Die Ristfeuchthorn Überschreitung

Foto: Karl Plohovich

Ein Kleinod im BGL

„Ich war am Ristfeuchthorn.“ – Meine Bekannte schaut mich erstaunt an: „Wo ist das?“
Obwohl dieser Gipfel von der Stadt Salzburg aus zu sehen ist, wird er dennoch übersehen. Jeder kennt die Riesen im Berchtesgadener Land: allen voran den Watzmann. Wenn die hohen Gipfel in Wolken sind, die Zeit oder die Kondition oder die Motivation nicht reichen: Das Ristfeuchthorn ist ein schönes und wahrlich anspruchsvolles „Ersatzprogramm“.

Mich erinnert das Ristfeuchthorn, von Salzburg aus gesehen, an die Silhouette eines kahlen Schädels. Nähert man sich, so wird diese Berggestalt immer abweisenden: Wie soll es da einen Weg hinauf geben?

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Direkt von der Bushaltestelle geht es einige Meter auf einem Fahrweg über eine Wiese, dann in einer scharfen Linkswendung einem Zaun entlang und dem Wegweiser nach in den Wald.

Der ideale Einstieg einer ÖFFI-Tour – und alles gut beschildert. Foto: Karl Plohovich
Der ideale Einstieg einer ÖFFI-Tour – und alles gut beschildert. Foto: Karl Plohovich

Den Aufstieg will ich in sieben oder acht Etappen gliedern, die immer wieder einen anderen Charakter aufweisen:
Da ist zunächst der steile Wald: Der schmale Steig – Schuhsohlen haben das Buchenlaub zerrieben – windet sich derart unbeirrbar nach oben, dass man meint, über eine Treppe einen Kirchturm zu besteigen.

Dann zieht der Weg – er ist so schmal, dass man bei Gegenverkehr eine Ausweiche suchen müsste; dies gilt für viele Teile der Tour – immernoch in beachtlichem Gefälle weit nach rechts (NO). Der lichte Wald verwandelt den Boden in eine Wiese. Das lange Gras, offenbar Wohnort unzähliger Zecken in allen Größen, streift an den Hosenbeinen. Der Lärm des Tales verschwindet langsam. Ausnahme: Ein Motorradfahrer hat Freude daran, sein Hinterrad so richtig auf Touren zu bringen.

Immer wieder ausgesetzte Stellen – schöne Ausblicke und tiefe Einblicke. Foto: Karl Plohovich
Immer wieder ausgesetzte Stellen – schöne Ausblicke und tiefe Einblicke. Foto: Karl Plohovich

Schließlich erreicht man einen flacheren Bereich, der – welch Überraschung – in ein kleines Tälchen leitet. Hier ist der Weg bei (Stark)Regen wohl ein wilder Bach.

Der nächste Abschnitt ist durch entwurzelte Buchen dominiert – vermutlich eine Folge des massiven Wintereinbruchs Mitte September 2024. Welch Mühe, die Motorsägen bis hier herauf zu schleppen, um den Weg so vorbildlich freizulegen!

Und dann folgt bald die größte Überraschung dieses 1000 Höhenmeter Aufstiegs: eine zauberhafte Wiese mit einer Hütte, die auf den ersten Blick an eine Kapelle erinnert. Sie blinzelt mir verschmitzt zu: „Gelt, das hast du nicht erwartet!“ –

Augenzwinkernde Hütte – aber leider ohne Brunnen. Foto: Karl Plohovich
Augenzwinkernde Hütte – aber leider ohne Brunnen. Foto: Karl Plohovich

Weiter geht es, bereits viel flacher, über lichte Wald-Wiesen bergan und schließlich wieder nahe der Südabstürze in leichtem Auf und Ab zur Abzweigung der Gipfeletappe.  

Fast geschafft – die Wegkreuzung. Foto: Karl Plohovich
Fast geschafft – die Wegkreuzung. Foto: Karl Plohovich

Diese führt durch Latschengassen zu einem kleinen, freien Platz mit Bank und Kreuz.

Bayerische Idylle. Foto: Karl Plohovich
Bayerische Idylle. Foto: Karl Plohovich

Nur nach Inzell verdecken die Bäume die Sicht, die über Staufen, Bad Reichenhall, Salzburg, Untersberg, Lattengebirge, Watzmann, Reiteralm bis zu den Loferer und Leoganger Steinbergen reicht.

Thumsee – Bad Reichenhall - Salzburg. Foto: Karl Plohovich
Thumsee – Bad Reichenhall – Salzburg. Foto: Karl Plohovich

Der Abstiegsweg führt von der Abzweigung zunächst flach, dann steiler und dann wieder flach meist genau entlang des Übergangs von der steilen Südseite zum Plateau schließlich in einen schönen Hochwald. Bald tritt man auf eine Wiese:

Eine Kuh müsste man sein – oder eine Gämse? Hinten das Sonntagshorn. Foto: Karl Plohovich
Eine Kuh müsste man sein – oder eine Gämse? Hinten das Sonntagshorn. Foto: Karl Plohovich

die Sellarnalm ist erreicht (Wasser!).

Die Sellarnalm. Foto: Karl Plohovich
Die Sellarnalm. Foto: Karl Plohovich

Der weitere Weg dieser Überschreitung ist eine Straße, doch nicht eine breite Forststraße, sondern ein alter Fahrweg zur Alm: meist spenden die Baumkronen Schatten, berühren einander.

Im Pernauer Graben. Foto: Karl Plohovich
Im Pernauer Graben. Foto: Karl Plohovich

Tiefblicke in die Schlucht des Vorderen Steinbachs und dann der muntere Wasserlauf im Pernauer Graben bieten reichlich Abwechslung. Und: nach wenigen Metern Asphalt ist man auch schon bei der Bushaltestelle, um die Rückreise anzutreten.

Bestechend: diese Tour (man kann sie natürlich in beide Richtungen unternehmen; die beschriebene Richtung ist aber die richtige!) beginnt und endet auf gut gepflegten, markierten Wegen unmittelbar an einer Bushaltestelle!

Wem – mitunter kniehohe – Stufen mühsam sind und wem ausgesetzte Wegstrecken nicht nur Respekt, sondern Angst einjagen, der sollte die Überschreitung des Ristfeuchthorns von seiner Wunschliste streichen.

Einer der Tiefblicke nach Schneizlreuth. Foto: Karl Plohovich
Einer der Tiefblicke nach Schneizlreuth. Foto: Karl Plohovich

Die anderen werden als Souvenir nicht nur Zecken (bei mir waren es fünf) mit nach Hause nehmen, sondern er/sie wird – wenn SalzburgerIn – den Gruß des mächtigen Felsschädels von der Stadt aus mit einem Winken oder Zwinkern erwidern!

Zwischen Lattengebirge und Staufen: Rabensteinhorn – Ristfeuchthorn - Sonntagshorn. Foto: Karl Plohovich
Zwischen Lattengebirge und Staufen: Rabensteinhorn – Ristfeuchthorn – Sonntagshorn. Foto: Karl Plohovich

P.s: Wem es nur um den Gipfel geht, der kann – von Salzburg – mit dem (E-)Rad bis auf die Sallarnalm fahren. Dann sind es nur mehr 400 Höhenmeter.

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   5:30 Std Wandern   1.050 HM   1.000 HM   11.5 km   GPX Track

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Ein Kommentar

  1. Alternativ zur Sellarnalm kann man den Abstieg davor auch nach Weißbach und die Weißbachschlucht machen. Da geht man nach Norden einen recht langen Forstweg bis man zur Schlucht kommt. Macht das ganze ca. 3 Kilometer länger.

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