… ein herrlicher Aussichtsgipfel mit zwei Abstiegsvarianten
Manche Bergwanderungen beginnen und enden tatsächlich direkt an einem Bahnhof – der Zinken bei Bad Aussee ist so ein Berg, und was für einer! Direkt südlich des Bahnhofs Bad Aussee ragt er steil, aber trotzdem irgendwie bewaldet-unscheinbar, in die Höhe. Er lädt richtig dazu ein, vom Bahnhof aus eine Rundtour zu machen. Wir haben noch etwas modifiziert und verlängert, um die Tour beim Bahnhof Kainisch abzuschließen.
Planung und Anreise
Angesetzt war die Tour auf den Zinken als herbstliche BzB-Mitgliedswanderung. So richtig aufmerksam und gustrig geworden bin ich auf ihn durch das feine Dachstein-Wanderbuch von Hannes Hoffert-Hösl. Darin preist er den Zinken als „voll von Ausblicken und landschaftlichen Reizen“ und meint: „Viel unscheinbarer kann ein Gipfel fast nicht sein – viel großartiger allerdings auch nicht.“. Und er schlägt den Abstieg zum Ödensee vor. Alsdann – das ist doch aufgelegt für eine gemeinsame Wanderung! Die Wetterprognose ließ Nebel im Tal, aber zumindest etwas Sonne weiter oben am Berg erwarten.
Veronika und ich reisen mit der Salzkammergutbahn an, mit dem REX kommen wir von Attnang-Puchheim. Je tiefer wir jedoch in das innere Salzkammergut kommen, desto dichter scheinen sich Wolken und Nebel auszubreiten. Hmm, ob das was wird mit der Sonne und dem versprochenen Panorama?
Start am Bahnhof Bad Aussee
Wir kommen pünktlich um Viertel nach Zehn am Bahnhof Bad Aussee an, der Zinken scheint kräftig verhüllt zu sein. Die Anderen unserer Gruppe sind leider von einer empfindlichen Abgangsverspätung aus Graz betroffen. Nach kurzem Beratschlagen haben wir aus einer BzB-Wanderung dann einfach drei unterschiedliche Wanderungen gemacht – von jener über die Wörschachklamm kann man hier im Bericht von Martin nachlesen.


Wir gehen auf den Bahnhofsvorplatz, nach links und zunächst ein paar Minuten neben der Straße gemütlich los. Dann zweigen wir nach links ab, und es geht eine Forststraße entlang. Angeschrieben ist der Zinken „über Planer“ mit 4 Stunden Gehzeit. Wie auch auf der Karte gut ersichtlich, ist der Weg durch den Wald hinauf recht direkt angelegt – wir machen recht flott recht viele Höhenmeter. Es ist ein passabler Waldweg, die durch den Nebel vermittelte Stimmung ist mystisch-anregend und wir bleiben auch kurz einmal stehen, um einen klopfenden Specht zu beobachten.
Rasch gewinnen wir an Höhe, aber mit dem erwarteten Auflockern des Nebels – das wird irgendwie nichts. Als sich der Wald langsam lichtet, kommt uns ein Wanderer entgegen, der meint, er sei wegen der Wegbeschaffenheit und mangels Sonne umgedreht. Nicht gerade aufbauend… Aber wir gehen natürlich weiter. Und es ist nicht so, dass es keine Freude ist, hier unterwegs zu sein. Auch Nebelstimmung kann sehr schön sein.


Am Zinken-Plateau
Wir erreichen allmählich das Zinkenplateau, und in dramaturgisch kaum zu überbietender Perfektion reißt jetzt auch der Himmel auf. Sonnenstrahlen erreichen unsere Gesichter, erste Blicke zum Dachstein lassen auch uns strahlen!


Es tut so gut, jetzt gemütlich am Plateau dahinzuwandern und dem Gipfel näher zu kommen, während sich immer mehr Blicke auf die umgebende Bergwelt öffnen! Ich denke, es ist doch auch genau diese Unverfügbarkeit, die Naturerlebnisse zu etwas Besonderem machen. Man kann mit einem Wisch am Smartphone alles Mögliche reservieren, bestellen, buchen, in Erfahrung bringen, die Tourenplanung danach ausrichten – aber diese unverhoffte Erfahrung am Ausseer Zinken, die kann uns kein technisches Gerät dieser Welt bringen. Gerade weil sie unverhofft und nicht auf Abruf bestellbar ist (und natürlich beileibe nicht immer aufgeht – wer öfter in den Bergen unterwegs ist, kann wohl ein Lied davon singen).
Nach rund 3 ¼ Stunden erreichen wir den Gipfel des Zinken auf 1.854 Metern. Wir werden mit einem fantastischen Rundblick beschenkt – die Wolken und der Nebel unter uns schränken zwar das volle Panorama ein, aber der rasche Wechsel der Formationen und das tendenziell zunehmende Aufreißen verleihen den Eindrücken auch etwas Besonderes. Wir erfreuen uns hier nicht nur am Anblick des mächtigen Grimming gleich nebenan, sondern auch an den Tiefblicken zum Grundlsee und zum Altausseer See – und dahinter ragt das Tote Gebirge markant in die Höhe (und auch in die Länge…). Das Dachstein-Karstplateau und seinen namensgebenden König sehen wir sowieso von unserem Logenplatz. Ja, es sind manchmal gerade die unscheinbaren „Bergerl“ unter 2.000 Metern, die uns mit der ganzen Pracht von rundherum beglücken. In diesem Fall mit der reichhaltigen Pracht des Obersteirerlandes! (Ich weiß, natürlich sehen wir auch nicht unwesentlich ins Oberösterreichische, aber das sei mir als nicht ganz Unbefangenem hier verziehen…).



Abstieg zur Handleralm
Wir kosten diese Pracht ausgiebig aus und machen uns dann erfüllt an den Abstieg. Nach einem Viertelkilometer retour nehmen wir die Abzweigung zur südöstlich gelegenen Handleralm. Mit dem Tieferkommen erreichen wir einen lichten Wald mit vielen Lärchen in herbstlicher Pracht.
Auch ein paar Preiselbeeren gibt’s für uns – was für ein Genuss für alle Sinne!


Von der idyllisch gelegenen Handleralm auf rund 1.650 Metern wäre der nordseitige Normalabstieg zurück zum Bahnhof Bad Aussee. Diese klassische Variante würden wir auch unbedingt allen empfehlen, die es nicht so mit Wegsuchen auf unmarkierten Steigen haben!
… und über alte Wege zum Ödensee
Wir gehen aber in die andere Richtung, um zum Ödensee zu gelangen. Ab hier ist der Abstieg nicht als markierter Weg in der Bundesamtskarte verzeichnet, sondern nur punktiert. Es gibt für den ersten Abschnitt Richtung Gsprangalm zwei Wege hinunter, wir nehmen den westlicheren, er ist gut erkennbar und tadellos zu gehen. Nach etwa 1,5 km erreichen wir eine Forststraße und eine Art Parkplatz mit vier abgestellten Autos. Der Straße folgen wir einen guten halben Kilometer, bis unterhalb der Gsprangalm der spannendste Teil des Abstiegs beginnt: in diesem Abschnitt heißt es, aufmerksam zu sein, um den Weg nicht zu verfehlen. Ein regelmäßiger Abgleich mit dem Standort auf der digitalen Karte ist sehr hilfreich. Recht oft begangen scheint dieser Weg nicht zu sein, was wir schade finden.
Den auf der Openstreetmap eingezeichneten direkten Steig hinunter zur Sillalm können wir dann nicht finden, das Gelände käme uns auch absurd steil vor. Somit gehen wir gerade weiter, um wieder zu einer Forststraße zu gelangen. Nach etwa einem Kilometer auf dieser biegen wir wieder nach links hinab in den Wald. Ab hier ist der Pfad deutlich erkennbarer, teilweise geht es auch Harvester-Schneisen entlang. Nach gut 7 Stunden an diesem Tag haben wir den Ödensee erreicht, der uns in wunderbarer vorabendlicher Lichtstimmung begrüßt.

Nach kurzer Pause folgen wir dem Weg am Ufer gegen den Uhrzeigersinn, kurz vor der Kohlröserlhütte (Einkehrmöglichkeit, aber keine „Hütte“ erwarten!), drehen wir nach rechts.
Es geht zuerst einen Waldweg entlang, dann kommen wir beim Ödenseemoor vorbei (Naturschutzgebiet)…

…und den letzten halben Kilometer geht es auf Asphalt zum Bahnhof Kainisch (im ÖBB-Jargon nur Haltestelle Kainisch). Von dort fahren wir erfüllt vom schönen Tourentag wieder retour – diesmal über Selzthal und die Pyhrnstrecke.

Fazit
Zugegeben, nicht zuletzt die Wetterdramaturgie hat ganz wesentlich zu unserer Begeisterung von dieser Tour geführt. Aber selbst bei normalem Schönwetter verspricht der Zinken viel Freude zu bringen, allein schon durch seine Lage als großartiger Aussichtsbalkon in einem der schönsten Flecken Österreichs. Für die passenden Zielgruppen werden der unmarkierte Abstieg und der Ödensee mit seinem angrenzenden Moor das Bergerlebnis als Draufgabe wunderbar abrunden.
Wir würden die Tour sicherheitshalber als „schwer“ bezeichnen. Diese Klassifikation bezieht sich dabei auf das „Gesamtpaket“, das maßgeblich von der Länge der Tour und der Wegsucherei beim Abstieg bestimmt wird. Erfahrene werden das wohl eher als mittlere Bergtour sehen, aber es soll sich schließlich niemand in trügerischer Geborgenheit durch eine „mittlere Wanderung“ wähnen.
Die Rundtour zurück zum Bahnhof Bad Aussee wäre dann als „mittel“ zu betrachten (Schwierigkeit laut Alpenvereinaktiv.com bis T3).
Tipps
- Die einzige Quelle hatten wir beim Aufstieg auf ca. 1.440 Meter (in der Karte eingezeichnet). Bei warmen Temperaturen genug Wasser mitnehmen!
- Für den Abstieg zum Ödensee ist eine digitale Karte am Smartphone zumindest äußerst hilfreich (in unserem Fall war sie ehrlich gesagt unerlässlich – die Kombination aus Outdooractive und Mapy.cz hat gute Dienste erwiesen).
- Von der Kohlröserlhütte kann man auch das Salzkammergut-Shuttle nehmen (2,5 Kilometer weniger).



