Ich bin im Salzkammergut aufgewachsen und war schon als Kind im Dachsteingebiet unterwegs. Den östlichen Teil vom Ennstal aus kenne ich allerdings noch gar nicht – der steht schon lange auf meiner Bucket List.
Zwei Wochen vor dem geplanten Wochenende ergattere ich tatsächlich noch zwei Plätze auf dem Guttenberghaus. Auf beliebten Hütten ist das mittlerweile in den Sommermonaten kurzfristig nicht mehr so einfach..
Da der Aufstieg gemütlich am Nachmittag zu bewältigen ist, muss man nicht allzu früh aus den Federn.
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Tag 1
Etappe Kulm – Guttenberghaus: 7,3 km, Aufstieg 1190 Höhenmeter, Abstieg 50 Höhenmeter, ca. 4 Stunden
Wir fahren um 8 Uhr in Wien los, steigen in Leoben in den Transalpin und kommen aufgrund einer Schrankenstörung zu spät in Schladming an, um den geplanten Bus 960 nach Kulm zu erreichen. Dafür geht sich ein schneller Kaffee im Schladminger Ortszentrum beim Steffl-Bäck aus. Eine Stunde später fährt der nächste Bus Richtung Kulm, den wir bei der Haltestelle Almfrieden verlassen, es ist mittlerweile 14 Uhr.

Auf Neben- und Forststrassen, vorbei an Ferienhäusern und Bauernhöfen, erreichen wir nach einem Waldabschnitt die wunderschön gelegene Lärchbodenalm.

Bis zur Talstation der Materialseilbahn ist der Weg noch recht breit, dann wird es endlich etwas alpiner.

Ausgesetzt ist der Weg allerdings nirgends. In Serpentinen nähern wir uns der Hütte.


Der Aufstieg über die Sunseitn hat es an diesem warmen Tag in sich – zumindest, wenn man hitzeempfindlich ist. Also: eincremen, ausreichend Wasser mitnehmen und Kopfbedeckung nicht vergessen! Die Lage des Guttenberghauses vor Eselstein und Sinabell, zu denen beliebte Klettersteige führen, ist traumhaft.

Nach dem Abendessen geh‘ ich noch bis zur Feisterscharte, um den Blick auf das Dachsteinkarstplateau im Abendlicht zu genießen.

Tag 2
Etappe Guttenberghaus – Aich: 19,6 km, Aufstieg 390 Höhenmeter, Abstieg 1850 Höhenmeter, ca. 8 Stunden
Das Frühstück wird ab 6:30 serviert, sehr gut, denn wir wollen früh starten. Zunächst geht es Richtung Feisterscharte, dann durch das Seetal zum wunderschön gelegenen Silberkarsee. Im Gegensatz zum Vortag wird es gleich nach der Hütte recht einsam.

Der Abstecher zum Silberkarsee ist zwar auf dem Weg von der heutigen Etappe zur Grafenbergalm ein Umweg, aber sowas von lohnenswert!

Es folgt ein Abschnitt, der durch eine bizarre Hügellandschaft führt.

Anschließend queren wir eine etwas schottrige Passage und gehen dann nordwärts an der Luserpfanne vorbei.

Nun folgt jener Teil, bei dem der Blick auf das unendliche Plateau des östlichen Dachsteinmassivs unser ständiger Begleiter ist: eine Karstlandschaft, durchsetzt mit Lärchen, Zirben und Latschen. Almrausch säumt die Wege.

Schließlich erreichen wir die Grafenbergalm, auf der der Schriftsteller Bodo Hell seit 1979 als Senner tätig war. Vor zwei Jahren verschwand er plötzlich; zahlreiche Suchaktionen blieben jedoch erfolglos. Seit dem 11. August 2024 gilt er als verschollen.


Die Almhütte wurde in den letzten Jahren renoviert, uriger ist der hintere Stadel. Einkehren kann man dort nicht, zumindest als wir vorgekommen sind, war niemand da.
Nach einer guten Viertelstunde erreichen wir den etwas tiefer liegenden Grafenbergsee, an dem wir eine Rast einlegen.

Nach einer weiteren halben Stunde erwartet uns der nächste See, der Ahornsee. Er ist der wärmste der Seen, und wir genehmigen uns einen Schwumm. Bis hierher sind wir nur vier Personen begegnet. Am Ahornsee ist dann doch etwas mehr los, da viele Wanderer aus dem Ennstal heraufkommen.

Bis zum Gnadenbachfall erwarten uns 600 Höhenmeter Abstieg. Der Weg ist gut zu gehen und nur auf kurzen Abschnitten steil.

Nach der Steilstufe erreichen wir das Jagdhaus Gnadenbach. Dort kann man sich gegen eine Spende mit Getränken aus dem Brunnen bedienen. Wenige Minuten entfernt bietet der Gnadenbachfall an heißen Tagen die Möglichkeit für eine erfrischende Dusche.
Etwa zwei Kilometer legen wir noch auf der Forststraße talauswärts zurück. Hier kann man sich für den etwas näher gelegenen Bahnhof Haus entscheiden. Wir gehen jedoch weiter nach Aich und peilen den Badesee mit Seestüberl an, um uns vor der Heimreise zu stärken. Der Weg dorthin führt leider noch über drei Kilometer Asphalt auf einer wenig befahrenen Straße. Nach der langen Tour sind wir sehr hungrig. Außerdem ist der Bahnhof Aich vom Lokal nur fünf Minuten entfernt.
Von hier fährt die S-Bahn im Zweistundentakt Richtung Bruck an der Mur oder Bischofshofen, jeweils mit weiteren Anschlussmöglichkeiten.
Fazit
Eine traumhafte, sehr abwechslungsreiche und technisch unschwierige Bergtour, die allerdings eine gute Kondition erfordert. Beim Aufstieg sollte man die sonnige und exponierte Südseite berücksichtigen. Ausreichend Wasser, eine Kopfbedeckung und Sonnenschutz gehören unbedingt ins Gepäck.



