Durchgehend unter 2.000 Meter, aber oho: anspruchsvolle Kraxelei und Plateau-Freuden am Hochschwab
Der Feistringstein zählt beileibe nicht zu den hohen Gipfeln am Hochschwab – mit seinen 1.836 Metern wird der Große Feistringstein von Vielen überragt. Vom Seebergsattel aus gesehen (etwas abgeschwächt auch von Seewiesen) ist er jedoch eine recht markante Erscheinung und seine Überschreitung ist eine feine alpine Unternehmung, die am ganzen Schwåbenmassiv wohl ihresgleichen sucht. Noch dazu gibt es nicht nur den Großen, sondern auch den Kleinen Feistringstein, die auf dieser Tour beide überschritten werden.
| Aber Obacht: Mit Kletterstellen bis UIAA II und Klettersteigpassagen bis C (auch im Abstieg!) sollte diese Tour nicht unterschätzt werden und ist den alpin Versierten vorbehalten! |
Von der Martina gibt es übrigens schon einen Tourenbericht vom Großen Feistringstein. Sie ist fleißigerweise von Kapfenberg auf die Aflenzer Bürgeralm mit dem Radl gefahren.
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Anreise und Start in Seewiesen
Die Buslinie 170 des steirischen Verkehrsverbundes zwischen Kapfenberg und Mariazell fährt nach Seewiesen, Haltestelle Dullwitz.
Von Mariazell aus ist der erste Bus an Wochenenden und Feiertagen um 7:16 dort, von Kapfenberg ist man frühestens um 7:42 in Seewiesen (Fahrplanstand Sommer 2026). Unter der Woche gibt es jeweils noch frühere Busse.


Gut 50 Meter von der Bushaltestelle beginnt der Wanderweg, es geht das erste Stück die Wiese hinunter, über den Seebach und dann ansteigend durch den Wald. Hier bin ich auf den Spuren einer offenbar legendären BzB-Mitgliederwanderung (ich hab leider nicht dabei sein können).
Hinauf zu den Feistringsteinen – mit Regen
Gleich nach dem Kontakt mit einer Forststraße auf knapp 1.070 Metern – noch vor der Hackenalm – zweigt rechts ein Wegerl in den Wald ab (in der Open Street Map verzeichnet). An einer Wildfütterung vorbei gelangt man wieder zu einer Forststraße. Dieser ist bis zu einer „Vierer-Kreuzung“ zu folgen (1.200 Meter), dann halbrechts ansteigend, bis zu einem mit „Zeller Steig“-Taferl gekennzeichneten Abzweig. Dann ist nach nicht einmal 100 Metern rechtzeitig dieser Steig nach rechts hinauf zu verlassen, um über den bewaldeten Rücken Richtung Feistringstein-Fuß zu gelangen. Auf Alpenverein aktiv gibt es eine hervorragende detailliertere Tourenbeschreibung dazu.
Meine Vorfreude auf den spannenden Tourenteil wird jedoch im doppelten Sinn eingetrübt – es hat zu nieseln begonnen. So ist das halt mit einer 15%igen Regenwahrscheinlichkeit (mit mittlerer Prognosegüte) – man muss nur oft genug gehen, irgendwann regnet‘s doch…
In der Hoffnung, dass der Regen nur kurz währt und der Kalkfels schnell wieder trocknet, gehe ich einmal ganz langsam weiter. Weiter oben am Rücken werden die Wegspuren deutlicher (in der Open Street Map verzeichnet), auch ein paar Steinmandln sind vorhanden.

Es hört auf zu nieseln – aber kurze Zeit später geht es von neuem los. Na super… Ich harre unter einer großen Buche aus, nach etwa 10 Minuten hört es erneut auf und ich gehe mit einem großen Fragezeichen im Kopf langsam weiter.
Als ich zum Beginn des Ostgrats gelange, kommt jedoch die freudige Überraschung in Form von trockenem Kalkfels – kaum zu glauben, aber wunderbar! Somit geht es hinauf, zunächst noch eher neben dem eigentlichen Felsgrat, dann zunehmend mit Kalk in den Händen. Eine Freude, hier raufzukraxeln – noch dazu nach dem feuchten Präludium und mit den immer eindrücklicher werdenden Blicken zurück nach Seewiesen, hinüber zu den Aflenzer Staritzen und hinunter ins Seetal und in die Dullwitz.


Am Aufschwung zum Kleinen Feistringstein sind dann orange Punkte am Fels. Es wird anspruchsvoller, ein dünnes Stahlseil kommt hinzu und die Schlüsselstelle im Aufsteig ist dann eine Art ausgesetzte Platte auf der rechten Seite (mit Trittstiften).


Auf 1.710 Metern ist der Kleinen Feistringstein erreicht – dieser hat statt einem Gipfelkreuz originellerweise einen riesigen Mauerhaken samt Karabiner.


Hier lässt es sich schon wunderbar sinnieren und schauen – aber es lockt auch noch der große Bruder. Es geht einen Kamin hinab und auf der rechten Seite noch weiter runter, ehe wieder die Höhenmeter ansteigen. Wiederum sehr anregende, leichte Kraxelei und nach etwa einer halben Stunde steh ich am Großen Feistringstein. Die Aussicht hat noch einmal zugelegt – nicht zuletzt, weil es langsam aufreißt. So eine Freude!



Vom Gipfel geht es dann plateaumäßig Richtung Feistringturm hinüber. Hier gibt es interessanterweise unzählige Eisenhut-Exemplare.


Der Klettersteig führt aber nicht direkt zum Feistringturm, sondern es geht hinab, und zwar zünftig mit einem Kamin am Ende (Schlüsselstelle im Abstieg). Dann geht es wieder hinauf aufs Plateau und man könnte jetzt auf dem Normalweg den Abstieg antreten.
Abstieg? Nein, zuvor noch zum Kampl!
Aber mich lockt an diesem immer sonniger werdenden Tag noch der Kampl, der vom Feistringstein schon prächtig und sanft herübergelacht hat. Sodann zweige ich rechts ab und gehe im Auf und Ab entlang den grünen Matten (in der OSM teilweise verzeichnet). Die herzigste Überraschung des Tages kommt dann: acht junge Steinböcke stehen vor mir und andächtig mustern wir uns gegenseitig. Von „Aufsicht“ keine Spur. Ich gehe mit Abstand vorsichtig an ihnen vorbei und sie machen keine großen Anstalten. Großes Schauspiel!


Am sanften, grasigen Kampl ist mit 1.990 Metern der höchste Punkt der heutigen Tour, auch eine lustige Begebenheit. Die Rundumsicht ist wiederum großartig und die Hochschwab-Südwand ist noch näher gerückt. Ein Genuss!
Der kürzeste Weg zur nächsten Bushaltestelle wäre nun über die Voisthalerhütte nach Seewiesen. Mein Vater weilt an diesem Tag aber auf der Bürgeralm, daher geht für mich der Weiterweg klarerweise in die andere Richtung.
Zur Bürgeralm und hinunter nach Aflenz
Es geht über die schöne Mitteralm und den Zlackensattel weiter (ab hier bin ich wieder auf den Spuren der legendären Mitgliederwanderung).
Es ist ein gemütlicher, aussichtsreicher Spaziergang über den „Panoramasteig“ zur Aflenzer Bürgeralm, beim Schönleitenhaus treffen wir uns und kehren ausgiebig ein.
Dann geht es hinunter ins Tal, die Wege sind recht anregend und gut zu gehen und nur jeweils kurz auf der (Forst)Straße oder auf der Radstrecke, weit überwiegend angenehme Steigerl.
Während es oben am Schwåb’n wohltemperiert und mit einer Brise richtig angenehm war, merke ich beim Hinuntergehen immer mehr, dass sich das ganze Land ja aktuell im Griff einer gewaltigen Hitzewelle befindet…


Nach insgesamt knapp 10 Stunden an diesem Tourentag ist Aflenz erreicht. Vorbei am Freibad und durch den Kurpark (mit interessanter, duftender „Gradieranlage“, bei der Salzwasser über Latschengebüsch geträufelt wird) geht es zur Kirche. Mit dem Mariazeller Bus geht es dann wieder zurück.
Fazit
Eine spannende, vielseitige, anspruchsvolle und sehr eindrucksreiche Schwåb‘n-Tour! Für alpin Erfahrene bietet diese Überschreitung wirklich ein tolles Erlebnis – nicht zuletzt in Verbindung mit einem ausgedehnten Plateauspaziergang danach. Sicheres Klettern im IIer-Gelände und solides Abklettern am C-Klettersteig sind hier allerdings obligat.




Top-Bericht 🙌!