserem Höhenweg und kommen gleich darauf zur Kaiserquelle. Hier gibt es die Möglichkeit, den Wasservorrat aufzufüllen. In der Sommerhitze sehr empfehlenswert.

Apropos Sommerhitze: Deshalb habe ich mein weißes, langärmliges, luftiges Hochsommerbergwanderhemd an, das ich mir in der spanischen Sierra Nevada zugelegt habe. :-)

Quelle (Foto: Veronika Schöll)
Kaiserquelle (Foto: Veronika Schöll)

Ab jetzt geht es prinzipiell immer leicht bergab, unterbrochen von kurzen Gegenanstiegen. Es ist recht abwechslungsreich: Latschen, Wald, Schotter, Steinblöcke wechseln sich ab. Meistens ist der Blick rechterhand auf den Wilden Kaiser frei und sehr eindrucksvoll.

Panorama Wilder Kaiser (Foto: Veronika Schöll)
Panorama Wilder Kaiser (Foto: Veronika Schöll)

Schließlich zweigt der Weg nach rechts zur Hochalm ab und leitet damit das allerletzte Stück der heutigen Tagesetappe ein. Am Foto unten sieht man die Almfläche hinter der Hütte. Diese stellt den letzten Aufstieg des heutigen Tages dar. Dahinter sieht man den mit Latschen bewachsenen Stripsenkopf, an dessen Flanke wir vorbei queren. Das Stripsenjochhaus liegt direkt zwischen dem Stripsenkopf und den hohen, nackten Felswänden des Totenkirchls.

Hochalm (Foto: Veronika Schöll)
Hochalm (Foto: Veronika Schöll)

Auf der Hochalm gibt es die Möglichkeit der Einkehr. Was sehr sympathisch ist: Der Besitzer hat einen Wasserhahn so montiert, dass man sich selbst Wasser nachfüllen kann. Dass eine kleine Spendenkiste daneben steht, ist nur recht und billig.

Insgesamt sind von der Hochalm bis zum Stripsenjochhaus noch einmal 200 Höhenmeter zurückzulegen. Auch wenn wir jetzt schön langsam müde werden, sind wir durch die kitschig-schöne Almfläche mit dem Wilden Kaiser im Hintergrund komplett abgelenkt und voller Glückshormone.

Panorama Stripsenjochhaus (Foto: Martin Heppner)
Panorama Stripsenjochhaus (Foto: Martin Heppner)

Beim Stripsenjochhaus kommt man nach 7 bis 8 Stunden an – je nachdem wie viele und wie lange Pausen man einlegt. Bei einer Tagesetappe von Hütte zu Hütte ist das aber recht überschaubar und ohne große Anstrengung möglich.

Im Stripsenjochhaus gibt es einen eigenen „Kiosk“, wo man sich für die Übernachtung anmelden muss. Überhaupt ist hier in der Hütte alles sehr straff organisiert. Die zahlenmäßig höchste Anzahl der Besucher fährt mit dem Auto bis zur östlich der Hütte gelegenen Griesner Alm (im Kaiserbachtal) hinauf und geht dann nur mehr die 500 Höhenmeter bis zum Stripsenjochhaus (1.577 Meter). Bei mir persönlich weckt das eher das Gefühl eines hochgelegenen Hotels als einer Berghütte.

Zum Thema Schutz vor Bettwanzen gibt es im Stripsenjochhaus die Aufforderung, die Hüttenschlafsäcke im Eingangsbereich der Hütte in einer dort aufgestellten Mikrowelle zu erhitzen. Für die persönlichen Sachen gibt es verschließbare Plastikschachteln.

Tag 3

Stripsenkogel

Natürlich kann man den Stripsenkogel auch am zweiten Tag noch schnell gehen, wenn man noch genug Energie hat. Ich schlage aber vor die 20 bis 30 Minuten Aufstieg auf den Stripsenkogel in der Früh ohne Gepäck zu machen: entweder ganz früh, vor dem Frühstück, oder sonst vor dem Abstieg ins Kaisertal.

Aufstieg Stripsenjochkogel (Foto: Martin Heppner)
Aufstieg Stripsenjochkogel (Foto: Martin Heppner)

Der Aufstieg ist felsig, aber unschwierig. Am Stripsenkogel gibt es drei Übungsklettersteige. Oben am Gipfel steht ein kleiner hölzerner Pavillon. Dieser lädt dazu ein, gemütlich sitzen zu bleiben und sich Sonnenaufgang, Sonnenuntergang beziehungsweise zwischendrinnen die Bergkulisse rundherum ausgiebig anzuschauen.

Abstieg durchs Kaisertal

Der Abstieg ins Kaisertal vom Stripsenjoch hinunter ist anfangs steil, flacht dann aber schnell ab. Zuerst gehen wir über Almflächen, dann durch Latschen und schließlich durch Mischwald.

Abstieg ins Kaisertal (Foto: Martin Heppner)
Abstieg ins Kaisertal (Foto: Martin Heppner)
Kaisertal (Foto: Martin Heppner)
Kaisertal (Foto: Martin Heppner)
Abstieg durch einen schönen Blätterwald (Foto: Martin Heppner)
Abstieg durch einen schönen Blätterwald (Foto: Martin Heppner)

Die erste von vielen Hütten am Weg durch das Kaisertal hinaus ist das Hans-Berger Haus. Bis dorthin gehen wir auf einem Wanderweg, ab dann auf einer Schotterstraße weiter.

Kaiserbach (Foto: Martin Heppner)
Kaiserbach (Foto: Martin Heppner)
Zwei Tunnel am Weg nach Kufstein (Foto: Martin Heppner)
Zwei Tunnel am Weg nach Kufstein (Foto: Martin Heppner)
Schotterstraße nach Kufstein (Foto: Martin Heppner)
Schotterstraße nach Kufstein (Foto: Martin Heppner)
Kufstein (Foto: Martin Heppner)
Kufstein (Foto: Martin Heppner)

Die reine Gehzeit vom Stripsenjochhaus bis zur Bushaltestelle „Ebbs Kaisertal“ beträgt 4 Stunden.

Rückfahrt nach Innsbruck

Tourdaten

Fazit

Sehr entspannte drei Wandertage am Zahmen Kaiser mit herrlichem Bergpanorama.

Wer keine drei Tage investieren möchte, geht die Tour in umgekehrter Richtung und übernachtet nur einmal (im Stripsenjochhaus) und lässt eventuell das Petersköpfl und die Naunspitze aus.

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