Zwei Tage im östlichen Dachstein: Karst, Bergseen und Weitblicke

Karstlandschaft im Abendlicht. Foto: Birgit Reiter

Ich bin im Salzkammergut aufgewachsen und war schon als Kind im Dachsteingebiet unterwegs. Den östlichen Teil vom Ennstal aus kenne ich allerdings noch gar nicht – der steht schon lange auf meiner Bucket List.

Zwei Wochen vor dem geplanten Wochenende ergattere ich tatsächlich noch zwei Plätze auf dem Guttenberghaus. Auf beliebten Hütten ist das mittlerweile in den Sommermonaten kurzfristig nicht mehr so einfach..

Da der Aufstieg gemütlich am Nachmittag zu bewältigen ist, muss man nicht allzu früh aus den Federn.

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Tag 1

Etappe Kulm – Guttenberghaus: 7,3 km, Aufstieg 1190 Höhenmeter, Abstieg 50 Höhenmeter, ca. 4 Stunden

Wir fahren um 8 Uhr in Wien los, steigen in Leoben in den Transalpin und kommen aufgrund einer Schrankenstörung zu spät in Schladming an, um den geplanten Bus 960 nach Kulm zu erreichen. Dafür geht sich ein schneller Kaffee im Schladminger Ortszentrum beim Steffl-Bäck aus. Eine Stunde später fährt der nächste Bus Richtung Kulm, den wir bei der Haltestelle Almfrieden verlassen, es ist mittlerweile 14 Uhr.

In der Mulde ist unser Ziel zu erkennen – schaut gar nicht so weit aus! Foto: Birgit Reiter
In der Mulde ist unser Ziel zu erkennen – schaut gar nicht so weit aus! Foto: Birgit Reiter

Auf Neben- und Forststrassen, vorbei an Ferienhäusern und Bauernhöfen, erreichen wir nach einem Waldabschnitt die wunderschön gelegene Lärchbodenalm.

Auch mit Kindern ein lohnendes Ziel – die Lärchbodenalm. Foto: Birgit Reiter
Auch mit Kindern ein lohnendes Ziel – die Lärchbodenalm. Foto: Birgit Reiter

Bis zur Talstation der Materialseilbahn ist der Weg noch recht breit, dann wird es endlich etwas alpiner.

Versicherung bei der Fischermauer. Foto: Birgit Reiter
Versicherung bei der Fischermauer. Foto: Birgit Reiter

Ausgesetzt ist der Weg allerdings nirgends. In Serpentinen nähern wir uns der Hütte.

Der Aufstieg über die Sunseitn hat es an diesem warmen Tag in sich – zumindest, wenn man hitzeempfindlich ist. Also: eincremen, ausreichend Wasser mitnehmen und Kopfbedeckung nicht vergessen! Die Lage des Guttenberghauses vor Eselstein und Sinabell, zu denen beliebte Klettersteige führen, ist traumhaft.

Guttenberghaus vor Eselstein. Foto: Birgit Reiter
Guttenberghaus vor Eselstein. Foto: Birgit Reiter

Nach dem Abendessen geh‘ ich noch bis zur Feisterscharte, um den Blick auf das Dachsteinkarstplateau im Abendlicht zu genießen.

Karstlandschaft im Abendlicht. Foto: Birgit Reiter
Karstlandschaft im Abendlicht. Foto: Birgit Reiter

Übernachtung Guttenberghaus

Tag 2

Etappe Guttenberghaus – Aich: 19,6 km, Aufstieg 390 Höhenmeter, Abstieg 1850 Höhenmeter, ca. 8 Stunden

Das Frühstück wird ab 6:30 serviert, sehr gut, denn wir wollen früh starten. Zunächst geht es Richtung Feisterscharte, dann durch das Seetal zum wunderschön gelegenen Silberkarsee. Im Gegensatz zum Vortag wird es gleich nach der Hütte recht einsam.

Durch das Seetal zum Silberkarsee. Foto: Birgit Reiter
Durch das Seetal zum Silberkarsee. Foto: Birgit Reiter

Der Abstecher zum Silberkarsee ist zwar auf dem Weg von der heutigen Etappe zur Grafenbergalm ein Umweg, aber sowas von lohnenswert!

Nach dem Silberkarsee geht’s wieder 100 Höhenmeter bergauf. Foto: Birgit Reiter
Nach dem Silberkarsee geht’s wieder 100 Höhenmeter bergauf. Foto: Birgit Reiter

Es folgt ein Abschnitt, der durch eine bizarre Hügellandschaft führt.

Mein Wanderstatist vor bizarren Kuppeln. Foto: Birgit Reiter
Mein Wanderstatist vor bizarren Kuppeln. Foto: Birgit Reiter

Anschließend queren wir eine etwas schottrige Passage und gehen dann nordwärts an der Luserpfanne vorbei.

Blick zurück auf den Rücken des Luserriedels und die Schladminger Tauernkette. Foto: Birgit Reiter
Blick zurück auf den Rücken des Luserriedels und die Schladminger Tauernkette. Foto: Birgit Reiter

Nun folgt jener Teil, bei dem der Blick auf das unendliche Plateau des östlichen Dachsteinmassivs unser ständiger Begleiter ist: eine Karstlandschaft, durchsetzt mit Lärchen, Zirben und Latschen. Almrausch säumt die Wege.

Unendliche, einsame Weite des östlichen Dachsteinplateaus. Foto: Birgit Reiter
Unendliche, einsame Weite des östlichen Dachsteinplateaus. Foto: Birgit Reiter

Schließlich erreichen wir die Grafenbergalm, auf der der Schriftsteller Bodo Hell seit 1979 als Senner tätig war. Vor zwei Jahren verschwand er plötzlich; zahlreiche Suchaktionen blieben jedoch erfolglos. Seit dem 11. August 2024 gilt er als verschollen.

Die Almhütte wurde in den letzten Jahren renoviert, uriger ist der hintere Stadel. Einkehren kann man dort nicht, zumindest als wir vorgekommen sind, war niemand da.

Nach einer guten Viertelstunde erreichen wir den etwas tiefer liegenden Grafenbergsee, an dem wir eine Rast einlegen.

Grafenbergsee. Foto: Birgit Reiter
Grafenbergsee. Foto: Birgit Reiter

Nach einer weiteren halben Stunde erwartet uns der nächste See, der Ahornsee. Er ist der wärmste der Seen, und wir genehmigen uns einen Schwumm. Bis hierher sind wir nur vier Personen begegnet. Am Ahornsee ist dann doch etwas mehr los, da viele Wanderer aus dem Ennstal heraufkommen.

Ahornsee. Foto: Birgit Reiter
Ahornsee. Foto: Birgit Reiter

Bis zum Gnadenbachfall erwarten uns 600 Höhenmeter Abstieg. Der Weg ist gut zu gehen und nur auf kurzen Abschnitten steil.

Beschatteter Weg. Foto: Birgit Reiter
Beschatteter Weg. Foto: Birgit Reiter

Nach der Steilstufe erreichen wir das Jagdhaus Gnadenbach. Dort kann man sich gegen eine Spende mit Getränken aus dem Brunnen bedienen. Wenige Minuten entfernt bietet der Gnadenbachfall an heißen Tagen die Möglichkeit für eine erfrischende Dusche.

Etwa zwei Kilometer legen wir noch auf der Forststraße talauswärts zurück. Hier kann man sich für den etwas näher gelegenen Bahnhof Haus entscheiden. Wir gehen jedoch weiter nach Aich und peilen den Badesee mit Seestüberl an, um uns vor der Heimreise zu stärken. Der Weg dorthin führt leider noch über drei Kilometer Asphalt auf einer wenig befahrenen Straße. Nach der langen Tour sind wir sehr hungrig. Außerdem ist der Bahnhof Aich vom Lokal nur fünf Minuten entfernt.

Von hier fährt die S-Bahn im Zweistundentakt Richtung Bruck an der Mur oder Bischofshofen, jeweils mit weiteren Anschlussmöglichkeiten.

Fazit

Eine traumhafte, sehr abwechslungsreiche und technisch unschwierige Bergtour, die allerdings eine gute Kondition erfordert. Beim Aufstieg sollte man die sonnige und exponierte Südseite berücksichtigen. Ausreichend Wasser, eine Kopfbedeckung und Sonnenschutz gehören unbedingt ins Gepäck.

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   2 Tage Wandern   1.400 HM   1.800 HM   26 km   GPX Track

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