Grenzüberschreitende Wanderung am Berchtesgadener Hochthron und Untersberg mit Übernachtung im Stöhrhaus

Blick vom Stöhrhaus in der Dämmerung. Foto: Bernhard Walle

Das Berchtesgadener Land ist eine meiner Lieblingsorte in den Bayerischen Alpen. Gut erreichbar mit dem Zug gibt es dort auch schöne Hütten zum Übernachten. Grenzüberschreitende Wanderungen haben irgendwie auch einen besonderen Charme. Gerade hier lassen sich die Vorteile des ÖPNV voll ausspielen, wo man eben nicht auf Rundtouren beschränkt ist oder zum Auto zurück muss.

Der Aufstieg zum Stöhrhaus war nicht wie üblich über Maria Gern, was vor allem dem Umstand geschuldet war, dass ich mir eine längere Busfahrt am Morgen ersparen wollte. Die Anschlüsse des Busses auf den Zug in Berchtesgaden Hbf sind schlecht, leider sind diese auf den anderen Bus optimiert. Rückblickend war ich dann aber doppelt froh, weil doch am Wochenende bei schönem Wetter der Weg recht überlaufen ist.

Der Weg über Maria Gern wird übrigens von Tobias Hecht („Traumhafte 2-Tages-Überschreitung des Untersberg“) beschrieben.
Die zweite Hälfte des zweiten Tages war so nicht geplant. Ich wollte eigentlich die Seilbahn benutzen, nur hatte ich mich vorher nicht informiert, ob sie überhaupt fährt. Ausgerechnet an diesem Tag war die Seilbahn nämlich dann in Revision. So musste ich ungeplant noch den ganzen Weg nach unten laufen. Machbar, aber schon anstrengend, dazu dann später mehr.

Die Schwierigkeit der Tour ist so an meiner oberen Grenze gewesen, da ich Höhenangst habe. Es war dann aber gut machbar. Ich würde die Mittagsscharte aber nicht in Gegenrichtung gehen wollen. Andererseits war der Reitsteig nach unten recht rutschig, bei trockenem Boden wäre es deutlich angenehmer gewesen.

Aber zu einfach ist auch langweilig, und insgesamt war es eine sehr schöne Tour bei bestem Spätsommerwetter! Vielleicht sogar mein Highlight des Sommers.

Steckbrief

Tag 1: Hallthurm – Stöhrhaus8 km, +1.200 hm, einfach, SAC T2
Tag 2: StöhrhausZeppezauerhaus – Fürstenbrunn12 km +300/-1.700 hm, mittel, SAC T3
Alternative mit Seilbahn: StöhrhausUntersbergbahn5 km, +300/-400 hm, mittel, SAC T3

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Hallthurm – Stöhrhaus

Der Tag beginnt sonnig, und so wird es auch den ganzen Tag lang bleiben. Ich hatte in Bad Reichenhall übernachtet, die Anfahrt von Nürnberg hierher und der Aufstieg an einem Tag waren mir dann doch zu anstrengend. Von Bad Reichenhall ist es dann nur eine kurze Busfahrt bis Hallthurm. Auf der Karte sieht man den alten Bahnhof an der Bahnstrecke Bad Reichenhall – Berchtesgaden, der aber nicht mehr bedient wird. Und so muss man Bus fahren, obwohl man eigentlich Zug fahren könnte. Es gibt wohl seit Ewigkeiten Pläne für eine Reaktivierung des Bahnhofs. Die Busse sind hier am Wochenende bei schönem Wetter auch immer sehr voll.

Bei der Bushaltestelle überquert man die Bundesstraße und Bahnstrecke und startet dann „dahinter“ auf der Forststraße die Wanderung. Das erste Stück könnte man auch noch mit dem Auto fahren, wobei es weiter hinten nur mit Ausnahmegenehmigung erlaubt ist. Auf den Parkplätzen hat man leider gesehen, dass sich nicht alle dran halten. Zumindest lag nicht überall hinter der Windschutzscheibe die erforderliche Genehmigung.

Man folgt dem Weg nach oben und den Markierungen. Den Anfang im Wald empfinde ich immer als recht zäh, aber bald hat man dann aber zumindest gelegentlich schöne Ausblicke auf das Tal.

Blick über das Tal Richtung Berchtesgaden. Foto: Bernhard Walle
Blick über das Tal Richtung Berchtesgaden. Foto: Bernhard Walle

Nach dem Scheibelkopf hat man dann die Waldfläche geschafft und es kommt eine Almwiese. Wir befinden uns nun auf rund 1.400 Metern, haben also 700 Höhenmeter geschafft. Halbzeit.

Almwiese mit Blick auf das, was uns erwartet. Foto: Bernhard Walle
Almwiese mit Blick auf das, was uns erwartet. Foto: Bernhard Walle

War der Weg anfangs noch ein breiter Forstweg, so dominiert danach ein normaler Wanderpfad ohne besondere Schwierigkeiten. Kurz danach kommt die Zehnkaser Alm, wo auch Getränke verkauft werden.

Jetzt trifft der Aufstieg von Maria Gern – der Stöhrweg – auf unseren Aufstieg, und es geht etwas lebhafter zu.

Eine Kuh genießt den Ausblick. Foto: Bernhard Walle
Eine Kuh genießt den Ausblick. Foto: Bernhard Walle
Blick auf die Wand des Berchtesgadener Hochthron. Foto: Bernhard Walle
Blick auf die Wand des Berchtesgadener Hochthron. Foto: Bernhard Walle

Weit ist es nicht mehr, aber jetzt wird es wieder steiler. Die Hütte ist schon sichtbar.

Stöhrhaus. Foto: Bernhard Walle
Stöhrhaus. Foto: Bernhard Walle

Auf 1.800 Metern sind wir über der Baumgrenze, der Ausblick ist schon jetzt einfach wundervoll.

Was macht man, wenn man schon um 15 Uhr ankommt? Erstmal was essen und trinken auf der sonnigen Terrasse. Und dann einchecken. Ich habe relativ spontan mit einer Woche Vorlauf ein Doppelzimmer bekommen, wohl durch eine Stornierung. Das andere Bett blieb frei.

Die Zimmer im ersten Stock (Doppelzimmer, Vierbettzimmer, Sechsbettzimmer) sind alle schön und geräumig. Im Dachgeschoss befindet sich ein großes Matratzenlager, welches ich etwas gedrängt empfand. Mit ein paar Trennwänden hätte man das meiner Meinung nach besser gestalten können. Duschen gibt es keine, das Wasser ist nicht trinkbar. Steckdosen gibt es in den Zimmern und unten am Gang.

Nach einer Stärkung bleibt genug Zeit, die Umgebung zu erkunden. Den Hüttengipfel – also den Berchtesgadener Hochthron – habe ich mir gespart, da komme ich morgen eh vorbei. Stattdessen bin ich auf eine klein Anhöhe „gegenüber“ der Hütte gegangen, dort kann man in Ruhe die Hütte fotografieren und die Aussicht genießen. Dem Boden zu Urteilen scheint dort öfters Lagerfeuer gemacht zu werden.

Zeit für Abendessen, den Sonnenuntergang und das Licht danach. Ich hätte noch viele weitere Bilder. Es wurde schnell frisch da oben auf 1.894 Meter.

Knödel dürfen auf keiner Hütte fehlen. Foto: Bernhard Walle
Knödel dürfen auf keiner Hütte fehlen. Foto: Bernhard Walle
Sonnenuntergang am Stöhrhaus bei klarem Himmel. Foto: Bernhard Walle
Sonnenuntergang am Stöhrhaus bei klarem Himmel. Foto: Bernhard Walle

Besonders beeindruckend finde ich am Abend ja auch immer die Lichtverhältnisse:

Blick vom Stöhrhaus in der Dämmerung. Foto: Bernhard Walle
Blick vom Stöhrhaus in der Dämmerung. Foto: Bernhard Walle

Stöhrhaus – Berchtesgadener Hochthron – Untersbergbahn

Mäßig gut geschlafen. An der Hütte lag’s nicht, ich habe nach so Tagen vielmehr das Problem, „runterzukommen“, was dann zu eher schlechtem Schlaf führt. Wetter ist wieder gut, allerdings soll es dann am Nachmittag bewölkter werden, nachts wird es dann regnen. Der Sonnenaufgang ist Anfang September ja nicht allzu früh, zumal im Gebirge, insofern kam ich in den Genuss desselben ohne früh aufstehen zu müssen: es war 7:24 Uhr.

Sonnenaufgang. Foto: Bernhard Walle
Sonnenaufgang. Foto: Bernhard Walle

Beim Frühstück konnte man am Abend bei der Bestellung zwischen mehreren Varianten wählen. Es gibt also kein Buffet. Ich kann es einerseits verstehen, um zu vermeiden, dass die Leute Essen einpacken, andererseits könnte man zumindest bei Getränken dann schon großzügiger sein, zumal man dann ohnehin das Wasser für unterwegs noch kaufen muss, da das Leitungswasser aus Regenwasser besteht und nicht trinkbar ist.

Frühstück. Foto: Bernhard Walle
Frühstück. Foto: Bernhard Walle

Die Hütte wurde vor ein paar Jahren erst renoviert, entsprechend modern gestaltet sich das Innenleben. Gefällt mir gut!

Um 9 Uhr komme ich los. Ich muss um allerspätestens 13:30 Uhr an der Bergstation der Seilbahn sein, damit ich noch den Zug erreiche für den zweiten Teil meines Urlaubs in Richtung Semmering. Es sollte anders kommen.

Der Berchtesgadener Hochthron ist nur eine Viertelstunde von der Hütte entfernt. Am Gipfel hat man einen tollen Blick in alle Richtungen.

Blick in Richtung Stöhrhaus vom Berchtesgadener Hochthron. Foto: Bernhard Walle
Blick in Richtung Stöhrhaus vom Berchtesgadener Hochthron. Foto: Bernhard Walle
Eine Alpendohle am Hochthron. Foto: Bernhard Walle
Eine Alpendohle am Hochthron. Foto: Bernhard Walle

Von dort geht es weiter Richtung Salzburger Hochthron und Bergstation der Untersbergbahn. Ich bin noch ganz gut in der Zeit, komme aber auch langsamer voran als gedacht. Zudem habe ich relativ wenig Wasser dabei: es gab eine 1,5-Liter-Flasche zu kaufen, ich nehme aber normalerweise 2 Liter mit. Nachdem die Sonne vom Himmel, brennt ärgere ich mich über meine Sparsamkeit und über die Hütte. Mir wäre lieber gewesen, sie würden keine Plastikflaschen verkaufen sondern Kanister aus dem Tal mit Leitungswasser transportieren, wo man sich dann individuell Wasser abfüllen kann. Klassischer Bergwanderweg (T2).

Es gibt erstmal wenig markante Stellen. Toller Ausblick, über der Baumgrenze, mehr oder weniger auf einer Höhe mit leichtem Auf und Ab.

Vor der Mittagsscharte steigt man erstmal etwas ab, um dann wieder aufzusteigen. Von unten aus betrachtet kann ich die Schwierigkeit schlecht einschätzen. Tatsächlich sind dann immer mal wieder so „Leitern“, einmal eine Seilversicherung. Von unten nach oben und bei trockenem Wetter geht es gut.

Blick auf die Mittagsscharte. Foto: Bernhard Walle
Blick auf die Mittagsscharte. Foto: Bernhard Walle

Wenn man den direkten Abstieg einplant, ohne Seilbahn, gäbe es hier vor der Mittagsscharte noch einen Abzweig in Richtung Fürstenbrunn wo man sich den Reitsteig sparen kann. Das ist die einfachste Variante und wäre meine Empfehlung.

Nach der Scharte wird es dann wieder einfach. Ich lasse aus Zeitmangel den Salzburger Hochthron (1.853 Meter) und den Geiereck (1.805 Meter) aus und nehme den Weg dran vorbei. Man braucht schließlich einen Grund, um nochmal hierher zu fahren!

Am Fuße des Salzburger Hochthron. Foto: Bernhard Walle
Am Fuße des Salzburger Hochthron. Foto: Bernhard Walle

Kurz drauf sind der Geiereck und die Bergstation der Seilbahn schon sichtbar. Ich freue mich auf etwas zu trinken und zu essen. Allerdings kommt es mir langsam erstaunlich ruhig vor. Bei einer Seilbahn müssten doch mehr Leute unterwegs sein? Ich ahne schlimmes.

Geiereck und Hochalm. Foto: Bernhard Walle
Geiereck und Hochalm. Foto: Bernhard Walle

Und so kam es dann auch: Gastronomie zu, Seilbahn zu. Revision. Hätte ich nicht die Hüttenwirte noch nach den Zeiten („fährt ständig“) gefragt. Auf der Hütte war schlechter Mobilfunkempfang, trotzdem wäre es wohl irgendwie möglich gewesen, die Webseite aufzurufen.

Was also tun? Erstmal eine E-Mail an die gebuchte Pension, dass ich heute nicht kommen werde. Ich werde wohl in Salzburg übernachten müssen, aber da wird sich schon was finden. Und dann überlegen, wie ich nach unten komme.

Der natürliche Abstieg wäre der Reitsteig vom Zeppezauerhaus. Vorteil: ich könnte dort noch was essen und trinken. Nachteil: der Reitsteig ist als rot gekennzeichnet, also mittel. Man weiß nie, was das im Detail bedeutet. Theoretisch könnte ich natürlich dort nach einer Übernachtung fragen, aber das verschiebt das Problem irgendwie nur.

Alternative: wieder zurück und vor der Mittagsscharte nach unten. Das sind aber dann nochmal mehr Höhenmeter. Ich frage einen jungen Mann, der offensichtlich aufgestiegen ist. Er gibt mir sogar eine Banane und was zu trinken und meint, er hätte selbst etwas Höhenangst und es wäre machbar.

Okay. Also erstmal zur Hütte, etwas stärken und dann nach unten. Diese Umplanung hat mich dann aber im Endeffekt auch Zeit gekostet, die am Ende fehlen wird.

Bergstation der Untersbegbahn, kein Mensch weit und breit, Revision. Foto: Bernhard Walle
Bergstation der Untersbegbahn, kein Mensch weit und breit, Revision. Foto: Bernhard Walle

Trotz der doch knappen Zeit muss eine Pause am Zeppezauerhaus sein. Der Hüttenwirt ist recht wortkarg was die Schwierigkeit des Reitsteigs betrifft („is halt a roter Steig“). Hilft ja nichts.

Langsam wird es wolkiger, aber das Wetter wird nicht das Problem sein. Zunächst geht es weiter als normaler Wanderweg. Dann kommt der eigentliche Reitsteig.

Im Prinzip eine unendliche Ansammlung von Treppen aller Bauarten, die leider recht rutschig sind. Vor mir fliegt dann auch jemand hin und prellt sich die Schulter, insofern ist meine Angst durchaus berechtigt. Umgekehrt nach oben wäre es mehr ein konditionelles Problem und bei trockenem Boden hätte ich mir auch leichter getan.

Reitsteig. Foto: Bernhard Walle
Reitsteig. Foto: Bernhard Walle
Blick nach Salzburg. Foto: Bernhard Walle
Blick nach Salzburg. Foto: Bernhard Walle

Wirklich empfehlen kann ich den Weg als Abstieg nicht. Ich werde mit einem richtig heftigen Muskelkater in den nächsten Tagen belohnt, der mich zum Umplanen zwingt. Aber besser als eine Schulterprellung. Gefühlt endet der Steig auch nie, man kommt quasi auch auf dem GPS nicht voran, weil es „nur“ Höhenmeter sind und man mehr oder weniger fast auf der Stelle bleibt.

Zum Schluss kommt man dann über einen normalen Forstweg nach Fürstenbrunn. Die dortige Gaststätte hat leider kein Zimmer mehr frei, mit dem Bus, der jede halbe Stunde fährt, komme ich nach Salzburg und übernachte am Bahnhof in einem Hotel.

Fazit

Aus Fehlern lernt man bekanntlich. Dass ich mich im Vorfeld über die Fahrzeiten einer Seilbahn nicht informiere, wird mir sicher im Leben nicht mehr passieren.

Ansonsten war es eine wirklich tolle Tour bei bestem Spätsommerwetter. Die nicht fahrende Seilbahn hat immerhin für Ruhe am zweiten Tag dort oben gesorgt.

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   2 Tage Wandern   1.500 HM   1.700 HM   20 km   GPX Track

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