Sommerlich überm Grünen See

Anreise von Bruck an der Mur

Derzeit ist Bruck an der Mur ausgewählt. Du kannst den Abfahrtsort hier ändern:

Reihensteig

Nördlich des Grünen Sees ist eine beeindruckende Felsmauer zu sehen. Sie gehört zur Pribitz. Auf allen anderen Bergen rund um den Grünen See war ich schon: Am Trenchtling im Süden und auf der Messnerin im Osten.

Die Möglichkeit die Pribitz zu besteigen bietet sich mir, weil es jetzt auch am Wochenende einen Bus gibt, der von Bruck an der Mur bis nach Tragöß Oberort fährt. Dieser Bus fährt laut Sommerfahrplan bis zum Nationalfeiertag am 26. Oktober auch Samstag, Sonntag und Feiertag. Unter der Woche ist der Bus vorher auch schon nach Tragöß gefahren.

Der (östlichen) Reihensteig habe ich in weniger Quellen beschrieben gefunden, als den (westlichen) Stockerwandsteig.

Von der Endstation „Tragöß Oberort“ geht man zuerst die Straße bergauf auf den Gasthof „Zur Post“ zu, um direkt davor nach links abzubiegen. Hier fahren noch relativ viele Autos, weil der Wanderparkplatz weiter vorne liegt. Nach dem Ortsende von Tragöß erreiche ich aber schon recht bald eine kleine Kapelle, an der ich nach rechts auf einen grasigen Feldweg abbiege. Die Klamm ist ab dort bereits angeschrieben.

Fußweg von Tragöß Richtung Grüner See. Foto: Martin Heppner
Fußweg von Tragöß Richtung Grüner See. Foto: Martin Heppner

Auf diesem Feldweg treffe ich einen Jäger und befrage ihn zum Reihensteig. Er erklärt mir, dass ich bis zur Klammhöhe gehen muss. Die erkenne ich leicht, weil sich dort ein Kreuz mit zwei Sitzbänken befindet. Drei sichtbare und markierte Wege kreuzen sich dort. Den vierten, unmarkierten, nur schwach sichtbaren Weg soll ich nehmen. Er würde direkt gegenüber des Kreuzes starten. Es wäre ein schöner, aber unmarkierter Aufstieg, sagt er.

Ich freue mich, weil diese Erklärung gibt mir zusätzliche Sicherheit die Abzweigung finden zu können und setze meinen Weg fort.

Vom hübschen Feldweg biege ich schon bald auf eine Schotterstraße ab, die auch von Autos befahren wird. Am Ende befindet sich ein Wanderparkplatz, ab dem die Sonnschienhütte mit drei Stunden angeschrieben ist.

Zustieg Klamm. Foto: Martin Heppner
Zustieg Klamm. Foto: Martin Heppner

Ab hier ist es sehr schön zu gehen. Hinter und über den Bäumen blitzen immer die Felswände der Messnerin (rechts) und der Pribitz (links) heraus.

Die Klammhöhe ist wie beschrieben mit dem Kreuz und den beiden Sitzbänken leicht erkennbar. Gegenüber vom Kreuz beginnt der Pfad, den ich suche. Wenn man weiß, dass er da ist, sieht man ihn ganz gut.

Ab hier ist es nützlich, wenn man weiß, dass der nächste Zwischenstopp das Wildgatter ist. Dort befindet sich ein Fütterungsplatz – die Jäger fahren also dorthin. Das bedeutet für mich: Ich muss die Forststraße finden. Ich bleibe auf der Höhenlinie und halte mich tendenziell links, wo die gesuchte Forststraße laut Karte ist. Ich erreiche diese und folge ihr bergauf. Alle 20 Meter ist hier ein Schild angebracht, dass es sich hier um ein Wildschutzgebiet handelt. Von wann bis wann das Betreten verboten ist, kann man auf diesen Schildern nicht mehr lesen. Am Wildgatter steht es dann aber ganz deutlich: Im Winter. Erlaubt ist der Zutritt also von Mitte Juni bis Mitte Oktober.

Wildwintergatter Pribitz offen Mitte Juni bis Mitte Oktober. Foto: Martin Heppner
Wildwintergatter Pribitz offen Mitte Juni bis Mitte Oktober. Foto: Martin Heppner

Nach dem Wildgatter liegt sehr viel Laub am Boden. Der Reihensteig ist prinzipiell unmarkiert. Man muss also ein Gefühl für den Wegverlauf haben, um den Weg hier zu erkennen. Wer den Weg hier, nach dem Gatter, nicht erkennt, sollte jetzt möglicherweise darüber nachdenken, umzudrehen. Der Weg ist nämlich in weiterer Folge auch nicht immer ganz klar zu erkennen.

Weg nach dem Wildgatter. Foto: Martin Heppner
Weg nach dem Wildgatter. Foto: Martin Heppner

Ich folge dem Steiglein jedenfalls bergwärts und lasse mich von Wildpfaden, die rechts und links immer wieder abzweigen, nicht irritieren. Im Wesentlichen steige ich an der Flanke stetig auf, bis der Weg in einer Felsenschlucht, direkt im Zick-Zack hinaufführt.

Aufstieg in die Felsenschlucht. Foto: Martin Heppner
Aufstieg in die Felsenschlucht. Foto: Martin Heppner

Ganz oben angekommen, sehe ich wie die letzten Meter über die nackten Felsen zu überwinden sind: Über eine Holzleiter ohne Stufen und eine Brücke.

Verfallene Holzstiege. Foto: Martin Heppner
Verfallene Holzstiege. Foto: Martin Heppner

Links neben der verfallenen Stiege liegt ein Seil, das vertrauenswürdig wirkt – auch noch, als ich es oben kontrolliere. Auch die Brücke scheint in Ordnung zu sein – besonders wohl fühle ich mich darauf aber nicht.

Danach kommt der letzte Anstieg und schließlich die Abzweigung Pribitz Alm oder Pribitz Gipfel. Ich biege nach links, zum Gipfel ab.

Zu meiner Überraschung kommen mir kurz vor dem Gipfel mehrere Personen in zwei unterschiedlichen Gruppen entgegen. Auch am Gipfel selbst, sind deutlich mehr Leute, als ich es vermutet hätte. Leider frage ich keinen davon, welchen Weg sie herauf genommen haben: Ob Stockerwandsteig (meinen Abstieg), oder von der Sonnschienalm. Hätte mich interessiert. Ich vermute Sonnschienalm, weil ich nachher am Stockerwandsteig auch niemanden gesehen habe.

Gipfel Pribitz. Foto: Martin Heppner
Gipfel Pribitz. Foto: Martin Heppner

Kurz vor 10:00 bin ich in Tragöß losgegangen. Jetzt ist es 12:00 Mittag. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich sehr schnell unterwegs war, weil ich immer wieder Fotopausen eingelegt habe.

Man sieht von hier oben sehr schön auf den Grünen See hinunter. Nach meiner Rast werde ich dort vorbei schauen.

Grüner See vom Gipfel der Pribitz. Foto: Martin Heppner
Grüner See vom Gipfel der Pribitz. Foto: Martin Heppner

Stockerwandsteig

Nach einer halben Stunde Jausenpause gehe ich wieder los. Schon nach ein paar Metern gabelt sich der Weg. Von rechts bin ich gekommen, links schaut hübsch aus.

An dieser Stelle muss ich etwas gestehen: Ich bin schlecht ausgerüstet (allein) unterwegs. Ich habe mir den GPX Track zuhause zwar vorbereitet, aber nicht auf die Uhr geladen. Meine Karte, die ich am Handy verwende, zeigt mir diese Weggabelung nicht an und ich habe keine gedruckte Karte mit. Man kann das als unverantwortlich bezeichnen.

Für mich bedeutet das: Entweder gehe ich den Weg zurück, den ich schon kenne, oder ich gehe nach Gefühl. Aus diesem Grund ist „link schaut hübsch aus“ in dieser Situation für mich eine hinreichende Qualifikation des Weges um ihm zu folgen.

Nach 10 Minuten Gehzeit erreiche ich eine weitere Weggabelung, mit einem weiteren Steinhaufen. Diesmal ist der oberste Stein mit einem grünen Punkt angesprayt. Im Nachhinein weiß ich jetzt, dass der Weg nach links der Stockerwandsteig ist und der Weg nach rechts zur Sonnschienalm führt.

Mein Plan war ursprünglich zur Sonnschienalm und durch die Klamm zurück nach Tragöß zu gehen. Jetzt ist es 13:00 und ich hätte genug Zeit dafür, weil mein Bus von Tragöß kurz nach 17:00 abfährt.

Ich entscheide mich jedoch dafür, nach links abzubiegen, weil es dort „ganz hübsch aussieht“.

Abzweigung Stockerwandsteig (links) und Sonnschienalm (rechts). Foto: Martin Heppner
Abzweigung Stockerwandsteig (links) und Sonnschienalm (rechts). Foto: Martin Heppner

Ich werde auch nicht enttäuscht: Der Stockerwandsteig ist sehr hübsch. Im Gegensatz zum Aufstieg ist er markiert – mit den grünen Spraypunkten.

Meistens ist der Weg gut sichtbar, oft ist er durch umgestürzte Bäume verlegt. Manchmal kann man über die Bäume drüber steigen, manchmal unten drunter durch gehen, manchmal muss man einen Umweg machen.

Umgestürzter Baum am Stockerwandsteig. Foto: Martin Heppner
Umgestürzter Baum am Stockerwandsteig. Foto: Martin Heppner

Mehr Zeit als die umgestürzten Bäume kostet mich der Kollege Höllenotter. Er liegt am Weg und bewegt sich nicht. Bewegt sich nicht, obwohl ich näher komme. Ich bin zwar blöd genug um auf eine Wanderung mit unmarkierten Wegen keine adäquate Karte mitzunehmen, aber nicht blöd genug um mich einer Giftschlange zu sehr zu nähern.

Ich nehme also einen sehr langen Ast, fahre damit vorsichtig unter sie hinein, hebe sie hoch und lasse sie in den Waldboden neben dem Weg fallen. Ihr Fauchen sagt mir, dass sie es lieber gesehen hätte, ich hätte mich auf den Waldboden neben dem Weg fallen und sie am Weg liegen lassen. Da wir beide unverletzt auseinander gehen, bin ich mit meiner Lösung weitgehend zufrieden.

Höllenotter. Foto: Martin Heppner
Höllenotter. Foto: Martin Heppner

Schließlich komme ich zu einer Stelle an der ich abbiegen hätte müssen. Wahrscheinlich nach rechts. Da ich es nicht bemerke, weiß ich es nicht sicher. Ich gehe jedenfalls weiter und rede mir ein, dass ich den Weg in diversen Wildspuren erkenne.

Ich erkenne aber gar nichts. Es ist steil, der Boden ein Nadelboden. Ich steige in den Taleinschnitt hinunter, weil ich vermute, dass der Weg am Talgrund verläuft. Tut er aber nicht. Ich gehe trotzdem bis nach vor und stehe an einer eher unguten Abbruchkante.

Wo ist der Weg?

Ich schaue mir die Topologie der Umgebung auf meiner Karte an und formuliere eine neue Hypothese, wo der Weg verlaufen könnte: Weiter oben, nach Südosten. Nachdem ich mich hinaufgekämpft habe weiß ich: Tut er nicht.

Schließlich mache ich das, was ich schon viel früher tun hätte sollen: Ich gehe soweit zurück, bis ich den Weg und/oder eine Markierung wieder sehe: Der Weg verläuft um den Taleinschnitt herum und führt auf der anderen Seite direkt nach Norden. Dieses „Abenteuer“ kostet mich Zeit und Nerven.

Kurz danach kommen die steilen Teile des Stockerwandsteigs. Drei Passagen sind seilversichert, eine Passage ist schottrig, rutschig und ausgesetzt ohne Seil. Diese Stellen sind im Aufstieg sicher einfacher zu gehen, als im Abstieg. Trotzdem glaube ich, dass dieser Steig auch mit Kindern gut machbar ist, weil die Schwierigkeit und Gefährlichkeit überschaubar ist.

Durchstieg der Steilwand am Stockerwandsteig. Foto: Martin Heppner
Durchstieg der Steilwand am Stockerwandsteig. Foto: Martin Heppner

Am Ende der versicherten Stellen, geht man nur mehr wenige Minuten bis zur Pfarreralm. Man kommt direkt beim WC heraus.

Pfarreralm. Foto: Martin Heppner
Pfarreralm. Foto: Martin Heppner

Vom Gipfel der Pribitz bis zur Pfarreralm war ich ziemlich genau zwei Stunden unterwegs. Verirren inklusive.

Ab jetzt führt mich der Weg fast durchgehend auf der auch von Autos befahrenen Schotterstraße entlang. Nicht alle Autofahrer fahren so langsam, dass ich nicht eingestaubt werde. Schade.

Am Grünen See stärke ich mich im dortigen Gasthaus. Kann ich leider nicht empfehlen. Ich habe das Gefühl, dass sie sich nicht bemühen (müssen), weil sie eh genug Gäste haben. Da ich diesen Eiundruck beim ersten Besuch auch schon hatte, werde ich dort kein drittes Mal mehr einkehren.

Grüner See und Pribitz. Foto: Martin Heppner
Grüner See und Pribitz. Foto: Martin Heppner

Vom Grünen See bis zur Haltestelle in Tragöß gehe ich etwa eine halbe Stunde. Ich bin schon kurz vor 17:00 dort. Das ist aber gar nicht unangenehm, weil ich dadurch keinen Stress habe und auf der Bank neben dem Wartehäuschen im Freien noch etwas abkühlen kann.

Auch der Bus kommt etwas früher und lässt uns trotzdem schon einsteigen. Alles sehr entspannt. Gefällt mir.

Wäre ich mit dem früheren Bus gefahren, wäre ich in Bruck an der Mur noch zur Murinsel spaziert und im Phans Essen gegangen. Dafür ist es heute aber schon zu spät und ich steige daher direkt am Bahnhof aus.

Tourdaten

Die Route in Zahlen: Gehzeit 6h  900HM  900HM  14km  GPX Track

Heimreise nach Bruck an der Mur


Diese Tour kann mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Bruck an der Mur, Graz, Leoben, Mürzzuschlag, Wien und Wiener Neustadt erreicht werden.