Mallnitz Seebachtal 2

Auf Sommerfrische in Mallnitz

Jedes Jahr im Februar beginnt es im Herz meiner Schwester Liz,  die mit ihrem holländischen Mann in Edinburgh lebt und in meinem,  zu rumoren. Sehnsucht macht sich breit und wir beginnen, Ideen für die jährliche August-Bergwoche mit Mama zu sammeln.

Gästehaus Kofler in Mallnitz
Gästehaus Kofler in Mallnitz

Wir sind immer auf der Suche nach einer Mischung aus Haus im Ennstal und Dölsach bei Lienz, wo wir drei Mädchen jeden Sommer ab 4+ zwei Wochen mit den Eltern verbracht haben. Später auch unsere jeweiligen Partner und Familien mitgeschleppt haben.  Dieser Familienurlaub fand bis vor kurzem immer noch  in Weißenbach bei Haus im Ennstal statt, aber die Gegend dort ist Liz und mir Mitte August zu voll geworden. Der Umbau in eine Art Alpendisneyland schreitet leider zügig voran.

Ich bin immer noch der Meinung, dass für Kinder ein Bach, Wald, Wiese und ein paar Kletterfelsen der beste Naturspielplatz ist. Ich hoffe, dass auch meine Söhne die Liebe zu den Bergen wieder finden werden, jetzt an der Grenze zum Erwachsensein. Im Moment sind sie ja nicht so interessiert, aber das war ich auch einige Jahre lang nicht … ich hab die beiden, so lange es ging, mitgenommen – auch auf weitere Touren, Millionen Geschichten und  bombastische Geburtstagsfeste wurden zusammenphantasiert um sie bei Laune zu halten. Am Ende der Tour durfte ich ihnen dann während meines Belohnungsradlers im Tal beim Trampolinspringen zuzusehen (von wegen – ich kann nimmer).

Veitbaueralm
Veitbaueralm

Mallnitz

So sind wir heuer zum zweiten Mal in Mallnitz gelandet. Nationalpark Hohe Tauern, Alpine Pearls, erreichbar mit dem Railjet direkt aus Wien, schöne Talrunden, Wanderbus und Wandertaxis, (Alpenvereinskarte mitnehmen), schöne Almen und unendlich viele Tourenmöglichkeiten in den schönsten und höchsten Bergen Österreichs,  Heidelbeer- und Schwammerljagdgründe.

Mallnitz selber ist eine Mischung aus heimeliger Gemütlichkeit mit viel Retrocharme, verblasster Grazie, viel Geschichte, frühem Alpinismus (Erschließung durch den DAV, deshalb hat hier alles deutsche Namen – was uns zuerst sehr überrascht hat) und Null Disneyworld. Auf den ersten Blick gibt’s hier nicht viel, auf den zweiten alles, was man braucht:

Einen Supermarkt, daneben ein Standl mit superguter Pizza, ein Bad, in dem die Badwirtin wirklich gut kocht, eine schräge belgische Bierbar, wo man sich nach der Tour belohnen kann (belgisches Bier macht glücklich), ein einziges großes Bushotel vor allem für holländische Busse (kann man getrost auslassen), ein winziger Souvenirladen (früher mal ein Fotogeschäft) der von einer liebenswerten alten Dame geführt wird, Bäckerei, Trafik, Sportgeschäft, ein nettes Restaurant mit guter Küche im Hotel Egger gleich neben dem Bushotel, einige im Sommer leer stehende alte Hotelkästen und ein Nationalparkzentrum, wo man sich die aktuelle Wanderkarte um € 4,00 holen sollte, die Ankogelbahn, einer der ältesten Gondelbahnen Österreichs. So retro wie die die Bahn sind auch viele Gäste, die wir hier oben treffen: Bergfexe mit wettergegerbten Gesichtern unter dem  Piz Puin Kapperl . Wunderbar.

Mallniitz Seebachtal
Mallniitz Seebachtal

Als Einstiegstour am Sonntag haben wir nach der Ankunft zu Mittag und Stationierung im  Gästehaus Kofler (sehr empfehlenswert – große Wohnung, ruhig, nette Wirtin, gleich neben allem ) die Seebachtal Runde zur Schwussnerhütte gewählt. Das geht sich gut an einem Nachmittag aus, das Essen auf der Hütte ist köstlich ( Kaasnudel, Fleischnudel, Frigga, Heidelbeersaft … ) Man geht neben einem türkisen Gebirgsbach über einen See und einen  Waldweg hin und auf der Almstraße wieder zurück.

Montag schlägt das Wetter leider komplett um, kalt, nass, nebelig, gewittrig. Das heißt, der Plan auf das Säuleck zu gehen, scheitert. Wir probieren trotzdem höher rauf  zu kommen und fahren mit dem Wanderbus zur Jamnigalm und gehen von dort zur Hagenerhütte über die alte Römerstraße  – die Markierungen wurden aus Rücksicht aufs Almvieh entfernt und der Weg ist kaum mehr ersichtlich, was im Nebel recht lustig ist. Der normale Weg führt nun über eine Almstraße (gehtechnisch fad). Auf halbem Weg und Sichtweite bei 20 Metern schneidet neben uns ein Schuss durch den Nebel. Mulmig. (Später erfahren wir, dass hier ein angehender Jäger seine Prüfung abgelegt und ein Murmeltier geschossen hat).

Am Weg zur Hagener Huette
Am Weg zur Hagener Huette

Die Hagenerhütte thront auf dem Grat zwischen Goldeck- und Ankogelgruppe,  zwischen Kärnten und Salzburg. Nach einer wärmenden Suppe verlassen wir die Hütte gegen Mittag. Die schwedische Wandergruppe, die kurz hinter uns war, wird vom (Bilderbuch-)Hüttenwirt ungeduldig erwartet, taucht aber nicht auf. Wir haben den Verdacht, dass sie an der Hütte, die im Nebel unsichtbar war, vorbei gegangen ist.

Wir machen uns durchs Nassfeld auf den Weg runter nach Sportgastein. Es ist  fast nicht auszuhalten, wir sehen nix. Dann endlich steigen die Nebelschwaden auf und lassen uns die gewaltige Landschaft erahnen. Nach einem Almbutterbrot und Häferlkaffee auf der Veitbaueralm gehen wir zum Valeriehaus und nehmen von dort den Wanderbus über die Gasteiner Alpenstraße nach Bad Gastein zurück in die Zivilisation.

In Bad Gastein sind aber zu viele Menschen. Wir besuchen das kleine Cafe Schuh auf der Kaiser Wilhelm Promenade neben dem wunderbaren Hotel Excelsior, wo ich Ende Mai ein paar Tage verbringen durfte,  aber das ist eine andere Geschichte.

Der Railjet bringt uns durch die Tauernschleuse in 11 Minuten nach Mallnitz zurück. Gegangen sind wir 5 Stunden. Der Weg lässt sich in alle Richtungen erweitern und ist bei Schönwetter ein absoluter Traum. Es gibt auch noch einen zweiten Steig über den Korntauern mit gleichen Endpunkten, die beiden kann man zu einer ausgiebigen Runde verbinden. Der Blick auf das Niedersachsenhaus vom Valeriehaus in Sportgastein hat uns sehr neugierig gemacht und Säuleck und Lonza stehen auch immer noch da !  

Wir werden wieder kommen müssen (oder doch lieber Osttirol hm…?)

Watzinger Hütte
Watzinger Hütte

Da das Wetter sich nicht ändert, besuchen wir die beiden Schluchten zwischen Mallnitz und Obervellach, touren schwammerlsuchend durch die Mallnitzer Wälder auf die Watzinger Alm (absolut empfehlenswert – alles liebevollst hausgemacht) und von Mallnitz über einen wunderschön angelegten Waldsteig zur Jamnigalm – Heidelbeeren pflücken (= 1 Kuchen + 2 Gläser Marmelade).

Super. Jetzt beim Schreiben hab ich schon wieder feuchte Augen vor lauter Sehnsucht.

Zum Weiterlesen:

Unsere Beute: Herrenpilze
Unsere Beute: Herrenpilze und Eierschwammerl

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