Das Böseck ist ein markanter Gipfel im Panorama des Mallnitzer Tauerntals. Wer die ausgetretenen Wege in der öffentlich nun im Stundentakt (fast rund um die Uhr!)) erreichbaren Bergregion schon kennt, mag sich vielleicht an Neues wagen. Die hier vorgestellte Unternehmung möchte die eine oder andere Anregung bieten.
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Nicht um 5 Uhr, sondern erst um 6 Uhr steigen wir, mein Buder und ich, am Salzburger HBF in den Zug. Es ist Mitte August 2026.
In Mallnitz ist es im Schatten sogar noch recht kühl. Wir gehen an der Bäckerei vorbei, fallen hinein und „versüßen“ uns den Weiterweg mit einem Salzstangerl. Zwischen Häusern hindurch wechseln wir über eine große Wiese auf den Weg ins Tauerntal.

Die Holzbringung, die Aufarbeitung der Käferschäden, ist zu dieser Morgenstunde bereits in vollem Gange.
Von früheren Unternehmungen habe ich einen guten Weg in Erinnerung, der durch die steile Flanke hinauf in die Mauternitzgrube führt. Schnell ist der Einstieg gefunden. Auch heuer ist der Steig ausgemäht und schön zu gehen.

An einer Quelle – wir füllen die Wasserflaschen voll – und einer Ein-Raum-Jagdhütte vorbei gelangt man zu einem Ansitz an der Geländekante zu einem Tobels.
Hier hat der Jäger sein Ziel erreicht, während wir nahe dieser Kante im lichten Lächenwald in die Zwergsträucher und ins Gras unsere nun weglosen Schritte setzen.

Hat man das freie Gelände erreicht wendet man sich auf Steigspuren (tierischen oder menschlichen Ursprungs) nach links (Osten) und erreicht leicht ansteigend die weite, bergende Mauternitzgrube.

Über die kräftige Wiese, die bereits von Lärchen besiedelt wird, geht es immer steiler bergan und in den letzten etwa 100 Höhenmeter finden sich gut ausgetretene Steigspuren, die in die Scharte leiten. Nun haben wir den markierten, allerdings kaum ausgetretenen Weg erreicht. Wir folgen diesem Steig bis zur Böseckhütte (4 ½ Stunden vom Bahnhof). Dort tummelt sich eine Gruppe junger AlpinistInnen: der Boden ist herausgerissen, wird renoviert; das Schild wird aufgefrischt… Eine Übernachtung – wir hatten diese in unseren Planungen angedacht – ist also nicht möglich; wohl aber ein Stärkung.

Dann geht es am Westerfrölkeweg auf der Nordseite um die Straköpfe herum und, den logischen und mit roten Punkten angezeigten Möglichkeiten folgend, auf den Gipfel des Bösecks (gut eine Stunde von der Hütte).

Der Großglockner schickt einen Gruß herüber.


Wir lassen uns in den Nachmittag treiben: über den NW-Grat (immer wieder anregende, durchaus ausgesetzte Block-Kraxelei)

geht es in die Oschenikscharte und am Westerfrölkeweg und zuletzt der Nase nach zum Bösecksee. Auf 2.500 Metern Höhe: 2x Schwimmen ohne Badehose und auf warmen Felsen trocknen lassen – dem Paradies nahe.

Nach dieser kühlen Stärkung machen wir uns auf – nicht zur Hagener Hütte, sondern zurück zur Böseckhütte. Die Arbeiten waren schon teilweise erfolgreich und sind weiter in vollem Gange.

Davon, wie lange der Abstieg sein wird, haben wir noch keine konkrete Vorstellung.

Über einen und noch einen Gipfel geht es im Auf und Ab bis zum schönen Gipfelkreuz auf der Lonza.

Die Berge zeigen sich von einer so wilden Seite, dass wir uns kaum vorstellen konnten, hier halbwegs bequem auf markiertem Weg wandern zu können. Seilversicherungen an besonders exponierten Stellen sorgten für Entspannung.
Die tüchtigen Burschen der Sektion kommen uns mit Benzinkanister und Motorsense auf den Schultern entgegen: Alle Achtung!
Flott geht es, die sehr steile Gipfelwiese querend, Richtung Häusleralm, die noch in der späten Sonne liegt.

Der weitere Abstieg kann nicht als schön gelten; er ist eher „informativ“ und führt uns durch verwüsteten Bergwald… Es bedarf einer Suchbewegung, um den Einstieg des Wanderweges zu finden, da wir die alte Skiabfahrt meiden wollen.

Wir machen uns schlau, welche Abfahrtszeit wir anpeilen können und wählen für unsere letzte Rast den Margaretenpavillion mit herrlichem Tal- und Ankogelblick.

Von hier sollte es sich in einer guten ¾ Stunde bis zum Bahnhof ausgehen. Diesmal gehen wir nicht durch den Ort, sondern durch den Campingplatz. Es geht sich noch aus, in der Bahnhofstoilette die Wasserflasche zu füllen, da der Zug um 20:15 zehn Minuten Verspätung hat.
Für das Böseck nur einen Tag zu veranschlagen, ergibt (auch ohne Badehose) eine richtig ausgiebige Bergtour. Eine Übernachtung auf der (quellenlosen) Böseckhütte ist auch nicht jedermanns Sache. Daher hat es dieser mächtige Berg nicht einmal zu einem Gipfelkreuz gebracht. Allerdings: Die Hütte hat eine herrliche Lage und es ist keine „Schande“, sie als eigenständiges Ziel zu werten und zu besuchen (Titelfoto). Die von uns besuchten Abschnitte des Westerfrölkewegs werden von der Sektion offenbar immer wieder gut nachmarkiert, sind aber nicht ausgetreten und wäre ohne die „färbigen Steine“ (Nebel, Schnee) kaum zu finden.

Der Auf- oder Abstieg über die Mauternitzscharte (hier wäre auch an die Haltestelle „Gutenbrunn“ zu denken) erscheint uns als durchaus lohnende Variante, die sich in die Anforderungen der markierten Wege problemlos einpassen lässt. Übrigens: Wer noch kein Edelweiß in „freier Wildbahn“ angetroffen hat, wird dieses Leerstelle seiner alpinen Freuden auf den markierten Graten mehrmals füllen können!



